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Phoenix Point


PC Games Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 31.12.2019

Bloß eine plumpe XCOM-Kopie oder steckt doch mehr hinter dem neuen Taktikspiel des UFO-Schöpfers?


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Bildquelle: PC Games Magazin, Ausgabe 1/2020

Die Sirenen gehören zu den gefährlichsten Gegnern, da sie durch Gedankenmanipulation die Kontrolle über unsere Teammitglieder übernehmen.


Genre: Rundentaktik/Strategie
Entwickler: Snapshot Games
Hersteller: Snapshot Games
Termin: 3. Dezember 2019
Preis: ca. 40 Euro
USK: noch nicht geprüft

Mit der UFO-Reihe, sprich UFO: Enemy Unknown (1994), X-COM: Terror from the Deep (1995) und X-COM: Apocalypse (1997), haben die älteren Semester zahlreiche Stunden vor ihren PCs und Amigas verbracht. Die Taktikspiele ...

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... glänzten durch ihre für damalige Verhältnisse einfache Bedienung, großen Tiefgang und das interessante Setting mit der Invasion der fiesen Außerirdischen. Wer sich in den Neunzigern zu den Vielspielern zählte und zudem ein wenig Interesse für Strategiespiele mitbrachte, kam kaum umhin, die von den Brüdern Julian und Nick Gollop entwickelten Titel förmlich zu suchten – es gab nicht wenige Leute, die in die ersten beiden Teile der Reihe mehrere hundert Stunden investiert haben.

Doch der Wechsel von der Pixelgrafik hin zu richtigen 3D-Umgebungen gelang den damaligen Machern nicht so recht und so ließ das Interesse bereits mit X-COM: Apocalypse ein wenig nach. Die Nachfolger wie X-COM: Interceptor (1998), der uns in den Weltraum hievte, und X-COM: Enforcer (2001), bei dem es sich um einen Ego-Shooter handelte, waren trotz passabler Kritiken keine Kassenschlager und so war es um die Taktikreihe eine sehr lange Zeit still. Erst als Firaxis Games sich die ehemals starke Lizenz sicherte und 2012 mit XCOM: Enemy Unknown (nun ohne Bindestrich!) ein stark aufgepepptes Remake des ersten Teils herausbrachte, war die Taktikreihe wieder in aller Munde – zum einen wegen der hochklassigen Überarbeitung des Originals, und zum anderen, weil das Spiel auch in einer sehr gut portierten Version für die Konsolen erschien. Spätestens nach dem riesigen Erfolg von XCOM 2 war auch Julian Gollop überzeugt, dass rundenbasierte Taktikspiele wieder eine Zielgruppe haben, und er fing mit der Entwicklung seines Crowdfunding- Projekts Phoenix Point an.

Nun nach rund zweieinhalb Jahren und etlichen Crowdfunding- Erfolgen ist das heiß erwartete Spiel zeitexklusiv auf Epic Games Store erschienen und wir haben uns natürlich sofort in die Taktikkämpfe gegen Mutanten geschmissen. Was uns Julian Gollop mit seinem Team bei Snapshot Games auftischt und wie sich der geistige Nachfolger der UFO-Rei-he von den hervorragenden Firaxis- Titeln unterscheidet, genau das wollen wir euch in unserem Test von Phoenix Point verraten.

Der Basisbau ist ein wenig schlichter inszeniert als in den XCOM-Teilen, aber ähnlich anspruchsvoll.


Durch Forschung bekommen wir nicht nur neue Ausrüstungsteile, sondern auch Vorteile gegenüber bestimmten Gegnerarten.


Die Gefechtsumgebungen sind zwar abwechslungsreich, aber nicht immer schön.


