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PLATTENSPIELER OHNE SYSTEM: Rhapsody in Blue


Audio - epaper ⋅ Ausgabe 12/2018 vom 09.11.2018

Mal eben herbeigezaubert: AVM ist blitzschnell zum Anbieter von Vinyl-Laufwerken aufgestiegen. Zwei Modelle schmücken den Katalog – das größere haben wir uns in den Hörraum bestellt.


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Bildquelle: Audio, Ausgabe 12/2018

Man wird ja noch träumen dürfen. Udo Besser von AVM hat so einen Traum: Er möchte mit seiner Firma wachsen. Nicht nur in seinem ureigensten Segment, bei der verstärkenden Elektronik, nein, er will in den Ehrenstand eines Vollsortimenters aufrücken. Lautsprecher hat er schon, nun der Sprung in die Welt des Vinyls: AVM stellt seine ersten Plattenspieler vor. Es gibt den kleinen Rotation R 2.3, den größeren R 5.3 haben wir ...

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... getestet.

Hier gibt es einen magischen Moment, der überhaupt nicht in den Klang eingreift, aber benannt werden muss: Auf Knopfdruck leuchtet der Plattenteller in knalligem Blau, der Imagefarbe von AVM. Das kann man dimmen oder eben ganz ausschalten. Aber: AVM zeigt Flagge – schaut her, wir können mehr als alle anderen Hersteller.

Ehrlich gesagt beeindruckt uns dieses Farbenspiel nicht besonders. In der Jugend des Autors gab es ein Kino, das wie in den 1950er-Jahren vor jedem Film farbige Wasserspiele bot. Ein Grund, dorthin zu gehen, was das kaum. Also: Schön, dass AVM am R 5.3 einen Ausschalter für das Neonblau verbaut hat.

Widmen wir uns lieber den klangentscheidenden Komponenten. Dazu muss man den Hintergrund kennen: AVM war so schlau, nicht selbst eine komplette Fertigungskette aufzubauen. Udo Besser hat das Design bestimmt, auch die technischen Details vorgegeben, die Ausführung überließ man hingegen den Profis von EAT, die wiederum als Geschwister-Company mit starken Bindungen zu ProJect agiert. Was wunderbar gelungen ist: Das Design kündet von edler Simplizität – es gibt keinen Knopf zu viel, alles ist hier auf Stringenz ausgelegt. Ein moderner Klassiker. Die Basis bereitet eine Zarge aus hochverdichteter Holzfaser. Die ist schwer und der erste Schritt gegen böse Vibrationen, verstärkt wird sie durch eine Haut aus Aluminium. Alles lagert federnd auf höhenverstellbaren Füßen.


MAGISCHER MOMENT PER KNOPFDRUCK


INNERE SCHÖNHEIT : Der Teller rotiert auf einem Lager aus Bronze, der Riemen wird über einen zweiten, passiven Außen-Pulley gespannt.

Zwei Tempi stehen zur Wahl: 33 und 45 Umdrehungen, die ganz historischen 78 rpm werden nicht angeboten, die Freunde des Schellacks bleiben hier also außen vor. Wer den Plattenteller abhebt und tiefer in die Konstruktion hineinschaut, entdeckt als erstes den Ring aus blauen LED-Leuchtkörpern. Links oben rotiert ein unhörbar leiser Motor, dann der Subteller – und auf der gegenüberliegenden Seite eine weitere Rundung für den Antriebsriemen. Die wird nicht aktiv betrieben – die Gesamtkonstruktion des Riemens umschließt den Subteller. AVM macht daraus das Kunstwort vom „Elipso Centric Belt Drive“. Als echtes Prunkstück erstreckt sich ein 10-Zoll-Tonarm über dem Vinyl. Hier bekommen Fans feuchte Finger: So schön, so elegant, so perfekt verarbeitet hat man selten einen Tonarm gesehen. Das Auflagegewicht wird per Schraubgewinde justiert. Vorsicht: Allzu schwere Tonabnehmer verlangen eine Justage bis zum Anschlag.

BIS INS KLEINSTE DETAIL : Der 10-Zoll-Tonarm wird kardanisch gelagert. Das Antiskating stellt man über ein Gegengewicht an der Basis ein.

ÜBERALL BLAU : Mehr aus ästhetischen Gründen haben wir in einem ersten Durchgang das Ortofon-Blue-System aufgeschraubt. Doch Arm und Laufwerk bieten Potenzial für weit teurere Tonabnehmer.

