Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 5 Min.

POP NEUES AUS DERMUSIKWELT


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 06.03.2020

CD DES MONATS

Artikelbild für den Artikel "POP NEUES AUS DERMUSIKWELT" aus der Ausgabe 4/2020 von Stereo. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereo, Ausgabe 4/2020

Indie-Folk

Nadia Reid Out Of My Province

Spacebomb/Caroline

Zugegeben, das unvorteilhafte Porträtfoto auf dem Cover von Nadia Reids Durchbruchalbum „Preservation“ war nicht gerade einladend. Wer sich davon nicht abschrecken ließ, hörte jedoch eine tolle junge Künstlerin, die zu großen Hoffnungen Anlass gab. Auf dem Nachfolger werden diese jetzt aufs Schönste erfüllt. Die Indie-Folk-Sängerin macht hier in ihrer musikalischen Entwicklung einen großen Sprung nach vorne. „Fortschritt ist der Schlüssel für jeden Künstler“, merkt sie dazu an. „Ich möchte mich ständig verändern, Grenzen verschieben, ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Stereo. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Die Kopfhörer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Die Kopfhörer
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Wichtige Termine nicht verpassen!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wichtige Termine nicht verpassen!
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Sehr weit gesprungen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Sehr weit gesprungen
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von HIFI EXKLUSIV KOPFHÖRER: Werksbesuch bei T+A. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HIFI EXKLUSIV KOPFHÖRER: Werksbesuch bei T+A
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von HIFI EXKLUSIV KOPFHÖRER: STEREO FRAGEN AN T+A. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HIFI EXKLUSIV KOPFHÖRER: STEREO FRAGEN AN T+A
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Aktivierte »Reference«. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Aktivierte »Reference«
Vorheriger Artikel
KLASSIKER: WELTMEISTER!
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel BUCHKRITIK: Wenig persönlich
aus dieser Ausgabe

... mein Wachstum spüren.“

„Out Of My Province“ handelt dazu passend vom Unterwegssein, im wörtlichen wie übertragenen Sinn. Die „Roadsongs“ auf dem famosen „Reisealbum“ (O-Ton) verfasste die Neuseeländerin zum Teil auf der letzten Tournee, zum Teil in einer zweiwöchigen Klausur an der Amalfiküste in Italien. Für die Aufnahmen flog sie anschließend mit ihrem Langzeitgitarristen Sam Taylor in die USA, genauer gesagt nach Richmond in Virginia, wo sich die Spacebomb-Studios des gleichnamigen Plattenlabels befinden.

Dort fertigte Reid ganz wunderbare Indie-Folk-Lieder. Die Vorabsingle „Best Thing“, der Bläsersong „High & Lonely“, das von Streichern getragene „Heart To Ride“ und die Gänsehautballade „All Of My Love“ etwa beweisen, dass sie heute genau weiß, wie ihre Musik klingen sollte. Trey Pollard (Foxygen) und Matthew E. White (The Mountain Goats) haben alles auf den Punkt produziert. Sie erschufen großräumige Klangumgebungen, die Reid genügend Platz für ihre hypnotische Stimme und dem Hörer viele Freistellen für seine Assoziationen lassen.

Harald Kepler

Poprock

Huey Lewis And The News Weather

BMG Rights Manag./Warner

Entgegen dem Trend der schrillen Popwelt meinte Huey Lewis in den 1980ern, es sei „Hip To Be Square“ („angesagt, spießig zu sein“). Dem Bekenntnis zur bürgerlichen Lebensart bleibt der Amerikaner auch auf dem prächtigen neuen Minialbum treu. In sechs neuen Songs und einem Cover der 50s-Rarität „Pretty Girls Everywhere“ singt er erfrischend normal von Freundschaft („I Am There For You“) oder auch dem Älterwerden („While We’re Young“). The News spielen dazu einen knackig-vergnüglichen Mix aus Geradeausrock, Roots-R&B, Bläserfunk und Country. Ein großer Hörspaß - der nach nur 26 Minuten leider auch schon wieder vorbei ist.

