Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

PIKMEERKRUISER 44 OC PREMIER: Globetrotter für alle Reviere


Motorboot Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 22.10.2019

Es fehlen nur noch läppische vier Jahre, dann kann unter der Leitung von Werftchef Hendrik de Groot jun. die dritte Generation der traditionellen „Jachtwerf B. de Groot“ ein bemerkenswertes Jubiläum feiern: 60 Jahre Pikmeerkruiser, 60 Jahre Familienunternehmen und rund 600 auf Kiel gelegte Schiffe. Pikmeerkruiser haben ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter, folgen nicht übertriebenen Modetrends, bleiben klassischen, zeitlos schönen Linien treu, ohne dabei „altbacken“ zu wirken. Positive Attribute, die auch bei der jüngsten Kreation – dem Typ „44 OC Premier“ – voll und ganz überzeugen.


Artikelbild für den Artikel "PIKMEERKRUISER 44 OC PREMIER: Globetrotter für alle Reviere" aus der Ausgabe 11/2019 von Motorboot Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Motorboot Magazin, Ausgabe 11/2019

1Prädestiniert nicht nur für Fahrten im Binnenbereich, auch küstennahe, offene Gewässer stellen für diesen Pikmeerkruiser kein Problem dar.

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Motorboot Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2019 von 30 Jahre Prestige Yachts. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
30 Jahre Prestige Yachts
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von BOOTSBRANCHE: Stabil mit leichten Erosionserscheinungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BOOTSBRANCHE: Stabil mit leichten Erosionserscheinungen
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von LE BOAT: Erweiterung und Modernisierung der Flotte. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LE BOAT: Erweiterung und Modernisierung der Flotte
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von VEDETTE SALON TRAVELLER 12.30: KomfortablerLangzeit-Törner. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VEDETTE SALON TRAVELLER 12.30: KomfortablerLangzeit-Törner
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von JEANNEAU LEADER 33 OUTBOARD: Mit Heckantrieb und Raumgewinn…. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
JEANNEAU LEADER 33 OUTBOARD: Mit Heckantrieb und Raumgewinn…
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von KLAR ZUM ABLEGEN: Hamburg Boat Show. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KLAR ZUM ABLEGEN: Hamburg Boat Show
Vorheriger Artikel
JEANNEAU LEADER 33 OUTBOARD: Mit Heckantrieb und Raumgewinn&helli…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel KLAR ZUM ABLEGEN: Hamburg Boat Show
aus dieser Ausgabe


Ein Schiff, das Generationen überdauert, ein Cruiser, so wie ein Cruiser sein soll, eben ein Pikmeerkruiser“. Diesem „Weblog“-Statement auf der de Groot‘schen Internetseite folgend, ist auch konsequent die gesamte Arbeitsweise der Werft untergeordnet.
Perfekte Abmessungen bei optimaler Rundumsicht, Durchfahrtshöhen, die es erlauben, auch entspannt ohne Brückenöffnungen die meisten Reviere zu erkunden, und das alles bei optimalster Qualität, verpackt und geschnürt in exklusiven Custom-build-Paketen aus einer Hand. Denn, nichts wird bei de Groot dem Zufall überlassen, vieles jedoch präzise nach Kundenwunsch erledigt. Von Eignern besonders hochgeschätzte Prädikate, die die Exponate dieser Werft auszeichnen.

Design, Konzept, Verarbeitung

Besonders stolz ist man in Grou, dass ein Pikmeerkruiser auch stets als solcher erkannt wird, obwohl so gut wie jede Yacht als Unikat daherkommt, exakt auf die Wünsche des Eigners zugeschnitten. Und das gilt für alle drei Basisbaulinien – mit offenem Cockpit, Achterkabinen und Flybridge. Die Angebotsagenda splittet sich in 14 Typen, begonnen beim 11,90 m langen Bodensee-Cruiser, dem Typ „38‘ OC Bodensee Edition“, bis hinauf zur absoluten Luxusklasse, Modell „Flybridge Premier 50-FB“, 14,95 m L.ü.A., aber dennoch lediglich 3,50 m Durchfahrtshöhe aufweisend, schon fast ein Novum für diese Schiffsgröße.
Klassisch bedeutet dabei allerdings nicht, dass scheuklappenähnlich stur an alten Zöpfen festgehalten wird. Kontinu-ierliche Weiterentwicklung ist bei de Groot kein Fremdwort, ganz im Gegenteil, man ist stets auf der Suche nach neuen Wegen und Möglichkeiten der Verbesserung von Komfort und qualitativer Aufwertung. Auch wenn es für den einen oder anderen Leser vielleicht üppig erscheinen mag 14 Modelle im Portfolio gelistet zu haben – diverse Wettbewerbs-Werften „verzetteln“ sich da in weit mehr Variationen – Pikmeerkruiser beschränken sich dabei auf gerade `mal fünf Grund-Rumpflängen. Nämlich 38, 40, 44, 48 und 50 Fuß. Dazu Werftchef Hendrik de Groot: „Warum sollte man 20 verschiedene Rümpfe bauen, wenn nur ein paar wenige die Besten sind – und auch verkauft werden?!“ Wo er recht hat, hat er recht…

2Drei Generationen „de Groot“. Von links: Bouwe (66), Pake Hendrik sen. (91) und Hendrik jun. (31).


