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PFERDE & PRAXIS: OUTDOOR-DECKEN: Gut eingedeckt?


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 21.01.2019

Welche Füllung bei minus 5 Grad? Wie lange hält dieOUTDOOR-DECKEdicht? Und was kann ich tun, wenn ein Mini-Loch in der Decke ist? 25 Fragen zum Thema Decke und was Tierärzte und Fachverkäufer raten


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Jedes Pferd ist anders und das zeigt sich auch beim Eindecken – sowohl beim Deckenmodell als auch der Füllung.


Foto:www.slawik.com

1 Wann brauchen Pferde eine Decke?
Pferde haben eine große Gabe, die wir oft unterschätzen: Sie können sich Temperaturschwankungen gut anpassen und kommen auch mit Minusgraden sehr gut zurecht ohne zu frieren. Während wir Menschen eine recht geringe Toleranz-Zone bezüglich der ...

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1 Wann brauchen Pferde eine Decke?
Pferde haben eine große Gabe, die wir oft unterschätzen: Sie können sich Temperaturschwankungen gut anpassen und kommen auch mit Minusgraden sehr gut zurecht ohne zu frieren. Während wir Menschen eine recht geringe Toleranz-Zone bezüglich der Temperatur haben und uns besonders wohlfühlen zwischen 20 bis 25 Grad, erstreckt sich der Toleranzbereich bei Pferden von etwa 0 bis 25 Grad. Manche Wissenschaftler glauben sogar, dass Pferde auch bis -15 Grad ohne Decke auskommen. Eines wird dabei jedoch deutlich: Wenn wir frieren und zu dickem Pulli und Jacke greifen müssen, benötigen unsere Pferde noch lange keine Decke – vorausgesetzt sie sind gesund, gut genährt, nicht geschoren und an Kälte gewöhnt. Und auch weitere Wetterfaktoren spielen eine Rolle, denn bei Wind und Nässe kühlen Pferde eher aus, ohne Decke brauchen sie dann einen Unterstand.

Einer interessanten Frage widmet sich eine vor kurzem veröffentlichte Studie des britischen Duchy College: Eindecken oder nicht eindecken? Eine in jedem Stall viel diskutierte Frage. Aber selbst die Wissenschaftler kommen zu keiner klaren Antwort. Dennoch geben sie Pferdebesitzern einen Rat mit auf den Weg: Wenn Pferde eine Decke benötigen, so muss man genau darauf achten, die richtige Decke mit der passenden Füllung zu wählen und den Zustand des Pferdes dabei berücksichtigen. Deckt man ein Pferd zu warm ein, fühlt es sich nicht mehr wohl, das zeigen Messungen der Studie. Während bei nicht eingedeckten Pferden eine Oberflächentemperatur von 12 bis 18 Grad gemessen wurde, waren es bei den eingedeckten bis zu 30 Grad – eine Temperatur, die nicht mehr im Wohlfühlbereich eines Pferdes liegt.

Deswegen raten auch Fachverkäufer im Reitsportbedarf dazu, beim Kauf einer Decke bzw. beim Eindecken darauf zu achten, welchen Pferdetyp man hat. Ist das Pferd sensibel, steht hoch im Blut, hat wenig Fett auf den Rippen, ist etwas angeschlagen oder vielleicht krank, dann kann eine Decke bzw. eine Füllung eher angebracht sein als bei gut genährten Pferden, die über die Thermoregulation gut mit der Kälte klarkommen. Auch einige alte Pferde brauchen eine Decke, da ihr Stoffwechsel schlechter arbeitet und sie die Energie für Wärme nicht so einfach produzieren. Etwa ein Drittel des Raufutters wird in Wärme umgewandelt. Pferde haben ihre eigene eingebaute Heizung: Bei der Verdauung von langen Fasern wie etwa Heu produziert der Dickdarm Wärme. Bei sehr frostigen Temperaturen kann es also sinnvoll sein, die Heuration zu erhöhen, damit das Pferd nicht friert. Entschließt man sich, sein Pferd einzudecken, so sollte man für die verschiedenen Außentemperaturen immer eine Decke mit der passenden Füllung haben.

