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PORTFOLIO: Ferrari SF90 Stradale: GAME CHANGER


Maranello World - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 30.08.2019

Der Hypersportwagen läutet eine neue Ära in Maranello ein. Der SF90 Stradale kann als erster Ferrari rein elektrisch fahren. Und erstmals markiert ein V8 die Leistungsspitze der Modellpyramide.


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Fotos: /// Ferrari-Pressedienst

Das Jubiläumsgeschenk zum 90-jährigen Bestehen der Scuderia Ferrari ist nicht an den Rennstall gerichtet, sondern an alle Ferraristi: Der stärkste Serien-Ferrari aller Zeiten. Mit drei Elektromotoren als Unterstützung für den V8-Verbrenner vor der Hinterachse mobilisiert der moderne SF90 Stradale so viel Power wie kein Ferrari vor ihm. Das einzig altmodische ist die Einheit, in der ...

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... die Systemleistung angegeben wird: 1000 PS entsprechen 730 kW, aufgeteilt auf 574 kW aus dem Verbrennungstriebwerk und 156 kW aus drei Elektromotoren.

1000 Pferdestärken

Wer in der Formel 1 so viel Erfahrung mit dem Hybridantrieb gesammelt hat wie Ferrari, der kann bei der Konzeption und Umsetzung eines teilelektrischen Antriebskonzepts aus dem Vollen schöpfen. So kommt zur Unterstützung des aus dem preisgekrönten 488-Triebwerk abgeleiteten Biturbo-V8 (F154) ein MGU-K wie im aktuellen Formel-1-Rennwagen zum Einsatz. Das „Motor Generator Unit, Kinetic“ ist mechanisch mit dem Schaltgetriebe verbunden und kann sowohl Kraft in den Antriebsstrang einleiten als auch im Schiebebetrieb elektrische Energie rekuperieren und in das Bordnetz einspeisen. Damit werden auch die beiden Elektromotoren an der Vorderachse versorgt, die – geregelt von dem RAC-e genannten Steuerprogramm des hybriden Allradantriebs – zum Beispiel bei Kurvenfahrt gezielt einzelne Räder mit zusätzlichem Drehmoment versorgen. Der zusätzliche Grip an der Vor derachse hilft, die Systemleistung von 1000 Pferdestärken in Vortrieb umzusetzen. Und zwar sehr effizient: Der SF90 Stradale beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und in 6,7 Sekunden von 0 auf 200 km/h.

Die offizielle Präsentation des SF90 Stradale fand am 29. Mai in Maranello statt, zeitgleich mit der Trauerfeier für Niki Lauda im Wiener Stephansdom. Die versammelte FerrariFührungsriege – darunter CEO Louis C. Camilleri (kleines Bild links unten) – und die Vertreter der Scuderia gedachten des dreifachen Weltmeisters mit einer Schweigeminute.


Die beiden Vorderachsmotoren übernehmen darüber hinaus auch die Funktion des Rückwärtsgangs, denn das neue Doppelkupplungsgetriebe beherbergt nur acht Vorwärtsgänge! Und im reinen Elektro-Fahrmodus,ebenfalls ein Novum für errari, ermöglichen die beiden kompakten Elektromotoren 25 Kilometer Reichweite – mit einer Geschwindigkeiten von bis zu 135 km/h.

Neue Aerodynamik

Im Gegensatz zu den aktuellen Mittelmotor-Modellen der Marke setzt der SF90 Stradale auf ein ausgeprägtes „Cab Forward“-Design mit weit nach vorne zwischen die Radhäuser gezogener Windschutzscheibe. Damit gehört die mit dem 360 Modena vor zwanzig Jahren eingeführte „klassische“ Proportionierung der Mittelmotor- Berlinetta der Vergangenheit an, denn die neue Aerodynamik wird mit Sicherheit auch auf die kommenden Modellgenerationen Einfluss nehmen.
Die durch die enorme Leistungsausbeute des Doppelturbo-V8 entstehende Abwärme erforder- te beim SF90 Stradale große Kühlluftöffnungen und eine effizientere interne Luftführung. Mit den unvereinbaren Anforderungen von Thermound Aerodynamik stieß das klassische Ferrari- Design an eine Grenze, und so verfügt der SF90 Stradale erstmals über einen Heckspoiler, in der Techniksprache „Gurney-Flap“ genannt, mit einem verstellbaren Element. „Shut-off Gurney“ nennt Ferrari die aerodynamische Blende, die wie beim DRS in der Formel 1 die Lücke zwischen Spoiler und Motorhaube verschließt. Dadurch wird bei Kurvenfahrt im mittleren Geschwindigkeitsbereich zusätzlicher Anpressdruck auf die Hinterachse aufgebaut. Im Stadtverkehr sowie bei sehr hohen Geschwindigkeiten zieht sich die bewegliche Blende wieder in die Karosseriekontur zurück und sorgt durch freie Durchströmung für weniger Luftwiderstand.
Auch die fünf Speichen der geschmiedeten Leichtmetallfelgen sind übrigens als Flügelprofi le ausgebildet und saugen bei schneller Drehung die Luft aus den Radhäusern, um die Bremsen zu kühlen und gleichzeitig den Luftwiderstand des Gesamtfahrzeugs zu verringern.

