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PokéMoN LEGENDEN ARCEUS


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Games Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 16.02.2022

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Bildquelle: Games Aktuell, Ausgabe 3/2022

Erhältlich auf: Switch Switch

Entwickler: Game Freak

Hersteller: The Pokémon Company/Nintendo

Sprache:

Text: Deutsch

USK: Ab 12

Termin: 28. Januar 2022

Preis: ca. 60 Euro

Sieht man einmal von den nostalgiegeprägten Wünschen der Fans für die bisher erschienenen Neuauflagen ab, dürfte Pokémon -Legenden: Arceus wohl der Titel sein, der in der Geschichte Pok émons die größten Erwartungen schürte. Endlich eine offene Welt, endlich weg von der zwar geliebten, aber mittlerweile doch etwas altbackenen Pokémon-Formel. Und Game Freaks Wagnis hat sich ausgezahlt, denn Legenden: Arceus kann sich sehen lassen – wenn auch nicht in jeder Hinsicht.Trailer und Marketing deuteten bereits an, worauf Fans seit Langem hofften: Pokémon-Legenden: Arceus stellt die bisherige Formel der Reihe gehörig auf den Kopf. Ihr zieht nicht mehr von Stadt zu Stadt, sammelt Arenaorden und fordert den Champion heraus, um der beste ...

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... Trainer der Region zu werden. Stattdessen erkundet ihr die Weiten von Hisui und widmet euch ganz und gar der Erforschung der dort lebenden Pokémon. Euer Hauptziel dieses Mal: Die Vervollständigung des allerersten Pokédex! Ganz mag man sich aber nicht von liebgewonnenen Traditionen lösen und so werdet ihr zu Beginn eures Abenteuers von Professor Laven vor die Starter-Wahl gestellt, bei der ihr euch eines von drei Pokémon aussuchen müsst. Wie immer stehen dabei jeweils eines vom Typ Pflanze, Feuer und Wasser zur Verfügung. Statt drei neuen Taschenmonstern warten dieses Mal allerdings bereits bekannte Pokémon aus alten Generationen auf euch: Feurigel aus Gold, Silber und Kristall, Ottaro aus Schwarz und Weiß sowie Bauz aus Sonne und Mond.

DAS MISSIONSLAGER JUBELDORF

Habt ihr die schwierige Entscheidung hinter euch gebracht, dürft ihr erst einmal Jubeldorf erkunden. Dabei handelt es sich nicht nur um die einzige Bastion der Menschheit in der sonst vollkommen von Natur dominierten Hisui-Region, sondern auch um das Basislager, in dem ihr auf eurem Abenteuer euer Vorgehen plant und euch auf Missionen vorbereitet.

Denn Pokémon-Legenden: Arceus verwendet ein Missionssystem, das dem von Monster Hunter World nicht unähnlich ist: Statt aus Jubeldorf heraus in die Wildnis zu marschieren, wählt ihr beim Torwächter ein Gebiet der Hisui-Region, in das ihr dann über einen Ladebildschirm reist.

Hauptmissionen bringen euch in der Geschichte voran, während Nebenmissionen optional sind, euch aber mit Gegenständen und anderen Boni be- lohnen. Die meisten davon sind jedoch typische Fetch-Quests: Ihr müsst Pokédex-Einträge vervollständigen, bestimmte Pokémon fangen oder Gegenstände sammeln. Einen Unterschied zu Monster Hunter gibt es allerdings: Habt ihr eine Mission erledigt, wer-det ihr nicht automatisch zurück nach Jubeldorf gebracht, sondern könnt ungezwungen weiter die Wildnis erkunden. Damit euch dabei nicht die Puste ausgeht, findet ihr in jedem Gebiet eine oder mehrere Basen, bei denen ihr eure Pokémon verwalten, euch ausruhen sowie Items kaufen könnt. Hier verweilt auch Professor Laven, der begierig darauf wartet, von eurem Pokédex-Fortschritt zu erfahren und euch angemessen für die Ergebnisse zu entlohnen.

