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PIMP YOUR IMMUN-SYSTEM


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Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 27.10.2022

Unser TITEL THEMA

Artikelbild für den Artikel "PIMP YOUR IMMUN-SYSTEM" aus der Ausgabe 11/2022 von Leben & erziehen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 11/2022

Hatschi! Beim Schnäuzen brauchen die Minis Unterstützung. Am besten geht es, wenn die Kids ein Nasenloch zuhalten und durch das andere ausatmen

Ein Nieser. Noch einer. Und noch einer! Gerade erst ist der letzte Rest Hustensaft verbraucht, schon dringt wieder ein verdächtiges Schniefen aus dem Kinderzimmer herüber. Schon wieder erkältet? Kann das denn sein?

Das kann es. Das Gefühl, dass die Kleinen in der kalten Jahreszeit fast durchgehend krank sind, trügt nicht. „Kinder können im ersten Kitajahr zehn bis 15 Infekte haben, die jeweils bis zu vier Wochen dauern“, sagt der Berliner Kinderarzt Jakob Maske. „Im Extremfall wäre ein Kind also 60 Wochen in einem Jahr krank, das nur 52 Wochen hat.“ Das erklärt, warum sich schon die nächste Erkältung anbahnt, wenn die erste gerade erst weggeht. Im zweiten Kitajahr nimmt die Zahl der Erkrankungen ab, jetzt sind es im Schnitt „nur noch“ fünf bis zehn Infekte. Eltern von Schulkindern können aufatmen (na ja, fast): In der Regel ist das kindliche Immunsystem dann schon recht gut ...

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... ausgereift und Erkältungen werden immer weniger.

Wie die Körperabwehr funktioniert

Der Grund ist, dass das Immunsystem durch viele Infekte dazulernt. Konnte ein Virus in den Schleimhäuten nicht abgewehrt werden und dringt in den Körper ein, sind die sogenannten Fresszellen als erstes am Start und vernichten bestenfalls den Erreger. Einige Fresszellen, die Makrophagen etwa, zerlegen die Viren in ihre Eiweißbestandteile und präsentieren Teile davon an ihrer Oberfläche (siehe Grafik rechts). Diese Antigene werden von den T-Gedächtniszellen gescannt. Sie geben Informationen zu Art und Aus-sehen des Virus über Botenstoffe an die B-Lymphozyten weiter. Will später der gleiche Virus ein zweites Mal den Körper angreifen, erkennen die B-Lymphozyten ihn und geben spezifische Antikörper ins Blut ab. Diese wehren den Feind ab. Viele weitere Bestandteile des komplexen Immunsystems werden außerdem aktiv. Natürliche Killerzellen zum Beispiel beseitigen mit Viren infizierte Körperzellen. All das äußert sich in den uns plagenden Symptomen wie Halsschmerzen, Fließschnupfen, Husten und Gliederschmerzen.

Unser Experte

… ist niedergelassener Kinderarzt in Berlin und Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

„So entsteht gegen viele Erkältungen eine lange, manchmal sogar lebenslange Immunität“, sagt Jakob Maske. Wenn Kinder ständig krank sind, ist das kein Zeichen für ein schwaches Immunsystem, wie häufig angenommen wird. „Ganz im Gegenteil!“, sagt der Mediziner. „Die Kleinen haben nur die Infekte noch nicht durchgemacht und noch keine spezifischen Antikörper aufgebaut.“ Leichte Erkrankungen sind also harmlos und äußerst wichtig für die Kinder. Dank ihnen können sie ein cleveres Abwehrsystem entwickeln. Sogar vor Allergien schützen frühe Infekte laut Jakob Maske, oder sie lassen sie zumindest leichter ausfallen.

Leider gibt es aber über 200 verschiedenen Viren, die Erkältungssymptome auslösen, sodass selbst wir Erwachsenen vor vielen nicht oder nicht mehr gefeit sind. Manche Eltern haben deshalb das Pech, jede aus dem Kindergarten mitgebrachte Erkältung mit durchmachen zu müssen. Einen Weg, das zu verhindern, gibt es nicht. Doch wir können unser Immunsystem stärken, damit es den Körper nicht allzu stark beutelt. Die Basics fasst Jakob Maske mit „gesund ernähren, Sport treiben, an die frische Luft gehen“ zusammen.

