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PFERDE & LEUTE: „Wir wollen gut reitende Leute mit Pferdeverstand”


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 90/2018 vom 27.08.2018

Zum zweiten Mal hatSEBASTIAN HEINZEdie deutschen U25-Dressurreiter zu Europameisterschaften begleitet, erneut kehrten sie mit Mannschafts-und Einzelgold nach Hause. Ein Gespräch über die U25-Tour und Talente, die entdeckt werden wollen


INTERVIEW SEBASTIAN HEINZE

Artikelbild für den Artikel "PFERDE & LEUTE: „Wir wollen gut reitende Leute mit Pferdeverstand”" aus der Ausgabe 90/2018 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Immer hilfreich zur Hand: Bundestrainer Sebastian Heinze hier mit der Europameisterin Jil-Marielle Becks.


Fotos: Digishots

ST.GEORG: Herr Heinze, wie haben Sie die Europameisterschaften in Exloo erlebt?
SEBASTIAN HEINZE: Wir kannten die Anlage nicht, deswegen wussten wir ja nicht so recht, was uns in den Niederlanden erwarten würde. Aber es waren ...

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ST.GEORG: Herr Heinze, wie haben Sie die Europameisterschaften in Exloo erlebt?
SEBASTIAN HEINZE: Wir kannten die Anlage nicht, deswegen wussten wir ja nicht so recht, was uns in den Niederlanden erwarten würde. Aber es waren wirklich Top-Bedingungen für die Pferde mit sehr guten Böden. Und auch das Drumherum war sehr nett gemacht. Was den Sport angeht, war das eine sehr gute Mannschaftsleistung aller vier Paare! Da hat man schon gesehen, dass es auf den Plätzen eins bis fünf sehr eng werden und die Tagesform entscheiden würde.

SG: Dies ist ihr zweites Jahr als Bundestrainer der U25-Reiter. Ist es so, wie Sie es erwartet haben?
SH: Man bekommt natürlich immer mehr Einblicke in Strukturelles. Ich weiß jetzt, wie ich ein Jahr mit Lehrgängen, Sichtungen, Turnieren usw. plane. Es sind ja auch jedes Jahr neue Leute, mit denen man es zu tun hat. Nicht alle, aber einige. Das ist etwas sehr Schönes! Ich schaue mir erst einmal in Ruhe an, wie der Ist-Zustand aussieht und überlege dann, wie wir etwas verbessern können.

SG: Dieses Verbessern, wie muss man sich das vorstellen? Trainieren Sie mit den Reitern? Oder stimmen Sie sich mit den Heimtrainern ab?
SH: Das ist ganz unterschiedlich. Die Reiter, die auch rund um Warendorf wohnen, sieht man ja ohnehin häufiger auf Turnieren etc. Da steht man im Austausch. Die, die weiter weg wohnen, besuche ich von Zeit zu Zeit, stehe aber in regelmäßigem Kontakt. Man weiß, was die Pferde machen und ja, man stimmt sich auch mit den Heimtrainern ab und macht Vorschläge. Es geht darum zu schauen, wie sich Reiterinnen und Reiter sowie Pferde weiterentwickeln können. Aber ich kann und will niemanden zwingen. Die haben alle ein gewisses eigenes Standing und kommen aus einem gewachsenen System, das sich bei vielen schon über Pony-, Junioren-und Junge Reiter-Jahre entwickelt hat.

SG: In welchen Bereichen benötigen die Reiter dann denn Unterstützung?
SH: Natürlich beim Training der Pferde, Turnierplanung und beim Management ihres Grand Prix-Pferdes. Das sind z. B. Themen wie Fütterung, der richtige Beschlag oder auch der Einsatz eines Physiotherapeuten und, und, und …

Das siegreiche deutsche U25-Team: (v.ln.r.) Lisa Maria Klössinger. Juliette Pietrowski, Equipechefin Monica Theodorescu Bianca Nowag und Jill Marielle Becks.


