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Plattenspieler Test & Technik: Aus einer goldenen Zeit


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 07.09.2018

Der Dual CS 526 sieht aus, als wäre er 30 Jahre alt. Ist er aber nicht. Er ist ganz neu, setzt optisch auf den Charme der Dual-Klassiker und bietet heute selten gewordenen Komfort: eine Endabschaltung.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 10/2018

Praktisch: Sowohl ein Tonabnehmer als auch eine Staubschutzhaube gehören beim Dual zum Lieferumfang.


Manch einer wird das Preisschild des Dual CS 526 sehen und ob der aufgerufenen 1000 Euro dankend ablehnen. Vielleicht, weil er sich nach einer moderneren Optik sehnt oder sogar ein bisschen angeben will. Wer neben gutem Klang auch ein originelles oder gar exotisches Äußeres sucht, der wird bei Geräten der ...

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... Traditionsmarke Dual grundsätzlich nicht glücklich. Hier steht eher ein Erscheinungsbild im Vordergrund, das sich der Technik unterordnet und das klar die Sprache der 70er- und 80er-Jahre spricht.

Das gilt im Übrigen für alle zehn Dual-Modelle, die derzeit erhältlich sind. Hier gibt es eine fein abgestufte Reihe von Geräten, die Ein- und Aufsteiger, aber auch ambitionierte Vinylhörer bedient – man denke nur an die beiden größten Modelle, CS 550 (getestet instereoplay 4/16) und CS 600 (in 4/15).

Neben rein manuellen Laufwerken finden sich hier auch Halb- und Vollautomaten. Auch das gehört zur Dual-Tradition. Es kann sehr erfrischend sein, wenn einem ein Plattenspieler ein wenig Arbeit abnimmt. Jedoch wurden und werden solche Plattenspieler häufig ein wenig belächelt. Gilt doch jede zusätzliche Mechanik als dem Klang abträglich. Das leuchtet eigentlich nicht ein, schließlich greift diese ja nur am Ende der Plattenseite oder auf Wunsch des Nutzers ein. Dennoch setzten sich nach und nach die rein manuell zu bedienenden Laufwerke durch.

Während es gerade das Manuelle ist, was für viele die Faszination „Plattenspieler“ ausmacht, könnte eine Automatik oder auch nur eine Halbautomatik gerade für Vinyleinsteiger sehr sympathisch sein und etwaige Hürden nehmen.

Mensch und Maschine in Harmonie
Beim Dual CS 526 handelt es sich um einen semiautomatischen Plattenspieler mit elektronischer Endabschaltung. Das bedeutet in der Praxis, dass man die Geschwindigkeit auswählt und dann den Arm auf die Platte setzt. Der Teller startet, sobald der Arm seine Ruheposition verlässt. Die Endabschaltung sorgt dann dafür, dass der Teller stoppt, sobald der Arm am Ende der LP-Seite angekommen ist. Leider wird der Arm aber weder angehoben noch zum Armlager zurückgeführt. Der Arm bzw. Abtastdiamant verbleibt auf der LP. Man sollte das nicht über längere Zeit so belassen; Nadelträger und Aufhängung werden Ihnen danken, wenn Sie den Arm zeitnah wieder zur Ablage zurückführen. Dennoch ist einem diese Technik schon nach wenigen LP-Seiten derart ans Herz gewachsen, dass man sie nicht mehr missen möchte!

Aber selbstverständlich hat der Dual CS 526 mehr zu bieten als eine Endabschaltung. Tatsächlich hat er ein paar wichtige Gene vom großen Bruder, dem CS 550, geerbt: etwa die massive Vollholzzarge (hier jedoch nicht in Anthrazit, sondern in schwarzer Ausführung), die Motoreinheit und – nicht gerade unwichtig – das Tellerlager mit der gehärteten und geschliffenen 7-mm-Tellerachse.

Etwas einfacher als beim nächstgrößeren Modell geht es beim Arm zu. Der stammt vom CS 505-4 und ist etwas kürzer als die heute üblichen 9-Zoll-Arme. Er ist kardanisch gelagert und mit einer masselosen Auflagekrafteinstellung per Torsionsfeder ausgestattet. Die Headshell (Dual verwendet sympathischerweise den Begriff Tonkopf) ist aus Carbon, was sie leicht und zugleich steif macht. Natürlich kann man auch das Antiskating einstellen, nicht jedoch die Tonarmhöhe. Die Tonarmablage ist absolut Dual-typisch, ebenso wie der „viskositätsbedämpfte“ Tonarmlift: Um den Arm anzuheben, muss man den Liftarm nach vorne ziehen, zum Absetzen schiebt man ihn nach hinten. Das funktioniert wunderbar, und der Lift ist auch nicht so zögerlich, sprich langsam, wie man das von manchem High-End-Laufwerk kennt.