Damit ihr für die unbarmherzige Flora und Fauna von Hisui bestens ausgerüstet seid, lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Einrichtungen von Jubeldorf. Dort findet ihr nicht nur den Hauptsitz der Galaktik-Expedition, sondern auch den Gemischtwaren- und den Handwerksladen, wo ihr viele hilfreiche Gegenstände erwerben könnt.

Um die Missionen so stylisch wie möglich zu bestreiten, solltet ihr außerdem dem Friseursalon und der Schneiderei einen Besuch abstatten. Dort könnt ihr eure Kleidung, Haarfarbe und Frisur gegen eine geringe Gebühr frei nach euren Wünschen anpassen. Neben dem Acker und der Pokémon-Weide erwartet euch in Jubeldorf obendrein die Tauschbörse, bei der ihr mit anderen Spielern eure gefangenen Taschenmonster tauschen könnt. Zu guter Letzt gibt es dann noch den Übungsplatz, auf dem ihr im Austausch gegen eine Handvoll Pokédollar jedem eurer Pokémon neue Attacken beibringen könnt. Sehr praktisch, um früh die Movesets eurer Teammitglieder zu erweitern, bei denen ihr in Legenden: Arceus nun zudem jederzeit zwischen allen verfügbaren Attacken eines Pokémon hin- und herwechseln könnt.

GOTTA CATCH ‘EM ALL!

Wenn ihr mit eurer Besichtigung von Jubeldorf fertig seid, geht es natürlich hinaus in die weite Welt von Legenden: Arceus. Nach dem gewohnt Tutorial-lastigen Anfang könnt ihr das erste große Gebiet namens Obsidian-Grasland bereits unbeschwert erkunden. Weitere Biome schaltet ihr dann im Verlauf der Geschichte frei, wobei sich die allesamt angenehm unterschiedlich anfühlen: Neben grünen Feldern und Hügeln warten auch Sumpflandschaften, Küstenstreifen und Eiswüsten in der Hisui-Region auf euch. Hier in der Wildnis verbringt ihr die meiste Zeit eures Abenteuers, erkundet jede noch so versteckte Ecke und fangt Pokémon, was das Zeug hält, schließlich füllt sich der Pokédex nicht von selbst. Im Gegensatz zu den alten Spie-len müsst ihr für einen erfolgreichen Fang aber keinen Kampf mehr auslösen, sondern könnt beim Laufen durch die Welt alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist, mit einem Pokéball bewerfen. Um den Pokédex-Eintrag eines einzelnen Taschenmonsters zu vervollständigen, reicht es jedoch nicht mehr, nur ein Exemplar davon zu fangen. Stattdessen müsst ihr verschiedene Aufgaben erfüllen, beispielsweise bestimmte Attacken beobachten oder eine gewisse Anzahl Monsterchen besiegen.

Die wichtigste Zutat für einen erfolgreichen Fang abseits von Geduld ist dabei natürlich der Pokéball, bei dem es sich in Legenden: Arceus noch um eine wundersame Neuerfindung handelt. Das bedeutet auch, dass ihr eure Fangutensilien selbst herstellen müsst, und hier kommt das Crafting-System zum Einsatz.

Überall in der Welt von Legenden: Arceus gibt es Ressourcen zu finden, aus denen sich mal mehr, mal weniger praktische Gegenstände herstellen lassen. Einige davon könnt ihr beim bloßen Herumlaufen einsammeln, für andere müsst ihr eure Team-Pokébälle gegen einen Baum oder einen Kristall werfen, damit euer Pokémon die Materialien herausschüttelt.

Was schnell in repetitiver Langeweile hätte enden können, landet dank cleverem Multitasking irgendwo zwischen beruhigend und effizienzbestrebt. Ihr könnt nämlich mehrere eurer Teammitglieder gleichzeitig nutzen, um Ressourcen einzusammeln und währenddessen sogar noch Pokémon fangen. Wackelt gerade ein Taschenmonster im Ball, müsst ihr nicht auf das Ergebnis warten, sondern könnt nebenbei schon den nächsten auf ein weiteres Pokémon werfen oder eine Stange Fitlauch einsammeln.All das sorgt für einen sehr geschmeidigen und reibungslosen Gameplay-Flow, bei dem sich Ressourcensammeln und Fangaktionen nicht im Weg stehen, sondern miteinander harmonieren und ergänzen. Das Grundkonzept von Legenden-Arceus geht also rundum auf.

