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PHONOVORSTUFE KONSEQUENT


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LP Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 31.08.2022
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Bildquelle: LP Magazin, Ausgabe 6/2022

Mitspieler

Tonabnehmer:

· Benz ACE-L

· Denon DL-103

· van den Hul Colibri Grand Cru

Plattenspieler:

· TechDAS Air Force III / Reed 3p / Reed 1x

· Transrotor Fat Bob / SME M2-12

Vollverstärker:

· Thivan Labs 811 Anniversary

Lautsprecher:

· -DIY Focal / JBL

Gegenspieler

Phonovorstufen:

· MalValve preamp three phono

Gespieltes

Kraan Live

John Coltrane A Love Supreme

Led Zeppelin III

Rickie Lee Jones It’s Like This

Hintergrund

Es gibt gute Gründe dafür, dass so wenige Hersteller auf die Idee verfallen, MC-Signale im Bereich weniger 100 Mikrovolt Röhren anzuvertrauen. Bei so kleinen Signale wird Mikrofonie bei Röhren ein großes Thema, auch sind die großflächigen Komponenten im Inneren der Glaskolben ausgezeichnete Antennen für Störstrahlungen aller Art. Was sich bei Hochpegelund sogar Phono-MM-Signalen noch recht gut in den Griff bekommen lässt, stellt bei adäquater MC-Vorverstärkung ein echtes Problem dar und hohe ...

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... Ansprüche an die Qualität der eingesetzten Röhren und an die des Gerätelayouts. In der Blütezeit der Röhrenverstärker legte man die erste Stufe der Spannungsverstärkung deshalb gerne in den Verantwortungsbereich von Transformatoren, über solcherlei Dinge gibt‘s ja auch in dieser Ausgabe der „LP“ wieder jede Menge zu lesen.

Aber: Man muss das nicht zwangsweise auf diese Art und Weise tun, wie unser heutiger Proband beweist.

Äußerlichkeiten

Er hört auf die Typenbezeichnung CS- 6PH, kostet in Anbetracht des Geboten moderate 2680 Euro und stammt vom im fernen Osten produzierenden Hersteller Cayin. Das ist einer, der sich im Laufe von nunmehr 20 Jahren eine gehörige Reputation in Sachen Röhrengerätschaften aller Art erworben hat und nicht ohne Grund auch erfolgreich Produkte für zahlreiche andere Marken fertigt.

Die neue Phonovorstufe von Cayin ist ohne Zweifel ein sehr ambitioniertes Gerät. Elfeinhalb Kilogramm Technik sind für nichts anderes zuständig als dafür, mehr oder weniger winzige Phonosignale zu entzerren und auf ein Niveau anzuheben, mit dem „normale“ Verstärker klarkommen. Dafür setzt Cayin auf gleich acht Röhren, die alle freistehend auf dem Chassis montiert sind. Jenes ist übrigens in einem wirklich edlen Metallic-Grau gehalten, die Qualität der Lackierung ist exzellent. Man hat die Wahl zwischen einer schwarz oder silberfarben eloxierten Frontplatte. Das Röhrenensemble werkelt normalerweise unter einem schützenden gelochten Metallkäfig, der sich mit einem Handgriff montieren oder entfernen lässt. Dieses Accessoire mit Bananensteckern und -buchsen zu befestigen ist ein Kniff, den Cayin vor vielen Jahren erfunden hat und der von vielen Herstellern adaptiert wurde. Die sechs Verstärkerröhren werden zudem von – ebenfalls in Chassifarbe lackierten – Abschirmbechern vor Störungen von außen geschützt, in Anbetracht der geringen Signalpegel sicherlich keine schlechte Idee.

