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Plastikmüll „in aller Munde“ – abbaubare Produkte als Alternative


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.07.2018
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Bildquelle: TASPO GARTEN-DESIGN, Ausgabe 5/2018

Anlage einer Rasenfläche: Hier kam das aus Wolle und Viskose bestehende Produkt Wollrasen von Heinrich Glaeser Nachf. GmbH zum Einsatz.


Werkfotos

Was tun, wenn immer weniger gespritzt werden soll, das Unkraut prächtig gedeiht und der Aufwand für die Pflege teuer ist? Dann ist Mulchen eine Option: Es wirkt gegen Unkräuter, Verdunstung und Erosion und vermindert den Aufwand. „Mulchfolien und Mulchmaterialien im Gala- und Gartenbau“ standen am 24. und 25. April in der Staatlichen Fachschule für Agrarwirtschaft in Landshut-Schönbrunn bei der Frühjahrstagung der Gesellschaft für Kunststoffe im Landbau (GKL) ...

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... auf dem Programm.

Mulchmaterialien sind im Kommen – und unter den Mulchmaterialien haben allen voran die biologisch abbaubaren ein großes Zukunftspotenzial. So lautete das wichtigste Fazit der Tagung. Produkte aus verrottbarer Polymilchsäure (PLA) sind teurer als herkömmliche Kunststoffe aus Polypropylen (PP). Was bewegt also Kunden, das teurere Produkt zu kaufen? In Zeiten, in denen Plastikmüll „in aller Munde“ ist und die Politik von einer Plastiksteuer spricht, liegen die Vorteile auf der Hand: Abbaubare Materialien sind umweltfreundlich und können nach Gebrauch einfach untergefräst werden – herkömmliche PE-Folien dagegen sind Sondermüll und kosten bei der Entsorgung viel Geld.

Das Prinzip ist einfach: Folien und Gewebe lassen Wasser durch und halten das Licht vom Boden fern, so dass Unkräuter nicht Fuß fassen. Die Praxis ist etwas komplizierter: Mit dem Bedarf steigen die Ansprüche von Endkunden. Materialien sollen heute nicht nur praktikabel, sondern zugleich aus heimischen Pflanzen hergestellt und nachhaltig abbaubar sein und darüber hinaus einen geringen CO2-Verbrauch aufweisen.

Normen gewinnen an Bedeutung

Produzenten reagierten mit umfangreicher Forschung. Damit wurde das Angebot nicht nur besser, sondern auch vielfältiger und differenzierter: Es gibt heute Folien, Vliese und Gewebe in allen Größen, Farben und Stärken, aus verschiedenen Materialien und – je nach Anwendung – mit unterschiedlichen Eigenschaften und Lebenszyklen. Es gibt kompostierbare Halteklammern für Folien und Clips für Tomaten, die nach der Ernte zusammen mit den Pflanzen entsorgt werden können, und verrottbare Kapseln mit Trichogramma-Schlupfwespen gegen den Maiszünsler, die mittels programmierter Drohnen auf die Felder gebracht werden.

Dem Praktiker fällt es bei einer solchen Vielfalt manchmal schwer den Überblick zu behalten und einzuschätzen, ob der Preis gerechtfertigt ist und das Produkt dem individuellen Bedarf entspricht. Denn welch eine Folie oder Matte sich am besten eignet, das hängt von einer Vielzahl an Faktoren ab: vom jeweiligen Boden, dem regionalen Wetter und weiteren Bedingungen vor Ort. So herrschte bei der Tagung darüber Konsens, dass eine gute Beratung und die Nachfrage nach Zertifikaten und Normen sowie Produktionsnummern immer wichtiger werden. Nur so lasse sich zum Beispiel sicherstellen, dass ein sogenanntes Biomaterial auch tatsächlich vollständig abbaubar ist und ein Hinweis auf Kompostierbarkeit auch wirklich für den Boden und nicht nur für die industrielle Anlage gilt.

Test mit Vertikalbegrünung. Partner waren hier das Sächsische Textilforschungsinstitut (STFI) e.V. Chemnitz, die TU-Berlin und die Firma Wirth & Co. GmbH Chemnitz. Fotos (2): Jens Mählmann, STFI e.V.


Geotextilien der neuen Generation

Um etwas Licht in den Dschungel der Angebote zu bekommen, stellten einige namhafte Händler und Produzenten das Neue und Bewährte aus ihren Programmen vor. Zu ihnen gehörte die Heinrich Glaeser Nachf. GmbH, die aus Wolle und Viskose Wollrasen herstellt. Ideal für eine Neuanlage von Rasenflächen, zur Reparatur beschädigter Flächen oder zur Begrünung von leichteren Hanglagen. Für steile, rutschende und schwierige Hänge sowie als Top für eine gute Bewurzelung auf dem Dach hat die Firma das aus Viskose und Jute bestehende Produkt Greentex in ihrem Programm. Die in Rollen angelieferten Matten beinhalten auf Wunsch individuelle Saatgutmischungen sowie Dünger und Bodenverbesserungsstoffe. Beide Produkte sind laut Hersteller vollständig biologisch abbaubar.

