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PFERDE & PRAXIS: INSEKTEN-ABWEHR: Schwirrt ab!


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 28.05.2018

Die Temperaturen steigen und mit ihnen auch die Anzahl an Bremsen, Stechmücken und Co.Was bleibt sind juckende Quaddeln und im schlimmsten Fall Krankheiten. Mit verschiedenenAbwehrstrategien lassen Sie Ihr Pferd nicht im Stich


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Fliegen sind lästig und können Bakterien ins Auge tragen.


Foto: www.fotolia.de

Fliegen rund um die Augen, Bremsenquaddeln am Bauch und jeden Abend eine Invasion von Gnitzen oder Kriebelmücken, die Panik bei den Tieren auslösen und diese mit starkem Juckreiz zurücklassen. Dass all diese nervigen Insekten so sehr auf Pferde abfliegen, liegt in erster Linie an ihrem Geruch. „Etliche, ...

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Fliegen rund um die Augen, Bremsenquaddeln am Bauch und jeden Abend eine Invasion von Gnitzen oder Kriebelmücken, die Panik bei den Tieren auslösen und diese mit starkem Juckreiz zurücklassen. Dass all diese nervigen Insekten so sehr auf Pferde abfliegen, liegt in erster Linie an ihrem Geruch. „Etliche, von den Tieren abgesonderte Geruchsstoffe wie CO2 und Aceton aus der Atemluft oder Stoffe, die bei der Vergärung von Ausscheidungen, besonders bei Urin, entstehen, locken Insekten an. Aber auch die Körpertemperatur zieht blutsaugende Insekten sowie Lästlingsinsekten an“, erklärt Dr. Burkhard Bauer, unabhängiger wissenschaftlicher Berater am Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin.
Fast alle Insekten, die sich gerne über Pferde hermachen, quälen diese nicht nur mit ihren Stichen (siehe Seite 96 und 97). Sie können auch krankmachende Bakterien oder Keime im Gepäck haben. Die Frage, welches Insekt denn besonders gefährlich fürs Pferd sein kann, lässt sich deshalb nicht mit einem Satz beantworten, wie Dr. Burkhard Bauer weiß: „Allergische Reaktionen auf den Stich der Gnitzen verursachen das Sommerekzem.Auf der Iberischen Halbinsel haben Gnitzen vor einigen Jahren das Virus der Afrikanischen Pferdeseuche übertragen, das zu über 90 Prozent tödlich ist. Kriebelmücken verursachen bei massivem Befall einen anaphylaktischen Schock, der zum Tode führen kann. Weitere Mückenarten können eine Viruserkrankung übertragen, die zur Encephalitis führt (Hirnabszess und Krankheit, die auch Menschen infizieren kann). Diese kommt vor allem in den USA vor, wird aber auch in südlichen Regionen medi- terraner Länder nachgewiesen. Bremsen können die infektiöse Anämie übertragen – eine anzeigepflichtige Seuche, bei der infizierte Tiere eingeschläfert werden müssen –, beunruhigen massiv und stören das Allgemeinbefinden. Wadenstecher sind besonders hartnäckige Lästlinge, die durch wiederholtes Stechen die befallenen Pferde stark beunruhigen.“
Verschiedene Schutzmaßnahmen wie Hygieneim Stall und auf der Weide, Fliegendecken und -masken und natürlich Abwehrsprays schützen davor.
Abwehrsprays gegen Insekten werden auch Repellentien genannt und haben eines zum Ziel: Mit ihrem Duft wollen sie Insekten abschrecken. Zu welchem Wirkstoff man greift, hängt davon ab, wie gut er beim eigenen Pferd wirkt (hier spielt der individuelle Geruch eines Pferdes eine Rolle) und wie das Pferd auf ein bestimmtes Mittel reagiert. Denn sogar natürliche Stoffe können reizen oder Allergien auslösen.

