Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

POKÉMON SCHWERT & SCHILD


N-Zone - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 18.12.2019

Rollenspiel Schon vor Release mussten die neuen Pokémon-Hauptspiele sehr viel Kritik einstecken. Doch ist wirklich alles so schlimm wie im Vorfeld befürchtet? Mitnichten. Zwar gibt es einiges auszusetzen an Pokémon Schwert und Schild, vieles gefällt uns aber auch gut. Hier erfahrt ihr mehr!


Artikelbild für den Artikel "POKÉMON SCHWERT & SCHILD" aus der Ausgabe 1/2020 von N-Zone. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: N-Zone, Ausgabe 1/2020

Mit großer Spannung haben Pokémon-Fans auf der ganzen Welt dem 15. November entgegengefiebert. An diesem Tag erschien nämlich die schon lange angekündigte und im Frühjahr 2019 als Pokémon Schwert & Schild betitelte achte Generation der Pokémon-Hauptspiele. Im Gepäck befinden sich einige erwartbare Neuerungen, etwa ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von N-Zone. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 1/2020 von HERZLICH WILLKOMMEN, liebe Nintendo-Fans!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HERZLICH WILLKOMMEN, liebe Nintendo-Fans!
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von KEINE NEUEN POKÉMON PER DLC. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KEINE NEUEN POKÉMON PER DLC
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von N-ZONE-STECKBRIEF #52. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
N-ZONE-STECKBRIEF #52
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von WARIOS SINNLOS-WISSEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WARIOS SINNLOS-WISSEN
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von SUPER MARIO MAKER NEUE INHALTE IM GROSSEN UPDATE!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
SUPER MARIO MAKER NEUE INHALTE IM GROSSEN UPDATE!
Titelbild der Ausgabe 1/2020 von BÖSEWICHTE IN VIDEOSPIELEN WIESO DIE SCHURKEN OFT DIE GUTEN SIND …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
BÖSEWICHTE IN VIDEOSPIELEN WIESO DIE SCHURKEN OFT DIE GUTEN SIND …
Vorheriger Artikel
DAS TEAM
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel NEW SUPER LUCKY’S TALE
aus dieser Ausgabe

... eine frische Spielwelt, neue Taschenmonster, erweiterte Gameplay-Features und -Mechaniken. Aber auch Altlasten und Makel sind mit an Bord. So etwa eine nur allzu bekannte Story, die lediglich einen neuen Anstrich erfahren hat, wie üblich wenig Weiterentwicklung des Kern-Gameplays der Reihe sowie eine grafische und technische Leistung, welche die Plattform nicht ausreizt. Zusätzlich haben die Entwickler von Game Freak und The Pokémon Company diesmal auch den besonders dicken Rotstift angesetzt und einige Inhalte gestrichen. So fehlen Hunderte von Pokémon und auch im Endgame, also nach Abschluss der Hauptgeschichte, hat die neue Generation spürbar weniger zu bieten als das früher der Fall war. Die altbackene Grafik und die gestrichenen Taschenmonster ließen schon vor Release viel Kritik unter Fans und Presse aufkommen, teils auch heftige. Die Kontroverse fand ihren Höhepunkt kurz vor Release auf Social Media mit dem Hashtag #gamefreaklied. Unter dem Schlagwort machten viele enttäuschte Fans ihrem Ärger Luft, seit Release geht es bei Online-Händlern und Co. mit „Review Bombing“ weiter. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Haben diese enttäuschten Fans recht? Oder handelt es sich nur um eine sehr laute Minderheit? Wie so oft im Leben liegt die Antwort in der Mitte zwischen beiden Extremen. Ja, die neue Pokémon-Generation hat so einige Macken. Aber Schwert & Schild sind trotzdem spaßige und charmante Rollenspiele.

Rose ist ein Industrie-Magnat der Galar-Region und besitzt jede Menge Firmen in der neuen Pokémon-Welt; unter anderem erzeugt er den Strom für die Städte.


Champ Delion ist bei den Bewohnern Galars beliebt und wie üblich euer Widersacher am Ende der Story. Er ist auch der Bruder eures Rivalen namens Hop.