Ein bioabbaubares Bändchengewebe für den GaLaBau stammt von der Unternehmensgruppe Phormium IFG Cresco, die eine der größten europäischen Textil gruppen ist. 2011 brachte man in den Farben braun, grün und schwarz „Duracover“ auf den Markt, ein Bodengewebe auf der Basis von erneuerbaren Polymilchsäuren (PLA). „Duracover“ kann auch als Trenngewebe verwendet werden, etwa zwischen einer Grundschicht und bodenabdeckenden Materialien wie Kies oder Rindenschnitzeln. Äußerlich gleicht es einem klassischen Polypropylen-Bändchengewebe, doch birgt es viele zusätzliche Vorteile: Laut Hersteller ist es ISO-zertifiziert besonders wasseraufnahmefähig mit 15 Litern pro Quadratmeter pro Sekunde, ferner feuerbeständig, nicht anziehend für Nagetiere, und aufgrund seines leichten Gewichts besonders gut zu handhaben.

Für den Gartenbau hat die Großhandelsfirma Hermann Meyer KG neben konventionellen Geweben auch abbaubare Varianten in ihrem Programm. Das konventionelle, zu 100 Prozent aus Polypropylen bestehende Plantex Gold Mulchvlies bietet laut Hersteller Schutz selbst vor aggressivsten Unkräutern wie Quecke und Ackerschachtelhalm. Unter den abbaubaren Geweben bietet die Firma ein vorbesätes Zellulose-Rasenvlies mit Langzeitdünger an, welches sich nach etwa drei bis sechs Monaten zersetzt und über einen sehr guten Erosions- und Böschungsschutz verfügt.

Mehr Grün braucht die Stadt

Technische Textilien können im urbanen Raum neue Flächen für die agrarische Nutzung im weitesten Sinne erschließen, ob als Fertigrasen, als Frost-, Insekten- und Windschutz, als Wasserspeicher oder Beschattung, Rankhilfe oder bei der Erschließung von Gebäuden und versiegelten Flächen. Mit der Neuschaffung eines zukünftigen multifunktionalen, vernetzten städtischen Grüns befasst sich das sächsische Textilforschungsinstitut e.V. (STFI).

Grundsätzlich sind technische Textilien als Vegetationsträger im urbanen Raum gut geeignet – das Problem ist der Einsatz auf vertikalen Flächen, besonders die gleichmäßige Verteilung des Wassers: Die Vegetationsträger übernehmen wichtige Bodenfunktionen, und auf den Flächen müssen regulierte Feuchtigkeitsbedingungen gewährleistet werden. Eine besondere Herausforderung für das Wassermanagement besteht zur Frostwechselperiode, denn die Pflanzen haben einen hohen Wasserbedarf, die technischen Anlagen sollten aber wegen der Temperaturen nicht angeschaltet sein. Die STFI legt dazu Versuchsflächen an und experimentiert mit verschiedenen Sperrschichten und Folien sowie Bewässerungsmatten. Eine neue Entwicklung heißt „smart technical textiles“: Mess-Signale melden dabei permanent Umweltdaten wie auch Setzungen oder eventuelle Wassereinbrüche.

Als Dienstleister für die Kunststoffindustrie versteht sich auch die SKZ Testing GmbH, die Bahnen und Beschichtungen für Dachbegrünungen auf Dichte und Dauerhaftigkeit testet. Zwei Jahre im Gewächshaus oder vier Jahre im Freiland müssen die Materialien diversen Testpflanzen wie Pyracantha coccinea (Feuerdorn) und Agropyron repens (gemeine Quecke) standhalten. Materialien für Gewässer werden zusätzlich mit Phragmites australis (Schilf) getestet, das oft in Pflanzenkläranlagen vorkommt. In diesem Jahr sollen erste Testläufe mit Bambussorten beginnen.

Aus ästhetischen Gründen werden im GaLaBau oft Mulchfolien und -gewebe mit Schüttgütern abgedeckt. Wie Vlies und andere Abdeckmaterialien zusammen mit Schüttgütern zum Mulchen auf eine Mischpflanzung wirken, untersuchte Christin Ulbricht an der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) in Quedlinburg. Bei den untersuchten Schüttungen (Rindenmulch, Holzhäcksel, Kies und Ziegelsplitt) wies die Abdeckung mit Ziegelsplitt aufgrund der guten Wasserspeicherfähigkeit des Materials neben der Kontrolle die meisten Unkräuter auf.

Insgesamt wurde kein Unterschied festgestellt zwischen der Kombination aus Mulchgewebe und losem Mulchmaterial gegenüber der Verwendung von nur losen Schüttgütern zum Mulchen. Die zusätzliche Verwendung von Mulchgewebe mit einer Auflage von Schüttgütern sei demnach ein Kostenfaktor und bringe keinen zusätzlichen Nutzen, lautet das Fazit der LLG.

Demonstrationsobjekt zur Fassadenbegrünung mittels textiler Vegetationsträger in Dessau. Ein Kooperationsprojekt des Sächsischen Textilforschungsinstituts (STFI) e.V. Chemnitz, der Stiftung Bauhaus Dessau und der Sächsischen Netzwerke Huck GmbH Heidenau.


ADRESSEN

• Sächsisches Textilforschungsinstitut: http://www.stfi.de/
• SKZ Testing GmbH: www.skz.de
• Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau: llg. sachsen-anhalt.de