Düstere Zukunft

Phoenix Point versetzt uns in eine nahe, düstere Zukunft, in der sich die Menschheit in befestigte Zufluchten zurückgezogen hat. Der Grund dafür ist die Erderwärmung, die den sogenannten Pandora-Virus in der Antarktis freigesetzt hat. Der Virus verursacht Mutationen bei Krabben und anderen Meerestieren und verwandelt sie zu Monstern, die Küstenstädte und Ölplattformen angreifen. Obendrein werden auch Tausende von Menschen durch Gedankenkontrolle ins kühle Nass gelockt, aus dem sie mutiert wiederkehren. Spätestens mit dem Auftauchen eines mysteriösen roten Nebels wird auch den Anführern der Erde bewusst, dass die gesamte Menschheit bedroht ist. Eigentlich war die Notfallbasis Phoenix Point für einen solchen Notfall vorgesehen, doch in den Jahren zuvor hat man die Basis leider vernachlässigt.

In diesem für das Überleben der Menschheit entscheidenden Moment dürfen wir natürlich die Kontrolle über Phoenix Point übernehmen und machen im Grunde genau das, was wir auch schon in der XCOM-Reihe gemacht haben: Wir heuern Söldner an, verbessern mit der Zeit ihre Ausrüstung sowie Fertigkeiten, bauen an unserer Basis und absolvieren überall auf der Erde Einsätze gegen die fiesen Mutanten.

Mit welcher der drei Fraktionen wir uns verbünden, beeinflusst den Lauf der Kampagne stark.


Im Gegensatz zu XCOM werden uns keine Trefferwahrscheinlichkeiten angezeigt. Stattdessen müssen wir uns anhand eines Visierkreises ausmalen, ob wir tatsächlich dem Gegner schaden können.


Dabei gibt es Neben- und Hauptaufträge. In Letzteren tun wir zwar im Grunde genommen genau das, was wir in den Nebenquests erledigen, nämlich Mutanten beseitigen. Jedoch erfahren wir durch die Hauptmissionen immer mehr über den Pandora-Virus und seinen Verursacher – wer nun hinter der Seuche steckt, wollen wir an dieser Stelle aber lieber nicht verraten. Die Geschichte von Phoenix Point ist unserer Meinung nach auch eine der großen Stärken des Spiels und stets ein Motivationsfaktor. Zwar ist ihre Inszenierung relativ schlicht, aber dank einer guten (englischen) Sprecherstimme, schönen Artworks sowie der spannenden Handlung gehört die Story zu den besten im Genre.

Die Qual der Wahl

Bevor wir unsere Söldner zu den Missionen schicken, müssen wir uns wie bei den XCOM-Teilen um unsere Basis kümmern. Hier fällt schon ein wenig auf, dass den Entwicklern nicht dieselben Ressourcen zur Verfügung standen wie den Entwicklern von Firaxis. Grafisch ist die Aufmachung des Stützpunktes nämlich sehr schlicht, außerdem können wir uns nicht mit den Zuständigen der einzelnen Abteilungen über Fortschritte und Ähnliches unterhalten. Was die strategischen Optionen angeht, ist das Basissystem gleichauf mit XCOM. Wir können dem Hauptquartier Räume hinzufügen, den Söldnern Trainingsmöglichkeiten geben oder die Herstellung von Ausrüstung schneller machen.

Im späteren Verlauf der Kampagne treffen wir auf Gegnerarten, die uns mit mehreren Explosivgeschossen aus weiter Entfernung aufs Korn nehmen.


Um an neue Waffen, Panzerungen und Fahrzeuge zu gelangen, müssen wir hingegen Allianzen mit den drei Fraktionen des Spiels schmieden. Dafür gilt es, ihre Zufluchtsorte auf der Weltkarte zu beschützen und zudem besondere Missionen für sie zu erledigen. Ob wir uns dann den religiösen Jüngern von Anu anschließen, die gerne mit den durch den Pandora-Virus verursachten Mutationen experimentieren, oder doch lieber mit der militanten New-Jericho-Gruppierung und den demokratischen Synedrion gemeinsame Sache machen, können wir ganz nach Gusto entscheiden. Die Wahl sorgt auf jeden Fall für einen gewissen Wiederspielwert, da wir uns nie mit allen drei Fraktionen alliieren können und die Ausrüstung der Parteien sowie auch der Ausgang des Spiels sich grundlegend durch die Fraktionswahl unterscheiden. Obendrein ist bei jeder neuen Partie der Ort der Phoenix-Point-Basis ein anderer. Wir waren zum Beispiel in unserer ersten Runde in Europa angesiedelt und in der nächsten in Afrika.

