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PFERD UND REITER VOLLE KONZENTRATION


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Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 110/2022 vom 07.10.2022

THEMA DES MONATS

Artikelbild für den Artikel "PFERD UND REITER VOLLE KONZENTRATION" aus der Ausgabe 110/2022 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 110/2022

Ein Pferd, das gut im Training ist und Vertrauen zu seinem Reiter hat, kann enorme Konzentrationsleistungen vollbringen

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Legen Sie regelmäßig Pausen ein, in denen Sie auch mal den Blick schweifen lassen können

Die einfachen Wechsel klappen im Training schon richtig gut. Mit feinen Hilfen kann Louisa ihren siebenjährigen Wallach Filou aus dem Galopp zum Schritt durchparieren und nach wenigen Schritten wieder angaloppieren. Die beiden schafften in diesem Jahr den Sprung von der Dressur-Klasse-A zur L-Dressur und wurden sogar mit ein paar Schleifen belohnt. Doch nicht jedes Turnier war ein Erfolg. „Entweder wir reiten richtig gut, oder es geht gefühlt alles schief und es passieren Fehler, und Filou ist mit dem Kopf gar nicht mehr bei mir“, erzählt Louisa. So wie vergangenes Wochenende: Schon in der Abreitehalle wirkt das Paar sehr unkonzentriert. Die junge Reiterin hat dafür im Nachhinein ...

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... mehrere mögliche Erklärungen: „In der Halle war es sehr voll und hektisch.

Zu- dem habe ich mir selbst Druck gemacht, gut zu reiten, weil ich dachte, dass mein Trainer hohe Erwartungen an mich hat. Dann hatte ich noch einen Vortrag im Kopf, den ich zwei Tage später halten sollte. All das hat dazu geführt, dass mir ständig andere Gedanken durch den Kopf gehuscht sind.“

Der Kreislauf der Nervosität

Auf dem Prüfungsplatz ist Filou ungewohnt nervös. Er verspannt sich immer mehr und hält den Rücken sichtbar fest. Die sonst so sichere Grußaufstellung wird zur kleinen Tanzaufführung, und in der Trabverstärkung schleicht sich ein Taktfehler ein. Dann die Galopptour: „Ich konnte mich plötzlich nicht mehr richtig an den Rest der Aufgabe erinnern. Zwar bin ich dann trotzdem korrekt geritten, aber sehr hektisch. Das hat auch zu unvorbereiteten Paraden geführt“, berichtet Louisa. Ihr Wallach pariert beim ersten einfachen Wechsel zum Trab anstatt zum Schritt durch, und beim zweiten Wechsel kommt Louisas Hilfe viel zu stark durch, sodass Filou eine regelrechte Vollbremsung hinlegt. Das Beispiel zeigt, wie sehr sich ein Mangel an Konzentration des Reiters auch auf das Pferd auswirken kann.

Die Gründe dafür können vielfältig sein – von kreisenden Gedanken über Anspannung oder Stress bis hin zu mangelnder Übung. Schließlich müssen wir auch als Reiter die Fähigkeit, uns zu konzentrieren, erst entwickeln. Umgekehrt beeinflusst auch die Aufmerksamkeit des Pferdes wiederum den Reiter und sein Gefühl im Sattel. Ein unsicherer, weniger geübter Reiter wird sich dabei von einem unkonzentrierten Pferd meist schneller aus der Ruhe bringen als einer, der beispielsweise schon lange Jungpferde anreitet, so wie Steffen. Der Bereiter arbeitet seit vielen Jahren mit Nachwuchspferden, stellt sie auf den ersten Turnieren vor und zeigt ihnen sozusagen die (Reiter-)Welt. Für ihn ist es völlig normal, dass ein Vierbeiner nervös ist und sich vor lauter neuen Eindrücken nicht konzentrieren kann. „Meine Erfahrung gibt mir die nötige Ruhe, dem Pferd Sicherheit zu vermitteln und es langsam an seine Aufgaben heranzuführen. 

Dabei versuche ich immer, darauf zu achten, es nicht zu überfordern“, betont Steffen.