DIE HISUI-REGION: ZWISCHEN LEBHAFT ...

Dabei hilft auch, dass die Auswahl und Anzahl der wilden Pokémon angenehm abwechslungsreich ist und natürlich wirkt. Der einzige Wehrmutstropfen: Es gibt fast keine neue Pokémon oder Formen, bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich ausschließlich um bekannte Taschenmonster. Die in der Wildnis herumstreunenden Pokémon legen außerdem unterschiedliche Verhaltensmuster an den Tag, die es aus der Ferne zu studieren gilt. Während ein Bidiza faul am Boden liegt, euch ignoriert und so ein leichtes Ziel abgibt, sind andere Taschenmonster schreckhaft oder aggressiv. Im hohen Gras heranschleichen und beobachten ist also eine wichtige Strategie. Bei der Fülle an Verhaltensmustern ist allerdings noch Luft nach oben: Wie wäre es mit Pokémon, die miteinander spielen, herumliegende Beeren fressen oder Revierkämpfe austragen wie bei Monster Hunter?

Habt ihr mal weder Zeit noch Lust, euch im hohen Gras zu verstecken, sondern wollt in Windeseile an euer Ziel kommen, könnt ihr zur Elysien-Flöte greifen und eines der Transport-Pokémon rufen. Während ihr mit Damythir über Stock und Stein galoppiert, macht ihr mit Salmagnis die Meere und mit Hisui-Washakwil die Lüfte unsicher. Der Wechsel zwischen den Transport-Pokémon geht dabei nahtlos und ohne Knopfdruck vonstatten: Springt ihr vom Land ins Wasser, sitzt ihr also automatisch auf Salmagnis und könnt direkt losschwimmen. Kombiniert mit der freien Kamerakontrolle (die es in der Pokémon-Reihe bisher sonst nur in der Naturzone von Schwert und Schild gab), fühlt sich das Bewegen durch die Welt von Legenden: Arceus denkbar rund an.

... UND KAHL

Leider kann man das von der Spielwelt selbst nicht behaupten. Trotz verschiedener Wetterlagen, eines Tag-und Nachtzyklus und einer Fülle an Pokémon und Ressourcenstationen wie Bäumen und Felsen mutet die Hisui-Region mitunter kahl und nüchtern an. Das ist hauptsächlich ein technisches Problem. Bäume, Felsen und Pokémon sind nämlich immer nur in einem festgesetzten Radius um euch präsent. Alles was weiter entfernt ist, muss erst geladen werden, wenn ihr euch nähert. Der Hintergrund besteht deshalb meistens nur aus einer bergigen Landschaft und wirkt leer und künstlich – das macht sich ganz besonders beim Fliegen bemerkbar. Mit der atmosphärischen und geradezu atmenden Welt von Xenoblade Chronicles 2 oder The Legend of Zelda: Breath of the Wild kann Legenden: Arceus daher nicht mithalten. Schuld daran ist auch die ungemein hässliche Grafik, doch dazu später mehr.

ÜBERRASCHENDE GEFECHTSÄNDERUNGEN

Obwohl ihr in Legenden: Arceus weiterhin rundenbasierte Kämpfe bestreitet, hat man das Kampfsystem überraschend ausgiebig umgekrempelt. Wie schon in Let’s Go Evoli und Pikachu wurden sämtliche Fähigkeiten und Trage-Items entfernt, Beeren funktionieren also genau wie Tränke. Attacken, die eure Werte erhöhen, verstärken nun nicht mehr einen einzelnen Wert, sondern entweder die gesamte Offensive oder Defensive, halten dafür aber auch nur einige Runden. Auch bei den Statusveränderungen hat sich einiges getan: Pokémon können nicht mehr eingefroren werden, sondern leiden nun unter Frostbrand und bekommen so kontinuierlichen Schaden, während ihr Spezialangriff gesenkt wird. Schlaf setzt euer Taschenmonster jetzt zwar nicht mehr vollständig außer Gefecht, lässt es aber ab und an aussetzen und mehr Schaden von gegnerischen Angriffen erleiden. Außerdem kann eine bestehende Statusveränderung jetzt mit einer neuen überschrieben werden.

