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PLATT ENSPIELER MIT SYSTE:Die LEICHT-ATHLETEN


Audio - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 11.01.2019

Der Planar 8 sieht nicht mehr aus wie ein Rega-Plattenspieler: Seine Leichtigkeit fordert auch optischen Tribut. Mit dem Tonabnehmer Apheta 2 zeigt er sich dennoch schwer auf Zack.


Artikelbild für den Artikel "PLATT ENSPIELER MIT SYSTE:Die LEICHT-ATHLETEN" aus der Ausgabe 2/2019 von Audio. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Audio, Ausgabe 2/2019

Test
Plattenspieler mit Sytem
REGA PLANAR 8
REGA APHETA 2 ZUS. 3400 €

Ein Plattenspieler von Rega: Das war einmal ein flaches, viereckiges Brett mit einem Teller und einem Arm drauf. Die unspektakuläre Optik gehörte zu seinem Wesen wie der, gemessen am Preis, zuweilen spektakuläre Klang. Ob sie allein die Ursache dafür war, sei mal dahingestellt – doch eine Bauphilosophie zog sich von Anfang an durch: Leichtbau. Statt wie ...

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... mancher Mitbewerber möglichen klangschädlichen Resonanzen des Chassis mit Masse und immer mehr Masse entgegen zu bauen, setzte Firmengründer Roy Gandy auf den schnellen Abfluss der Energie, wo auch immer die sich aufstaute. Und weniger Masse konnte weniger Energie weniger lang speichern, so sein krass verkürztes Credo, das auch dem Subchassis nicht über den taumeligen Weg traute. Wer Genaueres wissen will, dem sei der dreiteilige Prachtband „A Vibration Measuring Machine“ empfohlen, den Rega 2016 für Freunde des Hauses herausgab.

VON OBEN HERAB

Ein Plattenspieler von Rega: Das ist heute ein vor High-Tech strotzendes Präzisionsteil in höchst auffallendem Design. Zumindest, wenn dieser Plattenspieler Planar 8 heißt. Eine Revolution? Nein. Die das Chassis radikal skelettierende Bauform bedeutet ja nur die konsequente Fortsetzung des Leichtbaus. Die hatte sich rein äußerlich schon in den Modellen RP 8 und RP 10 angedeutet, wo aber noch eine rechteckige Umrandung der tief eingeschnittenen Basis der Konvention – und den Montiermöglichkeit eines Staubschutz-Quaders – Genüge tat.

DAUERLAUF :
Der 24-Volt-Synchron-Motor treibt den Subteller aus Aluminium per Riemen. Ein bisschen gilt „Never change a winning team“ noch.


HOCHSPRUNG : Der neue Tonarm RB 880 bekam ein besseres Vertikallager als seine kleineren Brüder. Toleranz: ein Tausendstel Millimeter.


Also eine Evolution? Auch nicht, denn den Planar 8 hat das englische Entwicklungsteam tatsächlich radikal neu aufgebaut. Man verfeinerte, verbesserte, vertiefte in Southend-on-Sea in der Grafschaft Essex zwar Bewährtes, doch vor allem haben die Konstrukteure hier etliche Ideen aus ihrem völlig abgehobenen Supermodell „Naiad“ in bezahlbare Regionen umgesetzt – dieses Quasi-Phantom materialisiert sich für gewöhnliche Sterbliche erst für rund 30 000 Pfund. Hingegen ist der Planar 8 hierzulande für exakt 2299 Euro zu haben.

Dafür gibt es das Chassis mit dem ultraleichten Polyurethan-Schaum Tancast 8 als Kern, engebettet in hochdicht verpresstes Laminat (High Pressure Laminate, HPL). Das spezifische Gewicht verringerte sich um 30 Prozent gegenüber früheren Modellen. Am Rest-Chassis flanscht die jüngste, zu noch höherer Vibrationsarmut gezüchtete Generation des 24-Volt-Synchronmotors an. Von unten, wie im Naiad. Über einen Riemen, dessen Gummimaterial EBLT neu entwickelt wurde und für dessen präzise Fertigung Rega gleichfalls die Maschinen entwickelte, treibt der Wechselstrommotor einen aus einem Stück Aluminium gefrästen Subteller. Dessen gehärtete Edelstahlachse rotiert in einer Messingbuchse. Auch für dieses Lager haben die Rega-Techniker nach der schnellstmöglichen Ableitung unerwünschter Energien gesucht. Die exzellenten Messwerte zum Beispiel für die Rumpelabstände geben ihnen recht.

