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PHYSIOLOGIE: Was genau passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir Sport treiben?


Der Spiegel Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 24.04.2018

NOCH VOR EINIGEN JAHREN rangen viele Mediziner mit sich, ob sie den Paradigmenwechsel mitmachen sollten: Bisher hatten sie einem erkrankten Menschen meist zu Schonung geraten, nun sollten sie ihm in vielen Fällen eher mehr Aktivität verschreiben. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Sport hilft. Moderates Training kann etwa Rückenschmerzen, Osteoporose oder Depressionen zurückdrängen. Mehr noch: Sport hilft uns, viele Jahre besser zu leben. Epidemiologische Studien ergaben: Regelmäßige körperliche Aktivität ist verbunden mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ...

Artikelbild für den Artikel "PHYSIOLOGIE: Was genau passiert eigentlich in unserem Körper, wenn wir Sport treiben?" aus der Ausgabe 2/2018 von Der Spiegel Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Der Spiegel Wissen, Ausgabe 2/2018

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NOCH VOR EINIGEN JAHREN rangen viele Mediziner mit sich, ob sie den Paradigmenwechsel mitmachen sollten: Bisher hatten sie einem erkrankten Menschen meist zu Schonung geraten, nun sollten sie ihm in vielen Fällen eher mehr Aktivität verschreiben. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Sport hilft. Moderates Training kann etwa Rückenschmerzen, Osteoporose oder Depressionen zurückdrängen. Mehr noch: Sport hilft uns, viele Jahre besser zu leben. Epidemiologische Studien ergaben: Regelmäßige körperliche Aktivität ist verbunden mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Gedächtnisschwund, Depression, Typ-2- Diabetes und Fettleibigkeit. Das Risiko für Brust- und Darmkrebs wird ebenfalls gesenkt.

NACH EINER STUNDE

Der Stoffwechsel des Sportlers ist immer noch erhöht, der Körper verbraucht zusätzliche Kalorien. Das Hormonsystem ist ebenfalls aktiv, Serotonin wird ausgeschüttet und sorgt für ein entspanntes Gefühl.

AM TAG DANACH

Der Muskelkater kommt: Es sind die vielen kleinen Schädigungen in den Muskelfasern, die eine Entzündungsreaktion im Muskel hervorrufen. Diese Schäden werden repariert, dabei können sich die Muskelfasern neuerlichen Belastungen anpassen. Durch kontinuierliches Training lernt der Körper, sich besser und schneller zu regenerieren. In der Regeneration werden nicht nur das Muskelgewebe repariert, die Energiespeicher aufgefüllt und der Elektrolyt - haushalt normalisiert, auch der Sauerstoffhaushalt des Körpers pendelt sich wieder auf ein normales Maß ein, außerdem werden Stoffwechselzwischenprodukte abgebaut.

NACH EIN PAAR WOCHEN

Der Körper hat bereits viel gelernt: Im Laufe des Trainings erfolgen zahlreiche Anpassungen in den Organen, die Sauerstoff und Nährstoffe bereitstellen, aufnehmen und transportieren. Neben der Lunge und dem Herz-Kreislauf-System profitiert auch die Muskulatur, mit rund 640 einzelnen Muskeln: Die Kapillarisierung, also die Durchsetzung mit feinsten Blutgefäßen, nimmt zu. Das wiederum bedeutet eine deutlich verbesserte Durchblutung und somit auch eine bessere Versorgung des Muskels mit Sauerstoff und Nährstoffen.

Die Mitochondrien, die Zellorganellen, sind die eigentlichen Kraftwerke in den Muskeln, ihre Dichte nimmt auch zu. Dadurch kann der einzelne Muskel mehr Leistung erbringen. Dies wiederum steigert auch die Nähr- und Sauerstoffversorgung aller be - teiligten Organe. Das Blut des Sportlers fließt besser durch die Gefäße und wird auch besser mit Sauerstoff versorgt. Die Vitalkapazität der Lunge hat sich durch die regelmäßige sport - liche Anforderung erhöht, das Herz hat ein größeres Schlag - volumen.

NACH EIN PAAR MONATEN

Der Sport hat den Blutkreislauf verbessert, die Muskelmasse wurde aufgebaut, der Mensch ist leistungsfähiger geworden. Die Mi - tochondrien haben zugenommen. Der in den Muskeln gespeicherte Energievorrat hat sich erhöht. Auch die DNA verändert sich. Bei Halbmarathonläufern konnte gemessen werden, dass die natürlichen Killerzellen im Immunsystem schärfer geschaltet werden, das Immunsystem wird gestärkt.

NACH RUND EINEM JAHR TRAINING

Der Körper hat sich deutlich verändert. Durch regelmäßiges Lauftraining regulieren sich beispielsweise die Cholesterinwerte im Körper. Die Knochen profitieren ebenfalls von der Bewegung: Zehn Prozent der Knochenmasse wird regulär im Laufe eines Jahres umgebaut, durch den Sport erfolgt dieser Umbau verstärkt, das wiederum festigt die gesamte Knochenstruktur.

Auf Zellebene wurden ebenfalls Effekte festgestellt. Bekannt ist, dass über die Lebenszeit eines Menschens immer mehr Ge - ne abgeschaltet werden, verantwortlich dafür ist die sogenannte DNA-Methylierung. Dabei handelt es sich um eine biochemische Veränderung an den Grundbausteinen der Erbsubstanz. Die Gene werden durch die Methylierung schwerer zugänglich und damit nicht mehr verfügbar, erklärt Bloch. In manchen Fällen wurde nun beobachtet, dass durch sportliche Aktivität das Abschalten eines Gens aufgeschoben werden kann. Die ASC-Gene hin - gegen, Auslöser für Entzündungen im Körper, werden im Lauf des Lebens immer aktiver. Durch Training, das wurde ebenfalls in Studien gezeigt, kann dieser Prozess aufgehalten werden. Auch das Gehirn profitiert auf Zellebene, hier werden bei sportlicher Betätigung mehr Wachstums - faktoren wie BDNF-Proteine gebildet.