Spielwelt und Story

Doch zunächst zu Spielwelt und Story, denn beides ist recht schnell abgehandelt. Typisch Pokémon eben, das sind wir seit Jahrzehnten gewohnt. Als wahlweise männlicher oder weiblicher Protagonist startet ihr euer Abenteuer in einem kleinen Dorf der Galar-Region, die an Großbritannien angelehnt ist. Das Thema der Spielwelt ziehen Schwert & Schild an allen Ecken von Galar durch und das ist einer der Pluspunkte der Titel. Ihr durchstreift also typische Hügellandschaften und erkundet Städte und Dörfer mit typisch englischer Architektur. Die Bewohner der Galar-Region wohnen in fast schon klischeehaft englischen Haushalten und genießen zur Nachmittagszeit Tee. Abseits der grafischen Leistung, auf die wir später noch eingehen, sind der Detailreichtum und die liebevolle Gestaltung der Spielwelt positiv hervorzuheben. Die Pokémon-Spiele mögen in dieser Hinsicht anderen Abenteuern zwar generell arg hinterherhinken, innerhalb der Serie allerdings ist Galar die bisher wohl hübscheste Spielwelt. Bei der Story bleibt Game Freak vor allem einem Motto treu: Never change a running system. Auch in Schwert & Schild ist euer Ziel zweigeteilt. Primär müsst ihr euch in acht Arenen gegen die dortigen Arenaleiter im Pokémon-Kampf beweisen und am Ende Champion und damit der allerbeste Trainer werden. Auf diesem Weg geht ihr außerdem der sekundären Aufgabe nach, möglichst viele Pokémon zu sammeln. Sekundär deswegen, weil ihr für den Abschluss der Story nicht wirklich viele Taschenmonster fangen müsst.

Die Taschenmonster

Damit sind wir auch schon beim nächsten wichtigen Thema: Die Pokémon in Schwert & Schild. Wie eingangs erwähnt, wurden diesmal viele Taschenmonster gestrichen, mehrere hundert insgesamt. Mit den neuen Pokémon in Schwert & Schild existieren nunmehr rund 900 verschiedene Monsterchen. Schon seit Jahren ist es üblich, dass ihr bei einem neuen Hauptspiel der Reihe nicht alle davon fangen könnt. Kein Problem für Spieler, die den Pokédex dennoch vervollständigen wollen, denn die nicht fangbaren Taschenmonster ließen sich bisher generationenübergreifend aus anderen Pokémon-Spielen übertragen, beispielsweise über den kostenpflichtigen Onlinedienst namens Pokémon Bank. Das ist in Schwert & Schild aber nicht mehr möglich, denn für die gestrichenen Pokémon sind in Schwert & Schild gar nicht erst Modelle, Animationen oder überhaupt irgendwelche Informationen vorhanden. Auch wir blickten vor Release aufgrund dieser Tatsache voller Skepsis auf Schwert & Schild. Beim tatsächlichen Spielen zeigt sich aber: Eigentlich ist das halb so wild. Es gibt trotzdem hunderte verschiedene Taschenmonster, welche die Spielwelt abwechslungsreich bevölkern. Es ist aber verständlich, dass einige Fans trotzdem enttäuscht sind, wenn beispielsweise genau das eigene Lieblings-Pokémon dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. Die Begründung der Entwickler, diese Entscheidung aufgrund der aufwendigen Umsetzung der Pokémon für die neuen Spiele getroffen zu haben, konnte die Kritiker insofern nicht zufriedenstellen, als dass Schwert & Schild ziemlich offensichtlich weitestgehend ältere 3DS-Modelle abermals verwenden. Zudem wurde die erste Generation schon letztes Jahr für Pokémon: Let’s Go, Pikachu!/ Evoli! technisch für die Switch aufpoliert. Wieso also nicht zumindest die ersten 151 Pokémon vollständig in Schwert & Schild sind, bleibt unklar.

Gegen euren ständigen (freundschaftlichen) Widersacher Hop kämpft ihr im Verlauf der Geschichte viele Male.


Die Inneneinrichtung vieler betretbarer Gebäude ist zwar oft ähnlich, aber ziemlich liebevoll und detailliert gestaltet.


