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Phänomen reifer Keiler


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JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 20/2022 vom 14.01.2022

Alte Bassen

Es gibt Dinge im Leben eines Waidmanns oder einer Waidfrau, die wecken Begehrlichkeiten. So ist es bestimmt eines jeden Wunschtraum, einmal einen reifen Keiler geschossen zu haben.

Aber was ist denn überhaupt ein reifer Keiler? Die auf Facebook und Instagram viral zelebrierten Keiler sind es in aller Regel gewiss nicht. Die mögen groß sein oder ein stattliches Gewaff besitzen. Oder auch einen massigen Körper. Aber, da muss ich leider enttäuschen: so richtig reife Bassen sind das nicht.

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Wirklich reife Keiler sind eine Seltenheit.

Zahlen, Daten, Fakten

Ein Keiler gilt gemeinhin mit fünf Jahren als reif. Hier und da wird neben diesem Alter noch ein Gewicht von 100 Kilogramm aufwärts als Kriterium genannt. Aber dann ist er eben „nur“ reif. Ein echter Urian, ein gewaltiger Basse, ist so eine gerade mal reife Sau noch nicht.

Warum ist schnell erklärt: Schwarzwild kann gut zehn Jahre alt werden – mit fünf Lenzen bewegen wir uns da klar im ...

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... Mittelfeld. Und ein Blick in die Streckenlisten zeigt, dass wirklich kapitale Keiler gut und gerne vier Zentner auf die Waage bringen, also 200 Kilogramm. Stellt man hier einen starken Überläufer mit 80 Kilogram zum Vergleich gegenüber wird deutlich, weshalb „reif “ nicht automatisch einen Bassen skizziert.

Wo sind die Dicken?

Es mag vielleicht platt klingen und die Wahrheit kann auch schmerzen: Es gibt so wenige wirklich reife Keiler, weil sie zu jung geschossen werden. Nicht alles, was groß scheint und zugleich ein wenig die Haderer und Hauer blitzen lässt, ist auch ein reifer Keiler! Dass es Sinn macht Keiler alt werden zu lassen, möchte ich im Folgenden kurz aufzeigen:

Die Mähr von der die Rausche steuernden Leitbache ist wildbiologisch widerlegt. Hier spielen vor allem Jahreszeit und Nahrungsangebot eine Rolle, die die Bachen alljährlich von November bis in den Januar hinein rauschig werden lässt. Und mit ihr alle anderen geschlechtsreifen weiblichen Sauen. Um konzentriert auf das Frühjahr und eben nicht über das ganze Jahr verteilt zu frischen, ist es nötig, dass die rauschigen Bachen in einem gleichen und kurzen Zeitkorridor beschlagen werden. Und hier kommt der reife Keiler ins Spiel: Er streift als bekennender Einzelgänger durch ein sehr großes Revier, in dem durchaus mehrere Mutterverbände, sprich Rotten, beheimatet sein können.

In der Rausche dominiert der Keiler „seine“ Rotten und verdrängt hierbei kleinere und schwächere Mitbewerber. Diese können sich so nicht vordrängeln oder zu späterer Zeit auf ihr Glück hoffen.

Überläuferkeiler

● Vorschlag (A)

● Pinsel sichtbar (B)

● deutlicher Pürzel (C) mit recht kurzer Quaste (D)

● gedrungenes Haupt (F)

● Waffen nicht erkennbar, Dauerzähne erst wenige Monate alt (E)

● Überläuferkeiler

● schöne, am Widerrist erhöhte Keilerfigur (G)

● FAZIT: Überläufer, möglichst schonen

Dreijähriger Keiler

● Vorschlag (A)

● Pinsel sichtbar (B)

● deutlicher Pürzel (C) mit längerer Quaste (D)

● kurze, unscheinbare Waffen (E)

● mittelalter Keiler

● gedrungenes Haupt (F)

● Waffen kaum erkennbar, Dauerzähne erst wenige Monate alt (E)

● erkennbare Keilerfigur (G)

● FAZIT: mittelalter Keiler, möglichst schonen

Jeder Rotte wird, so ein reifer Keiler im Beritt ist, ziemlich zeitgleich von ebendiesem besprungen. Und in der Folge wird diese Rotte auch ziemlich zeitgleich frischen.