Besonders ungewohnt wird für Fans der Reihe aber wohl die gewaltige Anzahl an veränderten Attacken sein: Genauigkeit, Stärke und sogar die Effekte vieler Angriffe wurden angepasst oder komplett über den Haufen geworfen. Neu hinzugekommen sind die Kampfstile: Hat eines eurer Pokémon einen Angriff oft genug eingesetzt oder den entsprechenden Level erreicht, meistert es bestimmte Attacken. Diese können dann im Kraft- und Tempostil ausgeführt werden und erhöhen wahlweise die Kraft des Angriffs oder eure Position in der Zugreihenfolge, kosten im Gegenzug aber mehr Angriffspunkte.

DER KRAMPF MIT DEM KAMPF

Das rundenbasierte Kampfsystem wurde durch eine Zugreihenfolge ergänzt, die euch Auskunft darüber gibt, wer als Nächstes dran ist und die durch verschiedene Angriffe, den Tempostil und den Initiativwert der kämpfenden Pokémon bestimmt wird. Die Zu-greihenfolge ist exemplarisch dafür, warum viele der Änderungen in dem Abenteuer ein ziemlicher Schuss in den Ofen sind.

Game Freak hat gehörig an den Grundwerten der Pokémon geschraubt: Alle Taschenmonster haben deutlich mehr Kraftpunkte als üblich und teilen im Verhältnis noch mehr Schaden aus. Kombiniert mit der unbalancierten Zugreihenfolge, können Pokémon so bis zu dreimal hintereinander angreifen und den Gegner auf die Bretter schicken, bevor der überhaupt reagieren konnte.

Ohnehin ist der Schwierigkeitsgrad von Legenden: Arceus ein ziemliches Chaos: Größtenteils ist das Spiel nicht besonders herausfordernd, jedoch schicken fast alle Trainer mehrere Pokémon gleichzeitig gegen euch in den Kampf, auch wenn das zweite Taschenmonster jeweils ein deutlich niedrigeres Level besitzt. Hier greift die undurchdachte Zugreihenfolge besonders, und wenn ihr dadurch ein Pokémon ohne Gegenwehr verliert, hat das weder etwas mit Schwierigkeit noch mit Strategie zu tun. Eines der Hauptprobleme der Kämpfe in Legenden: Arceus ist aber ohnehin ein ganz anderes: Es gibt schlicht viel zu wenige davon. Eure menschlichen Herausforderer lassen sich an zwei Händen abzählen, und die Gefechte gegen wilde Pokémon sind zu eindimensional, um auf Dauer interessant zu bleiben. Hier merkt man deutlich, dass sich Legenden: Arceus auf das Fangen und Sammeln der Taschenmonster konzentriert, wodurch der strategische Aspekt sang- und klanglos untergeht.

AUSWEICH-ACTION UND HÜBSCHE ANIMATIONEN

Trotzdem hat das Spiel hinsichtlich actionreifer Gefechte auch zwei Qualitäten zu bieten: Zum einen wurde ein Großteil der Angriffsanimationen aufpoliert, wodurch die Kämpfe nun optisch einiges hermachen können, abhängig von den eingesetzten Attacken. Zum anderen hat man sich mit den Königen und Königinnen eine neue Gegnerform einfallen lassen, bei der euer Geschick als Trainer mehr denn je gefordert ist.

