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Politik der kurzen Wege


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Das Satiremagazin EULENSPIEGEL - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 21.07.2022

Kapitel 48

Es ist der Satz, mit dem Jens Spahn in die Geschichtsbücher eingehen wird: »Dass wir miteinander wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen in ein paar Monaten.« Er sagte ihn im April 2020 anlässlich einer Fragestunde im Bundestag, und es ist wohl keine Überraschung, dass der ehemalige Gesundheitsminister diese treffenden Worte für den Titel seines im September erscheinenden Buches gewählt hat. Der EULENSPIEGEL darf hier exklusiv einen Auszug daraus veröffentlichen.

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Es war im Frühling des ersten Corona-Jahres. Wir kamen gerade vom Elton-John-Brunch, den Richard Grenell einmal wöchentlich auf dem Dach der US-Botschaft veranstaltete: gewaltige Rindfleischberge, mächtige Käseplatten, manchmal auch ein Piccolöchen und natürlich nur Musik von Sir Elton. Mit dem damaligen US-Botschafter und seinem Mann sind wir schon lange befreundet. Man muss Richard einfach mögen. Er pflegt einen sehr ...

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... direkten Botschafter-Stil und spricht auch schon mal unangenehme Wahrheiten aus, die in der bundesdeutschen Öffentlichkeit leider zu oft auf Ablehnung stoßen. Es müsste mehr Diplomaten wie ihn geben, die über Interviews und Talkshow-Auftritte aktiv die Politik des Gastgeberlandes mitbestimmen und wenn nötig auch mit eindeutigen Drohungen klarmachen, was die deutsche Regierung zu tun hat.

Kaum saß ich im Auto, rief ein alter Bekannter an, der seinen Namen lieber nicht in diesem Buch lesen möchte. Trotzdem führe ich das Gespräch, zumindest meinen Teil, hier in voller Länge auf, weil es ein Lehrbeispiel dafür ist, wie moderne Politik gemacht wird:

»Hallihallöchen! Wie kann ich dir helfen? … Aha. … Mhm … Medizinische Masken? … Doch, doch, immer her damit! Dass Masken gegen die Virusverbreitung nicht helfen, haben wir am Anfang doch nur gesagt, weil wir nicht genug davon hatten. Mittlerweile sind eigentlich ausreichend da. … Nee, nehmen wir natürlich trotzdem. … Nur 80 Cent in der Produktion? … Aha. … Wie viel willst du pro Stück? … Drei Euro? Ach komm, das kannst du doch besser … Zwei fünfzig? Ist das dein Ernst? … Mein Vorschlag? Nun ja, ich dachte an so was um die acht Euro. …

Was gibt’s da zu lachen? … Zu viel? Auf keinen Fall. Der Finanzminister genehmigt mir momentan jede Summe. …

Fünf Euro? Hm, ich weiß nicht. Wo ist denn dein Geschäftssinn hin? … Ach, Pandemie, Schmandemie! Sagen wir: sechs Euro pro Maske. Letztes Angebot. … Supi!

Deal. Wann kannst du liefern? … Anfang 2024? Einwandfrei. Die Details klärst du mit meinem Büro. … Ach, und noch was: Hast du schon mal was von der Firma Biontech gehört? … Kannte ich bis gestern auch nicht. Aber da solltest du dir dringend mal die Aktien anschauen.

Kleiner Tipp vom Sparkassenberater Jens. … Nichts zu danken. Ja, revanchier dich später. Wir sehen uns …«

So wird das gemacht! Das ist der Politikstil, den die Unionsparteien – von Kohl über Schäuble bis Streibl – seit jeher pflegten und pflegen. Eine Tradition, der ich mich entgegen allen Widerständen des Zeitgeists verpflichtet fühle: bürgernah, unkompliziert und freundschaftlich – eine Politik der kurzen Wege. Und wer, wenn nicht die christlichen Traditionsparteien sollten dieses alte Brauchtum in Ehren halten?!

Dass es eine erfolgreiche Politik war und ist, hatte ich mit diesem beispielhaften Telefonat, von dem es auf dieser kurzen Autofahrt noch mehrere gab, erneut unter Beweis gestellt. Auf diese Weise beschaffte ich Deutschland in kürzester Zeit teilweise hochwertige medizinische Ausrüstung in einer Menge, die bis zum Sanktnimmerleinstag oder zumindest bis zum Verfallsdatum reichen würde.

Dann, auf halber Strecke zum Ministerium, war die Chefin in der Leitung. Doch anstatt wie üblich mit einem ihrer unerträglichen Schwulenwitze anzufangen, war sie plötzlich kaum herablassend, fast sogar sachlich. Es stellte sich heraus: Auch sie kannte da jemanden, der seinerseits Kontakte zu einem Fabrikbesitzer in Taiwan hatte, der eigentlich Winkekatzen herstellt, aber die Produktion »ruckizucki« auf medizinische Masken umstellen könne.

