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„Pflanzen-Station“ mit Retro-Feeling


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 31/2018 vom 03.08.2018

Serie Good News: Retro-Feeling. Zelda Czok eröffnet „Pflanzen-Station“ in denkmalgeschütztem Tankstellengebäude mit Retro-Feeling und Instagram-Werbung.


Artikelbild für den Artikel "„Pflanzen-Station“ mit Retro-Feeling" aus der Ausgabe 31/2018 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

In einem denkmalgeschützten Tankstellen-Gebäude eröffnete Zelda Czok eine „Pflanzen-Station“ mit angesagtem Retro-Feeling.


Team der „Pflanzen-Station“, bei Instagram aktiv.


Foto: Malte Dibbern

Nur 45 Quadratmeter groß, aber am idealen Standort.


Werkfotos

Nur wenige TASPO-Leser werden schon das Alter erreicht haben, dass sie den letzten wirklichen Zimmerpflanzenboom selbst erlebt haben. Daher sei ein kurzer Rückblick auf die 1970er-Jahre erlaubt. Damals ...

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... gehörten grüne Zimmerpflanzen zum Lebensstil insbesondere junger Menschen. Keine „Studentenbude“, kein WG-Zimmer, in das nicht Dutzende Grünpflanzen „Leben“ brachten. Gekauft wurden sie nicht beim Floristen gegenüber, sondern auf Wochen- und Flohmärkten. Nahezu in jeder Großstadt gab es neben den „fliegenden Holländern“ junge deutsche „Unternehmer“, die mit gemieteten Lkw am Donnerstag Richtung Holland düsten, um dann am Wochenende ihre Pflanzenladung an die Großstädter zu verhökern.

Solche Zeiten kommen nun wieder. Der insbesondere in der Einrichtungsund Modebranche spürbare Retro-Trend lässt auch grüne Zimmerpflanzen bei den jungen Verbrauchern wieder populär werden. Es sind die Pflanzen, die schon vor einem halben Jahrhundert angesagt waren: Farne,Monstera ,Yucca , Kakteen, Sukkulenten, selbst der lange als „verstaubt“ geltende Gummibaum. Allerdings werden sie nicht mehr direkt vom Lkw gekauft, sondern wie Designer-Möbel in spezialisierten Geschäften, in denen Beratung eine wesentliche Rolle spielt.

Solch ein Geschäft hat Ende Mai Zelda Czok an einem Standort eröffnet, der wie wohl kein zweiter das aktuelle Retro-Feeling aufnimmt. Die „Pflanzen-Station“ ist in einem denkmalgeschützten Tankstellengebäude unmittelbar vor den Hamburger Grindelhochhäusern untergebracht. Der vollständig verglaste Laden ist mit 45 Quadratmetern recht klein, seine Architektur mit dem weit vorstehenden, ovalen Vordach (Schatten) nimmt die Nierentischformgebung der 50er- und 60er-Jahre auf. Der Standort ist ideal. Im Hintergrund die zwölf denkmalgeschützten, 15-geschossigen Wohnblöcke (erbaut zwischen 1946 und 1956), vor der Tür Parkplätze und eine viel befahrene Verbindungsstraße mit Supermarkt, Einrichtungshaus, Frisör, Fotostudio und einem Importeur japanischer Lebensmittel.

Standort ist alles – wenn dieser Spruch aus der Immobilienbranche stimmt, dann hat Zelda Czok alles richtig gemacht. In den vier Himmelsrichtungen grenzen der studentisch geprägte Grindelberg (Universität), der noble Villen-Stadtteil Havestehude (Außenalster) und die In-Viertel Eppendorf und Eimsbüttel an.

„Es waren sofort Kunden da“

„Es waren sofort Kunden da“, freut sich Zelda Czok wenige Tage nach der offiziellen Eröffnung. Zu der übrigens 400 Besucher den Weg zur Pflanzentankstelle fanden. Eine Anzahl, die nur auf den ersten Blick verwundert, denn die gebürtige Holländerin versteht es, auf der Instagram-Tastatur (etwa 8.000 Follower) zu spielen. Bewiesen hat sie das schon in ihrem ersten Geschäft „Winkel van Sinkel“ am Hamburger Großneumarkt, einem Conzept-Store, in dem neben Zimmerpflanzen auch Papeterie, Lederwaren, Drucke, Raumdüfte sowie Gin und Genever aus den Niederlanden verkauft werden(siehe TASPO GartenMarkt 18/18) .

Auffällig ist im Angebot der „Pflanzen-Station“, dass es kaum wirklich große Exemplare gibt. Das entspricht den Vorstellungen der neuen Pflanzenliebhaber, die nicht die eine große Solitärpflanze wünschen, sondern lieber kleinere – aber dafür mehrere. Die Einstellung erinnert an die 1970er, damals wurden Zimmerpflanzen auch nicht primär als Design-Objekte, sondern als „Mitbewohner“ angesehen.

