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Planschschrecken


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2014 vom 27.06.2014

Anbieter von Planschbecken aus weichem Kunststoff sind offensichtlich unfähig, schadstofffreie Kinderprodukte zu verkaufen. Neben vielen Verlierern im Test gibt es nur einen Lichtblick – und einen Achtungserfolg. Von Mirko Kaiser


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Foto: Elzbieta Sekowska/Shutterstock

F ür die Erfrischung zwischendurch sind Planschbecken genau das Richtige: Denn sie lassen sich fix aufstellen, und die kleineren Modelle sorgen bereits auf einem größeren Balkon für riesigen Spaß. Leider aber ist die Testhistorie von Planschbecken bei ÖKO-TEST ein fortgeschriebenes Armutszeugnis für die Anbieter. In den Jahren 2002 und 2006 ...

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F ür die Erfrischung zwischendurch sind Planschbecken genau das Richtige: Denn sie lassen sich fix aufstellen, und die kleineren Modelle sorgen bereits auf einem größeren Balkon für riesigen Spaß. Leider aber ist die Testhistorie von Planschbecken bei ÖKO-TEST ein fortgeschriebenes Armutszeugnis für die Anbieter. In den Jahren 2002 und 2006 ließen vor allem Phthalate die meisten Planschbecken untergehen. Dabei handelt es sich um Weichmacher, die PVC geschmeidig machen. Sie sind nicht fest im Material gebunden, dünsten aus und gelangen über die Mundschleimhaut und zum Teil auch über die Haut in den Körper. Viele Phthalate wirken wie ein Hormon.

Im ÖKO-TEST von 2009 waren es dann polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – einige Vertreter dieser Stoffgruppe sind krebserregend – und weitere Schadstoffe, die für neunmal „ungenügend“ sorgten. Phthalate steckten nur in zwei Produkten. Denn von den fortpflanzungsgefährdenden Phthalaten DEHP, DBP und BBP dürfen in der EU seit 2005 in Babyartikeln und Spielzeug nicht mehr als ein Gramm pro Kilogramm weichmacherhaltiges Material enthalten sein. DINP, DIDP und DNOP sind in Spielzeug und Babyartikeln, die von Kindern in den Mund genommen werden können, nicht zulässig, sofern diese mehr als ein Gramm pro Kilogramm jener Phthalate enthalten.

Dafür setzen die Hersteller nun Weichmacher wie DEHT und DINCH ein. DEHT ist vermutlich nicht hormonwirksam. Und laut Umweltbundesamt verändert DINCH nicht das Erbgut, ist weder krebserregend, noch schädigt es die Entwicklung des ungeborenen Kindes im Mutterleib oder beeinflusst die Fortpflanzungsfähigkeit. Eine erst jüngst veröffentlichte Studie der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde kommt zu dem Ergebnis, dass DINCH – anders als Phthalate – keinen Einfluss auf die Testosteronproduktion im Rattenfötus hat. Dass auch DINCH in den Körper gelangt, ist bewiesen: Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass sich Abbauprodukte des Weichmachers im Urin von Menschen nachweisen lassen.

Das Umweltbundesamt bestätigt, dass seit der Markteinführung von DINCH im Jahr 2002 die Belastung von Hausstaub mit diesem Weichmacher kontinuierlich steigt. Untersuchungen von jeweils 300 Urinproben aus den Jahren 2003, 2006, 2009 und 2012 auf DINCH-Abbauprodukte (Metaboliten) zeigen sogar einen gewaltigen Anstieg: Waren in den 2003er-Proben keine Metaboliten nachweisbar, steckten sie in den 2006er-Proben in sieben Prozent der Urinproben und 2009 in 49 Prozent; 2012 waren sie in 98 Prozent der Proben nachweisbar. Ob DINCH, wenn es in den menschlichen Körper gelangt, keinerlei Risiko für die Gesundheit darstellt, ist ohne Langzeitstudien wohl kaum seriös einzuschätzen.

