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Platz ist in der kleinsten Hütte


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 90/2020 vom 18.08.2020

Ein Sommer ohne Segeln? Für den SegelReporter Carsten Kemmling keine Option. Doch in den heimischen Revieren lässt sich kein Schiff mehr bekommen. Da taucht unverhofft das kleine Waarship Raumschiff auf – und der Kleinkreuzersommer auf der Ostee beginnt


Trotz Corona muss der Urlaub wieder aufs Wasser verlegt werden. Eigentlich wollten wir mal wieder in Holland chartern. Aber das wollten viele – zu viele. „Wir sind komplett ausgebucht“, heißt es aus Sneek. „Vielleicht ein anderes Jahr?“

Auch an der Ostsee war nichts zu bekommen. Die Skipperin kam plötzlich mit dem Angebot einer Kollegin: Lust auf eine ...

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Bildquelle: segeln, Ausgabe 90/2020

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... Waarship ab Neustadt? Ich habe viel von diesen Booten gehört. Ein gut segelndes Raumwunder aus Holland. Mein Kumpel Steini ist auf seiner 660 oft zu viert mit Familie unterwegs.

So ist es ein kleiner Schock, dass es auch eine 570-Version gibt. Hätten wir dann lieber unsere vermuffte, alte Varianta nehmen sollen? Die ist sogar länger mit 6.50 Metern. Aber der Waarship-Name Raumschiff macht Mut. Und es ist bestes Sommerwetter als die Entscheidung fällt, tatsächlich einen unkomplizierten Back-to-the-Roots-Törn auf dem Mini zu wagen. Bei schlechtem Wetter brechen wir einfach ab.

Corona macht bescheiden. Es muss ja nicht der aufwendige, exklusive Urlaub sein. Der Norden tut‘s auch. Zumal sich das vergangene Jahr mit karibischen Bedingungen empfohlen hat. Aber offenbar kann man sich darauf nicht verlassen.

Wir haben den Einstieg in den Urlaub schon ein paar Tage verzögert. Lieber die ersten Sturm- und Regentage in Hamburg aussitzen. Wenn man dann aber schon im strömenden Regen zum Schiff fährt, überlegt man sich doch den Plan B: Wellness-Tage im Hotel? Wandern im Süden? Oder wieder umdrehen und Zuhause abhängen – Serien gucken? Nee, das hatten wir nun ein paar Monate.

Außerdem lockt das Meer. Die Freiheit auf dem Wasser. Und das kleine blaue Schiffchen, das sich mit einem Augenzwinkern Raumschiff nennt. Wir sind ja schon mit den größten Kloppern gesegelt, aber diese Waarship 570 hat etwas herzerwärmendes.

Kenntnisreich restauriert von seinem niederländischen Vorbesitzer, einem 19-jährigen Bootsbauer, und liebevoll ausgerüstet von unseren Freunden Britta und Carsten. Sie segeln normalerweise ihre sportliche J/92 regelmäßig vom Neustädter Segler-Verein bis hoch in die ostschwedischen Schären. Aber Stockholm lockte. Und das war auf eigenem Kiel für sie nicht erreichbar. So entstand die Idee mit dem Trailerboot. Sie legten sich die Waarship als Zweitschiff zu – und erlebten dort 2019 den perfekten Törn.

Fazit: Das Wetter muss schon mitspielen

Nun also sind wir an der Reihe. Eine schöne flexible Möglichkeit in Coronazeiten. Zurück zu den Wurzeln. Wie damals mit zwei Pärchen und zwei Babys im Maxi Cosi auf der Jeanneau 26. Wir nehmen uns vor, bei schlechtem Wetter nicht auf dem Boot zu nächtigen. Den uns wärmstens empfohlenen Heizlüfter wollen wir eigentlich gar nicht mitnehmen. Es geht schließlich um einen Sommerurlaub.

Erstmal hält uns der Wind im Hafen. Der deutsche Langfahrt-Pionier Wolfgang Quix hat mit einer Waarship 570 zwar die Minitransat (1977) bestritten, und allein deshalb lässt sich an der Seetüchtigkeit des Schiffchens nicht zweifeln. Aber man muss ja nicht sofort losknüppeln.

Mit zwei Tagen Verspätung und Wind von achtern geht‘s schließlich los Richtung Großenbrode. Ein schöner Schmetterlingskurs. Ich verliebe mich in dieses Schiffchen. Jede Welle ist zu spüren, jede Windveränderung. Je kleiner das Boot, umso größer die Nähe zu den Elementen und der Segelspaß. Die eine oder andere Rampe wird schon mal mit über acht Knoten abgeritten, bevor sich die Kleine wieder auf die 5,5 Knoten Rumpfgeschwindigkeit besinnt.

Ziel ist Dänemark. Und dann wollen wir pünktlich zum Liga-Start am 16. Juli in Kiel sein. Als Nicht-Schleswig-Holsteiner habe ich mich ordnungsgemäß für sechs Nächte in Dänemark angemeldet und die Foreningen af Lystbådehavne hat prompt eine Bestätigung geschickt. Ob die wirklich jemand sehen will?

Ein Wetterfenster soll sich nur kurz öffnen, in dem der steife Westwind mal eine Pause macht. So verholen wir uns mit einer hübschen Kreuz durch den Fehmarnsund nach Heiligenhafen. Ich fürchte schon die Düse unter der Brücke, aber die Waarship zeigt, dass sie auch gegen Strömung und Wind ankreuzen kann.

Die Kreuz im Fahrwasser von Heiligenhafen ist dann doch etwas zu sportlich. Ein Meter Tiefgang sind zwar wenig, aber der West-Sturm der letzten Tage hat dann doch mehr Wasser aus dem Hafen gezogen, als gedacht. Ein kurzes Aufsetzen im Sand erinnert daran, es mit der Arroganz des Kleinboot-Seglers gegenüber Tiefenangaben nicht zu weit zu treiben.

Der Absprung nach Bagenkop gestaltet sich fies. Flaute genau von hinten und Nieselregen. Der Motor wird gequält.

Etwa zur Hälfte krame ich auch mal den alten Varianta-Spinnaker raus, der sich seit Urzeiten im Familienbesitz befindet. Ein hässliches Teil. Viel Vortrieb bringt er auch nicht. Aber der Skipper hat was zum Spielen.

Nach gut sieben Stunden ist das erste größere Seestück geschafft. Bagenkop empfängt uns mit einem vollen Tag Dauerregen. Von Corona keine Spur. Niemand interessiert sich für potenziell infizierte deutsche Segler, oder unsere Anmeldebestätigung. Mundschutz trägt hier auch niemand. Das Virus wird einfach weggespült.

01 + 02 Gleich auf den ersten Seemeilen verliebe ich mich in das kleine, agile Schiff 03 Krantermin grau in grau 04 Trotz des anspruchsvollen Wetters hatten wir viel Spaß

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