Mit seinem ausgeprägten CabForwardDesign und eingezogenen Flanken im Bereich der CSäule führt der SF90 Stradale ein neues Grundmotiv ein, das die kommenden BerlinettaGenerationen prägen dürfte.


Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine

„Human machine interface“ (HMI) bezeichnet den Fahrer-Arbeitsplatz, dessen Gestaltung Ferrari schon seit jeher besondere Bedeutung beimisst. Im Grunde geht es um die von der Rennstrecke abgeleitete Regel „Augen auf der Straße, Hände am Lenkrad“, und so setzt der SF90 Stradale seinen Piloten zwanzig Millimeter tiefer und einige Zentimeter näher zu den gelenkten Vorderrädern und spendiert ihm ein großes Blickfeld durch die flache Windschutzscheibe. Die Cockpitgestaltung unterscheidet sich stark von den Vorgängermodellen. So verfügt das Lenkrad jetzt über ein Touchpad und eine Reihe von Tasten, mit denen der Fahrer praktisch jeden Aspekt der Fahrzeugeinstellung einfach mit dem Daumen steuern kann. Das zentrale Kombiinstrument verfügt, erstmals in einem Auto, über einen gewölbten 16-Zoll-HD-Bildschirm, der über die Bedienelemente am Lenkrad konfiguriert und kontrolliert werden kann. In der Standardkonfiguration prangt in der Mitte des Displays der traditionelle große Drehzahlmesser, der im SF90 Stradale von einer Batterieanzeige flankiert wird.
Eine Ferrari-Premiere ist die Zündung ohne Schlüssel, die über kurz oder lang in der gesamten Fahrzeugpalette eingeführt wird. Der „Funkschlüssel“ ist ein hochwertiges Designobjekt in Form einer Plakette, die dank eines speziellen Fachs im Mitteltunnel zum integralen Bestandteil der Innenausstattung wird.

Die Informationszentrale mit gebogenem 16ZollDisplay und DaumenTouchpad am Lenkrad (oben). Der Schlitz unter dem Heckspoiler zwischen den Rückleuchten kann wie eine DRSKlappe mit einer Blende verschlossen werden, um den Anpressdruck an der Hinterachse zu erhöhen.


Unkonventionelle Technik vom Feinsten

Der auf dem 488-Triebwerk basierende Biturbo- V8 hat nach dem Aufbohren fast vier Liter Hubraum und schöpft daraus 780 PS –¤mehr als jeder andere V8 in der Ferrari-Geschichte. Die Zylinderköpfe wurden überarbeitet und mit größeren Einlassventilen versehen, die Kraftstoffeinspritzung arbeitet nun mit 350 bar Systemdruck. Die phänomenale Literleistung von 195 PS/l geht einher mit einem Spitzendrehmoment von 800 Nm – auch dies ein Ferrari-V8-Rekord.
Vier Antriebsmodi stehen dem Fahrer zur Verfügung, die er über das Manettino im Lenkrad auswählen kann. Neben dem reinen Elektrobetrieb („eDrive“) ist „Hybrid“ die Standardauswahl. Hier regelt die Steuerelektronik selbständig das effiziente Zusammenspiel von Verbrennungsmotor und Elektromotoren und schaltet den V8 mitunter auch komplett aus. Im „Performance“-Modus läuft der Verbrenner stets – nicht zuletzt, um die Batterie für die Zusatzmotoren zu laden und das elektrische Leistungs-Plus immer abrufbereit zu halten. Und im „Qualify“-Modus schließlich sind die drei Elektromotoren mit ihrer vollen Leistung von 162 kW freigeschaltet – ohne Rücksicht auf Energiesparmaßnahmen bis zur kompletten Entladung der Batterie.
Der elektrische Allradantrieb mit seinen verschiedenen Bauteilen bringt stolze 270 Kilo auf die Waage, die zwar von den 220 zusätzlichen Pferdestärken locker kompensiert werden, jedoch einige Verstärkungen im Chassis erforderlich machten. Dennoch gelang es den Ingenieuren, die Fahrzeugmasse unter 1570 kg zu halten und somit ein beeindruckendes Leistungsgewicht von 1,57 kg pro PS zu erzielen.
Das reicht übrigens, um die Fiorano-Bestzeit des La Ferrari um eine volle Sekunde zu unterbieten und dem bisherigen Topmodell aus Maranello 64 Meter abzuknöpfen, wie die Auto Zeitung errechnet hat.
Mit dem SF90 Stradale beginnt die Neuzeit bei Ferrari, und es steht zu erwarten, dass alle kommenden neuen Hybrid-Modelle auf seiner Technologie basieren. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern – 288 GTO, F40, F50, Enzo, LaFerrari – ist der SF90 Stradale nicht limitiert und soll sich auch preislich nicht so weit von der Kollektion entfernen. Anders als die anderen genannten Hypercars bemüht sich der SF90, als Teil der Modellpalette angesehen zu werden. Und wer weiß – vielleicht rücken ihm die neuen Modelle der nächsten Generation dichter auf die Fersen als wir uns das heute vorzustellen vermögen.