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PFLANZEN: Konkurrenzstark, pflegeleicht, verlässlich – Kerzenknöteriche


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 3/2018 vom 13.04.2018
Artikelbild für den Artikel "PFLANZEN: Konkurrenzstark, pflegeleicht, verlässlich – Kerzenknöteriche" aus der Ausgabe 3/2018 von TASPO GARTEN-DESIGN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Kerzenknöteriche passen sowohl in Rabatten als auch in wiesenartige Pflanzungen. Hier bilden Bistorta amplexicaulis ‘Roseum’ mit Eupatorium, Chinaschilf und Herbstanemonen eine gelungene Kombination.


Fotos: Bernd Hertle

Trotz ihrer langen Blütezeit von Juli bis zu den ersten strengeren Frösten spielten die Kerzenknöteriche in der Pflanzenverwendung bis in die 1990er-Jahre eine bescheidene Rolle. In den Angebotslisten der Staudengärtnereien tauchten nur wenige und stets die gleichen Sorten auf. Seit einigen Jahren ist Bistorta amplexicaulis jedoch immer stärker ins Blickfeld von engagierten ...

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... Pflanzenverwendern und Züchtern geraten. Es sind Pflanzen, die dem Zeitgeist entsprechen, da sie nur wenig Pflege verursachen und trotz intensiver Züchtungs- und Auslesetätigkeit ihren natürlichen Charme weitgehend bewahrt haben.

1 ‘Blackfield’


Ihre Verwendung kann auf vielfältige Weise erfolgen: Sie lassen sich hervorragend in Driftpflanzungen und Rabatten einbeziehen, wissen aber auch in naturnäherer Verwendung zu überzeugen, etwa in wiesenartigen Pflanzungen oder im Umfeld von Gewässern. Gute Nachbarn sind ebenfalls wuchskräftige und langlebige Stauden wie Riesenehrenpreis (Veronicastrum ), Wiesenknöpfe (Sanguisorba ), Herbst-Anemone (Anemone x hybrida ), Rosa Spierstaude (Filipendula rubra ‘ Venusta‘), Wiesen-Iris(Iris sibirica ) oder der Herbst-Eisenhut (Aconitum charmichaelii ). Wie in der Kombination mit robusten Staudengräsern – hier bieten sich Sorten des Chinaschilfs (Miscanthus sinensis ), Hohes Pfeifengras (Molinia arundinacea ), Garten-Sandrohr (Calamagrostis x acutiflora ) oder das Plattährengras (Chasmanthium latifolium ) an – lassen sich damit Wuchsgemeinschaften entwickeln, die in Kombination mit Mulch kaum Unkrautaufwuchs zulassen. Dazu tragen das dichte Blattwerk und das kräftige Wurzelwerk der Kerzenknöteriche bei. Standörtlich richtig verwendet sind somit Pflanzungen möglich, die mit einem geringen Pflegeaufwand zu managen sind und daher nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen Grün realisiert werden können.

Zahlreiche neue Sorten

Während der letzten fünfzehn Jahre hat intensive Züchtungsund Auslesetätigkeit zu einem breit gefächerten Sortiment geführt. Derzeit existieren über 50 verschiedene Formen, die ein Farbspektrum vom dunklen Blutrot über unterschiedliche Rosatöne bis Weiß abdecken.

Die heutige Sortenvielfalt ist vor allem das Verdienst belgischer Züchter wie Chris Ghyselen und Jan Spruyt sowie deren niederländischen Kollegen Coen Jansen und Piet Oudolf. Mag sein, dass das maritim geprägte Klima Belgiens und Hollands die Arbeit mit den Kerzenknöterichen erleichtert, doch gaben die Hinwendung zu einer mehr naturalistischen Staudenverwendung und der Wunsch nach pflegearmen Pflanzungen wohl die entscheidenden Impulse für die Beschäftigung mitBistorta amplexicaulis . Auch wenn bei vielen Auslesen der Zufall Regie geführt haben dürfte, so sind vor allem von Chris Ghyselen gezielte Züchtungen durchgeführt worden.

Sehr früh, aber nicht überaus lange blühende Sorten mit breiten Blütenähren wie beispielsweise ‘Black Adder‘ oder ‘Dikke Floskes‘ enthalten wohl auch Gene unseres heimischen Wiesenknöterichs (Bistorta vulgaris – Synonym Persicaria bistorta ). Einen unangenehmen Nebeneffekt zeigen diese Hybriden jedoch: Ihre bodennahen Blätter verbräunen bereits zur Blütezeit. Trotz imposanter Blütenwalzen wurden diese Sorten in der Sichtung daher als entbehrlich eingestuft, als Schnittblumen sind sie jedoch nicht zu unterschätzen.