Merkel wollte wissen, ob das Gesundheitsministerium dafür eventuell Verwendung usw.

Das brachte mich in eine Zwickmühle. Auf der einen Seite wollte ich natürlich keinesfalls irgendwelchen Merkel-Unterstützern Steuergeld in die Kriegskasse spülen.

Auf der anderen Seite konnte ich nicht nach immer mehr Masken schreien und dann dieses Angebot ablehnen.

Dass mein größtes politisches Idol neben Konrad Adenauer und Imperator Palpatine der damalige österreichische Kanzler Sebastian Kurz war, habe ich bereits erwähnt (siehe Kapitel 2, 4, 5, 7, 10–37, 39 und 42–45). Also fragte ich mich: Was würde Basti tun? Und so sagte ich nur: »Wir fahren gleich in die Tiefgarage, wir besprechen das später« und ließ mich anschließend so lange vom Sekretariat verleugnen, bis die Kanzlerin die Angelegenheit ein paar Tage später vergessen hatte.

Dass wir gleich in die Tiefgarage des Gesundheitsministeriums einfahren würden, war nicht mal gelogen, und dass man dort schlecht Telefonate führen konnte, weil man sein eigenes Wort nicht verstand, auch nicht.

Vor der Einfahrt nämlich stand, wie in letzter Zeit leider üblich, eine Handvoll lautstarker Kritiker. Anstelle einer

Maske trugen sie wie immer Feinripp-Unterhosen über dem Gesicht, waren ansonsten jedoch völlig nackt. Mit Rufen wie »Arschloch!«, »Drecksau!« und »Stirb, stirb, stirb!« stellten sie meine Qualifikation als Gesundheitsminister in Frage.

Dabei hatte ich bereits von 2005 bis 2009 im Gesundheitsausschuss des Bundestages gesessen und gleichzeitig »Politas«, eine Service-Firma für die Pharmaindustrie, gegründet und auch mehrere Immobiliengeschäfte mit Pharmavertretern abgewickelt. Behauptungen, ich würde mich in der Gesundheitsbranche nicht auskennen, entbehrten demnach jeder seriösen Grundlage.

Allerdings – so viel sei fairerweise gesagt – hatte die Chefin mich nicht aufgrund meiner Qualifikation auf diesen Posten gesetzt, sondern weil sie gedacht hatte, mich dadurch als parteiinternen Kritiker und Konkurrenten ausschalten zu können. Dabei hätte doch gerade sie besser verstehen müssen als jeder andere, dass es mir gleichgültig ist, in welchem Ministerium ich Karriere mache, solange es aufwärts geht und mein Gesicht regelmäßig in der »Tagesschau« auftaucht.

Daher kann ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, jetzt auch schon versprechen: Je länger mir der nächste Schritt und letztendlich das Kanzleramt vorenthalten wird, desto mehr Bücher werde ich schreiben, um Ihnen im Gedächtnis zu bleiben. Nach dem Werk, das Sie hier in den Händen halten, wird im Sommerloch 2023 der zugegeben etwas klamaukige Ratgeber »›Jens, der Hahn tropft‹ – Wie es wirklich ist, FDP-Chef Christian Lindner eine Wohnung zu vermieten« erscheinen. Auch ein Roman über einen einfachen Bankangestellten, der nach einem bizarren Unfall im Fitness-Studio Superkräfte entwickelt und die Welt rettet, ist bereits »in der Mache«, wie mein Ghostwriter sagen würde.

In meinem Büro angekommen, wartete schon das nächste Telefonat auf mich. Microsoft-Gründer und Philanthrop Bill Gates war am Apparat und hatte schlechte Neuigkeiten: Offenbar nahmen die Chinesen den Ausbruch des Virus, das sie selbst hergestellt hatten, so ernst, dass sie ganze Städte unter Quarantäne stellten und dadurch Lieferketten in Gefahr brachten. Bill war wirklich besorgt, weil er sein Lebenswerk in Gefahr sah.

Er fürchtete, die Nano-Chips, die wir der »Impfung« beigeben wollten, würden wohl nicht rechtzeitig bis zum Herbst fertig. Dabei war es zwingend erforderlich, dass wir die Chips in die Leute brachten, bevor sie uns auf die Schliche kamen. Denn die Kritiker vor meinem Bürofenster waren uns bereits auf der Spur.

Wie es mit der Herstellung des »Impfstoffs« doch noch klappte, wie RKI-Chef Wieler aus Angst vor der 5G-Strahlung die Verwendung von Computern in den Gesundheitsämtern verhinderte, und warum jeder normale Mensch Markus Söder die Affenpocken an den Hals wünscht, erfahren Sie in: »Dass wir miteinander wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen in ein paar Monaten« – ab Ende September in jedem gutsortierten Buchladen und in Ihrer Apotheke.

GREGOR FÜLLER