Besser essen, mehr bewegen

Eine ausgewogene, möglichst cleane Ernährung (aus frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln) führt unserem Kör-per alle wichtigen Nährstoffe zu. Um Infekte abzuwehren, braucht er Eiweiß aus Hülsenfrüchten oder magerem Bio-Geflügel. Aus dem Protein werden Antikörper hergestellt. Selen und Zink aus Nüssen, Kernen, Samen und Vollkornprodukten verbessern deren Funktion. Gesunde Fettsäuren ebenfalls aus Nüssen, aber auch aus Pflanzenölen und Fisch schützen vor Entzündungen. Abwehrstärkende Vitamine und Pflanzenstoffe stecken in Gemüse und Obst (siehe Kasten rechts).

Neben gesundem Essen hält Sport das Immunsystem am Laufen. Untersuchungen zeigen, dass Killerzellen direkt nach körperlicher Belastung besser gegen Viren und Bakterien wirken. Auf der anderen Seite kann Extremsport das Immunsystem schwächen. Also: nicht zu intensiv, aber auch nicht zu wenig bewegen. Langsame Bewegungsformen wie Tai-Chi, Qigong und Yoga sollen die Abwehr stärken. Nicht zuletzt auch, weil sie dabei helfen, Stress abzubauen.

Die Psyche spielt eine Rolle

Schließlich ist die Psyche im Zusammenhang mit Ansteckung nicht zu vernachlässigen. Bei Erwachsenen ist bekannt, dass sie eng mit dem Immunsystem in Verbindung steht. Stress zum Beispiel kann die Abwehr schwächen. Genauso können manche Kinder anfälliger für Erkältungen sein als andere. „Kinder, die psychisch belastet sind, werden schneller krank“, sagt Jakob Maske. So kann es sein, dass ein Geschwisterkind sich häufiger infiziert als das andere, weil es sensibler ist. „Wenn es das jüngere Kind ver-mehrt trifft, ist sein Immunsystem aber vielleicht auch einfach noch nicht so geschult wie das der großen Schwester oder des großen Bruders“, weiß der Berliner Kinderarzt.

7 Immunbooster aus der Küche

LINSEN: EISEN

Das Spurenelement ist für den Sauerstofftransport im Blut zuständig und hält somit die Leistung des gesamten Körpers (also auch der Abwehr) am Laufen. Eisenmangel beeinträchtigt laut Studien das angeborene Immunsystem von Kindern: Lymphozyten und Makrophagen schwächeln.

HAFERFLOCKEN: ZINK

Ein Porridge zum Frühstück liefert der Abwehr ordentlich Zink. Der Körper kann es nicht gut speichern und braucht täglich Nachschub. Zink aktiviert die Bildung von Antikörpern und kann die Dauer einer Erkältung verkürzen. Ein Mangel macht uns anfällig für Infekte.

ROTE PAPRIKA: VITAMIN C

Zwar ist Vitamin C nicht die Anti-Erkältungs-Wunderwaffe, für die es früher gehalten wurde. Trotzdem ist es ein unverzichtbarer Unterstützer fürs Immunsystem: Es wehrt Viren ab und spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Immunzellen.

NATURJOGHURT: MILCHSÄUREBAKTERIEN

Enthaltene Milchsäurebakterien sorgen für ein starkes Darmmikrobiom. Das ist essenziell für eine fitte Abwehr, denn im Darm befinden sich gut 70 Prozent unserer Immunzellen.

INGWER: GINGEROLE

Neben Nährstoffen enthält die tolle Knolle ätherische Öle und Scharfstoffe (Gingerole). Diese haben entzündungshemmende und antimikrobielle Eigenschaften. In Scheiben geschnitten und mit heißem Wasser aufgegossen, heizt ein Stück Ingwer dem Körper außerdem ordentlich ein – die gesteigerte Durchblutung treibt Abwehrzellen an. In Smoothies oder pürierten Suppen lässt sich Ingwer auch den Kids unterjubeln.

SÜSSKARTOFFEL: VITAMIN A

Knallorange und knallgesund! Die Knolle liefert jede Menge Betacarotin, das im Körper in Vitamin A umgewandelt wird. Es fördert das Zellwachstum und trägt zur Funktion des Immunsystems bei. Außerdem stärkt es unsere Schleimhäute: Viren haben es schwerer, einzudringen.

