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PLATTENSCHRANK: „Hart, deep und trotzdem herzlich – wie die perfekte Liebesbeziehung“


musikexpress - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 14.03.2019

Platten sind für das DJ- und Produzenten-DuoModeselektor auf Vinyl gepresste Erinnerungen. Zwischen 5000 und 6000 Scheiben hat Gernot Bronsert seit der Wende angesammelt und besitzt damit sogar noch ein paar mehr als sein Kollege Sebastian Szary. Für unseren Plattenschrank begeben sich die beiden auf eine musikalische Zeitreise durch die vergangenen 25 Jahre.


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Bildquelle: musikexpress, Ausgabe 4/2019

MODESELEKTOR

Wenn die Zombie-Apokalypse käme, Gernot Bronsert würde zuerst seine Plattensammlung retten – direkt nach seiner Familie natürlich. Umso schlimmer, dass sich die erste Platte, die Modeselektor auf ihrem Label Monkeytown je veröff ...

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... entlicht haben, in ihrem Berliner O. ce partout nicht au. nden lässt. Clubmusik ist die große Liebe von Modeselektor – aber längst nicht alles, was sie musikalisch geprägt hat. Mit ihrem neuen Album WHO ELSE? gehen sie nun auf Vinyl-only-Tour.

Planetary Assault Systems – The Messenger (2011)

Bronsert: Die beste Techno-Platte, die je auf Ostgut Ton erschienen ist. Ich hab. mir als 15-Jähriger eine Platte von Planetary Assault Systems gekauft. Das war der Sound, der heute im Berghain läuft, bloß schon vor … wie alt bin ich? 40. Also: vor 25 Jahren. Ja, so alt bin ich! So lange hör’ ich schon Techno! Wir sind gefragt worden, ob wir einen Remix für Luke Slater machen wollen, aber ich hab.s nicht hingekriegt. Ich bin zu sehr Fanboy. Wenn du THE MESSENGER hörst, bist du sofort im Club-Modus. Die Musik ist die Versinnbildlichung des ultimativen Technoalbums. Das ist hart, deep und trotzdem herzlich – wie die perfekte Liebesbeziehung. Als ich mal einen Edit von „Rip The Cut“ gespielt hab’, hatte ich zum ersten Mal Angst. Alle im Club haben das gemerkt. Wenn die Aufregung so groß wird, dass du keine Luft kriegst. Das ist wie ein Schmerz.
Szary: Boah, da krieg’ ich Gänsehaut, guck mal hier!
Bronsert: Alle haben geschrien, von der Barmitarbeiterin bis zum Security-Typen. Dieser Clubtrack hat alle so doll an den Eiern gehabt, da gab’s kein Entrinnen. Das ist der Grund, warum wir Mucke machen. Mann, war das .ne Liebeserklärung!

Re: – Mnant (2001)

Szary: Constellation Records ist ein Label aus Montreal und berühmt dafür, kleine Auflagen in aufwendigem Packaging zu veröff entlichen. Unter anderem von Godspeed You! Black Emperor, Silver Mt. Zion, Frankie Sparo und 1-Speed Bike. 2001 haben Silver Mt. Zion im Bastard in der Berliner Kastanienallee gespielt. Die Veranstalter waren Kumpels von uns. Ich hatte zufällig eine CD von uns dabei und hab’ sie nach dem Konzert beim Abbau gespielt. Auf einmal hat mich einer angesprochen, ich hab’ damals sehr schlecht Englisch gesprochen, und fragte so was wie: „Ey, wat is’n ditte? Total geil!” Wir haben Adressen ausgetauscht, und irgendwann bekomm’ ich ein Paket von Ian Ilavsky, dem Chef von Constellation und Teil von RE:. Der Sound von MNANT hat mich nachhaltig beeinflusst, früher wurde dazu „Clicks & Cuts“ gesagt.