Ohne Wasser geht es nicht

Unser Gehirn besteht zu mehr als 70 Prozent aus Wasser. Wenn wir zu wenig trinken, wird die Durchblutung im Gehirn reduziert, und die Gehirnzellen verfügen über weniger Energie. Das wirkt sich negativ auf Denkprozesse sowie Konzentrations- und Lernfähigkeit aus. Fangen Sie schon morgens nach dem Aufstehen mit dem Trinken an, und nehmen Sie sich auch Wasser zum Stall mit. Bei kälteren Temperaturen kann zudem ein Tee in einer Thermoskanne guttun.

Souverän Sicherheit geben

Souveränität und eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit neuen, ungewohnten Situationen sind nicht nur bei jungen Pferden Gold wert. Ein Reiter, der weiß, wie er wann reagieren soll, kann gelassener bleiben und bedachter agieren. Für den Vierbeiner heißt das: Mein Mensch hat alles unter Kontrolle, ich kann mich an ihm orientieren und mich in seiner Gegenwart sicher fühlen. Pferde sind und bleiben sowohl Herden- als auch Fluchttiere. Fehlt das Vertrauen zum Reiter, sind äußere Reize schneller eine potenzielle Gefahrenquelle. Das Pferd ist ständig in Habachtstellung und lässt sich eher ablenken. Womöglich schätzt es Situationen auch als deutlich gefährlicher ein, als sie wirklich sind. Stellen Sie sich vor, Sie machen eine Nachtwanderung mit einer Freundin durch einen Ihnen unbekannten Wald.

Sie wissen, dass es dort Wildschweine gibt, und hören ein Knacken im Gebüsch hinter Ihnen. Sie erschrecken sich und achten mit einem Auge auch auf die Reaktion Ihrer Freundin. Bleibt diese ruhig, schaffen Sie es auch eher, wieder tiefer durchzuatmen. Gerät Ihre Begleitung jedoch in Panik, dann werden Sie womöglich ebenso schnell die Beine in die Hand nehmen und die Flucht ergreifen. Auch Pferde geraten beim Training durchaus manchmal in Situationen, in denen sie das Gefühl haben, dass Wegrennen die einzige Option ist. In solchen Momenten kann nicht einfach von jetzt auf gleich volle Konzentration gefordert werden. Vielmehr ist es wichtig, diese von Grund auf immer wieder zu fördern und so die Aufmerksamkeit des Pferdes Schritt für Schritt zu erhöhen.

Konzentration entwickelt sich

Während sich junge beziehungsweise weniger trainierte Pferde anfangs nur kurz konzentrieren können, entwickelt sich diese kognitive Fähigkeit im Laufe der Ausbildung im besten Fall immer weiter. Ihrer Natur nach haben Pferde, ähnlich wie Kinder in der Schule, eine eher geringe Aufmerksamkeitsspanne. Daher sind kurze Trainingseinheiten oft effektiver als ein langes, ermüdendes Im-Kreis-Reiten. Bauen Sie die Übungen langsam auf und arbeiten Sie dann ganz gezielt an gewissen Punkten. Denken Sie zudem an regelmäßige Pausen – in diesen kann Ihr Vierbeiner neue Kraft sammeln und gleichzeitig das Gelernte verinnerlichen. Auf die Pause folgt die nächste Konzentrationsphase. Ähnlich sieht es übrigens mit der Frustrationstoleranz aus: Auch hier heißt es üben und dem Pferd Zeit geben, sie zu entwickeln. Für Filou war zum Beispiel das Rückwärtsrichten ein Riesenthema. „Er hat sich unter dem Sattel immer völlig in seine Aufregung hineingesteigert und ist entweder rückwärts geschossen oder hat sich rausgehoben und zugemacht“, erinnert sich seine Reiterin.

Aufmerksamkeit und Konzentration

Aufmerksamkeit ist eine Fähigkeit, die sich entwickelt. Wie gut das gelingt, ist zum einen von bestimmten Genen, aber auch von Erfahrungen sowie der Lerngeschichte des Menschen abhängig.