Wenn es zu kalt wird, kommt die Thermoregulation in Gang: Pferde stellen unter anderem ihr Fell auf und erhöhen so die Isolationsschicht.


Foto:www.slawik.com

2 Was bedeutet Thermoregulation?
Pferde sind dank ihrer Thermoregulation in der Lage, sich an unterschiedlichste Temperaturen anzupassen. Entscheidend daran beteiligt sind Fell, Fett und die Durchblutung. Die Haarbalgmuskeln sorgen bei frostigen Temperaturen dafür, dass sich die Haare aufstellen und erhöhen auf diese Weise die Isolationsschicht. Man nennt dies Piloerektion. Das Körperfett hat gut isolierende Eigenschaften: Es isoliert dreimal besser als anderes Körpergewebe. Zusätzlich verengen sich bei Kälte die Blutgefäße. „Die Haut kann bis zu zehn Prozent des Blutvolumens aufnehmen“, erklärt Tierärztin Ietje Leendertse. „Wenn dem Pferd warm oder kalt ist, können über das Steuerungssystem im Gehirn, das für die Thermoregulation verantwortlich ist, die Blutgefäße geöffnet oder geschlossen werden.“ Fließt weniger Blut durch die Haut, kann es nicht so schnell abkühlen.

3 Geht die Thermoregulation beim Eindecken verloren?
Eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt. Einig sind sich Tierärzte und Wissenschaftler jedoch darüber, dass sich durchs Eindecken die normale Thermoregulation ändert. „Eindecken oder Scheren kommt für den Pferdekörper immer unerwartet und das System muss sich plötzlich anders darauf einstellen, um die Temperatur im Normalbereich zu halten“, so Leendertse. „Das ist harte Arbeit und stört definitiv das Pferd. Deswegen sollte aus meiner Sicht individuell für jedes Pferd ein Plan gemacht werden, ob und wie das Pferd eingedeckt werden muss.“ Erschwerend kommt hinzu, dass beim Eindecken manche Körperteile den kalten Temperaturen ausgesetzt sind und entsprechend der Kälte bestimmte Reaktionen auslösen, während andere Körperteile unter der warmen Decke liegen, wo dem Pferd eine ganz andere Temperatur vorgegeben wird. Die Thermoregulation arbeitet aber ganzheitlich und unterscheidet nicht verschiedene Körperteile.

Einige Haltungsexperten gehen auch davon aus, dass die Thermoregulation immer wieder Reize braucht und trainiert werden muss. Das heißt, es müssen mal kältere mal wärmere Temperaturen herrschen, damit die Haare aufgestellt und wieder angelegt werden. Inwieweit das unter einer Decke geschehen kann, ist fraglich.

4 Kann man unter der Decke fühlen, ob sie zu kalt oder zu warm ist?
Wer richtig eindecken will, braucht immer genau die Decke, unter der es seinem Pferd weder zu kalt noch zu warm ist. Klingt einfach, doch die Umsetzung ist schwierig. Man kann schlecht fühlen, ob ein Pferd unter der Decke genau die richtige Temperatur hat.
Bei nicht eingedeckten Pferden ist sogar kurzfristiges Zittern kein eindeutiges Zeichen dafür, dass sie sofort eine Decke benötigen. Das Zittern hilft Pferden, um warm zu werden, betonen die beiden Amerikanerinnen Marcia Hathaway und Krishona Martinson von der Universität Minneosta, die sich in ihrer Studie „Equine winter care“ unter anderem mit dieser Frage beschäftigt haben. Denn beim Zittern wird Energie in den Muskeln bereitgestellt. Die Pferde passen sich dann schnell der Temperatur an. Sollte das Zittern öfter oder länger auftreten, ist dies jedoch nicht mehr normal.

5 Weniger Winterfell durchs Eindecken?
Der Fellwechsel wird von der Tageslänge beeinflusst. Eine Rolle spielt dabei aber auch die Temperatur. Erfahrungen zeigen, dass Pferde weniger dickes Fell bilden, wenn sie frühzeitig eingedeckt werden. Doch nicht jedes Pferd behält ein glattes, relativ kurzes Fell, wenn es schon im Herbst eine Decke bekommt. Das Ausbilden des Winterfells ist wieder sehr individuell. Hat ein Pferd immer einen dicken Pelz gehabt, wird es nicht plötzlich kurz bleiben, nur weil eine Decke darauf liegt. Es stellt sich erst allmählich um.