Aphex Twin – Syro (2014)

Bronsert: Das Cover ist genial, weil darauf alle Kosten – runtergerechnet aufs Release – stehen, die diese Platte erzeugt hat. Vom Praktikanten zum Kurier, zur Herstellung, Grafik, Distribution. Es hat 66 Cent gekostet, dass in Italien Plakate hingen! Aphex Twin hat für die Platte .nen verfickten Grammy bekommen und ist nicht hingegangen! Was der Typ macht, ist legendär. Wir haben schon mit ihm gespielt. Aber er ist total abgeschottet, was willst du mit dem reden? Soll ich sagen: „Hammer, die ,Girl/Boy‘-EP ha,hat mich nachhaltig beeinflusst“? Das will der doch nicht hören. Der kriegt von der ganzen Welt den Arsch geleckt. Ich möchte Aphex Twin nicht privat treff en. Man muss sich den Mythos bewahren.

Stereolab – Aluminium Tunes (1998)

Szary: Noch ein Warp-Album.
Bronsert: Aber untypisch. Außerdem eine Lizenz, vorher auf Duophonic erschienen, das Label von Stereolab. Das war die Phase, als Warp gerne mal eine Maximo-Park-Platte rausgebracht und versucht hat, auf Gitarre zu machen.
Szary: Es ist ein Sammelsurium an B-Seiten und Outtakes. Eine Retrospektive der Arbeit von Stereolab von 1994 bis 1997. Interessant, wie sich der Sound von Kraut und einem relativ punkigen Motorik-Beat weiterentwickelt hat. Als John McEntire von Tortoise ein paar Sachen produziert hat, hat mich die Band zum ersten Mal abgeholt. Ich wollte Stereolab erforschen!

Stevie Wonder – Talking Book (1972)

Bronsert: Beim Hören ist mir klar geworden, wie viel Sampel- Material Stevie Wonder allein mit dieser Platte an die House- Welt geliefert hat und wie viele Leute davon Coverversionen gemacht haben, die Welthits wurden. Ich würde nie wagen, Stevie Wonder zu covern oder zu samplen, der Typ ist so was wie der Heilige Gral. Motown war auch für die Technowelt total wichtig. Ron Murphy, der die Motown-Platten geschnitten hat, hat später auch die ersten Platten von Jeff Mills, Robert Hood und Underground Resistance gemastert.

Fjaak – Fjaak (2017)

Bronsert: Fjaak wurden uns vor fünf Jahren von einem befreundeten Journalisten empfohlen. Ich hab. sie in ihrer WG besucht. Sie hatten zwei Zimmer – eins, worin sie zu dritt geschlafen haben, und ein Studio. Keine Kohle, aber alles, was da war, sofort ins Equipment investiert. Die waren total aus dem Häuschen, dass da der eine von Modeselektor vorbeikommt. Hatten einen Stapel frisch gepresster White Labels rumstehen, die sie zu Clone Records schicken wollten. Und dann hab’ ich gesagt: „ Leute, ich will, dass die auf 50 Weapons (Sublabel von Monkeytown – Anm. d. Red.) rauskommen. So wie ihr das macht, haben Szary und ich das früher auch gemacht.“ Wir haben die Platten umgestempelt, und dann ging’s ab. Wir waren immer ein bisschen die Papas für Fjaak. Auf diesem Debüt haben wir einen Song zusammen gemacht: „Fjkslktr“. Die Platte sollte eigentlich „Spandau Ballet“ heißen, weil die Jungs aus Spandau kommen. Aber das haben Spandau Ballet nicht erlaubt. Ich find’ es wichtig, Künstler mit unserem Label zu unterstützen, die was Eigenes machen und nicht off ensichtlich Bestandteil einer Industrie sind, wo sie für Plays und Klicks

Siriusmo – The Uninvited Guest (2009)

Szary: Das erste Release auf unserem Label Monkeytown. Siehste, die Autoschlosser fahren die schlechtesten Autos, wir haben die Platte leider nicht mal im Original hier. Das Release war der Wendepunkt für uns, der Abschied von BPitch Control und gleichzeitig die Vorbereitung für unsere Moderat-Tour.
Bronsert: Siriusmo kennen wir seit 20 Jahren. Er war der Startschuss für unser Label. Wir haben in unserem Leben zwei Genies getroff en, er ist eines davon. Ein genialer Maler, der alle Moderat-Cover entworfen hat. Hier ist ein totaler Hit drauf: „High Together“. Schon zigmal lizenziert worden. Kelis hat ihn auf ihrem Track „Kids“ benutzt.

Albumkritik ME 3 / 1 9


FOTO : PATRICK DESBROSSES