hake

Pop

Morrissey I Am Not A Dog On A Chain BMG

Ist es überhaupt noch opportun, Morrissey zu hören? Selbst langjährige Fans haben da wohl Zweifel, seitdem der Brite in Jimmy Fallons „The Tonight Show“ einen Pin der ultrarechten Partei „For Britain“ am Jackett trug. Aber bleiben wir bei der Musik: „Bobby, Don’t You Think They Know“ stellt sich mit einer aufheulenden Orgel und Bläsern breit auf. Der Titelsong „I Am Not A Dog On A Chain“ hat die Melodie einer Smith-Nummer. Und „Love Is On It’s Way Out“ gibt sich mit Textzeilen wie „Did you see the nerve gas? Children crying“ gesellschaftskritisch. Wenn man allein die Lieder betrachtet, ist Morrissey ein großartiger Künstler.

Folk/Folk-Pop

Catherine MacLellan Coyote Idla/Alive

Ms. MacLellans op. 6 mit den ersten Originalsongs seit 16 Jahren ist einmal mehr ein Zyklus von öfter melancholischen Meditationen, wobei es sich beim Titelsong nicht um den gleichnamigen von Joni Mitchell handelt, mit der sie gelegentlich verglichen wurde. Catherine MacLellan ist mehr Prosa-Erzählerin, der poetische Anspruch nicht durchweg so hochgesteckt, und auch die Instrumentation ist konventioneller als bei Joni Mitchell. Aber Gitarren und Akkordeon, Bodhran und Fiedel, Cello und Bouzouki klingen so exzellent produziert wie ihre jederzeit biegsame Stimme. „Emmet’s Song“ ist einer der wunderbarsten Songs, den der junge Cat Stevens nie schrieb.

F. Sch.

Women Power

Lisa Bassenge Mothers Herzog Records/Soulfood

Mothers, Mütter. So bezeichnet Lisa Bassenge ihre weiblichen Idole, denen sie jetzt ein fabelhaftes Album widmet. Songs von Janis Ian, Joni Mitchell, Billie Eilish, Annie Lennox u. v. m. bietet sie hier mit Pianist Jacob Karlzon und ihrem Ehemann Andreas Lang am Bass in starken Neufassungen dar. Loretta Lynns Country-Schelte „Don’t Come Home A-Drinkin“ färben die drei mit Blue-Notes ein; Lady Gagas „Joanne“ wird zur stillen Kammermusik; und „Thin Man“ von Suzanne Vega bekommt einen Funk-Touch. Im Mittelpunkt des Albums stehen emanzipatorische Themen, die Eigenermächtigung des „schwachen“ Geschlechts ist das zentrale Anliegen.

hake

Psychedelic Pop

Tame Impala The Slow Rush Caroline/Universal

Dass das willkommene vierte Studiowerk so klingt, als wäre es aus großer Entfernung oder hinter einem Textilschleier aufgenommen worden, ist nicht Unvermögen, sondern Absicht. Kevin Parker mag’s bei aller Lust an Tanzbarem nun einmal sphärisch-diffus. Zum Discorhythmus lässt er Synthies wabern (im umwerfenden Ohrwurm „Lost In Yesterday“), seine Stimme taucht er in ein Meer aus Hall, und unzählige Tonspuren stapelt er zur psychedelischen „Symphony of Sound“ übereinander. Details gehen da oft verloren, zum Versenken in ein melancholisches Traumgefühl oder Sinnieren über den Fluss der Zeit ist das Album aber wunderbar geeignet.

hake

Progrock

Wishbone Ash Coat Of Arms SPV/Steamhammer

Das von zweistimmigen Leadgitarren dominierte „The King Will Come“ war ein Song, den in den 70ern jede Nachwuchsband im Repertoire hatte, die intellektuell etwas auf sich hielt. In den letzten Jahren nahm aber kaum noch jemand Notiz von der Art-Rock- Gruppe um Andy Powell, die ihr Debüt vor genau 50 Jahren veröffentlichte. Die Musik weist keine Highlights auf und hat sich stilistisch nicht verändert, wenngleich die Klangqualität heutigen Maßstäben entspricht. Und so kommt es, dass Wishbone Ash in diesem Jahr mit Uriah Heep und Nazareth durch Deutschlands Hallen tingelt und mit diesem Retro-Repertoire ein vermutlich überschaubares Publikum erreichen wird.