AVM bietet den R 5.3 „nackt“ an, es gibt keinen Tonabnehmer in Lieferumfang. Hier ist der freie Markt gefragt. Wir haben experimentiert, zuerst mit einem kleinen Ortofon Blue, was sehr zupackend klang, aber nun doch nicht in der Gesamtkosten-Relation lag. Danach spannten wir ein Dynavector Neo MKII ein – das passte besser, in Sinn, Preis und Klangausbeute.

Ehe wir es vergessen: Viele Plattenspielerhersteller legen keine Staubschutzhaube bei, AVM punktet beim R 5.3 mit einer hochwertigen Version aus Acrylglas. Zeit für die kritische Nachricht: So viel Eleganz ist nicht zum Rabattpreis zu haben. AVM klebt ein Preisschild von 5490 Euro auf den R 5.3. Und es geht noch höher hinaus: Wer die Version in Chrom haben will, muss 7490 Euro berappen – was nicht in den Klang eingreift, aber zugegeben bildschön aussieht. Da müssen viele Menschen eisern sparen. Was zur Kernfrage führt: Wie steht’s mit der klanglichen Ausbeute?

Wir legten eine unserer Lieblings-LPs auf: „Nightfall“ von Till Brönner und Dieter Ilg. Solo-Trompete trifft auf Kontrabass, alles fein aufgenommen in einem kleinen Saal. Selbst die HiRes-Variante kommt nicht an die Präsenz der superben Vinyl-Pressung heran. Was ein Plattenspieler hier leisten muss: Ruhe und die ganz große Ausbeute an Feindynamik. Der AVM R 5.3 vereinte beides, es herrschte der maximale Kontrast, die Kraft der Schattierungen. Zudem eine aufreizende Leichtigkeit – die Trompete von Till Brönner erschien mit charmanter Strahlkraft vor den Membranen.

MAXIMALE ÄSTHETIK : AVM bietet seinen R 5.3 auch in der verchromten Edelvariante an. Dann steigt jedoch der Preis auf 7490 Euro. Trotzdem: Aus dem schon schönen Player wird ein Gefährte für viele weitere Chrom-Komponenten.

SCHUTZBEDÜRFTIG : AVM liefert den R 5.3 mit einer Haube aus Acrylglas aus. Wer klangsensibel ist, nimmt sie im Betrieb ab.

GRÖSSE UND WUCHT

Wer etwas Glück hat, findet beim Vinyl-Händler seines Vertrauens die Gesamteinspielung der Symphonien von Ralph Vaughan Williams, Adrian Boult dirigiert gleich mehrere der Londoner Luxus-Orchester. Meine Güte, hier wird Hochdynamik zelebriert. Da kommt die Vinyl-Nadel an die Grenzen ihrer Ausrichtung. Ein schwacher Plattenspieler flüchtet sich in ein Mezzoforte. Nicht so der AVM R 5.3 – hier wurde der gewaltige Schub durchgereicht bis an die Lautsprecher. Das CD-Remastering der LP-Edition klingt dagegen matt – wieder ein Argument für die schwarze Scheibe. Hier konnte man auf dem Streicherteppich surfen, hier schnitten die Blechbläser maximal in das Bewusstsein. Ein Mittelklasse-Plattenspieler hätte einen Einheitsbrei daraus gemacht, der AVM hingegen zeigte Größe und Wucht. Dieser Player ist ein Schmuckstück im Rack, ein Freund der Schallplatte, ein High-End-Vertreter zum Verlieben.

FAZIT

Andreas Günther Audio-Mitarbeiter

AVM zeigt den sinnigsten Weg: Selbst denken, selbst formen und die besten Fertigungswege finden. Der R 5.3 ist ein wahrgewordener Traum. Die Verarbeitung könnte besser und schöner kaum sein, der Tonarm muss jeden Vinyl-Fan begeistern. Bleibt nur die Frage nach dem perfekten Tonabnehmer. Vieles ist hier möglich – der R 5.3 setzt in seiner Plattform keine Grenzen. Schön, dass AVM sich und uns diesen Traum erfüllt hat.

MESSLABOR

Das Gleichlauf-Tonspektrum sieht mit seiner schlanken Spitze nah an der Solldrehzahl (0,17% zu langsam) sauber aus, die Gleichlaufschwankungen liegen mit 0,1% im üblichen Bereich. Das Laufwerk erfreut mit einem ausgezeichneten Rumpelwert von 82 dB (gemessen mit Koppler) – Motor, Riemen und Lager arbeiten praktisch lautlos. Der mittelschwere Tonarm (effek. Masse 15g) eignet sich für viele Abnehmer.