2Drei Generationen „de Groot“. Von links: Bouwe (66), Pake Hendrik sen. (91) und Hendrik jun. (31).


Schauen wir uns den Testprobanden einmal näher an. Hauseigenes Pikmeerkruiser-Zitat: „Der `44-er OC´ ist für echte Wassersport-Fans gemacht, für diejenigen die gerne reisen und keine Angst vor der offenen See haben. Selbst Ex-Segler, die mittlerweile Binnenreviere bevorzugen, aber auch Küstengewässer nicht aufgeben wollen, egal, ob bei Windstärken bis um die acht Beaufort, finden an diesem Modell Gefallen“. Dem können wir nur beipflichten, denn als Nachfolger des „12.50-er OK“ wurden nicht nur äußere optische Veränderungen vorgenommen, wie zum Beispiel Fenster oder der stilvolle runde Spiegel, man ging auch ans „technische Eingemachte“ um noch mehr Sicherheit zu generieren.

Die Werft traut dem Rumpf Wellenhöhen von bis zu vier Metern bedenkenlos zu. Vom mit Flexiteak ausgelegten Cockpit führt der Weg ebenerdig durch eine vierflügelige, schwere Mahagoni-Holztür ins Schiffsinnere, die im geöffneten Zustand den Außenbereich mit dem Salon zu einer opulenten Wohnlandschaft mutieren lässt. Hell, freundlich und lichtdurchflutet das Ambiente, dank großer, mit getöntem Sicherheitsglas ausgerüsteter Fenster. An Stb. lädt ein bequemes U-Sofa zum Relaxen ein, wird der Tisch davor abgesenkt, ergäbe sich die Realisierung eines weiteren Schlafplatzes. Leicht demontierbar die kunstlederbezogen Deckenpaneelen, riesig das an Bb. gegenüberliegende Sideboard, auf Eignerwunsch ohne TV-Installation. Dazwischen unter zwei Luken der aufgeräumte, servicefreundliche Maschinenraum.

4Umlaufende Gangbords separieren das Cockpit als getrennte Einheit.


Backbords sich daran anschließend, der ergonomisch gestaltete Steuerstand mit Mahagoni-Ruder, kleinem Raymarine-Display, Yanmar-Funktionsanzeige, keyless Start/Stopp, Mastervolt-Kontrolleinheit und Einhebelschaltung. Auf den ersten Blick etwas spartanisch wirkend, jedoch jede Menge Platz für zusätzliche Installationen, wie etwa Touch-Screen-Plotter, etc.
Dreistufig der Niedergang in den steuerbordseitigen Pantrybereich, flankiert von einem Raumteiler, sich gleichzeitig im Apothekerschrank-Format präsentierend als Hausbar. Stauraum für Pütt und Pan, doppelstöckige Kühlkiste, quadratische VA-Spüle und ein 4-flammiger Gasherd – Nachrüstung einer Sicherheits-Reling empfohlen – runden diesen Schiffsteil ab.
Im Bugbereich schließlich die gemütliche Eignerkabine mit großem Doppelbett und backbords davor die Nasszelle mit E-WC und separater Dusche.

1Bei komplett geöffneter Salontür mutiert der Unterdecksbereich mit dem Cockpit zur üppigen Wohnlandschaft.


2Blick in den Salon von achtern.


3Wirkt auf den ersten Blick spartanisch, der Steuerstand, dennoch sind alle fahrrelevanten Kontrollinstrumente vorhanden.


4Praxisgerechte Pantry an Bb. mit viel Arbeitsfläche.


5Des Eigners Refugium im Vorschiff, die V-Kabine mit großem Doppelbett.


6Verrichtet zuverlässig unter dem Salonboden seinen Dienst, der Yanmar 150 4LV, 4-Zylinder-Turbo-Diesel.


7Toilettenraum mit elektrischem WC.


Vermutlich wird der aufmerksame Leser spätesten an dieser Stelle den Hinweis auf die Schlafplätze drei und vier vermissen. Des Rätsels Lösung verbirgt sich unter der L-Sitzbank im Cockpit als optionale Unterflurkabine. Eine pfiffige, wenn auch ungewöhnliche Lösung. Vorgelagert ein weiterer riesiger Stauraum unter dem Cockpitboden. Beidseitig jeweils drei Stufen führen auf die seitlichen Gangbords, abgesichert durch die doppelreihige Reling. Manuell zu legen der Gerätemast auf dem Vorschiff, sowie auch die Bedienbarkeit der Ankerwinsch von Hand. Hinter der hölzernen, auf Hochglanz lackierten Wegerung des Cockpits neben Stauräumen der Gaskasten und eine ausklappbare Einstiegshilfe. Vorschiffsdoppelpoller, Spring-und Achterbeschläge sichern das Schiff am Liegeplatz.
Dieses Kapitel abschließend, hier eine Auflistung der wichtigsten Standardausrüstungs-Details: Elektrische Motorbedienung, Notsteuerpinne, Landstrom, Warmwasser, Batterielader, Raymarine Log und Tiefenmesser, Bugschraube, Heizung, Klappfenster Salon, Automatik-Feuerlöschanlage, Cabrio-Plichtpersenning, Mahagoni-Innenausbau, Korkisolierung, Cockpit-Teakdeck und Antifouling.

