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PFLANZEN : Algenkalk: Wundermittel für den Buchsbaum?


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 31.05.2019

Die Gartenliebhaber waren begeistert: Endlich schien es ein Heilmittel für ihren Buchs zu geben. Doch funktioniert es? Die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Bad Zwischenahn hat getestet.


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Raupe des Buchsbaumzünslers.


Foto: Heinrich Beltz

Buchsbaumpflanzungen leiden in den letzten Jahren verstärkt unter Schäden durch denBuchsbaumblattfall (Cylindrocladium buxicola, syn.Calonectria pseudonaviculata undC. henricotiae ) und denBuchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis ).

Im vergangenen Jahr ließen Meldungen in den Medien die Hoffnung aufkommen, dass mit dem umweltfreundlichen „Hausmittel“ ...

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... Algenkalk beide in den Griff zu bekommen wären. Die Begeisterung war so groß, dass das Produkt zeitweise im Einzelhandel ausverkauft war. In zwei Tastversuchen der LVG Bad Zwischenahn wurde die Wirksamkeit untersucht.

Erfahrung am Niederrhein

Zwei Gartenliebhaber vom Niederrhein hatten in den letzten Jahren ihre Buchsbaumpflanzungen mit Algenkalk bestreut und die Beobachtung gemacht, dass die Pflanzen danach verhältnismäßig gesund waren. Berichte darüber wurden daraufhin von Gartenzeitschriften, der Tagespresse, Fernsehanstalten und natürlich auch im Internet verbreitet. Die Medienberichte veranlassten die LVG Bad Zwischenahn zu Vergleichsversuchen in enger Zusammenarbeit mit dem Pflanzenschutzamt Niedersachsen…

Versuch zum Blattfall

In einem Versuch wurden am 23. Mai 2018 sechs verschiedene Maßnahmen gegen den Buchsbaumblattfall geprüft. Neben dem Fungizid Mirage 45 EC (Prochloraz), das als bekanntlich gut wirksames Standardfungizid zum Vergleich eingesetzt wurde, wurden Kumulus WG (Netzschwefel, ein im Bioanbau zugelassenes Fungizid) sowie das als Fungizid in bestimmten Gemüse- und Obstkulturen zugelassene Serenade ASO geprüft, ein biologisches Fungizid, das das BakteriumBacillus amyloliquefaciens beinhaltet.

Der nur als Dünger zugelassene Algenkalk wurde den Empfehlungen der Gartenliebhaber vom Niederrhein folgend gestreut und zum Vergleich dazu der Dünger Löschkalk (Calciumhydroxid Ca(OH)2) gespritzt, dem ebenfalls gelegentlich eine fungizide Wirkung nachgesagt wird. Ein weiterer Teil der Pflanzen wurde mit dem Siliziumdünger Silamol gespritzt, der die Zellwände stärken und dadurch die Pflanzen widerstandsfähig machen soll.

Die Behandlungen wurden vom 24. Mai bis 25. September 2018 in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Der Versuch wurde an jeweils 20 Pflanzen der drei unterschiedlich empfindlichen SortenBuxus sempervirens ‘Rotundifolia’ (sehr anfällig),Buxus microphylla ‘Pincushion’ (mittel) undBuxus microphylla ‘Faulkner’ (wenig anfällig) durchgeführt. Dabei wurden die Pflanzen einem natürlichen, praxisnahen Befallsdruck ausgesetzt.

Da der Sommer 2018 extrem trocken war, blieben die Pflanzen selbst in den unbehandelten Kontrollvarianten zunächst weitgehend gesund. Um dem Erreger etwas günstigere klimatische Infektionsbedingungen zu schaffen, wurden die Pflanzen dann im September befeuchtet und zwei Tage lang übertunnelt.

Wirkung gegen Blattfall

Im Oktober wurden dann deutliche Befallssymptome sichtbar. Dabei zeigten die unbehandelten Pflanzen der beiden empfindlicheren Sorten ‘Rotundifolia’ und ‘Pincushion’ deutliche Symptome, während ‘Faulkner’, bekanntlich eine der robustesten Sorten, nur wenig befallen war. An denjenigen Pflanzen, die mit den Fungiziden Mirage 45 EC oder Kumulus WG behandelt worden waren, waren kaum Symptome zu finden. Die zugelassenen Fungizide hatten also recht gut gewirkt.

Bei den Düngern Algenkalk, Löschkalk und Siliziumdünger sowie dem Fungizid Serenade ASO war dagegen keine Wirkung zu erkennen. Im Versuch wurde übrigens ausgerechnet in der Variante mit Algenkalk eine junge Raupe des Buchsbaumzünslers (durch natürlichen Befall) gefunden.