Die Karte in Pokémon Schwert Schild deutet es schon an: Galar ist eine schöne Region, aber vergleichsweise klein. Frühere Pokémon-Welten waren größer.


Das Pokémon-Center vereint mittlerweile neben dem eigentlichen Center auch den Pokémon-Supermarkt und das Attacken-(Ver)lernen in sich. Praktisch!


Die mit der achten Generation neu eingeführten Pokémon reichen wie gewohnt von beeindruckend über knuffig bis belanglos und sind generell hübsch gestaltet. Bei den neuen Startern, die in ihrer Basis-Evolutionsstufe noch unheimlich süß sind, können uns die jeweils zweite und dritte Entwicklungsstufe aber nicht wirklich überzeugen. Am meisten freuten wir uns beim Spielen, wenn bekannte und lieb gewonnene Taschenmonster älterer Pokémon-Spiele zu unserem Team dazustießen.

Die Naturzone

Eine größere Neuerung in Pokémon Schwert & Schild ist die sogenannte Naturzone, die sich mittig über einen guten Teil der Spielwelt erstreckt. Hier lässt sich die Kamera frei bewegen – ein absolutes Novum für ein Pokémon-Hauptspiel, welches absolut überfällig war und das Abenteuer deutlich besser macht! Das führt allerdings zwangsläufig dazu, dass die fixe Kamera im kompletten Rest des Spiels umso mehr auffällt – und das nicht unbedingt positiv. Dass große, offene Gebiete voller spannender Dinge zu entdecken auf der Switch kein Ding der Unmöglichkeit sind, hat man beispielsweise mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild schon eindrucksvoll bewiesen. Die Naturzone ist nun eben die Pokémon-Version einer offenen Spielwelt. In einem begrenzten Gebiet dürft ihr euch hier frei bewegen und die Landschaft nach Belieben erkunden. Es gibt Seen, Hügel, kleine Inseln, viele Bäume, eine kleine Wüste, große Steine und das Wetter unterscheidet sich je nach Areal. Es gibt also Regen, Sonne, Schnee und Wind. Wie auch im restlichen Spiel trefft ihr hier natürlich wilde Pokémon an; die laufen entweder frei erkennbar durch die Welt oder sie verstecken sich im hohen Gras. Bei Schwert & Schild wird das klassische System wilder Pokémon also mit jenem aus den Let’s-Go-Spielen vermengt. Eine gute Entscheidung! Alle paar Meter trefft ihr in der Naturzone auf andere Pokémon. Hier kommt ihr also ein gutes Stück dabei voran, euren Pokédex zu vervollständigen, wenn ihr euch dieser Aufgabe annehmen wollt.

Die Naturzone ist die begrenzte, aber innerhalb dieser Grenzen offene Spielwelt von Pokémon Schwert & Schild und bietet eine frei bewegbare Kamera.


In der Naturzone könnt ihr euch bei leuchtenden Pokémon-Nestern mit Mitspielern an gemeinsamen Raids gegen Dynamax-Taschenmonster versuchen.


Gameplay-Streamlining

Bezüglich des Gameplays ist im Kern alles beim Alten in den neuen Editionen: Pokémon fangen, trainieren, kämpfen, Arenaleiter besiegen, Spielwelt durchstreifen und erkunden, mit unzähligen NPCs reden und Co. – all das kennen wir von den Pokémon-Spielen seit nunmehr über 20 Jahren. Die Formel funktioniert auch nach dieser langen Zeit noch immer erstaunlich gut und sorgt für Motivation und Spielspaß. Ein paar substanziellere Neuerungen wären aber dennoch angebracht nach all den Jahren altbewährter Konzepte.