Hierbei handelt es sich nicht um traditionelle Pokémonkämpfe, stattdessen steigt ihr selbst in den Ring. Die durch einen mysteriösen Lichtblitz in Rage geratenen Riesenmonster müssen mit Ruhegaben beworfen und besänftigt werden, während ihr ihren wilden Angriffen ausweicht und um euer Leben lauft. Hier serviert euch Game Freak klassische Bosskämpfe, bei denen ihr die Angriffe des Gegners studieren und mit der Ausweichrolle zum rechten Zeitpunkt zur Seite hechten müsst. Werdet ihr zu häufig getroffen, ist Schicht im Schacht und ihr müsst den Kampf von vorne beginnen.

JAPANISCH ANGEHAUCHTE SOUNDKULISSE

Die Pokémon-Reihe ist nicht erst seit gestern für ihren bombastischen Soundtrack bekannt: Stets geben sich einprägsame Elektronikbeats und orchestrale Ohrwürmer die Klinke in die Hand und formen so ein unvergessliches Musikerlebnis. Legenden: Arceus bildet glücklicherweise keine Ausnahme, obwohl man sich in mancher Hinsicht von der klassischen musikalischen Untermalung entfernt hat.

Hätte man die offenen Gebiete der Hisui-Region jeweils mit einer eigenen, pompösen Melodie versehen, die euch auf Schritt und Tritt verfolgt, würden wohl viele Spieler schnellstens die Stummschalttaste ihrer Fernbedienung betätigen.

Stattdessen schafft man ein auditives Gleichgewicht: Mal sind die einzigen Laute in der Wildnis das Rauschen des Windes und die Rufe der umherstreunenden Pokémon, mal bekommt ihr zurückhaltende Klavier- und Streichertöne geboten, wie es Open- World-Fans aus The Legend of Zelda: Breath of the Wild kennen.

Trotzdem erklingt ab und an die gebietsgebundene Melodie und wechselt sich ab mit dem hektischen Musikmotiv, das signalisiert, dass euch ein wildes Pokémon entdeckt hat. Die neuen Stücke werden durch Neuinterpretationen der Songs aus der 4. Generation ergänzt, die gerade Spielern der zuletzt erschienenen Neuauflagen Strahlender Diamant und Leuchtende Perle bekannt vorkommen dürften.

Dabei machen viele der Songs mal mehr, mal weniger Gebrauch von Instrumenten, die eng mit der Musiklandschaft Japans verknüpft sind und erwecken das asiatisch angehauchte Thema des Spiels so auch musikalisch zum Leben. Besonders präsent sind die prägnanten Taiko-Trommeln, aber auch die aus dem Kabuki-Theater bekannten Gegenschlagblöcke namens Hyoshigi und Bambusflöten finden ihren Weg in Songs und Sounddesign. Letzteres ist ohnehin herausragend: Egal, ob ihr euch durch das Menü klickt oder Ressourcen sammelt, alle Töne passen wunderbar zum Stil des Spiels.

GROTESKES GRAFIKGRAUEN

Abseits des unausgegorenen und unterrepräsentierten Kampfsystems ist die größte Schwäche von Legenden: Arceus ganz klar die absolut unterirdische Qualität der Grafik. Während man sich bei den ersten Trailern vielleicht noch damit getröstet hat, dass es sich nicht um finale Spielszenen handeln könnte, dürften spätestens die letzten Trailer bei einem großen Teil der Fans für Grafik-Skepsis gesorgt haben. Bis zuletzt galt die Hoffnung, dass das im Vorfeld gezeigte Gameplay nicht der finalen Version entsprechen würde.

Leider entsprachen die gezeigten Szenen haargenau dem Endprodukt: Gemessen daran, dass wir uns im Jahr 2022 befinden und was die Nintendo Switch trotz Hardware-Limitationen bei anderen Titeln leisten kann, ist Legenden: Arceus grafisch eine Frechheit. Gras-, Boden- und Felstexturen sind unscharf und matschig, das Wasser eine blaue Fläche mit weißen Sprenklern. Besonders von hohen Punkten aus oder in der Luft wirkt die Welt von Legenden: Arceus wie die eines N64-Titels. Immerhin: Der Sternenhimmel bei Nacht ist ein wunderschöner Anblick.