ÜBERWURF : Sogar die Staubschutzhaube gehorcht Regas neuen Formgesetzen. Sie lässt sich dem Spieler in Pausen leicht überstülpen.


VON INNEN NACH AUSSEN

Dass der Leicht-Athlet auch in anderen Disziplinen wie etwa dem Gleichlauf hervorragend abschneidet, dafür trägt unter anderem das ausgelagerte Netzteil Neo PSU Verantwortung. Dessen vom RP10 übernommene Digitale Signal-Prozessoren (DSPs) generieren ein von Netzspannungs-Schwankungen gänzlich unabhängiges, reines Sinussignal. Dass die eigentliche Energieversorgung ein recht würdeloses, vorgeschaltetes einfaches Steckernetzteil übernimmt, bleibt also ohne Belang.

Der eigentliche Teller zählt dann ebenfalls zu den High-Tech-Elementen. Drei Schichten unterschiedlich laminierten „Pilkington“-Glases bilden den „super fly wheel effect triple layer glass platter“. Nun muss so ein Teller, um gleichmäßig laufen zu können, doch ein gewisses Gewicht mitbringen. Aber um auch das so gering wie möglich zu halten und damit auch das Lager zu schonen, gleichzeitig jedoch Laufruhe zu gewinnen, verknappte Rega nicht nur den Radius auf knapp unter LP-Standard, sondern verlagerte auch so viel Masse wie möglich vom Innenauf den Randbereich. Eine passende dünne Filzauflage liegt bei, Nutzung empfohlen.

Bleibt der gleichfalls neue, noch nicht einzeln erhältliche Tonarm RB 880. Er reiht sich ein zwischen dem hauseigenen Spitzenmodell RB 2000 (separat 1900 Euro) und dem RB 808 für 1000 Euro. Dass Rega nicht umsonst zu den weltweit erfolgreichsten Herstellern von Radialtonarmen gehört, merkt man dem RB 880 auch bei sehr genauem Hinsehen und Abtasten an. Da ist kein Spiel in den Lagern, von denen das vertikale komplett neu entwickelt wurde. Am leicht und präzise zu justierenden Edelstahl-Gegengewicht vorbei kann man von hinten ein wenig in die sehr feine Feinmechanik hineinschauen.

DIE OPTIK MUSS MAN MÖGEN, DEN KLANG WIRD MAN LIEBEN

DREISPRUNG : Das Ensemble aus P lattendreher, Tonarm und Tonabnehmer erzielt klangliche Rekordweiten. Regas bewährte Dreischrauben-Befestigung des Systems am Headshell sorgt für eine perfekt eingehaltene Geometrie.


VOM EIN ZELK ÄMPFER ZUM TEAM

Apropos: Geradezu ein Muster an Transparenz bietet Regas klarsichtig gehüllter Tonabnehmer Apheta 2 (rechts), den wir ebenfalls orderten. Rega bietet den Planar 8 in vier Varianten an. Als Einzelkämpfer für besagte 2300 Euro, dann bestückt mit dem Magnet-System Rega Exakt, dem Moving-Coil-System Ania (einzeln 650 Euro, Test in AUDIO 12/17) und mit dem MC-System Apheta 2 (Vorgänger Apheta 1600 Euro, AUDIO 10/13). Der Nachfolger Apheta 2 schlägt nicht nur 100 Euro günstiger zu Buche, der deutsche Vertrieb TAD bietet es auch im Verbund mit dem Planar 8 für 3400 Euro an. Ein Super-Team.

Klar empfiehlt sich für Rega-Tonarme immer auch ein Rega-System. Erstens aufgrund der passenden Bauhöhe der Pickups, zweitens wegen der dank dreier Befestigungsschrauben herrlich unproblematischen Justage.

GLEICHLAUF : Zum Versorgungstrakt des Planar 8 gehört die externe „ Neo Power Supply Unit“. Jede PSU wird von Hand auf die Werte des Motors abgeglichen. Das zahlt sich aus: Die Messwerte des Spielers sind exzellent.


