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PFERDE & LEUTE: DOSSIER: Sex, Drugs & Alcohol


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 24.09.2018

Am 1. September erschien die Ausgabe 36/2018 des Magazins DER SPIEGEL mit einem Artikel, der für Zündstoff in der deutschen Pferdesportszene sorgte. Das Thema:MASSLOSER ALKOHOLKONSUMundSEXUELLE GEWALTgegenüber Gleichaltrigen unter Nachwuchsspringreitern. Die Fakten


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Bildquelle: St.GEORG, Ausgabe 100/2018

Der SPIEGEL-Artikel, der einen Stein ins Rollen brachte, der eigentlich schon lange darauf wartete, losgetreten zu werden.


Es geht – unter anderem – um Vorwürfe sexueller Belästigung, um im Alkoholrausch zerstörtes Hotelinventar, um flegelhaftes Verhalten bei Turnieren, das von Eltern gebilligt bzw. gedeckt wird und um die Verabreichung von ...

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... K.O.-Tropfen. Ein konkreter Fall von sexueller Belästigung beschäftigt derzeit das Große Schiedsgericht der FN und auch die Staatsanwaltschaft Münster: Ein betrunkener Springreiter soll eine Mitreiterin sexuell bedrängt und als diese sich zur Wehr setzte, gedroht haben, dann werde er sich an ihrer jüngeren Schwester vergehen. Die Mädchen hatten den Mut, diesen Vorfall zu melden.

Die Disziplinarkommission verurteilte den Reiter zu 18 Monaten Sperre. Er ging in Berufung. Damit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Das Große Schiedsgericht ist nun die nächste Instanz, die entscheiden muss. Die Staatsanwaltschaft

STIMMEN

CONSTANZE WINTER


„Ein Gespräch an der Bar reicht uns nicht. Ohne Aussagen können wir rechtlich kein Verfahren führen.“
CONSTANZE WINTER, FN-Justiziarin, über die Notwendigkeit konkreter Hinweise


MARIA SCHIERHÖLTER-OTTE


„Sexualisierte Gewalt unter Gleichaltrigen ist ein gesellschaftliches Problem, das den Querschnitt Deutschlands widerspiegelt.“
MARIA SCHIERHÖLTER-OTTE, Leiterin der FN-Abteilung Jugend, über ihren Eindruck aus Gesprächen mit anderen Sportverbänden


DIE REAKTION DER FN

In einer eilig anberaumten Pressekonferenz bezogen FN-Generalsekretär Lauterbach und Kolleginnen Stellung.


Foto: FN/Rohwedder

Auf Turnieren heißt es jetzt: Bitte pusten! Geritten werden darf nur mit 0 Promille.


Foto: Fotolia

SOENKE LAUTERBACH , Generalsekretär der FN, sagte in einer eiligst anberaumten Pressekonferenz nach Erscheinen des SPIEGEL, dieses Thema gehe ihm „als Vater von zwei Kindern an die Nieren“. Er war überzeugt, es handele „sich um Einzelfälle, nicht die gesamte Disziplin.“ Seiner Ansicht nach gehe es nicht um ein generelles Problem des Sports. Allerdings gebe es sehr wohl eine „Gruppe junger Aktivisten“ mit einem Problem. Das wolle und werde man aber nicht zu einem massiven solchen werden lassen. Lauterbach: „Wir betreiben schon seit einigen Jahren Präventivmaßnahmen, insgesamt gegenüber sexualisierter Gewalt. Jetzt kommt noch Alkohol in nie dagewesener Dimension hinzu. Das ist tatsächlich zu einem echten Thema geworden. Dem wollen wir uns jetzt stellen, damit es nicht zu einem Problem wird.“ Angesichts der jüngsten Meldung, dass sich weitere Betroffene beim Verein Zartbitter gemeldet haben, sagtMARIA SCHIERHÖLTER-OTTE , die Leiterin der Abteilung Jugend bei der FN: „Die FN geht jedem Hinweis entschlossen nach und kooperiert zu dieser Thematik seit Jahren mit der unabhängigen Organisation Zartbitter e.V. Wir können aktiv werden, sofern unser Regelwerk greift und belastbare Hinweise vorliegen. Bei einer bereits erfolgten Verurteilung kann die FN die Trainerlizenz, die Mitgliedschaft als Persönliches Mitglied der FN und eine Kennzeichnung als FN Betrieb entziehen – sofern vorhanden.“ Schierhölter-Otte berichtet ferner, das Thema halte zunehmend Einzug bei Trainerfortbildungen und Seminaren, aber auch bei Kaderlehrgängen. Im Interview mit dem WDR für die Sendung „Lokalzeit Münster“ erklärte sie: „Wir können nur appellieren an jede Betroffene – oder es gibt vielleicht auch betroffene junge Männer, das wird ja auch immer häufiger –, dass sie sich melden und dass sie wissen, dass sie bei Zartbitter anonym bestens aufgehoben sind und dass ihnen dort geholfen wird. Und wenn wir etwas machen können, das heißt, wenn es im Rahmen eines Turniers stattfindet, oder wenn es ein Bundeskadermitglied ist, also wenn wir nach unserem Regelwerk handeln können, dann werden wir das tun.“Folgende Maßnahmen wurden seitens der FN ergriffen, um dem übermäßigen Alkoholkonsum Einhalt zu gebieten:
Präventionsmaßnahmen für die U21 Kaderreiter in Form eines Seminars mit Sozialarbeitern
Stichprobenartige Alkoholkontrollen auf dem Turnier (alle Altersklassen). Geritten werden darf nur mit 0 Promille
Austausch mit anderen Sportverbänden zum Thema, aber noch ohne Konzepte für Gegenmaßnahmen