Fahreigenschaften

Testrevier das Sneeker Meer, Wassertiefe ca. 4,50 m unter dem lang durchgezogenen Kiel, auch bei langsamer Fahrt ein Garant für hohe Richtungsstabilität. Küstengewässertörns nach CE-Kategorie „B“ blieben uns leider aus organisatorischen Gründen versagt, dennoch versichert die Werft, Windstärke acht, vier Meter Wellenhöhe, kein Prob-lem. Das Schiff macht’s mit, die Crew – vielleicht…

Lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt und weil’s halt so ist, dass Motoren eine Höchstdrehzahl abverlangt werden kann, der obligatorische Schnellfahrversuch, ökonomisch wenig sinnvoll, dennoch zum Testprogramm gehörend.
22 Sekunden aus ruhender Position, dann ist Vmax mit 17,4 km/h (9,4 kn) bei 3.500 U/min erreicht. Dass dabei knapp 30 Liter Dieselöl durch die vierzylindrigen Yanmar-Brennräume des Selbstzünders gepresst werden, völlig normal. Fahrspaß kann sich jedoch auch deutlich wirtschaftlicher und dabei nicht exorbitant weniger langweilig darstellen, wird die Drehzahl um gut 50% reduziert.
Die auf vielen Kanälen erlaubte Revierfahrtgeschwindigkeit von ca. 12 km/h (6,5 kn) erreicht der Testproband nach etwa zehn Sekunden mit 1.850 U/min. Dabei schmilzt der Spritverbrauch auf 6,5 Liter pro Stunde ab. Viereinhalbmal weniger als Fullspeed. Unter diesen ökonomischen Vorzeichen wandeln sich die 5,4 km/h Geschwindigkeitseinbuße schnell zum finanziellen Plus in der Bordkasse.
Diese positive Erkenntnis sollte allerdings nicht davon abhalten, herauszufinden, ob und wo sich dieser Pikmeerkruiser eine Blöße gibt. Ein vergebliches Unterfangen. Spontanes Ansprechen und Kurshalten auf jede Ruderkorrektur, flache Heckwelle, hervorragende Schalldämmung (siehe Messwerte). Selbst bei sukzessiver Geschwindigkeitssteigerung bis zum Anschlag, hart gelegtem Ruder, kaum messbare Krängungsanzeichen und verblüffend enge Drehkreise von unwesentlich mehr als einer Rumpflänge. Chapeau!

Kontakt

Werft:

Pikmeerkruiser
Jachtwerf B. de Groot
Oedsmawei 2
NL 9001 ZJ Grou (Niederlande)
Tel.: 0031-(0)-566-621719
Mobil: 0031-(0)-6-53229146
Fax: 0031-(0)-455-622581
Mail: info@pikmeerkruiser.nl
www.pikmeerkruiser.nl

Messwerte

Beschleunigung O-Vmax minus 1kn. (Sek): 22, Drehkreis in Bootslängen = 0,5-1 Reichweite bei Revierfahrt/Marschfahrt (Tankinhalt-10 %) in sm (km): 720 / 818 (1.333 / 1.515)

* Gemessen am (Innen)Fahrstand

TESTBEDINGUNGEN: Revier: Sneekermeer (NL), Wind (Bft)/Strom (kn)/Wellenhöhe(m): 2-3 / 0,25, Personen an Bord: 2, Tankinhalt Brennstoff/Wasser (Liter) ca.: 450 / 600

Mein Fazit

Dieser „Pikmeerkruiser 44 OC Premier“ spiegelt in der Summe seiner Eigenschaften all das wider, was sich die Macher der „Jachtwerf B. de Groot“ seit annähernd 60 Jahren auf ihre Fahnen geschrieben haben, nämlich zeitlos schöne und sichere Schiffe zu bauen. Verzichtet wird dabei auf jedweden krampfhaften Schickimicki-Firlefanz. Hingegen genießt angemessenes Preis-Leistungsverhältnis absolute Priorität. Ein sicherlich nicht immer einfacher Balanceakt, dennoch gelungen wie wir meinen, blieb dabei das gewisse Quäntchen sogenannter „Corporate Identity“ nicht auf der Strecke. Auf den Punkt gebracht: Die besonders feine Art des eleganten Understatements, das offensichtlich gut bei einschlägiger Kundenklientel ankommt. Machen und Zugesagtes liefern.
Claus Breitenfeld – Testredakteur