100 Kilo machen keinen Keiler

Allein aufgrund der unterschiedlichen Physis eines weit über 100 Kilogramm schweren Keilers und einem gerade eben geschlechtsreifen weiblichen Frischlings von 20 bis 30 Kilogramm ist davon auszugehen, dass, solange dieser Herr im Hause ist, keine frühreife und gerademal der Kinderstube entwachsende Frischlingsbache beschlagen wird. Was populationsbiologisch natürlich ebenfalls von Vorteil ist. Denn auch wenn Frischlingsbachen kaum mehr als drei oder vier zumeist schwache Frischlinge setzen – es trägt zur überbordenden Populationsdynamik beim Schwarzwild bei und kann auch dadurch eingedämmt werden, indem man Keiler reif werden lässt.

Noch ein Vorteil ist, dass in der Rauschzeit reife Keiler jüngere und schwächere Keiler von der Rotte weg schlagen. In der Folge weichen speziell Überläufer gerne in kleinen Trupps aus und können so sehr gut angesprochen und erlegt werden.

Reife Keiler sind vorsichtig und sehr heimlich. Sie kommen kaum mit der Rotte an die Kirrung und wenn doch, so bleiben sie meistens am Rand der Fläche. Und dann hat man sie nun mal zumeist in der Dämmerung oder Nachts vor. Würden sie sich anders verhalten – sie wären kaum so alt geworden. Aber gerade in der Nacht ist es schwer, einen Keiler sauber anzusprechen. Weil er alleine zieht, sind wir der Möglichkeit des direkten Vergleichs beraubt und wir müssen uns an den drei klassischen Merkmalsgruppen entlanghangeln:

Mehrjähriger Keiler

● kräftiger Vorschlag (A)

● Pinsel sichtbar (B)

● deutlicher Pürzel (C) mit sichtbarer Quaste (D)

● klar sichtbare Waffen (E)

● ausgeprägtes kurzes Haupt (F)

● Waffen klar erkennbar, Dauerzähne etabliert (E)

● schöne, am Widerrist erhöhte Keilerfigur (G)

● FAZIT: älterer, kräftiger Keiler

Altersklassen der Keiler im Vergleich

So sprechen Sie an! Hartwig Görtler erklärt, worauf es ankommt.

Wie sieht der Körper aus? Eher wie ein starker Überläufer mit erkennbarem Wurf oder wie ein Koffer, quadratisch, praktisch, gut? Kann ich eventuell eine lange Quaste ausmachen? Sehe ich den markanten „Kamelhöcker“ oberhalb der Schulterpartie? Der ist in seiner Ausprägung in reiferem Alter stärker. Aber Obacht: auch alte Bachen können diesen Höcker haben – sie haben aber im Gegensatz zum Keiler einen längeren Wurf. Der des Keilers ist kompakter und er wirkt grimmiger. Zu guter Letzt bleibt ein Blick an die Bauchlinie, so sie denn überhaupt sichtbar ist. Aber das wäre selbstredend das spezifischste Kriterium: Auch die stärksten Bachen haben keinen Pinsel!

Eine große Hilfe zum Ansprechen einzelner Sauen ist da ein Hilfspunkt, den man Tag und Nacht als Referenz nehmen kann. Zum Beispiel ein gut platzierter Malbaum oder ein mindestens kniehoher Baumstumpf, mit deren Hilfe ich auf die Größe des Wildschweins schließen kann.

„ Auch die stärksten Bachen haben keinen Pinsel !“

Die Krux mit dem Ansprechen – Auch Schweine kann man hegen!

