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Platzhalter für Telefon, Smartphone & Co.


HolzWerken - epaper ⋅ Ausgabe 80/2019 vom 19.06.2019

Wenn es darum geht, den konsequenten Einsatz von rechtwinkliger Geometrie zu üben, empfehlen wir Ihnen dieses Mediabord: Die Gesamtform, Fingerzinken und eingezapfte Zwischenstege schulen das Auge und entsprechende Techniken.


Artikelbild für den Artikel "Platzhalter für Telefon, Smartphone & Co." aus der Ausgabe 80/2019 von HolzWerken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HolzWerken, Ausgabe 80/2019

Bei den ersten Telefonen spielte Holz für die Konstruktion noch eine wichtige Rolle: Gehäuse und Hörer waren noch echte Einzelstücke – von Tischlern. Heute spielt das Material keine Rolle mehr: Alu und Plastik haben den Platz – bis auf wenige exotische Ausnahmen – eingenommen. Grund genug fürHolzWerken , eine Möglichkeit vorzustellen, die Holz und Kommunikation wenigstens ...

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Bei den ersten Telefonen spielte Holz für die Konstruktion noch eine wichtige Rolle: Gehäuse und Hörer waren noch echte Einzelstücke – von Tischlern. Heute spielt das Material keine Rolle mehr: Alu und Plastik haben den Platz – bis auf wenige exotische Ausnahmen – eingenommen. Grund genug fürHolzWerken , eine Möglichkeit vorzustellen, die Holz und Kommunikation wenigstens zeitweise wieder zusammen bringt. Und da die fest angebrachten Kabel ebenso verschwunden sind wie das Holz und Telefon, Tablet und Co damit prinzipiell überall in der Wohnung sein können, ist das Medienbord außerdem eine gute Möglichkeit, die ständige Sucherei nach unseren mobilen Endgeräten zumindest etwas zu erleichtern.

Das Medienbord hat aber nicht nur praktische Funktionen: In Doppel-L-Form aus Elsbeere gefertigt ist es ein echter Hingucker in der Wohnung. Ganz nebenbei findet alles, was man sonst noch zum Telefonieren braucht, seinen Platz. Notizzettel, Telefonbücher und der passende Stift sind schnell zur Hand. Das Ladekabel- Gewirr verschwindet in Nuten auf der Rückseite des Bords.

Beide L-Teile werden an den Ecken mit Fingerzinken verbunden. Drei 175 mm breite Stege sorgen für den Abstand zwischen dem 250 mm breiten äußeren L und dem 200 mm breiten inneren L und dienen gleichzeitig als Ablage. Sie werden durch drei Zapfen gehalten. Aus rein optischen Gründen wurde einseitig der Verlauf der Baumkante belassen. Hier kann jeder ganz nach seinen persönlichen Vorlieben arbeiten.

Die Fingerzinken- und Zapfenverbindung werden auf der Tischkreissäge gefertigt. Ein Rasteranschlag als Schablone hilft bei der Zinkeneinteilung auf der Säge. Hierfür sägt man Rasterschnitte im Wechsel mit den Maßen 25 mm inklusive beider Sägeschnitte für den Zinkenzwischenraum und 25 mm exklusive der Sägeschnitte für die Zinken oder Zapfen in ein Brett (Bild 1). Die Länge der Schablone bzw. des Brettes sollte so bemessen sein, dass Sie damit bis zur Gesamtbreite des breitesten Bauteils Ihres Werkstücks arbeiten können.

Ganz genaue Zinken an der Kreissäge

Nutzen Sie am besten ein Sägeblatt mit Flachzahn: Dieser schafft einen sauberen Zinkengrund. Beim Einsatz eines Sägeblattes mit Wechselzahn entstehen Rillen im Grund. Hier muss der Grund geglättet werden. In die gesägte Nut der Schablone wird beim Sägen der Zinken des Werkstückes eine Leiste gesteckt. Sie dient dann als Anschlag. Sägen Sie die Zinken für die jeweilige Seite und den Boden der beiden L-Teile paarweise. Dies gelingt, wenn Sie beide Teile um 25 mm versetzt mit zwei Klemmzwingen sichern und dann gleichzeitig sägen. Auch die drei Mittelstege erhalten ihre Zapfen in einem Arbeitsgang, sie werden aber nicht versetzt gesägt. Achten Sie unbedingt auf genügend Abstand der Hände vom Sägeblatt.

Die Zapfenlöcher in Seiten und Boden für die Stege werden mit dem Stecheisen von Hand ausgestemmt. Ein Forstnerbohrer schafft vorab viel Material aus dem Zapfenloch, das dann nicht mehr mühevoll von Hand ausgestemmt werden muss. Bohren Sie dafür von beiden Seiten mit einem 20-mm-Forstner-Bohrer bis auf die jeweilige Brettmitte, um Ausrisse zu vermeiden. Die Verleimung des Medienbords erfolgt von innen nach außen. Dabei bauen Sie zuerst den kürzeren, inneren Winkel – beginnen Sie also mit der inneren Ecke des Bords. Nach dem Putzen und Schleifen dieser Zinkenverbindung und der Baumkante werden die Stege mit dem inneren Winkel verleimt. Daran wird die lange Seite und zuletzt die kurze Seite des äußeren Winkels angeleimt, verputzt und geschliffen. Nach dem Putzen und Schleifen der Zinken und Zapfen wird der inneren Winkel noch auf das gewünschte Maß gebracht. Dass dieser Schritt erst jetzt erfolgt, hat einen Sinn: Das Ausrichten und Spannen ist einfacher mit möglichst langen Werkstücken – seine richtigen Dimensionen bekommt der innere Winkel also erst jetzt.