Die Autoren der Studie Entering markets and bodies: Increasing levels of the novel plasticizer Hexamoll DINCH in 24 hr urine samples from the German Enviromental Specimen Bank geben zu bedenken, dass die Belastung der Bevölkerung durch DINCH wahrscheinlich in dem Maße steigen wird, wie sich DINCH am Markt etabliert. So spiegeln laut der Forscher auch die in den aktuellen Studien angenommenen täg lichen DINCH-Aufnahmen in den Körper nicht die Mengen wider, die dann in den Körper gelangen, wenn DINCH seinen Produktionshöhepunkt als allseits etablierter Ersatzweichmacher für die Phthalate erreicht hat. Und die Autoren weisen auf noch etwas hin: Basierend auf ihren Erfahrungen zur Phthalatbelastung gehen sie davon aus, dass Kinder aufgrund der erhöhten Nahrungsaufnahme im Verhältnis zum Körpergewicht, zusätzlicher Aufnahme durch Hausstaub und weil Kinder vieles in den Mund nehmen, stärker mit DINCH belastet sein werden als Erwachsene. Wie viele Anbieter von Planschbecken auf DINCH oder andere problematische Inhaltsstoffe setzen, haben wir untersucht, indem die beauftragten Labore 16 Planschbecken prüften.

ÖKO-TEST rät

► Der aktuelle Test bestätigt die vorangegangenen Planschbeckentests: Nur das Testprodukt aus Hartplastik bietet Planschen ohne Schadstoffe.
► Planschbecken aus Weich-PVC nicht mit dem Mund aufblasen, damit Schadstoffe keinen Kontakt zur Mundschleimhaut bekommen.

Das Testergebnis

Der Untergang. In 14 der 16 Planschbecken haben Labore jede Menge Schad stoffe nachgewiesen. Lediglich der Hartplastikpool ist empfehlenswert. Einen Achtungserfolg landet ein Rahmenpool.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Der Handel bietet vor allem Planschbecken aus Weich-PVC zum Aufblasen an. Da diese Becken sich aber in vergangenen Tests sehr oft als stark belastet erwiesen haben, achteten wir beim Einkauf besonders auf Produkte, deren Anbieter zum Beispiel den Verzicht auf Phthalate versprechen. Auf der Suche nach Alternativen kauften wir auch ein Hartkunststoffbecken ein sowie solche, die aus Rahmenelementen wie Metall- oder Kunststoffrohren und Folien bestehen. Das günstigste Produkt im Test kostet 6,99 Euro, das teuerste 109,99 Euro.

Die Inhaltsstoffe

Planschbecken aus PVC benötigen Weichmacher, um den Kunststoff geschmeidig zu machen. Deshalb haben wir die Produkte auf diese Substanzen untersuchen lassen. Auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige krebserregend sind, und giftige zinnorganische Verbindungen sind Schadstoffe, die die von uns beauftragten Labors immer wieder in Kunststoffprodukten nachweisen. Während PAK häufig durch verunreinigte Weichmacheröle ins Produkt gelangen, setzen manche Hersteller zinnorganische Verbindungen ein, um das Material zu stabilisieren. Analysiert wurde ebenfalls, ob das Lösemittel Isophoron, das über ein krebserregendes Potenzial verfügt, in den Kinderprodukten steckt.

Lösen lassen sich Weichmacher aus Kunststoff. Deshalb sollten Kinder nicht am Pool nuckeln. Denn über die Schleimhaut gelangen Weichmacher in den Körper.


Foto: Chris Bernard/iStock/©Thinkstock

Die Bewertung

In Planschbecken sitzen Kleinkinder, die wenig oder auch mal nichts anhaben und gelegentlich am weichen Kunststoff rumnuckeln. Deshalb sollten Anbieter Produkte verkaufen, die frei von problematischen Inhaltsstoffen sind. Wo das nicht der Fall ist, werten wir streng ab.

Kleinkinder lieben Planschbecken. Da ist es doppelt schade, dass schadstofffreie Produkte so selten wie ein Sechser im Lotto sind.