Ist unsere Aufmerksamkeit schließlich gut ausgebildet, können wir unter anderem besser Ablenkungen ausblenden, uns bestimmten Aufgaben oder Inhalten zuwenden und einzelne Reize aus der Umwelt filtern. Hingegen ist Konzentration eigentlich nur ein Teilbereich der Aufmerksamkeit. Unter Konzentration wird in der Psychologie die gewollte Fokussierung der Aufmerksamkeit auf ein Thema verstanden. Dabei kann dieses Thema ein Ziel sein oder die Lösung einer Aufgabe sein. Wir sind konzentriert, wenn wir uns über einen längeren Zeitraum auf eine bestimmte Aufgabe beziehungsweise eine bestimmte Sache einlassen können. Je besser oder höher unsere Konzentrationsfähigkeit ist, desto länger sind wir in der Lage, uns auf ein Ziel zu fokussieren. Allerdings lauern überall Ablenkungen, die das konzentrierte Reiten manchmal schwermachen. Wenn Sie abends nach der Schule oder Arbeit mit anderen Reitern in der Halle Ihre Runden drehen und es draußen auch noch stürmt, versuchen Sie, sich so wenig wie möglich ablenken zu lassen. Als Reiter ist es wichtig, die Fähigkeit zu entwickeln, den eigenen Fokus bewusst steuern zu können.

Louisas Trainerin hat sie daraufhin vom Boden aus unterstützt und Filou so die nötige Ruhe und Sicherheit gegeben, dass er sich auf seine Aufgabe konzentrieren konnte. Wäre der Reiter in dieser Situation ungehalten geworden, hätte er die Problematik nur verstärkt. Filou war nicht unwillig, sondern einfach noch überfordert, da er nicht genau wusste, was denn von ihm gefordert wird. Manche Pferde spulen dann verschiedene Optionen wie vor- oder zurückrennen ab, können dabei aber ihre Aufmerksamkeit nicht mehr wirklich auf die Hilfen des Reiters legen. Wenn das Zuhören fehlt, leidet die Kommunikation und somit auch die Konzentration.

Eine Minute oder eine Stunde?

Wie lange sich ein Pferd konzentrieren kann, hängt nicht nur von seinem Alter, sondern auch von seinem Ausbildungsstand und seinen bisherigen Erfahrungen beziehungsweise seinem Temperament ab. Nach einem Training von 20 Minuten lässt bei vielen Pferden die Konzentration nach. Das ist auch wissenschaftlich bewiesen. Doch es gibt auch Studien, zum Beispiel die der Pferdewissenschaftlerin. Dr. Vivian Gabor, die zeigen, dass die Konzentrationsphase am Stück noch wesentlich kürzer zu sein scheint.

Ihren Erkenntnissen nach ist nach bereits sieben Minuten für die meisten Pferde die Grenze erreicht. Auch wenn wir Menschen in der Lage sind, unserem Vierbeiner im Sattel oder am Boden mehr als eine Stunde Aufmerksamkeit zu schenken, heißt das nicht automatisch, dass wir diese umgekehrt auch von ihm erwarten können. Nur mit einigen entsprechenden Pausen ist auch ein längeres konzentriertes Training möglich.

Achten Sie dabei immer auf die Signale Ihres Pferdes, und haben Sie Verständnis: Ein Jungpferd weiß in der Regel noch nicht genau, was Sie von ihm möchten. Auch wenn es sein Bestes gibt, kann das schnell überfordernd sein, und die Konzentration ist dahin. So wirken junge oder untrainierte Pferde auch rascher müde. Ebenfalls nimmt die Konzentratonsfähigkeit auch bei älteren Pferden wieder ab. Und unterschätzen Sie Lernpausen nicht. Manchmal ist es nötig, nach einer längeren Pause wieder erst einmal ein paar Schritte zurückzugehen und die Basis zu stärken.

Guter Umgebungswechsel?

Viele Reiter sind davon überzeugt, dass Pferde möglichst früh alles sehen sollten – vom Springplatz über die Halle und das Viereck bis hin zum Turnier und Ausreitgelände. Doch das ist nicht für alle Vierbeiner der optimale Weg. So manches Pferd lernt besser, sich zu konzentrieren und die Aufmerksamkeitsspanne zu vergrößern, wenn es zunächst immer in der gleichen Umgebung trainiert wird. Es bringt wenig, ein völlig mit Außenreizen überfordertes Pferd draußen zu trainieren, wenn es generell noch nicht gut an den Hilfen steht und nur gestresst ist. Eine Option wäre dann, das Reiten in die Halle zu legen und an der Hand nach draußen zu gehen. Zum Spazierengehen und um ihm die Umgebung zeigen oder für eine Einheit Bodenarbeit.