Der kleine Unterschied

Was die Geschichte und unsere Basis angeht, sind die Ähnlichkeiten mit der XCOM-Reihe also nicht von der Hand zu weisen. Für die rundenbasierten Taktikkämpfe hat sich das Team um Julian Gollop aber etwas Neues überlegt. Wir können nämlich ähnlich wie in den neueren Fallout-Spielen gezielt Gliedmaßen und andere Körperteile der Mutanten aufs Korn nehmen und so zum Beispiel dafür sorgen, dass sie ihre Schusswaffen nicht verwenden oder manche ihre psychischen Fähigkeiten nicht nutzen können. Dasselbe gilt aber auch für unsere Söldner. Wenn einer etwa seinen Arm verliert, wird er nicht mehr mit seinem Scharfschützengewehr schießen können. Daher lohnt es sich, zusätzliche Ausrüstung mitzunehmen – etwa Pistolen und Granaten. In den ersten Spielstunden macht sich das Feature nicht allzu stark bemerkbar, weil Phoenix Point erst nach dem ersten Spieldrittel den Schwierigkeitsgrad hochschraubt. In den späteren Missionen treffen wir auf Mutanten, die gerne unsere Waffen (oder auch mal Gliedmaßen) durch Explosionsschaden zerstören und so viele unserer Söldner fast unbrauchbar machen.

In einigen Missionen kämpfen wir nicht gegen die Mutanten, sondern gegen Soldaten anderer Fraktionen.


Tritons setzten in den Gefechten eine Art Nebel ein, der sie fast unsichtbar macht.


Ein wenig schade fanden wir allerdings, dass Phoenix Point uns keine Wahrscheinlichkeiten beim Zielen auf die Gegner angibt. Zwar gibt es einen Zielkreis, der einen Radius der Streuung unserer Salven anzeigt, aber das ist bei Gefechtssituationen, in denen wir aus guter Entfernung auf die Gegner schießen, nicht sonderlich hilfreich. Ebenso ärgerlich ist es, dass man nie eine Bewegung zurücknehmen kann. Wenn man sich mal verklickt, muss man entsprechend mit den Konsequenzen leben.

Neben den Gliedmaßen müssen wir in den Taktikkämpfen auch auf die Lebensenergie und die Willenskraft unserer Söldner achten. Mit der Willensstärke können wir zum einen Spezialfertigkeiten einsetzen, die etwa unsere Charaktere schnel-ler laufen lassen oder Granaten weiter werfen lassen. Zum anderen können unsere Teammitglieder in Panik geraten, falls ihre Willenskraft zur Neige geht, was in den Gefechten fatale Folgen hat. Die Söldner sind so nicht in der Lage, Befehle auszuführen, und laufen nach dem Zufallsprinzip in eine Richtung, womöglich auf die Feinde zu. Ebenso sind Charaktere mit einer niedrigen Willensstärke anfällig gegen die sogenannten Sirenen, die durch Gedankenkontrolle die Macht über unsere Söldner übernehmen. Wenn wir also zu sehr die Spezialfertigkeiten in einem Kampf anwenden, kann es passieren, dass eine einzelne Sirene innerhalb weniger Runden unser gesamtes Team kontrolliert.

Die Strategiekarte hat eine große Ähnlichkeit mit UFO: Enemy Unknown. Optisch wirkt sie aber recht öde.


Abzüge in der B-Note

Wir hatten ja schon erwähnt, dass der Schwierigkeitsgrad in der Kampagne nach dem ersten Drittel drastisch ansteigt. Das hat zum einen mit neuen Gegnerarten zu tun, aber auch oftmals mit der zufallsbasierten Anordnung der Feinde in den Gefechten. Wenn uns etwa drei Sirenen zeitgleich angreifen, können wir uns mit einem sechsköpfigen Team kaum gegen sie behaupten. Das kommt vor allem dann vor, wenn wir gegen die Nester der Mutanten vorgehen, in denen die Feinde immer wieder wie aus dem Nichts spawnen.