BEEREN: ANTIOXIDANTIEN

Allen voran stecken Blaubeeren voller Antioxidantien, doch auch Himbeeren und Erdbeeren (jetzt als TK-Ware) können sich sehen lassen. Antioxidantien bieten Schutz vor sogenannten freien Radikalen. Diese entstehen unter anderem durch UV-Strahlung, Rauchen und Umweltgifte und rufen oxidativen Stress hervor, der Zellschäden verursacht und sich negativ auf die Abwehr auswirkt.

Bessere Immunität durch Videos?

Dass die Psyche die Körperpolizei sogar unterstützen kann, zeigt eine aktuelle Studie der Universität Hamburg. Sie liefert einen simplen – wenn auch etwas verrückten – Trick, mit dem Eltern zumindest versuchen können, ihr Immunsystem zu pushen: Die Wissenschaftler ließen 116 Testpersonen Videos anschauen. Zwei zeigten Inhalte mit Bezug zu Atemwegsinfekten, also zum Beispiel niesende Personen oder sehr krank aussehende Menschen. Ein dritter Film beinhaltete ekelerregende Bilder wie verdorbene Lebensmittel oder Kakerlaken. Das vierte Video diente als Kontrolle und zeigte Landschaftseindrücke. Anschließend entnahmen die Forschenden Speichelproben, um die Konzentration des Immunglobulins A (sIgA) zu messen. Ergebnis: Der Wert des Antikörpers war bei Personen, die Krankheitsvideos angesehen hatten, um 83 Prozent erhöht. Der Anblick verdorbener Lebensmittel steigerte die sIgA-Konzentration um 45 Prozent. Immunglobulin A hat an den Schleimhäuten vor allem die Aufgabe, Erreger abzuwehren. Die Hamburger Forschenden weisen aber darauf hin, dass ihre Studie keinen direkten Beweis für eine erhöhte Immunität beim Menschen liefert. Weitere Studien müssten das noch belegen.

Auch bei Schietwetter: raus an die Luft

In ausgetrockneten Schleimhäuten haben Viren besonders leichtes Spiel. Für Groß und Klein gilt deshalb im Winter, sie feucht zu halten. Bewegung an der frischen Luft ist förderlich, zusätzlich helfen Inhalieren, viel Trinken und Nasenduschen dabei, die nächste Erkältung klein zu halten.

Wer sich viel im Freien auf hält, füllt außerdem seine Vitamin-D-Speicher. Der Nährstoff wird in der Haut durch Sonneneinstrahlung gebildet. Menschen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln bekommen deutlich mehr Infekte als Personen, denen es nicht mangelt. Studien zeigen, dass sowohl ein Großteil der Kinder und Jugendlichen als auch der Erwachsenen in Deutschland erniedrigte Vitamin-Spiegel haben.

Schnief und Rotz werden in den kommenden Monaten trotzdem nicht fernbleiben. Deshalb: lieber für ausreichend Hustensaft, Erkältungssalbe und Nasentropfen sorgen. Die helfen der ganzen Familie dabei, besser zu schlafen. Und das ist enorm wichtig. Mangelt es uns nämlich an nächtlicher Ruhe, bremst das nachweislich das Viren-Abwehr-Kommando.

Corona und das kindliche Immunsystem

Rund22ProzentderFünf-bisElfjährigensind mindestens einmal gegenCovid-19geimpft.Für unter Fünfjährige steht in Deutschland (noch) kein zugelassener Impfstoff zur Verfügung – dennoch wurden bereits mehr als Zehntausende Kleinkinder „off label“ geimpft. Knapp 7 000KinderundJugendlichewurden seit dem 1. Januar 2020 in Deutschland und Österreich mit einer Coronainfektion im Krankenhaus aufgenommen, dreiProzentvon ihnen mussten intensivmedizinischbehandeltwerden. Warum das kindliche Immunsystem mit einer Coronainfektion besser umgehen kann als das erwachsene, ist nicht abschließend geklärt. Ein Ansatz ist, dass den Kindern ihre noch sehr unspezifischeAbwehrzugutekommt. Die Antikörper stellen sich allen möglichen Erregern entgegen und verhindern, dass Coronaviren sich stärker ausbreiten und Symptome hervorrufen. Das Immunsystem von Erwachsenen ist spezialisierter und springt erst auf die Viren an, wenn sie schon tiefer in den Körper eingedrungen sind und Beschwerden da sind.