Sichtung des Sortiments

Angesichts der rasanten Entwicklung des Sortiments beschloss der Arbeitskreis Staudensichtung, die Sorten vonBistorta amplexicaulis auf ihren Verwendungswert in Grünanlagen zu prüfen. Als Sichtungskriterien und damit als Boniturmerkmale wurden festgelegt:

Überwinterungsverhalten,
Standfestigkeit,
Blütenschmuckwirkung,
Reichblütigkeit,

2 ‘Fat Domino‘


3 ‘Firedance’


1 ‘JS Caliente’,


2 ‘JS Calor’,


3 ‘Endless Beauty’,


4 ‘Fine Pink’,


5 ‘October Pink’,


6 ‘Border Beauty’,


7 ‘Janet’


Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge,
Vitalität und Gesamteindruck.

Nach der Klärung der Sortenechtheit im Sichtungsgarten Weihenstephan erfolgte die Begutachtung des Sortiments von 2014 bis 2017 an den Sichtungsstandorten Bernburg, Erfurt, Hohenheim, Oeschberg, Wädenswil und Weihenstephan. Im Herbst 2017 wurden die Boniturergebnisse während der Koordinierungssitzung des Arbeitskreises in Bernburg diskutiert und die abschließende Bewertung der Sorten vorgenommen. Sage und schreibe 20 Sorten erhielten das Urteil „ausgezeichnet“ – die bestmögliche Bewertung in der Staudensichtung! Die Flut hoch bewerteter Formen ist ein deutlicher Fingerzeig, dass es ein Ensemble zahlreicher überaus wüchsiger, wenig krankheitsanfälliger Kerzenknöteriche gibt, welches sich in der Verwendung als weitgehend unproblematisch erweist. Es umschließt gleichermaßen standfeste wie ansprechend wirkende Sorten, die reich und überaus lange blühen.

Die besten kräftig rot blühenden Sorten

Die dunkelste Variante im aktuellen Sortiment ist ‘Blackfield‘, deren tiefes Rubinrot in der zweiten Oktoberhälfte noch kräftiger, fast schwarzrot erscheint. Ihre im Vergleich zu anderen Auslesen schmalen, lang zugespitzten Blätter sind dunkelgrün gefärbt. Die niedrige, sich wenig ausbreitende Sorte lässt sich gut in Pflanzungen auf kleineren Flächen oder auch im Vordergrund von Rabatten verwenden. Ebenfalls sehr gut bewertet wurde ’Fat Domino’. Die etwas höher werdende, bereits zwei Wochen früher blühende Variante beeindruckt mit ihren dicken walzenförmigen Blütenähren, welche nur unwesentlich heller gefärbt sind.

Eine aus dem Sortiment herausragende, sehr eigenständige Selektion ist ’Firedance’. Sie imponiert mit leuchtend roten Blütenständen und frischgrünen Blättern, was zusammen ein sehr freundliches Erscheinungsbild begründet. Die gut einen Meter hohe, dabei ausgezeichnet standfeste Spielform entwickelt sich sehr gleichmäßig und zeigt ein kompakt geschlossenes Wuchsbild. Sie blüht überaus reich von Mitte Juli bis in den November hinein und offenbart in keinerlei Hinsicht Schwächen. Zu den ebenfalls hochwüchsigen Varianten ist ‘Speciosa’ zu rechnen, von denen identische Pflanzen im Handel auch unter der Bezeichnung ‘Firetail‘ angeboten werden. Ihre Blütenstängel strecken sich deutlich über die Laubschöpfe hinaus. Die ausgezeichnet bewerteten Pflanzen blühen sehr früh und leiten mit ihren purpurroten Kerzen zur Gruppe der karminrot blühenden Formen über.

Über die gesamte Sichtungsdauer hinweg hervorragend präsentierten sich die beiden von Jan Spruyt ausgelesenen Sorten ’JS Caliente’ und ’JS Calor’. Ihr Blütenschmuck beeindruckt noch im späten Oktober. Es sind aufrecht wachsende, ausgezeichnet standfeste und vitale Formen, die ein sehr geschlossenes Wuchsbild zeigen. Die Unterschiede zwischen diesen beiden kräftig rot blühenden Kerzenknöterichen sind jedoch gering. ‘JS Calor‘ zeigt im Gegenlicht einen geringfügig höheren Anteil an Violett und dunkles, feineres Blattwerk als ihre Schwestersorte, doch erscheint es nicht notwendig, beide dieser ausgezeichnet bewerteten Selektionen im Garten zu verwenden.