Alternativen anbieten und umdenken

Der Außengalopp (oder eine andere Lektion) möchte einfach nicht gelingen, und Ihr Pferd scheint kaum noch zuzuhören? Dann bieten Sie ihm Alternativen an.

Es bringt in der Regel wenig, eine Lektion bis zum Umfallen zu üben mit der Vorstellung, „mein Pferd muss da jetzt aber durch, und ich höre erst auf, wenn es klappt“. Klar, manchmal ist es wichtig, konsequent zu sein und sich durchzusetzen. Aber ebenso darf die Kooperation nicht außer Acht gelassen werden. Ihr Pferd ist mehrmals im Außengalopp unkonzentriert geworden und umgesprungen? Dann bringen Sie zunächst durch eine Pause Ruhe in die Situation. Beginnen Sie dann nicht direkt wieder mit der gleichen Übung, sondern galoppieren Sie Ihr Pferd zum Beispiel ein paar Runden im leichten Sitz. Lassen Sie die Zügel noch mal etwas im Trab aus der Hand kauen und reiten Sie dann Übergänge innerhalb der Gangart Galopp. Wenn das gelingt, probieren Sie ohne große Erwartungen noch mal spielerisch einen Außengalopp. Arbeitet Ihr Pferd gut mit, dann parieren Sie durch und leiten die Cool-down-Phase ein.

Konzentrationsfähigkeit lernen

Eins vorweg: Konzentration kann nicht erzwungen werden, aber Übung hilft, die Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern und die Aufmerksamkeit zu verbessern.

• Wie gut sich ein Mensch konzentrieren kann, ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren. Zum Beispiel spielt das Alter eine Rolle: Die Konzentrationsspanne eines Kindes ist häufig noch deutlich geringer als die eines Erwachsenen. Kinder werden schneller müde und reagieren stärker auf Störquellen.

• Konzentrationsblockaden können unter anderem Ablenkungen und Unterbrechungen (Handygespräche, Lärm, Stimmen, Chaos) oder ein Mangel an Interesse beziehungsweise Motivation darstellen. Aber auch Stress, Müdigkeit, ein schlechter Gesundheitszustand, Frustration, emotionale Probleme oder eine geringe Frustrationstoleranz können sowohl bei Menschen als auch bei Pferden zu Konzentrationsproblemen führen.

• Ebenso spielen Übung und Erfahrung eine Rolle, denn die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, wird erlernt. Wenn wir sie nicht immer wieder trainieren, können wir sie sogar wieder verlieren. Manche Menschen haben sich eine gewisse Unaufmerksamkeit regelrecht angewöhnt. Sie lassen ihre Gedanken einfach kreisen und über sich hereinbrechen oder denken sie nicht zu Ende. Darunter leidet die Aufmerksamkeit.

• Unterteilen Sie Themen und Aufgaben beziehungsweise Übungen in kleine Schritte. Dadurch erzielen Sie und Ihr Pferd immer wieder Teilerfolge. Das motiviert und fördert die Konzentration.

• Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Fehler passieren und sind zum Lernen wichtig. Das gilt sowohl für das Training als auch für Prüfungssituationen. Druck kann dazu führen, dass wir einen echten Blackout bekommen und wir keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Vor allem, wenn Angst und Selbstzweifel das Steuer übernehmen. Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie schon können, und beginnen Sie mit Übungen, die Ihnen und Ihrem Pferd leichtfallen. So stellen Sie gleichzeitig ein positives Reitgefühl her. Merken Sie sich dieses Gefühl und gehen Sie dann zu anderen Aufgaben über.

• Legen Sie zwischendurch eine Pause ein, in der Sie den Blick einfach mal schweifen lassen. Geben Sie auch Ihrem Pferd die Chance, den Hals zu strecken und sich umzuschauen.

• Wenn Sie immer wieder mit Konzentrationsproblemen zu kämpfen haben, können Ihnen auch Methoden unter professioneller Anleitung wie das autogene Training helfen.