DER BLICK AUFS ETIKETT

Der Wirkstoff, der in einem Abwehrspray enthalten ist, muss auf dem Etikett angegeben werden. Er richtet sich meist nicht nur gezielt gegen eine Art, Abwehrsprays schrecken eine ganze Reihe von Insekten ab. Man spricht hier auch von Breitbandrepellenz. Vor dem Kauf eines solchen Produkts sollte man im Fachhandel nach klinischen, qualifizierten Tests des Wirkstoffs fragen, rät Dr. Burkhard Bauer und bemängelt, dass manchmal Produkte verkauft würden, die nicht hielten, was auf dem Beipackzettel versprochen würde. Bei der Wahl eines Wirkstoffes solle man außerdem die Dauer der Wirkung berücksichtigen. „Es gibt klinisch getestete Wirkstoffe: zum Beispiel DEET oder auch Icaridin (Handelsname: Saltidin), deren Wirksamkeit aber nur für einige Stunden anhält, weswegen sie für einen Ausritt am ehesten geeignet sind. Bei Weidehaltung ist die Wirkungsdauer nicht zufriedenstellend, wenn sie nicht regelmäßig in zwei bis drei Stunden wiederholt wird!“, weiß der Experte. Langwirkende Produkte arbeiten meist mit Insektiziden, das heißt diese Wirkstoffe schrecken Insekten nicht ab, sondern vergiften sie bei Berührung. Permethrin gehört zu diesen Wirkstoffen. Entsprechend vorsichtig muss man mit diesen Produkten umgehen!

Wie lange ein Produkt wirkt, hängt von den verschiedenen Inhaltsstoffen, aber auch von deren Konzentration, der Aktivität des Pferdes und seinem Geruch ab sowie von Umweltfaktoren wie Temperatur, Niederschlag oder Wind. Dass sich die Plagegeister irgendwann an einen zunächst abschreckenden Duft gewöhnen, also resistent werden, glaubt Dr. Bauer nicht. „Die Insekten werden abgeschreckt, kommen also nicht oder nur sehr kurz mit dem Produkt in Kontakt; die Möglichkeit der Entwicklung von ‚Insektizidresistenzen‘ ist also nicht gegeben. ‚Insektizidresistenzen‘ entstehen bei regelmäßiger Anwendung von Wirkstoffen zur Abtötung der Zielinsekten. Ein Kontakt mit dem Wirkstoff ist hier erwünscht; wiederholter Kontakt kann zur Ausbildung von Resistenzen führen.“

DARUM WIRKEN SCHWARZE BÄLLE UND ZEBRASTREIFEN

Manche Insekten orientieren sich nicht nur an Geruch und Wärme, sie nutzen auch ihre Augen. Dunkle Farben geben polarisiertes Licht ab und locken damit Insekten an. Dieses Prinzip nutzen auch Bremsenfallen mit ihrem schwarzen Ball (der sich zusätzlich auch noch erwärmt) sowie Decken mit Zebrastreifen – der Unterschied zwischen schwarzen (polarisiertes Licht) und weißen Farben (unpolarisiertes Licht) irritiert die Quälgeister. „Geruch kann die Zielinsekten über eine Distanz von ca. 500 Metern anlocken. Auf Sicht fliegen die Zielinsekten in der Regel erst bei Distanzen unter 50 Metern. Unterbauch sowie untere distale Gliedmaßen werden bevorzugt angeflogen. Um wirksamer zu sein, müssten Pferdedecken vor allem diesen Bereich schützen. Bremsenfallen könnten einen Beitrag zur Bekämpfung von Lästlingen leisten; dazu sollten allerdings weitaus mehr Fallen pro Fläche eingesetzt werden, um den erwünschten Schutz zu erreichen“, rät der Parasitologe.

Dr. Burkhard Bauer
Der Veterinär-Entomologe ist unabhängiger wissenschaftlicher Berater am Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin.

Schwarz-weiße Streifen irritieren Insekten und halten sie ab.


Foto: www.galoppfoto.de/Brose