Die gedrungen buschig wachsenden ‘Lisan’ und ‘Taurus’ reihen sich in einen Kreis von Spielarten mit ähnlichen Blütenfarben ein. Beide sind frohwüchsig, blühen reich und können durch ihren Blütenschmuck sehr überzeugen. Falls kein früher Frost dem Laub den Garaus macht, warten beide spät im Jahr mit einer ansprechenden roten Herbstfärbung des Laubs auf. ‘Taurus‘ ist allerdings zu den Sorten zu rechnen, die sich besonders gerne aussäen. Letzteres ist bei der ebenfalls kompakt wachsenden ‘Heutinck’ weniger zu beobachten. Die sehr früh blühende Auslese entwickelt nur kurze, aber überaus viele magentafarbene bis violettrote Ähren.

1 ‘Summer Dance’


2 ‘Ample Pink’



„Standörtlich richtig verwendet sind somit Pflanzungen möglich, die mit einem geringen Pflegeaufwand zu managen sind.“


Wuchskräftige rosa blühende Formen

Das Sortiment vonBistorta amplexicaulis umspannt zahlreiche, von sehr hell bis kräftig rosafarben blühende Varianten. An sehr guten oder ausgezeichneten Sorten besteht kein Mangel. Als insgesamt höchste Selektion auf den Sichtungsflächen fällt ‘Anna‘ auf. Die in der Gärtnerei Gaissmayer ausgelesene Form entwickelt beachtlich große Blätter und mit bis zu zwei Zentimeter Durchmesser ausgesprochen kräftige Stängel, die den Pflanzen trotz der beachtlichen Höhe eine ausgezeichnete Standfestigkeit verleihen. Die sehr gut bewertete Sorte schmückt mit kräftig rosafarbenen Ähren, die etwas weniger reich erscheinen als die der bestbewerteten Formen. Zu diesen zählen zweifelsfrei die ebenfalls hochwüchsigen ‘Rosea’ und ‘Endless Beauty‘. Beide zartrosa blühende Varianten sind auffallende Erscheinungen, die nicht nur viele, sondern auch mit bis zu 14 Zentimetern überaus lange, dabei schmale Blütenkerzen präsentieren. Sie entwickeln gleichmäßige, kompakt geschlossene Blatthorste, über die die Blütenstängel deutlich hinausragen.

Die Unterschiede zwischen den beiden hervorragenden Sorten sind äußerst gering. Die Blütenstände von ‘Endless Beauty‘ zeigen einen kleinen lachsfarbenen Schimmer und wirken etwas filigraner. Die ebenfalls als ausgezeichnet bewertete ‘Fine Pink‘ bleibt in der Wuchshöhe etwas hinter den beiden zuvor beschriebenen Typen zurück. Ihre langen schmalen, straff aufrechten Ähren sind etwas dunkler gefärbt und zeigen gelegentlich Verbänderungen. Sie strecken sich deutlich über das Laub hinaus und bilden in ihrer Vielzahl einen ansprechenden transparenten Schleier.

Eine weitere Spitzensorte ist ‘Fascination‘. Ihre Blüten sind knospig dunkelrosa gefärbt, sie werden mit dem Aufblühen immer heller. ‘Border Beauty‘ blüht kräftig pink und bildet auffällig dichte Blütenkerzen. Einen weit weniger straff aufrechten Wuchs als die zuvor genannten Formen zeigt ‘Sara‘, eine erst nach Abschluss der Sichtung benannte Auslese von Coen Jansen. Die dünnen, fast bogenförmig aufstrebenden Triebe der starken Wachser sind in den ersten Jahren nicht immer standfest. Die hochwüchsigen Pflanzen wirken dadurch mitunter etwas „unordentlich“, eignen sich aber bestens in Kombination mit anderen starkwüchsigen Partnern für die Verwendung in größeren Flächen. Beeindruckend wirkt ihr reicher, violettrosafarbener Flor.

Niedrig bleibende rosafarbene Varianten

Innerhalb des gesamten Sortiments ist ‘Janet‘ eine der auffälligsten Charaktere – und unverwechselbar. Dies liegt weniger an den intensiven violettrosafarbenen Blüten, die einen Hauch von Lachs zeigen, als vielmehr an ihren waagerecht gerichteten bis übergeneigten oder S-förmig gebogenen Blütenständen. Aufgrund ihres Erscheinungsbilds lässt sich diese schöne, hervorragend bewertete Variante spannungsvoll mit straff aufrecht wachsenden Kerzenknöterichen kombinieren.

1 ‘White Eastfield’


2 ‘Alba’


Weitere hervorragende Auslesen, die kaum einen Meter Wuchshöhe erreichen, sind ‘October Pink‘ mit rosafarbenen, ‘Ample Pink‘ mit kräftig rosa gefärbten sowie ‘Summer Dance’ mit leuchtend pink getönten Blütenständen. Sie alle wachsen aufrecht und sind sehr standfest. ‘Ample Pink‘ wartet mit etwas breiteren, vollen Blütenähren auf. ‘Summer Dance‘ besitzt feste Stiele und kräftig grünes Laub und blüht bis Ende Oktober. ‘October Pink‘ beginnt bereits ab Anfang Juli zu blühen und zeigt sich im Oktober besonders attraktiv.