Ausstattung

Am CS-6PH lassen sich ein MM- und ein MC-Tonabnehmer anschließen. Dabei dürfen beide Eingänge gleichzeitig belegt sein. Den beiden Cinchbuchsenpaaren steht dafür eine Erdungsschraubklemme zur Seite, Ausgangsseitig gibt‘s neben dem Cinchausgang auch symmetrische XLR-Anschlüsse, ein Kippschalter wählt zwischen beiden Betriebsmodi. Es handelt sich übrigens um echt symmetrische Ausgänge, die Generierung der entsprechenden Signale übernehmen zwei Übertrager unmittelbar vor den Buchsen. Die Gerätefront beherbergt eine ganze Reihe von Bedien- und Anzeigeelementen, der CS-6PH ist damit komfortabel parametrierbar. Links gibt‘s den harten Netzschalter, auf der rechten Seite einen Drehknopf, mit dem sich die Eingangsimpedanz festlegen lässt. Im MC-Betrieb stehen 47, 100, 200, 470 und 1000 Ohm zur Wahl, im MM-Betrieb bleibt der Knopf ohne Wirkung, es liegen die normgemäßen 47 Kiloohm parallel zu den Eingangsbuchsen. Hinter dem Drehknopf steckt ein Drehimpulsgeber, alle Schaltvorgänge im Gerät werden von Relais direkt vor Ort vorgenommen – so gehört sich das in dieser Klasse. Für die weiteren Einstellungen sind die fünf Taster in der Mitte zuständig. Einer schaltet bei Bedarf den Ausgang stumm, einer wählt zwischen MM- und MC-Betrieb, der dritte entscheidet darüber, ob man 47 oder 100 Picofarad Abschlusskapazität am MM-Eingang haben möchte. Nummer vier schleift bei Bedarf das Rumpelfilter ein, der letzte erlaubt die Anwahl von drei verschiedenen Verstärkungsfaktoren im MC-Betrieb. Maximal sind dabei rund 60 Dezibel Verstärkung drin. Das reicht für alle MCs, die nicht der extrem leisen Kategorie zuzuordnen sind, alles ab vielleicht 0,3 Millivolt Ausgangsspannung passt. Die beiden anderen Einstellungen bieten 55 und 51 Dezibel Verstärkung, im MM Betrieb sind‘s praxisgerechte 40 Dezibel. Das Gerät merkt sich übrigens die eingestellten Werte, so dass beim nächsten Einschalten wieder alles so steht wie vorher eingestellt.

Gemessenes

Messtechnik-Kommentar

Der Frequenzgangschrieb des Cayin offenbart ein paar Besonderheiten: Im Bass um 50 Hertz gibt’s eine Überhöhung in der Gegend von 3,5 Dezibel, oberhalb von einem Kilohertz zeigt der Frequenzgang ebenfalls einen merklichen Aufwärtstrend. Bei 15 Kilohertz sind wir etwa bei einem Plus von zwei Dezibel angekommen. Bei maximaler Verstärkung (rund 60 Dezibel) beträgt der Fremdspannungsabstand respektable 48 Dezibel(A), die Kanaltennung 43 Dezibel. Im MM-Betrieb geht das naturgemäß besser, hier liegen beide Werte in der Gegend von 72 Dezibel(A). Der Klirr beträgt bei 60 Dezibel Verstärkung und 0,5 Millivolt am Eingang rund 0,6 Prozent, im MM-Betrieb (5 Millivolt) 0,02 Prozent. Das Gerät verbraucht konstant 66 Watt Strom.

Röhrenbestückung

Die wohl auffälligsten Röhre des CS-6PH sind die beiden, die nicht unter Abschirmkappen stecken. Dabei handelt es sich um den Typen 22DE4, die ich im HiFi-Umfeld noch nie gesehen habe. Dabei handelt es sich um so genannten „TV-Damper“ aus dem Fernsehbereich, die hier als Gleichrichter eingesetzt werden. Sie wurden seinerzeit von RCA produziert und sind nach wie vor gut erhältlich. Die Idee an sich ist gut, eine saubere Versorgung ist bei diesem Gerät ganz besonders wichtig. Die MC-Verstärkung übernimmt pro Kanal eine 6922, die in etwa einer E88CC entspricht. Sicherlich einer der rauschärmsten Doppeltrioden überhaupt und deshalb hier erste Wahl. Die MM-Verstärkung besorgt pro Kanal eine ECC83 von JJ, die mit ihrer deutlich größeren Verstärkung hier ebenfalls eine gute Wahl ist. Um die niederohmige Ansteuerung der Ausgänge kümmert sich eine ECC81 pro Seite. Der Hersteller steckt überall gute Standardware, selbstverständlich öffnet sich hier ein weite Spielwiese für Tube Roller.