In Gegenden, in denen Schwarzwild Standwild oder wenigstens regelmäßiges Wechselwild ist, macht es allen Sinn sich über die Bejagung Gedanken zu machen und sich auch mit den Nachbarn abzustimmen. Die gängige Praxis „Sehen-Kirren-Schießen“ hat den Charme des pragmatischen – ein wirklich nachhaltiger Hegeansatz ist es jedoch nicht wirklich. Und Hegen bedeutet auch nicht züchten, sondern einzig und allein sich in derart um das Wild zu kümmern, dass es in gesunder Population und weitestgehend schadensfrei in seinem Habitat leben kann.

In der Hege ist Schwarzwild kaum anders als Rotwild. Jeder möchte es jagen. Jeder, wirklich jeder und auch derjenige der behauptet, man könne „Knochen“ nicht essen, freut sich über eine stattliche Trophäe.

Und egal ob Rot-, Dam- oder eben Schwarzwild: wirklich gute Trophäen bekommt man nur über langjährige und mühsame Hege. Hat man Schwarzwild im Revier, macht es allen Sinn, eine revierübergreifende Hegegemeinschaft zu bilden. Zu groß ist der Streifraum von Sauen, als dass man die Hege auf ein Revier auslegen kann. Und neben dem Austausch von Informationen zu Aufenthaltsorten, Rottengrößen und Wildschaden sollte man sich hier auch Gedanken zur Abschussplanung von Keilern machen.

Auch hier liegt der Vergleich zu Rot- oder Damwild nahe. In der Kinder- und Jugendklasse soll und darf beherzt eingegriffen werden. Aber ältere männliche Stücke sind zu schonen. Beim Schwarzwild sollten das alle einzeln ziehenden, männliche Stücke sein, denn dem Überläufertrupp entwachsen werden die Keiler zu Einzelgängern. Und eine einzeln ziehende Sau ist gemeinhin gut anzusprechen.

Diese Stücke werden dann nach einem für den ganzen Hegering geltenden, auf die Reviere herunter gebrochenen Abschussplan und vorrangig im Einzelabschuss bejagt. Was natürlich eine regelmäßige Zählung bzw. Schätzung und vor allem eine gute und revierübergreifende Zusammenarbeit voraussetzt.

So schaffe ich mit guter Hege und etwas Disziplin im Laufe weniger Jahre eine überraschend gute und stabile Struktur an reifen Keilern und sogar echten Bassen.

Diese wirklich reifen Keiler werden dann – auch hier analog zum Rotwild – sukzessive auf die Reviere freigegeben und diese nach erfolgreichem Abschuss für das kommende Jahr gesperrt, damit jeder einmal zum Zuge kommt.

Habe ich einen guten Bestand reifer Keiler und Bassen, könnte man einzelne Stücke sogar bei Drückjagden freigeben – solange man sicher ist, dass dann nicht zu viele der aufwändig gehegten damit kostbaren Stücke auf der Schwarte liegen.

Geht nicht gibt’s nicht!

Norbert Happ, einer der versiertesten Sauenheger, hat dies über 30 Jahre lang in seinem Hegering praktiziert und seine Erfahrungen 2007 ausgewertet. Sauber gehegt und mit einer stringenten Abschussplanung im Hegering kommt er in diesem überaus langen Zeitraum auf einen Anteil wirklich reifer Keiler an der Gesamtstrecke von durchschnittlich 3,5 Prozent. Das ist beachtlich. Denn hier ist klar belegt, dass man Keiler hegen kann! Und mit 3,5 Prozent an der Gesamtstrecke sind sie zwar rar aber dennoch erreichbar und damit kostbarer als jedes kaum vier Jahre alte Keilerchen, das landauf, landab als Lebenskeiler geteilt und gefeiert wird.

Ledermanufaktur Dittrich

Jacke und Hose sind aus echtem Lammfell und besonders warm und angenehm zu tragen. Gerade für den winterlichen Sauenansitz oder die Drückjagd ist diese Kombination gut geeignet.