Aufmerksamkeit fordern und schenken

Wenn Probleme oder Schwierigkeiten auftreten, betrachten Sie jede Situation individuell. Gehen Sie dabei nicht davon aus, dass Ihr Pferd doch eine gewisse Lektion schon aus dem Effeff können müsse. Während wir im Sattel sitzen, ist unser Vierbeiner mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Vom Untergrund bis hin zur Umgebung. Nur wenn ein Pferd lernt, sich auf verschiedenen Untergründen mit Reiter zu bewegen und sich auszubalancieren, und immer wieder mit unterschiedlichen Außenreizen konfrontiert ist, wird es diesbezüglich sicherer. Dann kann es seinen Fokus immer mehr auf die Hilfen des Reiters legen. Reiter haben meist eine gewisse Erwartungshaltung an ihr Pferd und fordern es auf, aufmerksam zu sein. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass der Reiter in der Regel weiß, was er trainieren möchte beziehungsweise was er vorhat.

Das Pferd weiß hingegen nichts von den Plänen, die der Mensch im Kopf hat. Daher ist es unsere Aufgabe, das Training zu strukturieren, abwechslungsreich zu gestalten und das Pferd langsam an seine Aufgaben heranzuführen. Fordern Sie nicht nur Aufmerksamkeit von Ihrem Vierbeiner, sondern schenken Sie ihm auch Ihre eigene Aufmerksamkeit. Denken Sie auch an das Lob.

Sie können Ihrem Pferd ruhig positive Rückmeldung geben, wenn es einen Moment konzentriert mitgearbeitet hat. Zudem sollten Sie weder Ihr Pferd noch sich selbst überfordern. Wir alle haben unsere mentalen Grenzen, und die gilt es zu achten.

Wenn die Nerven durchgehen, ist es wichtig, die Situation ruhig unter Kontrolle zu bringen und dem Pferd durch das eigene Verhalten Sicherheit zu geben

Mind Wandering

Unser Alltag ist sehr schnelllebig, und das Smartphone unser ständiger Begleiter. Kaum ein Reiter kann mehr auf die Handytasche an der Reithose verzichten, und nicht selten sieht man Reiter auch im Sattel mit dem Handy in der Hand oder am Ohr.

Vielleicht warten wir auf eine Antwort von einer Person, oder eine Nachricht beschäftigt uns schon die ganze Zeit. Hinzu kommen soziale Netzwerke, die Aufmerksamkeit fordern, sowie die stete Reizüberflutung. Wenn die Gedanken abschweifen, ist es natürlich schwer bis unmöglich, sich auf das Pferd zu konzentrieren beziehungsweise fokussiert zu arbeiten. Das Phänomen, sich von äußeren Faktoren ablenken zu lassen, wird auch als „Mind-Wandering“ bezeichnet. Zwar bietet unsere moderne Welt viele Chancen, gleichzeitig kann sie uns aber auch überfordern.

Tipps:

• Gönnen Sie sich eine bewusste Handy-Auszeit am Stall. Lassen Sie es am besten im Auto oder zu Hause. Wenn Sie es in Ihren Spind legen, ist es gut möglich, dass Sie jedes Mal, wenn Sie etwas aus dem Schrank holen, automatisch an Ihr Handy denken und den Drang verspüren, auf das Display gucken zu wollen.

• Wie sehr wir eigentlich von Social Media, Messengerdiensten und Co. abhängig sind, wird uns meist erst dann klar, wenn wir eine Pause einlegen. Mit der Zeit werden Sie sich aber daran gewöhnen, Ihre Zeit nur dem Pferd und nicht dem Smartphone zu widmen.

• Im Sattel wird geritten und nicht telefoniert. Was wie eine strenge Regel klingt, macht durchaus Sinn. Schließlich wünschen Sie sich, dass Ihr Pferd als eigenes Lebewesen mit Ihnen kommuniziert und kooperiert. Sind Sie durch das Handy abgelenkt, können Sie sich nicht mehr mit voller Aufmerksamkeit Ihrem Pferd widmen. Sowohl Ihre eigene Konzentration als auch die des Pferdes leidet.