6 Welche Decke muss ich bei welcher Temperatur nehmen?
Darüber zerbrechen sich Pferdebesitzer immer wieder den Kopf. Eine klare Regel gibt es leider nicht, das hängt vom Pferd und weiteren Einflüssen ab. Man kann sich anhand verschiedener Faktoren orientieren, welche Decke passen könnte. Solche Orientierungsvorschläge bieten manche Deckenhersteller an (siehe Tabelle nächste Seite). Außerdem gilt: Sensible, alte, kranke oder sehr schmächtige Pferde brauchen meist eine dickere Decke als junge, kräftige und fitte Tiere. Nässe und Wind stört sie meist mehr als Kälte.

7 Wie misst man die Deckenlänge richtig?
Die meisten Hersteller geben bei der Deckengröße das Rückenmaß an, manche arbeiten auch mit der Gesamtlänge. Bei der Rückenlänge wird vom Widerrist bis zum Schweifansatz gemessen. Die Gesamtlänge bemisst sich vom Brustbein über das Buggelenk bis zum Sitzbeinhöcker. „Das berücksichtigt aus meiner Sicht die Figur des Pferdes noch mehr“, so Pia Sprünken von Reitsport Voss in Kamp-Lintfort. Sind Pferde besonders schmal oder breit sollte man also besser auch die Gesamtlänge messen! Werden auf der Decke nur die Rückenlängen angeben, kann man dies umrechnen: Gesamtlänge minus 50 cm ergibt ca. die Rückenlänge. Umgekehrt gilt natürlich: Rückenlänge plus 50 cm ist etwa die Gesamtlänge. Wer im Fachhandel steht und vergessen hat, vorher zu messen, für den hat Jenny Mechen von Reitsport Wahl in Dietmannsried einen Tipp: „Einen Anhaltspunkt kann das Stockmaß liefern. Wenn man von diesem 20 Zentimeter abzieht, erhält man etwa die Rückenlänge. Außerdem bieten wir an, dass man die Decke wieder zurückgeben kann, wenn sie nicht passt. Voraussetzung: Sie wurde auf eine saubere Abschwitzdecke aufgelegt und nach der Anprobesofort wieder abgenommen und eingepackt.“ Fragen Sie Ihren Fachhändler, ob das möglich ist, wenn Sie beim Deckenkauf unsicher sind.

8 Wie muss die Decke sitzen?
„Der Halsausschnitt darf nicht zu weit nach hinten rutschen, sonst scheuert er am Widerrist“, weiß Pia Sprünken und greift bei einem solchen Fall einfach zu einem anderen Modell. Für jede Figur findet sie meist die passende Decke. „Wenn man lange Zeit Decken verkauft, weiß man, welcher Hersteller bzw. welche Modelle sich für schmale Pferde eignen und welche bei kräftigeren Pferden gut sitzen.“ Bei letzteren muss man darauf achten, dass sich beim Schließen der Decke keine Spannungsfalten abzeichnen. „ Ideal ist außerdem, wenn die Decke am Schweif zehn Zentimeter übersteht. Senkt das Pferd zum Grasen den Hals, rutscht die Decke diese Handbreit vor.“ Also lassen Sie Ihr Pferd einmal nach unten strecken, wenn Sie eine Decke aufprobieren. Für Pferde mit hohem Widerrist eignen sich in der Regel oft High Neck Decken sehr gut. Vor allem dann, wenn normale Decken bei diesen Pferden hinter den Schulterblättern hängen.

Foto: St.GEORG

EINE ORIENTIERUNGSHILFE: WANN WELCHE DECKE AUFLEGEN?