„Stilsicherheit für die Zielgruppe“

Als Basis des Erfolges sieht Zelda Czok „neben unserem tollen Team“ zwei Aspekte, die vor 50 Jahren kaum eine Rolle spielten. „Stilsicherheit für die Zielgruppe“ist unabdingbar, meint sie. Der zweite Punkt ist Beratung. Was Zelda Czok damit meint, zeigt sich während des Recherchegespräches. Eine junge Frau fährt mit dem Rad vor und braucht „eure Hilfe, ich habe kürzlich zwei meiner Pflanzen umgebracht“. Ein Ehepaar wünscht sich Beratung, da die Kakteen in ihrer Glaskugel (auch so ein Relikt aus den 70ern) eingegangen sind. „Können Sie die Kugel neu bepflanzen?“, fragen sie – und finden es völlig selbstverständlich, wenn nicht nur für die Kakteen, sondern ebenfalls für die Bepflanzung ein Honorar veranschlagt wird.

Gehen solche Kunden auch zum Blumeneinzelhändler gegenüber, um sich beraten zu lassen? Oder ist es ein neuer Typ Kundschaft, der für die unterschiedlichsten Bedürfnisse unterschiedliche Spezial-Geschäfte aufsucht? Sicher zu sein scheint, dass sich Zelda Czok durch ihre Instagram-Aktivitäten eine eigene Pflanzen-Community herangezüchtet hat. Und zwar völlig unabhängig vom Standort. Rund 400 Besucher zu einem Eröffnungstag zu locken – das ist selbst in einer Großstadt für einen 45 Quadratmeter großen Laden bemerkenswert.

Einzigartige Architektur

Pflanzen kauft Zelda Czok, die einige Jahre bei Blume 2000 gearbeitet hat, vor allem in den Niederlanden und Dänemark. Sie kennt „die Gärtnereien und Messen“, ist daher bereit, auch die doch „relativ teuren Transportkosten“ auf sich zu nehmen. Wobei der Preis bei den speziellen Kundenwünschen (siehe oben) gegenüber der Beratung und Stilsicherheit bei den Kaufentscheidungen der Community auf einem eher hinteren Platz liegt.

Auch die einzigartige Architektur der Pflanzen-Tankstelle (ein Original dessen, was heute als Retro populär ist) könnte dazu beitragen, dass die Wünsche des Vermieters, der städtischen Saga, in Erfüllung gehen. „Die haben sich unter anderem für uns entschieden, weil sie Bewegung, Publikumsverkehr haben wollten“, erklärt Zelda Czok, für die die Miete „für diese Lage normal und bezahlbar“ ist.

Auch Beratung für Einzelhandel

Die Wahlhamburgerin nutzt ihr Pflanzen-Know-how auch im Dienstleistungsbereich, berät bei Ausstattung von Geschäften oder Messen. „Das läuft eher nebenbei, ich habe noch keine Akquise gemacht, ich mache nur das, was mir zufliegt.“ Der Fokus liegt nun zunächst einmal auf der Pflanzen-Station, die für ein Pflanzengeschäft nicht nur aus architektonischen Gründen einzigartig ist. Aus Gründen des Denkmalschutzes hat der Laden keinen Wasseranschluss, Wasser muss aus der angrenzenden Tiefgarage geholt werden. Für die meisten „Pflanzeneinzelhändler“ wäre das ein Ausschlusskriterium gewesen. Für Zelda Czok nur eine „kleine Herausforderung“.

Der Autor

Martin Hein ,
langjähriger freier Journalist unter anderem für Gartenbau und Floristik

Medien machen Pflanzentrend

Am Wochenende des Recherchegespräches erschien im Ressort „Stil“ der „Welt am Sonntag“ ein Aufmacherbeitrag „Wohnst du noch oder pflanzt du schon?“. Als Trendsetter wurde neben Geschäften in Amsterdam, Paris, Berlin und Köln auch „Winkel van Sinkel“ in Hamburg erwähnt. Einige Seiten weiter dann ein mit großen Fotos bestückter Beitrag über die New Yorker Wohnung des Stylisten Nicola Formichetti – umfangreich ausgestattet mit grünen Zimmerpflanzen. Wiederum einige Seiten weiter eine Anzeige von „immowelt.de“. Gezeigt wurde ein Raum, in dem alles, Wände, Möbel, selbst die Bettwäsche oder das Hemd des Models mitMonstera- Motiven bestückt waren. Das ist kaum Zufall, das ist Ausdruck eines Trends.
(mh)