Etwas weniger standfest ist die leuchtend rosa blühende ‘JS Betty Brandt‘, welche sich insgesamt etwas ausladender präsentiert. Dies gilt in ähnlicher Weise für ‘Rowden Gem‘, die ebenfalls als „sehr gut“ eingestuft wurde. Sie weiß durch ihre kräftig violettrosafarbenen Blütenstände zu gefallen. Mit beinahe einem Meter ist der „Edelstein“ nahezu doppelt so hoch wie die auf den Prüfflächen niedrigste, aber wenig überzeugende Sorte ‘Pink Elephant‘.

GAST AUS FERNEN BERGEN

Der Kerzenknöterich (Bistorta amplexicaulis, Synonym Persicaria amplexicaulis, Polygonum amplexicaule ) stammt aus dem Himalaja. Die Staude wächst dort in absonnigen Talwiesen, hanglagigen Mischwäldern und kommt auch an Waldrändern in Höhenlagen zwischen 1.200 und 4.800 Metern vor. In der Gartenkultur bevorzugen die Pflanzen frische bis feuchte Bedingungen sowie absonnige bis sonnige, kühle Lagen. Nährstoffreiche Lehmböden bietenBistorta amplexicaulis und seinen Formen beste Entwicklungsmöglichkeiten. Insgesamt sind die langlebigen Pflanzen durchaus anpassungsfähig, so dass sie auch auf weniger optimalen Standorten noch gedeihen. Hitze und Trockenheit führt jedoch häufig zum Befall mit Spinnmilben, was zu unansehnlichen braunroten Flecken auf den großen Blättern führt.

Lachsfarbene Selektionen

Besonderheiten im Sortiment stellen Selektionen mit einem auffallend hohen Orangeanteil in den Blütenständen dar. Diesbezüglich ragt ‘Orangofield‘ heraus, die fälschlicher Weise auch unter der Bezeichnung Orangefield gehandelt wird. Die Sorte bildet schmale Blätter aus und zählt zu den trägwüchsigen, sich weniger opulent präsentierenden Varianten im Sortiment. Sie ist bestens standfest und besticht durch ihre ausgefallene Blütenfarbe, die in Pflanzungen aber nicht immer einfach zu kombinieren ist. Im Bestand auftretende Sämlinge sollten rasch gejätet werden, da sie die niedere Sorte sonst verdrängen.

Ebenfalls lachsrosa, aber weniger auffällig als ‘Orangofield‘ präsentieren sich die Blüten von ‘High Society‘, die kräftiger wächst und höher wird, aufgrund geringerer Standfestigkeit und einer leichten Anfälligkeit für Blattfleckenerkran-kungen mit „sehr gut“ etwas schwächer bewertet wurde. ‘Cottesbrook Gold‘, die durch einen gelben Laubaustrieb ins Auge fällt, und die weiß panaschierte ‘Spotted Eastfield‘ besitzen ebenfalls einen Anteil von Lachs in ihren Blüten, wurden aber nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Krankheitsanfälligkeit, aber auch wegen der mangelnden Stabilität der Blattfarbe als entbehrlich eingestuft.

3 ‘Orongofield’


Weiß blühend und verlässlich

Die wuchskräftigste und gleichzeitig beste weißblühende Sorte ist ‘Alba‘. Sie bringt zierlich schmale, doch mit Ährenlängen von 17 Zentimetern überaus langgestreckte, mitunter leicht geschwungene Blütenstände sowie schmale spitze, dunkle Blätter hervor. Die schon lange bekannte Form vermag in allen Belangen zu gefallen und wurde daher ausgezeichnet bewertet.

Ebenfalls vollkommen überzeugt hat ‘White Eastfield‘, die zu den am längsten wirkungsvollen Sorten im Sortiment zählen, da sie noch Ende Oktober eindrucksvolle Bilder malt. Die Selektion von Chris Ghyselen bleibt deutlich kleiner. Ihre elfenbeinweißen Ähren sind stark geschwungen, was den nicht allzu üppig wachsenden Pflanzen ein verspieltes Aussehen verleiht. Nahezu weiß blüht auch ‘Pink Mist‘, die derselben Züchterhand entstammt. Die Sorte lässt erst spät im Jahr ihren rosafarbenen Schleier deutlicher erkennen. Da sie auf den Sichtungsflächen bezüglich Gesundheit und Standfestigkeit nicht in der gleichen Weise punkten konnte, erhielt sie das Prädikat „sehr gut“.

AUTOR

Dr. Bernd Hertle ist Professor an der Hochschule Weihen - stephan-Triesdorf, Lehrgebiet Freilandzierpflanzen. Er ist Leiter der Weihenstephaner Gärten und Vorsitzender des Arbeitskreises Staudensichtung.