Münster ermittelt hierzu. Ein weiterer Fall sexualisierter Gewalt beschäftigte die Staatsanwaltschaft Koblenz, wurde aber eingestellt, weil die erhobenen Vorwürfe sich nicht bestätigt hatten. Bereits abgeschlossen ist ein Fall, in dem es um einen jungen Springreiter ging, der betrunken mit Gläsern geworfen und „um sich gespuckt“ hat. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

FRAGEN DER ZUSTÄNDIGKEIT

Nicht alle Vorfälle dieser Art fallen in die Zuständigkeit der FN. Erst, wenn es an Championatsnominierungen oder Bundeskaderzugehörigkeiten geht, hat der Dachverband eine Handhabe. Wobei der Reiter, dessen 18-monatige Sperre noch in der Schwebe ist, von Springreiter-Bundestrainer Otto Becker für ein internationales Turnier benannt worden ist. Eine „sportfachlich korrekte“ Maßnahme, wie DOKR-Geschäftsführer Dr. Dennis Peiler betonte, denn das Urteil war ja noch nicht rechtskräftig.

Die FN versucht, den Alkoholexzessen einen Riegel vorzuschieben. Ungeachtet dessen kam es jüngst bei einem regionalen Turnier in Wallau wieder zu Ausschreitungen, nachdem alle Beteiligten bereits von dem SPIEGEL-Artikel wussten. Dort eskalierte die Turnierparty.

WEITERE BETROFFENE

Vom exzessiven Feiern mal abgesehen, sind jüngst bei der Opferschutzorganisation „Zartbitter“ weitere Meldungen von Betroffenen eingegangen, die angeben, sexuell belästigt worden zu sein. Die Leiterin Ursula Enders sagt, es handele sich dabei nicht nur um Meldungen, die sich auf den besagten Kreis Jugendlicher beziehen. Sie wollte sich nicht dazu äußern, wie viele Betroffene sie kontaktiert hätten, erklärte aber, dass „Datum, Ort und Art der Gewalt variierten“. Generell sei es so, dass „in den meisten Zartbitter bekannt gewordenen Fällen die Tatorte privatwirtschaftlich betriebene Reitställe waren, die nicht Mitglied der Reiterlichen Vereinigung sind.“ Und damit hat der Verband keine Handhabe, wie FN-Justiziarin Constanze Winter erklärte: „Wir können rechtlich nur auf Personen zugreifen, die entweder Mitglied bei der FN sind oder eine Lizenz haben.“Dominique Wehrmann

STIMMEN

SOENKE LAUTERBACH


„Wir betreiben schon seit einigen Jahren Präventivmaßnahmen gegenüber sexualisierter Gewalt. Jetzt kommt noch Alkohol in nie dagewesener Dimension hinzu. Das ist tatsächlich erst zu einem echten Thema geworden. Dem wollen wir uns jetzt stellen, damit es nicht zu einem Problem wird.“
SOENKE LAUTERBACH, FN-Generalsekretär


MARIA SCHIERHÖLTER-OTTE


„Die bringen den Alkohol selbst im LKW mit!“
MARIA SCHIERHÖLTER-OTTE, Leiterin der FN-Abteilung Jugend, die von den Eltern auch hört: „Ihr da in Warendorf braucht nicht unsere Kinder zu erziehen.“


