Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

„Plötzlich waren die Fenster nicht mehr eckig“


Angehörige pflegen - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 15.08.2019

Vor rund 15 Jahren bekam Ruth Richter die Diagnose altersbedingte Makuladegeneration – und damit kam die Angst, bald nicht mehr richtig sehen zu können. Die war nachvollziehbar, aber bei ihr unberechtigt: Heute kommt die 88-Jährige bestens mit der Erkrankung zurecht.


Artikelbild für den Artikel "„Plötzlich waren die Fenster nicht mehr eckig“" aus der Ausgabe 3/2019 von Angehörige pflegen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Angehörige pflegen, Ausgabe 3/2019

Seht ihr das auch?“, fragte Ruth Richter ihren Mann und ihre Tochter, als sie vom Krankenhausbett aus dem Fenster schaute. Die Fensterrahmen seien doch ganz verbogen und rund, erklärte sie ihren Besuchern. „Ich wollte sogar aufstehen und überprüfen, ob die wirklich so krumm sind. Aber ich hatte ja gerade eine Kniegelenktransplantation hinter ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Angehörige pflegen. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Präventive Hausbesuche haben sich bewährt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Präventive Hausbesuche haben sich bewährt
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Aktuelles: Was pflegende Angehörige wirklich brauchen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aktuelles: Was pflegende Angehörige wirklich brauchen
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Wenn die Augen altern. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wenn die Augen altern
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Anders sehen: Das richtige Hilfsmittel finden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Anders sehen: Das richtige Hilfsmittel finden
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von FRAGE AN DIE JURISTIN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FRAGE AN DIE JURISTIN
Titelbild der Ausgabe 3/2019 von Unser Leben mit dem Rett-Syndrom. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Unser Leben mit dem Rett-Syndrom
Vorheriger Artikel
Wenn die Augen altern
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Anders sehen: Das richtige Hilfsmittel finden
aus dieser Ausgabe

... mir und da war an Laufen erst mal nicht zu denken.“

So erzählt Ruth von ihrer ersten Sehbeeinträchtigung. Heute lacht sie über die Erfahrung, aber damals war das Gefühl für sie schon sehr seltsam. Immerhin hatte sie vorher nie Probleme mit ihren Augen und war mit der Situation etwas überfordert. Nach augenärztlicher Diagnose war dann klar, dass es sich um AMD, die altersbedingte Makuladegeneration, handelt.

Im Laufe dieser Krankheit geht die zentrale Sehschärfe eines Auges ganz oder teilweise verloren: Stoffwechselprodukte lagern sich in den Sinneszellen des sogenannten gelben Flecks, der Macula lutea, ab und zerstören diese. Dadurch wird das Sehen im zentralen Sehbereich beeinträchtigt. Die AMD tritt meistens nach dem 60. Lebensjahr auf und ist die häufigste Ursache für Erblindung in den westlichen Industriestaaten.

Nie den Mut verlieren

Schmerzen, erzählt Ruth, habe sie keine. Es seien nur die Umrisse, die oft verzerrt und verbogen erscheinen. Bei ihr wurde die sogenannte trockene Makuladegeneration diagnostiziert. Diese schreitet, im Vergleich zur feuchten Makuladegeneration, langsam voran und ist nicht zwingend mit dem Verlust der zentralen Sehfunktion verbunden. Chancen auf eine Heilung gibt es bislang keine. Allerdings gibt es verschiedene Ansätze, die Krankheit einzudämmen. Dazu gehöre in jedem Fall auch die regelmäßige Terminwahrnehmung beim Arzt, erklärt Ruth.

„Mein Augenarzt hat mir geraten, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, die speziell für diese Krankheit gedacht sind. Das mache ich auch gewissenhaft jeden Tag und kann seither keine Verschlechterung feststellen“, meint sie. Das bestätige ihr auch ihr Arzt, erzählt sie: „Mir ist es wichtig, regelmäßig zum Augenarzt zu gehen, damit ich weiß, dass wirklich alles in Ordnung ist. Und beim letzten Besuch versicherte er mir wieder, dass es nicht besser sein könnte.“ Das erzählt sie erleichtert, während sie auf ihrer Terrasse in der Sonne sitzt. Es ist ein schöner Sommertag. Ihr Mann hat vor unserem Besuch im Garten gearbeitet und gesellt sich nun zu uns. Auch er bestätigt, dass sie trotz der Erkrankung keine Probleme haben und Ruth den Alltag ohne Einschränkungen bestreitet. Stolz erzählt er, dass sie im örtlichen Turnverein das älteste aktive Mitglied sei und auch regelmäßig bei öffentlichen Veranstaltungen mitturne. „Da stehe ich natürlich auch immer in der ersten Reihe, damit ich auch alles sehe“, lacht sie.

Zu Beginn der Krankheit hatte Ruth große Angst, dass sie erblinden würde und sie nichts dagegen tun könne. Deshalb suchte sie damals auch zwei Ärzte auf, um eine sichere Diagnose zu bekommen. Beide Ärzte rieten ihr auch zu den Nahrungsergänzungsmitteln, die sie nun regelmäßig nimmt. Zwar gebe es keine Belege dafür, dass diese die AMD verhindern, aber sie verzögern zumindest das Fortschreiten der Erkrankung zu einer Spätform der AMD. Es handelt sich hierbei um eine bestimmte Kombination von Vitaminen und Mineralstoffen – beispielsweise Vitamin C, Vitamin E, Betacarotin, Zink, Kupfer oder Lutein.

Angst nehmen – Lebensfreude gewinnen

Während des Gesprächs mit ihr wird schnell klar, dass sich die 88-Jährige von Krankheiten oder ab und zu auftretenden Wehwehchen nicht unterkriegen lässt. Zwei Kniegelenkoperationen hat sie hinter sich und das Rheuma macht ihr schon auch zu schaffen – aber trotzdem ist Ruth fit und voller Lebensfreude. Fast entschuldigend zuckt sie mit den Schultern: „Mehr kann ich dir nun auch gar nicht erzählen: Mehr Probleme mit der AMD habe ich ja gar nicht.“ Ihr habe geholfen, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen und sich von ihrem Arzt alles genau erklären zu lassen: „Das hat mir die Angst genommen, weil ich ja wusste, was mich erwarten kann und was da in den Augen passiert.“ Diesen Tipp würde sie auch allen anderen Erkrankten geben. Je mehr Information, desto weniger Unsicherheit trete auf. Und sie höre immer auf die Empfehlungen ihres Arztes – auch das gebe ihr die nötige Sicherheit. Dass ein fittes uneingeschränktes Leben auch nach einer zunächst vermeintlichen Schreckensdiagnose möglich ist, zeigt Ruth beispiellos.


Foto: Patricia Schaller