Foto:www.slawik.com , Tabelle in Anlehnung anwww.equus.co.uk

9 Welche Gehfalte eignet sich für welches Pferd?
Wenn eine Decke gut sitzt, ist keine Gehfalte nötig, erklärt Pia Sprünken. Ist die Decke an der Brust zu eng, ist es wohl nicht das richtige Modell und die Decke passt nicht 100-prozentig. Zumindest gilt das für die meisten Pferdetypen. Hat man jedoch ein sehr kräftiges oder großrahmiges Pferd, das viel Schulterfreiheit benötigt, sind Decken mit Gehfalten bis hoch zur Schulter optimal, erklärt die Fachverkäuferin.

10 Welche Brustverschnallung eignet sich für welches Pferd?
Gerade T-Verschnallung oder in Y-Form – in den letzten Jahren sind immer wieder neue Brustverschnallungen auf den Markt gekommen. Für die meisten Pferde eignet sich eine normale, gerade Verschnallung. Die y-Form ist für Pferde mit tief angesetztem Hals vorteilhaft.

11 Ist ein Halsteil sinnvoll?
Ob ein Halsteil sinnvoll ist, hängt zunächst von der Temperatur ab (siehe auch Tabelle). „Wenn ich ein geschorenes Pferd länger nach draußen stelle, würde ich ein Halsteil nehmen, um die Halsmuskeln warm zu halten“, rät Pia Sprünken, die auch einige Kunden hat, die ein Halsteil gerne nutzen, damit ihre Pferde dort nicht zu schlammig werden beim Wälzen auf dem Winterpaddock.

12 Was tun, wenn die Decke scheuert?
Bei Pferden, bei denen der Hals etwas aufgesetzt ist und die Decke dadurch am Hals etwas enger liegt, scheuert eine normale Decke an der Mähne. „Besser für solche Pferde sind High Neck Decken, also Decken mit hohem Halsausschnitt, deren Saum etwa 20 bis 30 Zentimeter weiter nach oben geschoben ist. Dadurch liegt nur noch Stoff auf dem Druckpunkt, nicht mehr der stärker scheuernde Saum“, weiß Pia Sprünker, die in solchen Fällen zusätzlich darauf achtet, dass der Saum aus Nylon ist und leichter hin und her rutscht. Denn auch das Material spielt beim Scheuern eine Rolle. „Gerade weiche und flauschige Stoffe rutschen auf dem Fell nicht so gut und scheuern. Außerdem setzen sich darin leicht Schmutz oder Sand fest, die zusätzlich reiben.“ Wer solche Probleme kennt, sollte zu einer Decke greifen, die innen einen glatten Stoff hat. „Auch ein Brustschutz verhindert Scheuerstellen“, rät Jenny Mechen. Und natürlich sollte das Pferd seine Outdoor-Decke auch nur für den Weidegang bzw. das Paddock tragen und nicht wenn es eine Stunde lang in der Führanlage läuft. Dafür eignen sich spezielle Führmaschinendecken besser, die durch ihre großen Schulterausschnitte sehr viel Bewegungsfreiheit bieten.

Welche Decke ein Pferd braucht, hängt von sehr vielen Faktoren ab.


Foto:www.slawik.com

13 Woran kann ich erkennen, wie wasserdicht eine Decke ist?
Wie dicht ein Material ist, wird nach der europäischen Norm „Schutzkleidung gegen Regen“ mit der sogenannten Wassersäule angegeben. Demnach gilt ein Produkt ab 800 als wasserabweisend, bei Outdoor-Textilien spricht man gemeinhin aber erst ab einem Wert von 1500 als wasserdicht. Die meisten dieser Produkte erreichen allerdings höhere Werte. Pferdecken sollten mindestens einen Wert von 2500 bis 3000 aufweisen. Oftmals ist es jedoch nicht unbedingt üblich, dass bei ihnen die Wassersäule genannt wird. „In der Regel kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Decken mit dem Begriff „Outdoor“, „Turn-Out“ oder „Regendecke“, die keine Rückennaht haben, auch für längere Zeit wasserdicht sind“, weiß Pia Sprünken aus ihrer langen Erfahrung.