REGA APHETA 2

Der Name mag dem Europäer Rätsel aufgeben – Apheta heißt eine der führenden Institutionen für Klinische Forschung in Indien – doch ansonsten eröffnet Regas neues Moving-Coil-System vollen Durchblick. Der klare Kunststoffkorpus erlaubt den Blick auf den Generator, der ohne Gummidämpfer und Spanndrähte auskommt. Mit 100 Ohm Abschlussimpedanz dürfte es an jeden gängigen MC-Vorverstärker passen, zumal die Ausgangsspannung mit 0,45 mV höher liegt als die Prospektangabe (350 μV) – das reicht auch für Pegelhübe von nur 54 dB. Dennoch lohnt sich ein exzellenter, verlustarmer Pre, denn es wäre schade um die klanglichen Feinheiten, die das Apheta 2 in Hülle und Fülle liefert. In Ausgewogenheit, Dynamik und Raumdarstellung zählt es klar zu den Klassenbesten.

AUSGLE ICHSSPORT : Mit den drei höhenverstellbaren Füßen lässt sich der Planar 8 problemlos waagerecht ausrichten.


Aber was die Kombi Planar 8/Apheta 2 an Leben in die Bude brachte, das ließ auch eingefleischte „Wir müssen das aber mit einem Standardsystem hören“-Verfechter prompt verstummen. Von den im Musikteil vorgestellten Vinylscheiben wanderten die aus der Box von The Police zuerst auf den Teller – Briten unter sich. Schon die erste Minute von „The Bed’s Too Big Without You“ machte klar, dass diese Dynamik, dieser Drive, diese Wucht wohl eine Nummer zu groß für die meiste Konkurrenz ist. Natürlich wurde bei der Aufnahme an Effekten (Bassdrum!) nicht gespart, aber diese Effekte muss man auch erst einmal so effektvoll bringen.

Get The Blessing aus Bristol hätten wohl auch ihren Segen erteilt, wie brodelnd und gleichwohl nuanciert die Regas ihr heißes Gebräu aus Trip-Hop und Jazz servierten. Und selbst Brian Enos Schnarchzapfen-Musik „For Airports“ führte nicht sofort zum Sediertsein, sondern verführte zum Ablauschen des prall gefüllten Ambient-Klangarchivs.

Nach den instrumentalen Zwischenspielen sollten dann wieder Stimmen für Stimmung sorgen, selbst wenn das musikalisch Brexit bedeutete. Die rauen US-Rockorgane von Janis Joplin (Big Brother & The Holding Company) und von John Fogerty (Credence Clearwater Revival) raspelten mit einer Energie los, die nicht nur mitriss, sondern die Juroren direkt von den Sitzen hob. Die Rhythm Section von CCR kam genau so rüber, wie das bei dieser Musik sein muss: absolut tight. Der Fun Factor bei diesem Endsechziger-Festival stimmte zudem.

Das hieß aber nicht, dass nur Spaßmusik Emotionen freilegte. „Vissi d’arte“ in der unerreichten „Tosca“-Darstellung von Maria Callas berührte in der legendären 1953er-Monoaufnahme genauso wie die explosive Dramatik, die Georg Solti 1968 in seiner Interpretation des Verdi-Requiems entfesselte.

Während die neuen Regas also in sämtlichen musikalischen Disziplinen zu überzeugen wussten, heben zwei Kardinaltugenden sie von der meisten Konkurrenz ab: die antrittsschnelle Attacke sowie die kraftvolle Präzision. Vor allem gemeinsam sind Rega Planar 8 und Apheta 2 in Sachen HiFi-Leichtathletik wirklich schwer auf Zack.

FAZIT

Lothar Brandt
Audio-Mitarbeiter

Auch in Leichtestbauweise taugt der Rega Planar 8 zum klanglichen Schwergewicht. In Sachen Dynamik sprunggewaltig, im T iming auf den Punkt spurtstark, die Langzeittauglichkeit marathonfähig. Im Bass kann er gewaltig Kugelstoßen, den Klangraum speerwurfweit öffnen. Dass der deutsche Vertrieb den superben Leicht-Athleten mit dem Top-Abtaster Apheta 2 zum tollen Team-Preis anbietet, bringt eine extra schwere Empfehlung.

MESSLABOR

Das in der Geschwindigkeit feinjustierbare Laufwerk glänzt außer mit sauberem Gleichlauf (±0,07%) und fast perfekter Absolutdrehzahl (+0,07%) mit besten Rumpelwerten: 74 dB mit DIN-Messplatte, 80 dB mit Koppler. Das MC-System Apheta 2 erfreut mit hoher gleichmäßiger Kanaltrennung und guter Abtastfähigkeit (90 μm). Die Tiefenresonanz liegt mit 7 Hz am Rega-Arm gerade noch im grünen Bereich.