Foto: Digishots

SG: Im internationalen Vergleich steht Deutschland ja sehr gut da. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
SH: Die U25-Tour ist ja aus unserem Piaff-Förderpreis entstanden. Da waren wir Vorreiter und haben begonnen, die Jungen Reiter zu motivieren, ihre Pferde und sich selbst weiter in Richtung Grand Prix auszubilden. Das wurde international nachgeahmt. So gab es bald internationale Turniere und glücklicherweise ist daraus auch ein Championat entstanden. Inzwischen gibt es bei ganz vielen großen Turnieren U25-Touren. Man sieht, dass auch die FEI das fördert. Aus dieser Tour sollen sich potentielle Championatskader entwickeln können.

SG: Das heißt, Sie sehen im derzeitigen Kader zukünftige Senioren-Championatsreiter?
SH: Bei dem ein oder anderen ist schon Potential zu erkennen. Der Weg an die Spitze ist von vielen Faktoren abhängig. Ziel ist schon, die Reiter dahin auf den Weg zu bringen.

SG: Welchen Wert haben die U25-Touren auf den großen Turnieren für den Nachwuchs?
SH: Sie sind viel näher am großen Sport dran. Neben dem technischen Grand Prix reiten ist die Atmosphäre bei so großen Turnieren ja noch einmal eine weitere Herausforderung für Reiter und Pferde. Außerdem haben die aufstrebenden Paare so schon mal die Chance, sich einen Namen bei internationalen Richtern zu machen. Zudem legen internationale Richter andere Maßstäbe an. Sie legen Wert auf technisch sauber gerittene Grand Prix-Lektionen.

SG: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des U25-Sports?
SH: Man sieht hier auf den vorderen Plätzen, dass gutes Reiten belohnt wird. Das sind alles Pferde, die in guter Anlehnung und sehr selbstverständlich gehen. Das ist sehr wichtig, denn von diesen Championaten geht auch eine Wellenbewegung ins Land hinaus. Wie hier geritten und gerichtet wird, das setzt Maßstäbe. Daran orientiert man sich. Deshalb ist es wichtig, dass hier gute Richter am Tisch sitzen.

SG: Die heutige Bundestrainerin Monica Theodorescu war im Alter der jetzigen U25-Generation, als sie zum ersten Mal Olympische Spiele ritt. Haben die Reiter es heute schwerer, an die Spitze zu kommen?
SH: Das ist schwer zu sagen, am Ende entscheidet die erbrachte Leistung und die passende Kombination von Reiter und Pferd. Das sieht man auch an dem Beispiel Sönke Rothenberger, der im gleichen Alter an der Weltspitze mitmischt.

SG: Und für alle anderen sind Sie da?
SH: Es ist unser Ziel, die Reiter abzuholen, die vielleicht nicht von Hause aus diesen Pferdebackground haben, aber talentiert sind. Ich verfolge auch den regionalen Sport intensiv und suche hier nach Talenten, spreche sie an und lade sie ein, an einer Piaff-Förderpreis Sichtung teilzunehmen. Ja, das ist aufwändig, aber es macht mir viel Spaß! Das ist ja das Schöne, dass es immer neue Reiter gibt, die man bislang noch nicht so auf dem Schirm hatte. Sie haben sich vielleicht nur noch nicht getraut, über den regionalen Tellerrand zu schauen, überzeugen aber durch gutes Reiten und Pferdeverstand. Und das wollen wir ja!

ZUR PERSON: SEBASTIAN HEINZE

Jahrgang 1980. Ausbildung zum Pferdewirt bei Hans-Jürgen Armbrust, Stationen unter anderem bei Heike Kemmer und Michael Klimke. 2004 Pferdewirtschaftsmeisterprüfung mit Auszeichnung. Seit 2004 selbstständig. 2008 Hochzeit mit Helen Langehanenberg, damals trainierte er sie auch. 2015 Trennung von Helen Langehanenberg. Inzwischen ist Sebastian „Seb” Heinze mit der DOKRSportpsychologin Lena Koch (nun Heinze) verheiratet und arbeitet auf Gut Kappel in Senden. Seit 2016 ist er Bundestrainer der U25-Dressurreiter.