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PHOTOKINA: Nikon steigt ein


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 21.09.2018

Mit einer 24- und einer 45-Megapixel-Kamera startet Nikon in den Markt für spiegellose Vollformatkameras. Wir hatten bereits die Gelegenheit einen Tag lang mit einem Vorserienmodell der Z 7 und dem 4/24-70 mm S zu fotografieren.


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FOTO: © NIKON

Mit einem Innendurchmesser von 55 mm ist das Z-Bajonett deutlich größer als das F- oder Sonys E-Bajonett.


FOTOS: © NIKON

Rund fünf Jahre nach Sony bringt nun also Nikon als zweiter großer Kamerahersteller zwei spiegellose Vollformatkameras auf den Markt. Äußerlich sind die Z 6 und Z 7 identisch: Nikon setzt auf ein SLR-ähnliches Gehäuse mit ...

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... Sucherhügel, das dank eines ausgeprägten Handgriffs hervorragend in der Hand liegt. Es ist minimal größer als die Sony Alpha 7 und Alpha 9 (siehe auch Seite 93 folgende), aber deutlich kleiner als die D850. Auf der Oberseite zeigt ein kleines OLED-Statusdisplay die wichtigsten Einstellungen an. Beide Kameras sind gegen Staub und Spritzwasser geschützt (laut Nikon auf dem Niveau der D850). Auch die Bedienelemente sind weitgehend da, wo sie ein Nikol-uotograf erwartet, auch wenn die Tasten links vom Monitor und das Drive-Rad auf der Oberseite entfallen. Das Autofokusmessfeld lässt sich entweder bequem mit dem Joystick verschieben oder über den Touchscreen des großen 3,2-Zoll-Monitors (Diagonale 8,1 cm, 2,1 Millionen Punkte), der sich nach oben und unten kippen, aber nicht für Selbstportraits zur Seite schwenken lässt. Beeindruckend ist der elektronische OLED-Sucher, der 3,69 Millionen Punkte auflöst, 0,8fach vergrößert und eine Austrittspupille von 21 mm hat. Damit hat er etwa die Auflösung des Suchers in der Sony Alpha 7R III und Alpha 9, ist aber minimal größer (Vergrößerung bei Sony 0,78fach). Nikon hat einen hohen Aufwand bei den optischen Elementen betrieben, was deutlich sichtbar ist: Im direkten Vergleich mit der Alpha 7R III erschien uns das Sucherbild bei Nikon noch einen Tick besser. Die Bildwiederholfrequenz liegt bei 60 Bildern/s und lässt sich anders als bei den beiden besagten Sony-Kameras nicht auf 120 B/s umschalten. Auch bei den inneren Werten sind die beiden neuen Nikol-uameras – abgesehen von Sensor, Serienbildrate und Autofokus – identisch. Beide Sensoren sind für eine möglichst hohe Lichtausbeute rückseitig belichtet (BSI-Bauweise) und verzichten auf ein optisches Tiefpassfilter zur Dämpfung der Auflösung. Die Z 6 löst effektiv – ähnlich wie die SLR D750 – 24,5 Megapixel auf, die Z 7 – vergleichbar mit der D850 – 45,7 Megapixel. Damit einher gehen unterschiedliche Empfindlichkeiten: ISO 64 bis 25.600 (32 und 102.400 per Erweiterung) bei der Z 7 und ISO 100 bis 51.200 (erweiterbar auf 50 und bis 204.800) bei der Z 6. Die geringeren Datenmengen erlauben bei der Z 6 eine höhere Serienbildfrequenz von 12 Bildern pro Sekunde (bei JPEG und 12-Bit-Raw) beziehungsweise 9 Bilder/s bei 14-Bit-Raw. Die Z 7 schafft 9 Bilder/s (JPEG, 12-Bil-uaw) respektive 8 in 14-Bit-Raw. Zur Größe des Pufferspeichers macht Nikon keine Angaben, wir haben bei der Z 7 gut 20 Raws oder JPEGs in bester Qualität in Folge gemessen – genaueres wird ein Labortest in einer der nächsten fotoMAGAZIN-Ausgaben zeigen. Der Hybrid-Autofokus mit Phasen-Detektions-Pixeln auf dem Bildsensor deckt bei beiden Kameras rund 90 Prozent des Bildfeldes ab. Die Z 7 bringt es auf 493, die Z 6 auf 273 Messfelder – zwischen Kontrast-Autofokus und Phasel-uetektion schaltet die Kamera je nach Situation automatisch um. Die AF-Empfindlichkeit reicht standardmäßig bis -2 EV, allerdings lässt sich in den Tiefen des Menüs, ein Low-Light-AF aktivieren, der dann bis -4 EV (ungefähr Mondlicht) funktionsfähig ist. Ein Tracking und eine Gesichtserkennung stehen zur Verfügung, einen Augen-AF, wie ihn unter anderem die Sony-Modelle mitbringen, gibt es bei Nikon allerdings nicht.