Vor jedem Einsatz sollten wir überprüfen, ob unsere Söldner genügend Munition dabei haben.


Manchmal ist die Kameraperspektive etwas unglücklich. Hier sehen wir zum Beispiel nicht, wie viel Schaden wir an dem Gegner verursacht haben.


Sonst gibt sich Phoenix Point aber kaum eine Blöße. Grafisch ist das Spiel oftmals fast gleichauf mit den XCOM-Teilen, wenn auch die Inszenierung in den Kämpfen etwas schlechter ausfällt – die schönen Sprintanimationen fehlen zum Beispiel. Zudem ist die Kameraperspektive manchmal etwas unglücklich, sodass wir nicht sofort erkennen können, wie viel Schaden wir an einem Gegner verursacht haben. Hier könnte Snapshot Games aber mit der Zeit noch Abhilfe schaffen. Wo wir aber ein tatsächliches Problem von Phoenix Point sehen, sind die mangelnden Unterschiede gegenüber dem Genreprimus XCOM. Bis auf die Fraktionen auf der Strategiekarte und das Zielen auf Körperteile in den Gefechten ist das Spiel fast identisch mit den Firaxis-Titeln, nur dass die Inszenierung oftmals in Phoenix Point etwas schlechter ausfällt und das Balancing ab dem zweiten Drittel in der Kampagne noch nicht so richtig rund ist. Außerdem hatten wir während unserer 40 Stunden Spielzeit mehrere Abstürze, die aber mitunter der Testversion geschuldet waren. Immerhin gibt es in Phoenix Point aber nie Zeitbeschränkungen in den Gefechten, das ist unseres Erachtens ein großer Vorteil gegenüber XCOM.

Doch sollte man sich vor dem Kauf von Phoenix Point tatsächlich überlegen, ob man nicht mit den beiden XCOM-Teilen und der grandiosen Long-War-Mod insgesamt besser bedient ist. Wer aber von rundenbasierten Taktikkämpfen einfach nicht genug bekommen kann, wird mit Phoenix Point etliche spannende Stunden erleben und auch die kleinen, aber feinen Unterschiede zu schätzen wissen.

MEINE MEINUNG

Matti Sandqvist


„Episches Taktikspiel, aber XCOM bleibt ungeschlagen.”


Ich habe mich riesig gefreut, als Julian Gollop bekannt gab, dass er ein Team um sich versammelt hat, mit dem er den geistigen Nachfolger meines absoluten Lieblingsspiels der Neunziger entwickeln will. Ein wenig skeptisch war ich aber, ob ein so kleines Studio sich gegen den Platzhirsch Firaxis behaupten kann. Genau das hat sich dann auch beim Spielen von Phoenix Point bewahrheitet. Das Spiel macht fast alles identisch im Vergleich zur XCOM-Reihe, nur dass es ein wenig schlichter inszeniert ist und das Balancing zum Erscheinen noch nicht ganz rund ist. Zudem hatte ich während des Spielens mit einigen Abstürzen zu kämpfen, durch die ich dann ärgerlicherweise manche der harten Gefechte wiederholen durfte. So sehe ich tatsächlich keinen echten Grund, jemandem Phoenix Point eher zu empfehlen als die Firaxis-Spiele. Wer aber bereits Hunderte Stunden mit XCOM verbracht hat und die Reihe so langsam satt hat, dem könnten die kleinen Unterschiede zum Genreprimus auffallen und dadurch könnte auch etwas Abwechslung geboten sein.

PRO UND CONTRA

■ Taktikgefechte mit Tiefgang
■ Einzelne Körperteile können anvisiert werden
■ Gute Optik und Animationen in den Gefechten Solide KI
■ Drei komplett unterschiedliche Fraktionen
■ Lange Spielzeit und hoher Wiederspielwert
■ Spannende Story
■ Schlichte Inszenierung
■ Balancing noch unrund
■ Schwankender Schwierigkeitsgrad
■ Einige Kameraperspektiven fehlerhaft
■ Abstürze