Kleinere Neuerungen gibt es aber an vielen Stellen. So wurden in erster Linie viele Mechanismen deutlich vereinfacht und die Abläufe schneller gemacht. Ein simples Beispiel: Um ein wildes Pokémon zu fangen, müssen wir einen Pokéball werfen. Bisher war es dafür immer nötig, zunächst den Beutel zu öffnen, dann zur richtigen Tasche zu navigieren, dort dann die gewünschte Ballart auszuwählen und schließlich zu bestätigen. In Schwert & Schild hat all das einen einzigen festgelegten Button: X. Drückt ihr diesen, wählt ihr nun sofort den gewünschten Ball aus und bestätigt den Einsatz. Noch besser: Die letzte Auswahl wird gespeichert. Wollt ihr also bei mehreren wilden Taschenmonstern hintereinander immer wieder den Hyperball einsetzen, drückt ihr nur noch zwei Buttons: X und A. Das mag banal klingen, diese Simplifizierung erstreckt sich aber über nahezu alle Menüs und Bereiche des Spiels und ist tatsächlich eine der Stärken der neuen Generation. Vorbei das unangenehme Gefühl der Behäbigkeit, stattdessen finden wir uns in einem angenehm flotten Spielfluss wieder, der nicht mehr von unnötig umständlichem Gameplay ausgebremst wird.

Im Pokémon-Camp könnt ihr euch mit den Taschenmonstern eures Teams beschäftigen, zum Beispiel gemeinsam spielen.


Mit dem Rotom-Fahrrad kommt ihr besonders schnell durch die Spielwelt von Schwert & Schild. Verbessert ihr den Turbo, sogar ganz besonders flott!


Neue Features

Was hat sich sonst noch getan beim Gameplay? Der EP-Teiler ist dauerhaft aktiviert und lässt sich nicht abschalten. Heißt: Jedes Pokémon eures Teams bekommt Erfahrungspunkte, auch wenn es nicht aktiv an einem Kampf teilnimmt. Und das Sammeln von Erfahrungspunkten beschränkt sich nicht nur auf Kämpfe. Auch das Fangen von Taschenmonstern wird mit EP belohnt, genauso wie das Kochen von Curry im Poké-Camp. In der Naturzone und auf den zehn Routen könnt ihr jederzeit ein Zelt aufschlagen und mit euren Monsterchen spielen und interagieren, das stärkt die Bindung. Außerdem könnt ihr mit in der Wildnis gesammelten Zutaten wie Beeren, Äpfeln und Pilzen die erwähnten Currys kochen und eure Rezepte im sogenannten Curry-Dex festhalten. Die heißen Köstlichkeiten heilen euer Team und sind somit eine Art mobiles Pokémon-Center. Die Trainerkarten aber sind im Grunde nichts anderes als hübsch gestaltete Visitenkarten.

Das Dynamaxen wiederum beerbt Mega-Entwicklungen und Z-Attacken zugleich und stellt eine Möglichkeit dar, eure Pokémon im Kampf für drei Runden auf gigantische Größe anwachsen zu lassen, was mit enorm gesteigerter Kraft und speziellen Attacken einhergeht. Das funktioniert aber erstens nur an bestimmten Orten (bei Arena-Kämpfen und in Dynamax-Raids zum Beispiel), nur einmal pro Kampf mit nur einem Taschenmonster und hält auch nur drei Runden lang an. Das Feature bereitet Spaß, bietet bei Kämpfen zumindest ein klein wenig Abwechslung und beeindruckt die ersten paar Male auch durch die Inszenierung. Der Gewöhnungseffekt tritt aber recht schnell ein und das Gameplay wird durch das Dynamaxen nicht grundlegend verändert oder gar erheblich erweitert.

Die Arena-Kämpfe in Schwert Schild sind dank Fußballstadion-artigem Look und Dynamax-Feature ziemlich beeindruckend und imposant anzusehen


Im Pokémon-Camp könnt ihr den Kochlöffel schwingen und aus in der Natur gesammelten Zutaten wie Beeren und Gemüse leckere Curry-Rezepte kochen.


Multiplayer

Natürlich bieten auch die neuen Pokémon-Spiele Mehrspieler- möglichkeiten, sowohl online als auch offline. So könnt ihr wie gewohnt Pokémon tauschen, aber eben nur solche, für die Schwert & Schild auch Modelle bereithalten. Gegeneinander kämpfen ist selbstverständlich möglich. Wie bereits erwähnt, könnt ihr Dynamax-Raids in der Naturzone online mit menschlichen Mitspielern bestreiten. Auch altbekannte Features wie Geheimgeschenk sind wieder mit von der Partie, außerdem gibt es im Online-Multiplayer wechselnde, zeitlich begrenzte Turniere und andere Aktionen. Nichts Neues also in diesem Bereich, dafür aber eine solide Auswahl bekannter Möglichkeiten.