Der Monitor der Z 7 und Z 6 ist mit einer Diagonale von 3,2 Zoll angenehm groß und erlaubt eine komplette Toucl-uedienung.


Das Display lässt sich bei beiden Kameras nach oben und unten kippen.


Dank ausgeprägtem Griff liegen die Z 7 und Z 6 gut in der Hand. Das PSAM-Rad ist gegen ein versehentliches Verstellen gesperrt.


Das Rauschverhalten unseres Vorserienmodells war bereits beeindruckend.


FOTO: © ANDREAS JORDAN

KAMERA: Nikon Z 7OBJEKTIV: 4/24-70 mm SEMPFINDLICHKEIT: ISO 22.800

KOMMENTAR: Zurück in der Spur

FOTO: © ODILE HAIN

Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, hat Nikon mit der neuen Z-Serie einen echten Volltreffer gelandet. Beide Kameras haben uns spontan in Hinblick auf Ergonomie und Ausstattung begeistert, einen Entwicklungsrückstand gegenüber Sonys dritter Alpha-7-Generation ist bei der Kameratechnologie auf den ersten Blick nicht erkennbar. Details, vor allem in Bezug auf Geschwindigkeit und Bildqualität, muss natürlich ein Labortest eines Serienmodells klären. Der starke Augen-AF von Sony fehlt zwar, dafür hat Nikon aber Intervallaufnahmen, Zeitraffer, Mehrfachbelichtungen und einen Raw-Konverter an Bord. Und auch die Befürchtung, dass Nikon die neuen Kameras in utopischen Preisregionen platzieren würde, hat sich als unbegründet erwiesen (sie kosten etwa das Gleiche wie die Sony-Modelle der dritten Generation). Bleibt der Rückstand bei den Objektiven, der aber mit dem FTZ-Adapter überbrückt wird. Damit ist Nikon nach einigen Fehlschlägen in den letzten Jahren (Nikon 1, DL-Serie, KeyMission) wieder zurück in der Spur.

Spiegelreflexobjektive lassen sich mit dem FTZ-Adapter nutzen. Bei AF-Sund AF-P-Objektiven machte der Autofokus im ersten Test einen flotten Eindruck.


