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Pflege nach Bildern – die Zahl der Pflegegänge ist dabei egal


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 23/2018 vom 09.06.2018

2016 erschien der FLL-Bildqualitätskatalog Freianlagen (BK FREI), der auf der GaLaBau-Messe auch gleich eine Auszeichnung erhielt. Die Idee: Auftraggeber und -nehmer einigen sich anhand von Bildern auf die gewünschte Pflegequalität. Nicht die Zahl der Pflegegänge wird Vertragsinhalt, sondern ausschließlich die Qualität. Kam die Idee in der Praxis an? Die TASPO sprach mit einem der Autoren.


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Bildquelle: TASPO, Ausgabe 23/2018

Bildqualitäten in den fünf verschiedenen Qualitätsstufen, von A+ (perfekt gepflegt/gewartet) bis D (ungepflegt).


Der FLL-Bildqualitätskatalog Freianlagen zeigt nicht nur Fotos von über 200 Bildqualitätsmaßstäben für ...

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... etwa 40 Objektarten, sondern stellt in letzter Konsequenz das Prinzip „Pflege von Freianlagen“ komplett auf den Kopf. Denn die Fotos von unterschiedlichen Wartungs- und Instandhaltungsqualitäten führen bei der Instandhaltung von Flächen zu einer neuen Art des Arbeitens und Kalkulierens.

„Neu“ ist hier allerdings relativ: In den Niederlanden ist das Arbeiten nach Bildqualitäten und „Instandhaltungszielen“ schon seit 15 Jahren etabliert und wird mit guten Erfahrungen angewendet. So ist der BK FREI im ersten Schritt ein Versuch, anhand des niederländischen Standardwerks auch in Deutschland zu Leistungsbeschreibungen zu kommen, die sich an Pflegezielen orientieren statt an einzelnen Pflegemaßnahmen.

Die Broschüre war pünktlich zur Ga-LaBau 2016 erschienen und hatte sofort einen Innovationspreis gewonnen. Bis heute sind nach Angaben der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) 401 Exemplare (Stand Mai 2018) verkauft worden. Zeit für eine Zwischenbilanz. Die TASPO befragte Hans Gageler, Übersetzer des niederländischen Standardwerks ins Deutsche und „Vermittler zwischen zwei Welten“ – der deutschen und der holländischen.

TASPO: Die Broschüre BK FREI macht es möglich, einen Vertrag nach dem geforderten Ergebnis abzuschließen – es bleibt dem Auftragnehmer überlassen, wie er die vereinbarte Qualität erreicht beziehungsweise hält. „Output-orientiertes Arbeiten“ nennen Sie das. Was genau verstehen Sie darunter?
Hans Gageler: Output-orientiertes Arbeiten orientiert sich nicht an dem, was einem Objekt an Pflegemaßnahmen zugeführt wird, dem „Input“, sondern daran, wie das Objekt in einem bestimmten Zustand gehalten wird – dem „Output“. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Der Winterdienst ist ein gutes Beispiel, da wird auch in Deutschland bereits häufig output-orientiert gearbeitet: Entweder ich rechne einzelne Pflegemaßnahmen, wie Räumen oder Streuen, nach „Input“ ab, oder ich schließe einen Vertrag zum Beispiel darüber ab, dass ich eine Straße im „Zustand schnee- und eisfrei“ halte, unabhängig von Art und Dauer der einzelnen Arbeiten.

TASPO: Wo liegen die Vorteile dieses ergebnisorientierten Arbeitens? Hans Gageler: Ein solches Arbeiten orientiert sich immer automatisch an dem tatsächlichen Bedarf, es wird nie zuviel und nie zu wenig gearbeitet. Diese Art von Pflege ist nachhaltiger, umweltschonender, vernünftiger und heutzutage auch einfach zeitgemäßer.

Ich erinnere mich, dass ich früher als Landschaftsgärtner gelegentlich sinnlos über eine braune, raspelkurze Rasenfläche mähen musste, nur damit mein Chef den Pflegegang abrechnen konnte. Sowas gibt es beim ergebnisorientierten Arbeiten nicht.

Die Qualitätsniveaus werden vergleichbarer. Die Auftragnehmer haben mehr Spielraum und mehr Möglichkeiten, ihre Erfahrung auszuspielen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die thermische Unkrautbekämpfung. Die Mitarbeiter haben größere Freiheit bei der Einsatzplanung, und viele sind bei dieser Arbeitsweise motivierter, weil sie mehr Eigenverantwortung übernehmen können.

Die Auftraggeber sind meist sehr begeistert von dem System, die Auftragnehmer am Anfang eher nicht, weil sie das Gefühl eines höheren Risikos haben. Denn die Aussicht, nicht nach den einzelnen Arbeitsschritten abrechnen zu dürfen, birgt ein gewisses Risiko, das aber durch längere Vertragslaufzeiten wiederum minimiert werden könnte, wie auch in den Niederlanden üblich.