Foto: Glenda Powers/iStock/©Thinkstock

Immer noch Phthalate. In den Produkten Splash and Play Fast-Set Pool, Its Imagical Babypool Pop-Up & Parasol, Nabaiji Planschbecken Tidipool orange und Wehnke Fix-Planschbecken Afrika hat ein Labor erhöhte Phthalatgehalte nachgewiesen. Einen stark erhöhten Gehalt der Phthalate DINP und DIDP wiesen die Labor experten in der Folie des Quadro Pool klein nach. Beide Phthalate sind in Spielzeug und Babyartikeln, die dazu geeignet sind, von Kindern in den Mund genommen zu werden, in Konzentrationen von mehr als 0,1 Massenprozent verboten. Natürlich handelt es sich bei einem Planschbecken nicht um einen Schnuller oder einen Beißring. Allerdings liegt es auf der Hand, dass in Planschbecken vor allem Kleinkinder spielen. Und die sitzen dort fast nackt und nuckeln vielleicht auch mal an den zugänglichen Folienteilen des Rahmenpools herum. Im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes sollte der Anbieter für phthalat freie Kinderprodukte sorgen.
PAK im Pool. In 13 von 16 Kinderplanschbecken hat ein Labor polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) in einer Menge nachgewiesen, die wir abwerten. Die PAK gelangen durch Weichmacheröle in Gummi und Weichkunststoff. PAK können im schlimmsten Fall krebserregend sein.
Nur drei Pools weichmacherfrei . Bis auf das Hartplastikprodukt und die Planschbecken Royalbeach TPU-Planschbecken 100 PVC Frei, Blumenmotiv und Wehnke Planschbecken WFF 100 cm enthalten alle anderen Pools die Weichmacher DEHT und/oder DINCH, die noch nicht ausreichend erforscht sind.
Lösemittel im Poolmaterial. In den Planschbecken Happy People Oktonauten Pool, Hello Kitty Planschbecken mit 3 Ringen, rosa, Nabaiji Planschbecken Tidipool orange, Simba Filly Ring Pool und Wehnke Planschbecken WFF steckt das Lösemittel Isophoron. Das ist eine flüchtige, organische Verbindung, die Augen, Haut und Atmungsorgane reizt und für die ein krebserzeugendes Potenzial nicht ausgeschlossen werden kann. Bei sorgfältiger Herstellung ist Isophoron im Produkt auf deutlich niedrigere Gehalte reduzierbar als diejenigen, die das von uns beauftragte Labor gemessen hat. Deshalb werten wir ab.

So reagierten die Hersteller

■ AnbieterQuadro erklärt, dass die Phthalatwerte in der Folie im Widerspruch zu den dem Unternehmen vorliegenden Zertifikaten und Stellungnahmen inklusive Materialblättern des Lieferanten stehen, die die Folie als phthalatfrei ausweisen. Quadro gibt an, „dass wir die Angelegenheit selbst prüfen müssen, um sagen zu können, wie die widersprüchlichen Ergebnisse zustande kommen“.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Laut Anbieter Quadro widersprechen die Phthalatfunde in der Folie den Angaben des Lieferanten, dass diese phthalatfrei sei. Quadro will diesen Widerspruch prüfen. 3) Der Anbieter legte einen Prüfbericht über den Artikel vor, aus dem hervorgeht, dass jeweils weniger als 200 μg/kg der PAK Fluoren und Naphthalin enthalten sind. Unser Labor hat mehr als das 50-fache an Naphthalin nachgewiesen. Anhand des Prüfberichts des Anbieters ist für uns nicht nachvollziehbar, ob es sich um dieselbe Produktionseinheit (Charge) wie bei unserem Testprodukt handelt.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug aus Weich-PVC, die von Kindern in den Mund genommen werden können, verbotenen Phthalate (hier: Diisodecylphthalate/DIDP, Diisononylphthalate/DINP); b) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 μg/kg der zinnorganischen Verbindungen Dibutylzinn (DBT), Tributylzinn (TBT), Triphenylzinn (TPT) oder Dioktylzinn (DOT) (hier: Dioktylzinn (DOT)); c) ein stark erhöhter Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) von in der Summe mehr als 1.000 μg/kg. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen, soweit sie sich nicht auf mehr als 1.000 μg/kg addieren; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 mg/kg der in Babyartikeln und Kinderspielzeug aus Weich-PVC verbotenen Phthalate (hier: DEHP) sowie der in Babyartikeln und Kinderspielzeug aus Weich-PVC, die von Kindern in den Mund genommen werden können, verbotenen Phthalate (hier: Diisononylphthalate/DINP); c) ein erhöhter Gehalt von mehr als 100 μg/kg bis 1.000 μg/kg der zinnorganischen Verbindungen Dibutylzinn (DBT), Tributylzinn (TBT), Triphenylzinn (TPT) oder Dioktylzinn (DOT) (hier: Dibutylzinn (DBT)); d) mehr als 6 mg/kg Isophoron bezogen auf die Migration. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als 1.000 mg/kg Ersatzweichmacher (hier: Diiso-nonylcyclohexan-1,2-dicarboxylat/DiNCH, Diethylhexylterephthalat/DEHT), Diethylhexylsebacat (DEHS)), sofern nicht bereits wegen Phthalaten abgewertet wurde; b) 10 bis 1.000 mg/ kg phosphororganische Verbindungen; c) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen; d) mehr als 10 mg/kg Phenol bezogen auf die Migration. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen →„M1407“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: März–April 2014.
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