FOTOS: © NIKON

Neues Bajonett

Auffällig groß ist das neue Z-Bajonett: Der Innendurchmesser beträgt 55 mm und ist damit deutlich größer als das F-Bajonett (44 mm) oder Sonys E-Bajonett (ca. 46,1 mm). Laut Nikon ermöglicht dies den Einsatz extrem lichtstarker Objektive (bis 1:0,95, siehe Seite 64) und einen weniger schrägen Strahlenverlauf am Bildrand, was wiederum der Randschärfe bei Offenblende zugute kommen soll. Einen Rekord stellt Nikon auch beim Auflagemaß auf: Dieses beträgt lediglich 16 mm (bei Sony sind es 18 mm). Die Kommunikation zwischen Objektiv und Kamera erfolgt über elf Kontakte. Wer seine Objektive für das F-Bajonett weiter verwenden will, kann zu dem neuen F-Bajonett-Adapter greifen (im Bundle erhältlich oder einzeln für ca. 300 Euro). Hiermit lassen sich Objektive mit eingebautem AF-Motor (AF-S, AF-P) mit Autofokus nutzen. Wir haben es ausprobiert und konnten uns davon überzeugen, dass der AF flott reagiert – auch im AF-C-Modus. Mit dem neuen 4/24-70 mm S erschien er uns allerdings noch etwas zügiger zu arbeiten und vor allem leiser als bei AF-S-Objektiven. Trotzdem: Der Adapter ist in Kombination mit dem Phasen-Detektions-AF auf dem Bildsensor eine gelungene Lösung, die dem Nikon-Fotografen ein extrem großes Objektivsortiment zugänglich macht. Nikon-Objektive ohne AF-Motor lassen sich manuell fokussieren, wobei eine Peakinl-uunktion (Kantenmarkierung) hilft. Den Bildstabilisator hat Nikon in das Kameragehäuse integriert: Es arbeitet auf fünf Achsen, kompensiert also auch Drehbewegungen, und soll eine Effektivität von fünf Blendenstufen haben. Auch per Adapter genutzte SLR-Nikkore ohne eigenen Stabilisator lassen sich mit ihm entwackeln. Der mechanische Verschluss ist für 1/8000 s und 200.000 Zyklen ausgelegt. Die kürzeste Blitzsynchronzeit liegt bei 1/200 s – einen Gehäuseblitz bringen die Kameras übrigens nicht mit. Für das lautlose Auslösen ist auch ein rein elektronischer Verschluss aktivierbar, der aber (im Gegensatz zur Sony Alpha 9) keine kürzeren Zeiten ermöglicht.

Die Z 7 und Z 6 haben nur ein Speicherkartenlaufwerk, das XQD- und zukünftig CFexpress-Karten aufnimmt.


4K-Video und Full-HD-Zeitlupen

Sehen lassen kann sich auch die Videofunktionalität, was nicht zuletzt dem neuen Expeed-6-Bildprozessor zu verdanken ist. So nehmen die beiden Kameras 4K-Videos mit 3840 x 2160 Pixeln und 30 Bildern/s auf. Die Z 6 liest hierbei alle Pixel aus (Full-Pixel-Readout) ohne das Bild zu beschneiden. Die Z 7 nutzt alle Pixel nur im DXModus mit 1,5fach-Crop, ohne Crop werden Zeilen ausgelassen, was die Moiré-Gefahr erhöht. In den von uns aufgenommenen 4KVideos ohne Crop traten diese allerdings nicht auf und die Qualität war auch ohne Full-Pixel-Readout sehr gut. Full-HD nehmen die beiden Neuen mit bis zu 120 Bildern/s und mit maximal 5fach Zeitlupe auf. Zeitrafferaufnahmen kann die Z 7 zu einem 8K-Video zusammenstellen, die Z 6 zu einem 4KFilm. Für die maximale Qualität können beide Z-Modelle Videos mit N-Log-Gamma per HDMI ausgeben und zwar mit einer Farbtiefe von 10 Bit und einer Farbunterabtastung von 4:2:2. Zusätzlich zum mechanischen Bildstabilisator gibt es einen elektronischen Videostabilisator. Vor Überbelichtungen warnt eine Zebra-Anzeige und das manuelle Fokussieren wird auch in 4K von einer Peaking-Funktion unterstützt. Auch Mikrofon- und Kopfhörerschnittstellen sind vorhanden.

Produktion in Sendai

In Sendai will Nikon rund 20.000 Z 7 und Z 6 pro Monat produzieren.


Nikon fertigt seine Highend-Kameras in Sendai rund 350 Kilometer nördlich von Tokio. 1978 begann hier die Produktion der Nikon EM. Neben den neuen spiegellosen Modellen werden heute in Sendai unter anderem die D850 und D5 hergestellt. Wir hatten Ende August die Gelegenheit, die knapp 27.000 m² große Fabrik zu besichtigen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Produktion der Z 7 bereits begonnen, die Z 6 soll etwas später starten. Nikon hat die Fertigungsprozesse in den letzten Jahren zunehmend automatisiert, seit 2008 (Beginn der Produktion der D700) kommen für einige Aufgaben Roboter zum Einsatz. Viele Produktionsschritte werden aber weiter von Menschen durchgeführt. Die rund 800 Mitarbeiter arbeiten dabei in zwei Schichten. Der von Nikon entwickelte Bildsensor wird nicht in Sendai produziert, sondern von einem Partner zugeliefert und hier montiert. Ähnliches gilt auch für andere Bauteile wie Displays. Die optischen Elemente des elektronischen Suchers werden aber in Sendai gebaut. Im Vergleich zu den SLRs können die spiegellosen Kameras schneller gefertigt werden, weil sie mit weniger mechanischen Teilen auskommen. Nikon will monatlich 20.000 Z 7 und Z 6 in Sendai produzieren.