Wirkung gegen Zünsler

In einem Tastversuch, der wissenschaftlichen Ansprüchen allerdings nicht genügt, wurde die Wirkung von Algenkalk gegen den Zünsler geprüft. Dafür standen 21 Zünslerraupen in verschiedenen Entwicklungsstadien zur Verfügung, die am 7. August 2018 zufallsverteilt auf 21 Jungpflanzen von Buxus sempervirens var. arborescens in 9-cm-Töpfen gesetzt wurden.

Einen Tag später wurde ein Drittel der Pflanzen mit Algenkalk bestäubt, ein Drittel zum Vergleich mit dem dafür zugelassenen biologischen Insektizid Xen-Tari (Bacillus thuringiensis ) gespritzt und das übrige Drittel blieb als Kontrolle unbehandelt. Als sich ein Teil der überlebenden Raupen verpuppt hatte, wurden die Pflanzen zehn Tage später untersucht und die Raupen gezählt.

Von den jeweils sieben Raupen, die in jedem Versuchsglied ausgesetzt worden waren, wurden in jedem Versuchsglied sechs wiedergefunden (Wiederfindungsrate 86 Prozent). Die restlichen waren gestorben, abgewandert oder bei der Bonitur übersehen worden.

Die Unterschiede im Zustand der Tiere zwischen den drei Varianten waren sehr krass: Während sowohl in der unbehandelten Kontrolle als auch in der Variante mit Algenkalk alle wiedergefundenen Exemplare am Leben und ohne erkennbare negative Beeinflussung ihrer Vitalität waren, waren in der Vergleichsvariante mit dem Insektizid XenTari alle Raupen abgestorben. In der Kontrolle waren vier der sechs Tiere verpuppt, in der Variante mit Algenkalk drei. Von einer Notverpuppung aufgrund des Stresses kann also nicht die Rede sein. Übrigens wurden in einem kleinen Tastversuch einzelne Raupen des Buchsbaumzünslers mit stark mit Algenkalk behafteten Zweigen gefüttert und andere Tiere in Algenkalk gewälzt, ohne dass diese erkennbar Schaden nahmen.

Die Behandlungen mit Algenkalk hatten also keine erkennbare Wirkung gegen Raupen des Buchsbaumzünslers. Auch eine Wirkung der Behandlungen mit Algenkalk, die erst nach mehreren Jahren einsetzt, konnte nicht bestätigt werden. Desgleichen ist keine denkbare direkte Wirkung des Algenkalks auf Buchsbaumzünsler oder Blattfallsporen zu erwarten, da sich die sichtbare Kalkschicht durch Regen sehr schnell abwäscht.

WAS TUN…

So lange keine belastbaren Versuchsergebnisse vorliegen, die eine Wirkung von Algenkalk gegen Buchsbaumblattfall oder -zünsler nachweisen, ist von dessen Einsatz abzuraten.

… bei Buchsbaumblattbefall?

Gegen den Buchsbaumblattfall helfen vielmehr zugelassene Fungizide wie Switch, Mirage 45 EC im Profianbau oder Bayer Garten Rosen-Pilzfrei Baymat (Tebuconazol) sowie Duaxo Universal Pilz-frei (Difenoconazol) im Haus- und Kleingartenbereich. Auch Kupfer- und Schwefelfungizide, die sogar im Bioanbau erlaubt sind, zeigen eine gute Wirkung, sind aber für diesen Zweck nur im Profibereich zugelassen. Ein Problem ist allerdings, dass der Fungizideinsatz gegen den Buchsbaumblattfall vorbeugend erfolgen muss und die mögliche Infektionszeit des Erregers sehr lang sein kann (Mai bis Oktober). In der Praxis ist eine sinnvolle Fungizidstrategie im Hausund Kleingartenbereich daher schwer umzusetzen und es sollte stattdessen, wenn möglich, auf widerstandsfähige Sorten wie ‘Herrenhausen’ oder ‘Faulkner’ ausgewichen werden. Neue, sehr widerstandsfähige Sorten der Baumschule Herplant sollen im Herbst 2019 auf den Markt kommen.

… gegen den Buchsbaumzünsler?

Gegen den Buchsbaumzünsler sind verschiedene Insektizide zugelassen. Besonders empfehlenswert sind XenTari oder Dipel ES, die auf dem Toxin des BakteriumsBacillus thuringiensis subsp.aizawai bzw. subsp.kurstaki beruhen. Da die Raupen sehr gefräßig sind, darf der richtige Behandlungszeitpunkt nicht verpasst werden! Günstige Termine liegen oft im April (Wintergeneration) und Juli (Sommergeneration). Regelmäßige Kontrollen der Pflanzen, auch in ihrem Inneren, sind unbedingt zu empfehlen. Wenn der Einsatz fachgerecht erfolgt, reichen ein oder zwei Behandlungen pro Jahr für eine ausreichend effektive Bekämpfung aus.
beltz