Da die Galar-Region von Pokémon Schwert & Schild an Großbritannien angelehnt ist, sind die Dörfer und Städte in typisch englischem Aussehen gehalten.


Wie schon früher müsst ihr im Spielverlauf acht Arenaleiter besiegen, das Ganze ist in Schwert & Schild aber durchaus zeitgemäß als Arena-Challenge aufgezogen.


Fazit

Was nach vielen Neuerungen klingt, ist im Endeffekt viel Bekanntes, an einigen Stellen ergänzt um ein paar Features und in der Naturzone erweitert um offeneres Gameplay als bisher bei Pokémon üblich. Das Streamlining vieler Spielmechaniken macht das Spielen zu einem angenehmeren Erlebnis als früher. Im Grunde aber setzt Game Freak auch bei der achten Generation auf das altbewährte Konzept. Schwert & Schild sind also kein großer Sprung nach vorne, die Grafik hinkt bestimmt zehn Jahre hinterher, zahlreiche Pokémon wurden gestrichen und das Endgame hat lediglich für Pokédex-Komplettisten etwas zu bieten. Man sollte sich eigentlich mehr erwarten vom umsatzstärksten Medienfranchise der Welt, das mit rund 100 Milliarden Dollar bis dato mehr Geld eingefahren hat als etwa Micky Maus und Hello Kitty! Und trotzdem: Das bekannte Konzept macht heute genauso viel Spaß wie in den ersten Generationen. Die Pokémon-Magie ist also ungebrochen. Die liebgewonnene Welt voller fantastischer Fabelwesen und die Geschichte eines Protagonisten aus einfachen Verhältnissen, der sich mit Fleiß und Arbeit bis ganz nach oben kämpft, haben nichts von ihrem anziehenden Reiz verloren. Der „American Dream“ quasi, nur als Videospiel und mit viel japanischer Kultur vermengt – und jetzt eben auch mit einem Touch Großbritannien! Diese Mixtur, so wild sie auch wirkt, ist in sich stimmig und wirkt wie ein realer Ort. Auch über 20 Jahre nach Pokémon Rot & Blau macht die Jagd nach den Monsterchen immer noch unheimlich viel Spaß und lässt über negative Punkte nicht nur hinwegsehen, sondern macht einige davon sogar gefühlt bedeutungslos. Und das muss ein Spiel auch erst mal schaffen.
Johannes Gehrling

MEINUNG Johannes Gehrling

„Vor Release war ich ziemlich skeptisch, hatte böse Befürchtungen. Eigentlich unnötig.“

Ich glaube, selten hat ein Game beim Spielen so sehr meine Meinung verändert wie Pokémon Schwert & Schild das bereits in den ersten Spielstunden getan haben. Im Vorfeld störte ich mich sehr an der mittelmäßigen Grafik und an den gestrichenen Taschenmonstern. Nur um dann beim Spielen zu merken, wie irrelevant beides für den Spielspaß im Endeffekt eigentlich ist. Ich habe Pokémon Schild Freitagnachmittag bekommen und noch am selben Wochenende durchgespielt. Auf Schlaf, Sport und andere Verpflichtungen habe ich dabei zwar nicht verzichtet, aber jede freie Minute in der Welt von Schwert & Schild verbracht. Nicht, um möglichst zeitnah mit meiner Review fertig zu werden, sondern weil es mich wieder genauso gepackt hat wie schon vor 20 Jahren bei Pokémon Rot & Blau für den Game Boy. Das darf natürlich nicht heißen, dass Game Freak nicht an den Kritikpunkten arbeiten sollte, im Gegenteil. Aber ich kann Schwert & Schild nicht aufgrund dieser Gründe schlechtreden, wenn die Spiele doch so unheimlich viel Spaß bereiten.