Der Bildsensor wird zugeliefert und in Sendai montiert.


Die beiden neuen Kameras bringen ein Speicherkartenlaufwerk mit, das XQD- oder zukünftig die noch schnelleren CFexpress-Karten mit gleicher Baugröße aufnimmt. Wie bei anderen Nikon-Kameras lassen sich mit der SnapBridge-App über Bluetooth automatisch 2-Megapixel-uateien auf das Smart-Gerät übertragen, was im Test mit der aktuellen SnapBridge-App problemlos funktionierte. Über Wi-Fi ist auch die Übertragung größeren Daten und die Fernsteuerung möglich, wobei sich Wi-Fi erstmals auch unabhängig von SnapBridge nutzen lässt. Der große EN-EL15l-ukku liefert laut Nikon gemessen nach CIPA-Standard Strom für 330 Aufnahmen (Z 7) bzw. 310 Aufnahmen (Z 6) im Sucherbetrieb; mit Monitor sind es rund 400. In unserem Praxistest der Z 7 hielt der Akku allerdings deutlich länger durch. Es lässt sich übrigens auch der EN-EL15a nutzen, der beispielsweise aus der aus der D850, D7500 und D500 bekannt ist. Ein Ladegerät wird mitgeliefert. Zusätzlich lassen sich die Kameras per USB-C laden (nur bei Verwendung des EN-EL15b-Akkus). Weitere Funktionen der beiden neuen spiegellosen Vollformatkameras sind Mehrfachbelichtungen, Focus-Bracketing, HDR, neue Filter-Effekte, ein erster elektronischer Verschlussvorhang und eine mechanische Schnittstelle für einen Fernauslöser.

Die Gehäuse der Z 7 und Z 6 sind aus einer Magnesiumlegierung gefertigt.


Die Z 7 und Z 6 sind gegen das Eindringen von Staub und Spritzwasser abgedichtet (gelbe Markierungen).


Auch die Vorderseite und das 4/24-70 mm S sind abgedichtet.


FOTOS: © NIKON

Als Zubehör ist unter anderem der Wireless-LAN-Sender WT-7 erhältlich. In der Entwicklung befindet sich der Batteriegriff MB-N10. Er nimmt zwei Lithium-Ionel-ukkus des Typs EN-EL15b auf und erhöht damit die Anzahl der möglichen Aufnahmen beziehungsweise die Filmaufnahmedauer auf etwa das 1,8-fache. Er wird ebenso staub- und tropfwasserresistent wie die Kameras Z 7 und Z 6 sein und kann mit dem Netzadapter EH-7P mit Akkuladefunktion über den USB-Anschluss geladen werden.

SPIEGELREFLEX VERSUS SPIEGELLOS: DIE VORTEILE BEI NIKON

Vollformat-SLR (z. B. D850, D750, D610)
+ längere Akkulaufzeit
+ optischer Sucher bei Dauernutzung oder schwierigen Lichtverhältnissen angenehmer
+ Direktzugriff auf Serienbilder (Drive-Rad)

Spiegellose Systemkamera (Z 7, Z 6)
+ bessere Bildqualität möglich (größeres Bajonett, geringere Vibrationen, da kein Spiegelschlag)
+ keine AF-Dejustage, da der Fokus auf dem Bildsensor gemessen wird (keine Front- oder Back-focus-Probleme) + besserer Video-AF
+ Sucher zeigt das Bild so wie es aufgenommen wird (Farben, Belichtungsumfang)
+ Sucher zeigt Menüs und Bildwiedergabe
+ Sucher größer


FOTOS: © NIKON

FOTO: © NIKON