14 Wie lange hält eine gute Outdoor-Decke dicht?
Eine schwierige Frage, die von Decke zu Decke und auch von Pferd zu Pferd zu variieren scheint. „Die Erfahrungen unserer Kunden gehen hier stark auseinander. Es gibt Kunden, die haben günstige Decken, die dem Regen sehr lange standhalten. Andere Kunden haben schon nach ein paar Stunden ein nasses Pferd unter der Decke“, so Pia Sprünken. Letztendlich ist es auch eine Frage des Regens: Schüttet es zehn Stunden lang wie aus Kübeln, können auch sehr gute Decken an ihre Grenzen kommen. Die Decken sind dann zwar von außen wasserdicht, aber die Feuchtigkeit zieht an den Rändern ins Futter ein und wandert dort weiter.

15 Wird eine Decke irgendwann undicht?
Wie so viele Materialen leiden auch Pferdedecken unter der Witterung und verschleißen mit der Zeit. Sie können spröde und dadurch auch undicht werden. Ist das der Fall, hilft auch imprägnieren nicht mehr viel. „In der Regel halten viele Decken aber bis zu fünf Jahre dicht, wenn sie richtig gepflegt werden. Das Wichtigste ist das richtige Waschen mit einem speziellen Pferdedecken-Waschmittel. Dieses wirkt wasserabweisend und verzieht die Fasern nicht (siehe auch Frage 20). Ab und zu kann man einige Decken (Garantiebedingungen beachten) auch imprägnieren, um die wasserabweisende Wirkung zu unterstützen“, erklärt Pia Sprünken.

16 Woran erkennt man, wie atmungsaktiv eine Decke ist?
„Atmungsaktiv sind alle Decken, wobei Stalldecken mehr Atmungsaktivität bieten, da sie nicht wasserdicht sein müssen. Das ist aber nicht schlimm, denn auf der Weide bewegen sich und schwitzen die Pferde nur mäßig“, erklärt Pia Sprünken. Die Atmungsaktivität wird in g/m/24h angegeben, bedeutet: Wie viel Gramm Wasserdampf durch einen Quadratmeter in 24 Stunden entweichen können.

Eine Decke muss viel mitmachen. Wer sicher gehen will, kann an den Verschlüssen Safe-Gums anbringen.


Foto:www.galoppfoto.de

Wer ein Pferd hat, das viel mit anderen tobt, sollte auf die Reißfestigkeit der Decke achten.


Foto:www.slawik.com

17 Denier – was ist das?
Denier bezeichnet das Gewicht pro Fadenlänge und wird oftmals mit der Reißfestigkeit gleichgesetzt. Je höher der Wert, desto stabiler ist eine Decke meistens (Ausnahme ballistisches Nylon). Es gibt Outdoor-Decken mit verschiedensten Denier-Werten. Noch reißfester ist Polypropylen. Die allerhöchste Reißfestigkeit weisen Decken auf, die aus ballistischem Nylon sind.

18 Was ist das Besondere an ballistischem Nylon?
Das Material mit der höchsten Reißfestigkeit, das momentan im Bereich der Pferdecken auf dem Markt ist, ist ballistisches Nylon. Der Denier-Wert kann hier nicht gleichgesetzt werden mit dem Denier-Wert von „normalen“ Nylon. So sind 1000 Denier ballistisches Nylon reißfester als 1680 Denier Nylon.

19 Was bedeutet Ripstop bei einer Decke?
Damit wird eine spezielle Webtechnik bezeichnet, bei der stärkere Fäden eingearbeitet werden und das Gewebe in einer Art „Rechenkästchenstruktur“ verwebt wird. Es soll bei einem Riss ein weiteres Aufreißen verhindern.