Hinzu kommen ständige Pop- Ins von Texturen und Gegenständen beim Reiten, Rennen, Fliegen durch die Welt: Wie bereits erwähnt, muss das Spiel alles, was sich nicht in eurem unmittelbaren Radius befindet, erst nachladen, sobald ihr euch nähert. Das ist nicht nur ziemlich anstrengend, sondern lässt die Welt hässlich und kahl wirken. Davon abgesehen liefert Legenden: Arceus größtenteils eine flüssige Performance, einige Schatten und Pokémon in der Ferne bewegen sich allerdings mitunter im einstelligen FPS-Bereich, was auch nicht wirklich schön anzusehen ist.

ENDLICH EIN SCHRITT IN DIE RICHTIGE RICHTUNG

Mit Pokémon-Legenden: Arceus scheint Game Freak nun endlich die Kurve gekriegt zu haben. Die Entscheidung, sich nach langer Zeit von der charmanten, aber mittlerweile bedauerlicherweise abgestandenen Pokémon-Formel zu lösen, sorgt für frischen Wind im Franchise und legt den Grundpfeiler für kommende Spiele. Denn der Kern von Legenden: Arceus ist ein gelungener und spaßiger Gameplay-Loop, bei dem das reibungslose Fangen von Pokémon und Sammeln von Ressourcen für ein angenehmes Spielgefühl sorgt. Auch das Erkunden der Wildnis und das Beobachten der wilden Taschenmonster kommt dem Wunsch von Pokémon-Fans nach einer lebhaften, einladenden und vielbevölkerten Welt zumindest etwas näher als bisherige Titel. Leider hat unter der Fokusverlagerung auf den Sammelaspekt das Kampfsystem deutlich Federn gelassen. Durch gestrichene Features und hinzugekommene Neuerungen wie den Kampfstilen leidet die Balance.

Abseits davon ist nur noch die grausige Grafik zu bemängeln, bei der jegliche Skepsis im Vorfeld leider vollkommen berechtigt gewesen ist. Wer in Sachen Optik aber nicht zu genau hinschaut und wem bei Pokémon das Fangen ohnehin immer wichtiger als das Kämpfen war, der wird mit Pokémon-Legenden: Arceus eine Menge Spaß haben. Und wer weiß, beim nächsten Legenden-Spiel ist dann vielleicht sogar der Hitstempel drin.

MEINUNG

Jonas Höger

Endlich traut sich Game Freak mal was!

Pokémon-Legenden: Arceus ist beileibe nicht perfekt: Die Grafik ist, bei aller Liebe, hoffnungslos veraltet, ja geradezu grauenerregend, es gibt viel zu wenige Kämpfe und nahezu keine neuen Pokémon. Doch das etablierte Gerüst des neuen Ablegers lässt mich dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, denn der Gameplay-Loop und der gelungene Flow greifen wunderbar ineinander. Endlich kann ich Pokémon in freier Wildbahn studieren, mich von hinten anschleichen und sie in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Wenn man jetzt noch eine zeitgemäße Grafik liefert und es schafft, dass Fangen und Kämpfen wieder im Gleichgewicht sind, dann dürfte der nächste Titel wirklich gut werden. Wie wäre es als nächstes mit einem Ausflug in die 5. Generation in Pokémon-Legenden: Kyurem?

WERTUNG

Stärken und Schwächen

+ Sehr angenehmes Spielgefühl dank Multitasking

+ Gelungener Gameplay-Loop aus Pokémon fangen und Ressourcen sammeln

+ Große, offene Gebiete laden zum Erkunden ein, viel besser als die Naturgebiete in Schwert & Schild

+ Hervorragendes Sounddesign

+ Außergewöhnlicher und abwechslungsreicher Soundtrack

+ Actionreiche Bosskämpfe

- Grauenhafte Grafik

- Kaum Trainerkämpfe, fehlende Balance

- Gestrichene Features rauben Strategie

- Fast keine neuen Pokémon und Formen

7