pb

Deutsch-Pop

Heinz Rudolf Kunze Die Wahrheit der Ehre Meadow Lake/Good To Go

In unseren Zeiten findet HRK genug Themen: „Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort“ entstand nach der Thüringer Wahl und dem starken Abschneiden der Nazis. Mit „Der Wahrheit die Ehre“ singt er ein Plädoyer für die Wahrheit, die von dreisten Politikerlügen in die Enge gedrängt wird. Und ertrinkende Flüchtlinge kommentiert er wütend: „Mit welchem Recht wollen wir auf das Mitleid verzichten, nur weil wir finden, dass die Bibel übertreibt?“ Gute Texte also - und wichtige. Musikalisch zeigt sich Kunzes altes Problem, dass seine Songs längst nicht so lässig klingen wie die seiner selbst genannten Vorbilder: The Clash, Springsteen, den Stones, Neil Young und Elton John.

pb

Rock

Ozzy Osbourne Ordinary Man Sony

Trotz seiner Parkinson-Erkrankung hat Ozzy Osbourne sein zwölftes Studioalbum aufgenommen. Mit dem Opener „Straight To Hell“ beweist der 71-Jährige, dass er das Rocken nicht verlernt hat. Für die packenden Gitarrenriffs zeichnet bei diesem Lied Slash verantwortlich. Sein Guns-N’-Roses- Kollege Duff McKagan bedient den Bass, und am Schlagzeug sitzt Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers. Beim getragenen Titelsong „Ordinary Man“ ist Elton John mit von der Partie; untermalt wird dieses Duett durch Klavier plus Streicher. Die Power-Ballade „Under The Graveyard“ wiederum geht ganz sanft los und macht dann einen Schlenker zum Metal. Großes Kino!

Indie-Folk

Jonathan Wilson Dixie Blur Bella Union

Wie Ethan Johns gehört Jonathan Wilson zu jener raren Spezies musikalischer Talente, die einerseits für ihre „Klienten“ ganz außerordentliche Langspielwerke produzieren und als Sessionmusikanten brillante Jobs abliefern, andererseits für eigene Solowerke gerühmt werden. Für Letztere erhielt Wilson dabei - nicht fair von der Kritik - mehr Lob als der Filius des berühmten Produzenten Glyn Johns. Beide teilen profundes musikhistorisches Wissen, lieben Folk und Country-Music genauso wie Psychedelica und die großen Künstler der Laurel-Canyon-Ära. Sie bringen dieses Wissen in eigene Arbeiten genauso ein wie in die Projekte ihrer Kunden, Wilson bei Aufnahmen mit Father John Misty, Conor Oberst und Roy Harper, Ethan Johns etwa in die Produktionen von Ryan Adams, Staves und Laura Marling.

Sein neues Album, erzählt Wilson im Pressewaschzettel, habe er wie in einem kreativen Rausch binnen sieben Tagen (deswegen der Titel „Dixie Blur“) realisieren können, weil er als großer Bluegrass-Fan mit den Nashville- Cracks im Sound-Emporium-Studio perfekt harmonierte. Erinnerungen, Sehnsüchte und Lust am Leben werden oft zu Pedal-Steel- Klängen schwelgerisch zelebriert, wobei Wilson auch mal mit sich selber im Chor singt. Mark O’Connor als der so ziemlich berühmteste Session-Crack an der Fiedel ist immer wieder sehr prominent im Mix der von Wilcos Allround- Talent Pat Sansone produzierten Songs vertreten.

Die Pop-Hymnik mit Anklängen an Psychedelic-Klassiker, Tex-Mex und Phil-Spector-Grandezza wurde perfekt realisiert. „El Camino Real“ ist das virtuose Bluegrass-Intermezzo und Songs wie „Golden Apples“ sind fast nur Vorwand für schieren Wohlklang.

Franz Schöler