20 Wie und wie oft sollte man eine Decke waschen?
Decken in der eigenen Maschine zu waschen, ist nicht sinnvoll – nicht nur aus hygienischen Gründen. Denn die meisten dieser Maschinen sind für das Gewicht nicht ausgelegt. Sie überhitzen und schon manch eine Waschmaschine ist dabei in Brand geraten. Entweder nutzt man den Pferdedecken-Waschservice vieler Fachhändler oder man hat eine Industriewaschmaschine. „Pferdedecken dürfen nur bei 30 Grad und mit einem speziellen Deckenwaschmittel gewaschen werden, sonst verziehen sich die Fasern und die Decke ist bereits nach dem ersten Waschen undicht. Außerdem dürfen Decken nicht geschleudert werden. Man lässt sie am besten zwei bis drei Tage lang abtropfen und trocknen“, erklärt Pia Sprünken. Für diese Zeit benötigt man natürlich eine zweite Decke, was aus Sicht beider Fachverkäuferinnen jedoch sowieso sinnvoll ist, da beide dazu raten Decken zwei- bis dreimal während einer Tragezeit (zum Beispiel von Oktober bis Februar) zu waschen. Ihrer Erfahrung nach halten Decken auch bei mehrmaligem Waschen weiterhin gut dicht, wenn sie fachgerecht gewaschen wurden.

21 Sollte man eine Decke beim Waschen auch desinfizieren?

Vor allem wenn Pferde nach dem Training noch etwas nachschwitzen und eingedeckt werden, fühlen sich Pilze besonders wohl. „Wenn wir unsere Decken waschen, desinfizieren wir sie daher immer gleich mit“, erklärt Jenny Mechen.

Nur mit speziellem Waschmittel bleiben Outdoor-Decken dicht.


Foto:www.slawik.com

22 Welche Bein- bzw. Schweifgurte gelten als besonders sicher?
Zwei Gurte unterm Bauch über Kreuz oder drei Gurte – für welches Modell man sich hier entscheidet, ist zunächst keine Frage der Sicherheit, sondern des richtigen Sitzes. „Passt eine Decke optimal, sollte die Art der Bauch- oder Beingurte kein Thema sein“, weiß auch Pia Sprünken.
Wichtig ist, dass die Gurte nicht zu lang und nicht zu kurz verschnallt werden. „Außerdem rate ich zu Safe-Gums (siehe Foto oben links), da ich schon erlebt habe, wie ein Pferd im Bauchgurt eines anderen Pferdes festhing“, so Jenny Mechen. „Die Safe-Gums werden zusätzlich am Verschluss befestigt und reißen im Notfall schneller. Das schützt das Pferd und die Decke geht ebenfalls nicht so leicht kaputt.“

23 Wie kann man kleine Löcher flicken?
Je nach Größe des Lochs bieten sich zwei Möglichkeiten an: Ganz kleine Löcher lassen sich mit einem speziellen Deckenkleber verschließen. Etwas größere Löcher (maximal handflächengroß) werden mit einem Stück Stoff verklebt. Im Handel gibt es hier extra Klebe-Sets. Nähen ist auch eine Möglichkeit, doch durch die Naht kann die Decke undicht werden.

24 Was kann ich tun, wenn andere Pferde auf der Weide in die Decke beißen?
Im Fachhandel gibt es spezielle Produkte, die man auf die Decke auftragen kann. Diese enthalten Bitterstoffe und wirken abstoßend.

25 Wie sollte das Innenfutter einer Outdoor-Decke aussehen?
Regendecken ohne Füllung fühlen sich nicht so schön kuschelig an wie dick gepolsterte Decken. Doch in der milderen Übergangszeit erfüllen diese Decken auch ihren Zweck, ebenso wenn Pferde mit extrem dickem Fell vorübergehend einen Schutz gegen Nässe benötigen. Viel wichtiger beim Innenmaterial ist dieser Aspekt: Flauschiger ist nicht immer besser! Glatte Materialen haben nämlich den Vorteil, dass sie auf dem Pferdefell besser rutschen. Pferde, die zu Scheuerstellen neigen, sind damit besser bedient. Stoffe, die sehr flauschig sind, wirken stumpfer, erklärt Pia Sprünken.

Pia Sprünken
Arbeitet seit zehn Jahren bei Reitsport Voss in Kamp-Lintfort und berät dort Kunden vor allem im Bereich Pferdezubehör.

Jenny Mechen
Ist bei Reitsport Wahl in Dietmannsried in der Reitsportabteilung tätig.

Ietje Leendertse
Die Tierärztin ist gebürtige Niederländerin und führt eine Gemeinschaftspraxis in Lüdinghausen.