TASPO: In den Niederlanden wird schon seit 15 Jahren auf diese Weise gearbeitet. Wo liegt der Unterschied zwischen Deutschland und den Niederlanden?
Hans Gageler: Die Niederländer arbeiten tatsächlich schon länger auf diese Weise. Warum es in Deutschland so viel länger dauert, diese Art des Arbeitens zu etablieren, kann ich nicht genau sagen. Ein Grund ist vermutlich, dass Arbeiten in den Niederlanden viel häufiger frei vergeben werden als in Deutschland. Nach meiner Beobachtung hat die Branche dadurch eine höhere Innovationskraft.

Hinzu kommt sicherlich auch ein Mentalitätsunterschied. Die Deutschen sind schneller dabei, mit der VOB zu kommen und vor Gericht zu ziehen, die Holländer gehen lieber einen Kaffee trinken und reden drüber. Das klingt zwar sehr klischeehaft, hat aber nach meiner Erfahrung als in Holland arbeitender Deutscher in vielen Lebensbereichen viele Körnchen Wahrheit, nicht nur in der Pflege von Freiflächen.

TASPO: Ist die Broschüre hauptsächlich für solche Pflegebetriebe, die dieses output-orientierte Arbeiten anstreben? Hans Gagaler: Keinesfalls! In erster Linie ist die Broschüre für gute Kommunikation. Mit Bürgern, Politik, Entscheidern, Kommunen, Pflegebetrieben, GaLaBauern, Architekten, Auftraggebern, Lehrlingen und so weiter. Kunden können sich an den Bildern orientieren: Will ich eine A- oder B- oder C-Qualität?

Ein Gärtnermeister aus Berlin hatte auf einer Tagung die Idee, sie quasi als Schulbuch zu nutzen: Das Buch ist super, sagte er, ich kann meinen Lehrlingen damit alles erklären.

Die Stadt Osnabrück hat über 30 Exemplare des Katalogs bestellt, um sie den Pflegekolonnen als Anhaltspunkte für Qualitäten mitzugeben. Der Osnabrücker Servicebetrieb ist übrigens auch einer der Vorreiter in Deutschland beim Arbeiten nach Bildqualitäten(siehe Kasten) .

TASPO: Sollte beim Blättern in der Broschüre bei einem Landschaftsgärtner der Wunsch aufkommen, nach dieser Methode Angebote und Leistungsbeschreibungen zu erstellen, bietet BK FREI auch Hilfestellung für zum Beispiel die Kalkulation von Instandhaltungsaufträgen nach Bildqualitäten?
Hans Gageler: Das war nicht das Ziel im ersten Wurf. Aber trotzdem kommen viele Betriebe schnell zur Frage nach der Kalkulation von ergebnisorientiertem Arbeiten. Wenn sich eine Kommune oder ein Betrieb dazu entschließt, das Buch zu nutzen, dann ist meist der zweite Schritt, sich Leistungsbeschreibungen mit Bildern zu erstellen. Die digitale Variante der Bildqualitäten für die Kalkulation kann bei mir bestellt werden (h.gageler@ ewetel.net ).

Ein Beispiel: Ein Kunde von uns hat mehr als 20 Liegenschaften, die anhand der Bildqualitätssystematik instandgehalten werden sollen. Ein Büro hatte dafür ein Leistungsverzeichnis erstellt, das jedoch nicht funktionierte. Daraufhin wurde ich zur Prüfung hinzugezogen, in einer Schulung wurde das Prinzip dann deutlich. Wer sich einmal drauf einlässt, für den geht das Kalkulieren recht leicht. Die wichtigste Frage ist, inwieweit die Auftragnehmer und -geber daran interessiert sind, output-orientiert zu arbeiten und bereit sind, sich auf ein Mehr an Kommunikation einzulassen.


„Ergebnisorientiertes Arbeiten ist nachhaltiger, umweltschonender, vernünftiger


und heutzutage auch einfach zeitgemäßer.“
Hans Gageler, Gris Consult Gageler, Wilsum

TASPO: Warum ist es generell für Pflegebetriebe und Anbieter von Grünflächenpflege sinnvoll, sich mit dem Thema zu beschäftigen?
Hans Gageler: Ausgehend vom Facility-Management und großen Projektentwicklern wird das Definieren von Qualitätsniveaus immer mehr Einzug in Ausschreibungen erhalten. Für alle Beteiligten wird es immer wichtiger, wie zufrieden die Nutzer von Grünflächen sind – nicht nur in den Niederlanden.

Die Autorin

Heike Hoppe , Redakteurin, Expertin für Marketing und Kommunikation für die grüne Branche, Germanistin (MA)


Fotos: FLL/Privat