Innenansichten

Unterm Bodenblech offenbart sich ziemlicher technischer Aufwand, was eingedenk der Röhrenbestückung ja schon zu erwarten war. Die Elektronik verteilt sich auf vier Platinen, die Röhrenfassungen sind direkt auf dem Chassis montiert. Insgesamt 14 Kleinsignalrelais übernehmen das Umschalten der Eingangskonfiguration und der Betriebsverstärkung. Der Hersteller hat in elektronisch stabilisierte Betriebsspannungen investiert und verwendet ausschließlich hochwertige passive Komponenten – sehr schön.

Klang

Der CS-6PH ist ein besonderer Phonovorstärker, und dafür gibt es Gründe: Der Hersteller hat bei der Dimensionierung der Entzerrung den Pfad der Tugend nämlich verlassen und ein paar kleine Spezialitäten eingebaut. Und die machen sich klanglich durchaus bemerkbar, was aber nicht unangenehm sein muss. Ich habe den Hörtest mit dem ausgezeichnet produzierten Album „Kraan Live“ aus dem Jahre 1974 begonnen, was zum Warmwerden vielleicht ein bisschen gewagt war. Insbesondere das, was Drummer Jan Fride dort abliefert, ist in Sachen Druck und Körper eine echte Hausnummer. Ohne Zweifel trägt die 50-Hertz-Überhöhung im Frequenzgang dazu ihren Teil bei, aber ich find‘s nicht unangenehm. Wo sich das angeschlossene Benz ACE L sonst eher durch tonale Linearität auszeichnet, verbreitet es hier echte Partylaune. Auch das kleine Plus am oberen Ende des Spektrums empfinde ich hier nicht als störend.

Wer auf bedingungslose Askese steht, für den ist die Cayin-Phonovorstufe also eher nichts. Sie legt praktisch immer noch eine Schippe drauf, sie swingt und groovt, dass es nur so kracht. Dabei tönt sie sehr geschmeidig und locker, es klingt nach sprichwörtlicher analoger Wärme.

Wir versuchen‘s mal mit Jazz und bemühen John Coltrane. „A Love Supreme“ macht abermals mit hitziger und ungestümer Gangart auf sich aufmerksam. Der „Bass-Boost“ fällt in erster Linie beim Schlagzeug auf, der Effekt hält sich aber in Grenzen, genau so wie der Schuss Extra-Frische bei den Becken. Auch hier fällt eine sehr flüssige und geschmeidige Gangart auf. Das Rauschverhalten der Röhren-MC-Lösung erweist sich übrigens in der Praxis als völlig unauffällig, tatsächlich sogar als angenehm. Das Rauschen in leisen Passagen hat einen sonoren, unauffälligen Charakter. Beim Umstieg auf ein Denon DL-103 steigt dessen Anteil wegen der geringeren Signalspannung im Verhältnis etwas, ist aber immer noch sehr unauffällig. Das Denon scheint mir in dieser Kombination ohnehin nicht optimal, seine im Bass kräftige Gangart sorgt am Cayin für etwas zuviel des Guten in diesen Regionen. Erstaunlicherweise fühlt sich das luxuriöse van den Hul Colibri Grand Cru hier pudelwohl und spielt extrem lieblich, weich und wunderbar detailliert. Gerade hier macht sich die Fähigkeit des CS-6PH bemerkbar, extrem tiefe Raumdarstellungen zu erzeugen.

Holger Barske

6/22

Cayin CS-6PH

» Eine ganz besondere Phonovorstufe mit tonaler Eigenständigkeit, einer sehr geschmeidigen und flüssigen Gangart. Ganz viel Phono fürs Geld!