OTTO BECKER


„Da der Reiter in Berufung gegangen ist, ist die 18-monatige Sperre der Disziplinarkommission noch nicht rechtskräftig. Bis zu einer Entscheidung des Großen Schiedsgerichts als Berufungsinstanz kann der Reiter weiterhin auf nationalen und internationalen Turnieren starten, soweit er startberechtigt bzw. vom Veranstalter eingeladen ist. Darauf haben weder Bundestrainer noch Verband Einfluss.“
OTTO BECKER, Bundestrainer der Springreiter, auf die Frage, wieso der von der Disziplinarkommission verurteilte Reiter weiter auf Turnieren im In- und Ausland startet.


LUDGER BEERBAUM


„Es wurde viel zu lange weggeschaut. Wir brauchen klare Regeln und Kontrollen bei Reitern.“
LUDGER BEERBAUM, vierfacher Olympiasieger der Springreiter


DIE FN GERICHTSBARKEIT

Justitia soll’s richten. Tatsächlich sind die Einflussmöglichkeiten der FN in Fällen wie den aktuell diskutierten begrenzt.


Foto: Fotolia

Die Mitglieder von Disziplinarkommission und Großem Schiedsgericht werden vom Beirat Sport gewählt. In der FN-Satzung heißt es unter anderem: „Die Befugnis, Ordnungsmaßnahmen zu verhängen, üben die Veranstalter, die LK und die FN durch die Disziplinarkommission (§ 15/5) aus. Verstöße gegen die Grundsätze sportlich-fairer Haltung und gegen sonstige Bestimmungen der LPO können, im Rahmen aller PS/PLS im In- und Ausland, durch Ordnungsmaßnahmen geahndet werden.“ Das bedeutet: Je nach Zuständigkeit, die in den Paragraphen 925 und 926 der LPO geregelt ist, werden Vergehen nicht zwangsläufig durch die Disziplinarkommission der FN, sondern durch ihre Mitglieder, also beispielsweise die Landesverbände geahndet. Das Große Schiedsgericht „entscheidet über Einsprüche und nach Beschwerden gegen Anordnungen des Veranstalters, der LK oder der FN über Ordnungsmaßnahmen.“ Mit anderen Worten: Wird ein Urteil angefochten, übernimmt das Große Schiedsgericht.

DIE DISZIPLINARKOMMISSION

Die „erste Instanz“ der FN ist die Disziplinarkommission, die aus zwei Kammern besteht, Nord und Süd, aufgeteilt nach der geographischen Lage der Bundesländer. Zur Kammer Nord gehören: Jörg Offeney (Vorsitzender), Paul Holtgräve (Beisitzer), Rainald Gehringhoff (Beisitzer), Nikolaus Simons (Ersatzmitglied), Dagmar Borchers (Ersatzmitglied), Dr. jur. Sascha Brückner (Ersatzmitglied), Oliver Kammann (Ersatzmitglied). Süd: Christoph Eiser (Vorsitzender), Petra Siebert-Lindemann (Beisitzerin), Dr. med. vet. Gerit Mathesen (Beisitzer), Bodo Battenberg (Ersatzmitglied), Dr. jur. Rüdiger Blaß (Ersatzmitglied), Heinrich Göbel (Ersatzmitglied), Dr. med. vet. Klaus Christ (Ersatzmitglied). Jeder Fall wird zuerst danach überprüft, ob die FN zuständig ist und dann, welcher der beiden oben genannten Kammern der Fall zugewiesen wird.

DAS GROSSE SCHIEDSGERICHT

Das Große Schiedsgericht der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ist gewissermaßen die zweite Instanz und besteht aus zwei Senaten. Der erste kümmert sich um Beschwerden gegen die FN, der zweite um Beschwerden gegen Maßnahmen der Landesverbände.
Im ersten Senat sitzen: Bernhard Normann (Vorsitzender), Dietmar Hogrefe (stellv. Vorsitzender), Klaus Hellmann (Beisitzer) und Thomas Mrodzindky (Ersatzmitglied). Der zweite Senat setzt sich zusammen aus Prof. Dr. Dieter Coburger (Vorsitzender), Viktoria Hübner (stellv. Vorsitzende), Heinrich Göbel (Beisitzer) und Gerd Sickinger (Ersatzmitglied).