Anschließend wird die Kabelnut mit der Oberfräse in die Rückseite des Bords gefräst. Achtung: Bei einer Platzierung in einer Raumecke wird anstelle einer Nut auf der äußeren Seite besser eine Fase gefräst. Hängt ihr Bord dagegen frei im Raum, dann sind Sie an dieser Stelle mit einer Kabelnut besser beraten.

Versteckte Halterung

Die Halteleiste funktioniert nach dem Prinzip der „French Cleat“ und wird aus zwei Teilen verleimt. Ein 8 mm starkes Werkstück wird längs mit einer Schräge von 45° aufgetrennt. Diese schräge Leiste wird zur besseren Stabilität auf ein 15 mm dickes Brett geleimt.

Dieses Brett dient als Blende für die Aufhängung und ist so dimensioniert, dass es genau zwischen die lange Seite und den Steg an den Boden des äußeren Winkels (Zeichnung S.25) passt. Eine weitere Leiste mit 45°-Gehrung wird an der Wand befestigt – so kann das ganze Bord unsichtbar aufgeschoben werden.

Die Oberfläche des Telefonbords ist geölt. Das Öl wird zweimalig nach einer Trocknungszeit von je 24 Stunden aufgetragen. Nach jedem satten Durchgang wird nach etwa 20 Minuten das überschüssige, auf der Oberfläche stehen gebliebene Material mit einem Lappen entfernt. Wie immer beim Ölen sollten Sie die Gefahr einer Selbstentzündung des Lappens beachten. Dieser gehört nach Gebrauch in ein verschlossenes Metallgefäß oder nach dem Eintauchen in Wasser entsorgt. Nicht, dass der erste Anruf vom Medienbord sonst noch die 112 wird.

Stefan Böning ist Tischlermeister und baute dieses Bord für seine Wohnung. Hier finden endlich alle Telefone und das Zubehör ihren Platz.


1 Bei der Einteilung der Fingerzinken während des Sägens hilft eine Rasterschablone. Es wird abwechselnd im Raster 25 mm inklusive und 25 mm exklusive Sägeschnitt gearbeitet – so werden Zinken und Zwischenraum exakt gleich groß.

2 Beim Sägen auf der Tischkreissäge sollte (generell) mindestens 120 mm Platz zwischen Sägeblatt und den Händen sein. Die Rasterschablone wird am Queranschlag fixiert.

3 Die um 25 mm verschobenen Teile werden mit Spannzwingen am Rasteranschlag befestigt. Nutzen Sie wenn möglich ein Flachzahn-Sägeblatt: Es schafft einen saubereren Zinkengrund als ein Wechselzahnblatt.

4 Schnitt für Schnitt entstehen die Fingerzinken für die Winkel und Zapfen für die Querstege jeweils im Doppelpack. Eine eingeschobene Leiste dient als Anschlag.

5 Lassen Sie sich Zeit mit dem Sägen, um Ausrisse und Ungenauigkeiten zu vermeiden - die Fingerzinken werden nicht mehr nachgearbeitet und sind deutlich sichtbar.

6 Übertragen SIe die Zapfen mit der Reißnadel auf die Seiten und Böden. Arbeiten Sie hier besonders genau für bündige Abschlüsse.

7 Um die Arbeit beim Ausarbeiten der Zapfenlöcher zu erleichtern, werden zuvor von beiden Brettseiten bis auf die halbe Materialstärke 20-mm-Bohrungen mit dem Forstner- Bohrer gebohrt.

8 Die Verleimung erfolgt von von innen nach außen. Zuletzt wird die kurze Seite des äußeren Winkels angeleimt.

9 Der Schweifhobel bringt die Wald- oder Baumkante in Form. Ob Sie die Baumkante am Werkstück belassen möchten, sollten Sie von der Beschaffenheite des Holzes und ihres eigenen Geschmacks abhängig machen.

10 Eine dicke, weiche Schleifauflage („Interface Pad“) sorgt für das Beibehalten der Form der Waldkante beim Schleifen mit dem Exenterschleifer.

11 Eine Handkreissäge und eine entsprechende Führungsschiene sägen nun erst mal den inneren Winkel auf Maß. Durch das Übermaß wurde die Bearbeitung gerade beim Verleimen und Spannen vereinfacht. Das Übermaß ist in der Materialtabelle berücksichtigt.

Fotos: Stedan Böning

12 Mit der Oberfräse wird die Kabelnut gefräst. Sie versteckt die Kabel und verhindert das übliche Durcheinander.