Arm und Tellerlager sitzen auf einem bedämpften, 28 mm starken Vollholz-Chassis – kein MDF und auch kein Subchassis. Der Teller ist ebenfalls etwas einfacher als der des CS 550. Er ist nicht aus zwei Teilen verschraubt, sondern einteilig, verfügt aber ebenfalls über den außen eingeklebten bedämpfenden Gummiring, der für zusätzliche Schwungmasse sorgt. Auf dem Teller kommt eine steife, antistatisch behandelte Filzmatte zum Liegen. Angetrieben wird der Teller von einem DC-Motor, der per Flachriemen einen Kunststoff-Subteller in Bewegung versetzt. Die Drehzahl ist elektronisch geregelt: Der Anwender kann einfach per Drehknopf die gewünschte Geschwindigkeit (33 1/3 oder 45) festlegen. Sehr komfortabel.


Dual CS 526 und Ortofon OM 10 transportieren den Charme des Mediums Schallplatte ganz hervorragend


In der Carbon-Headshell sitzt ab Werk der bekannte Ortofon-MM-Tonabnehmer OM 10. Die OM-Modelle der Dänen passen ausgezeichnet zu den leichten, massearmen und deshalb eher kurzen Tonarmen der Dual-Plattenspieler und haben den Vorteil, dass man durch den Tausch des Nadeleinschubs unkompliziert die Qualität verbessern kann.

Dual-Tonarme sehen auch heute aus wie früher: dünne Rohre, kardanische Lagerung und eine „umgekehrte“ Liftmechanik.


Im Hörtest jedoch staunten wir nicht schlecht, wie toll der CS 526 mit diesem 50-Euro-Tonabnehmer zusammenspielt. Wir schauten nochmal auf die Beschriftung an der rechten Seite des Ortofon, und ja, es handelt sich um ein einfaches OM 10.

Gonna Meet A Great Big Star
Sollten Sie ein eingefleischter Vinyl-Hörer oder ein Freund von guten Jazz-Live-Aufnahmen sein, sind Ihnen die Konzertmitschnitte der Bauer-Studios in Ludwigsburg sicher ein Begriff. Unter dem Namen Studio Konzert erscheinen seit nunmehr fünf Jahren Live-Aufnahmen, die im Studio vor einem kleinen Publikum eingespielt werden, ausschließlich auf Vinyl. Anlässlich dieses Jubiläums ist nun ein Sampler mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen erschienen. Die Doppel-LP ist eine famose Gelegenheit, in die vielseitigen Aufnahmen reinzuschnuppern. Wir lauschten zuerst Olivia Trummer, die sich traute, ein Solo-Konzert zu spielen. „Sunny Days Ahead“ bot sowohl über die Musical Fidelity M6 Vinyl (getestet instereoplay 6/18) als auch über die fantastische Trans Vinyl TVL1 (instereoplay 9/18) eine enorm plastische Stimmabbildung.

Typisch für Dual: Die leichten Teller werden mit einem eingeklebten dicken Gummiring bedämpft und erhalten so mehr Schwungmasse.


Eine Freude! Auch Helmut Eisel und das Sebastian-Voltz-Trio, ebenfalls ein Studiokonzert, überraschten uns positiv: So viele Klangfarben und eine solche Tiefe der Aufnahme hätten wir der Kombi aus Dual CS 526 und OM 10 wahrlich nicht zugetraut! Auch wenn ich das hier schön öfter geschrieben habe: Passen Arm und Abnehmer gut zusammen, dann können schon preiswerte, „einfache“ Tonabnehmer tief in die Musik führen.

Das Laufwerk trägt mit seiner ruhigen, angenehmen, aber nicht langweiligen Art natürlich zu einem erheblichen Teil zu diesem Eindruck bei: Die Musik klingt druckvoll und transportiert den Charme des Mediums Schallplatte ganz hervorragend.

Zum Abschluss war noch eine harte Prüfung zu bestehen. Die Vinyl-Neuauflage von Tori Amos’ „Boys For Pele“ von 2016 ist nicht nur für manche Hörer harte Kost, sondern auch für einen Tonabnehmer. Amos’ Stimme ist teilweise herausfordernd hoch und laut, Klavieranschläge und Komplexität der Stücke erfordern aber auch ein Laufwerk mit sicherem Händchen. Auf dem CS 526 wurde das Album – unerwartet – zum Genuss! „Way Down“, das kurze Stück, das die dritte LP-Seite einleitet, klang schlicht perfekt. Der Bass war konturiert und wohldosiert, Amos’ Cembalo schälte sich wunderbar aus dem Geschehen. Bei solch einem stimmigen Klang verzeiht man auch die etwas billige Armablage.

Klassischer Antrieb: Ein Flachriemen treibt den Kunststoff-Subteller an, auf dem der Plattenteller liegt.