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PORTFOLIO: LEBENDE LEGENDEN


fotoMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 21.09.2018

Was immer an der Fotografie „Made in Germany“ auch geschätzt wurde: Letztlich waren es die herausragenden Persönlichkeiten, die auf dem globalen Bildermarkt Anerkennung fanden. Noch heute erzählt uns die „Generation Ü70“ von einer Fotografie, die nicht immer schrill und bunt, dafür aber stets bedeutsam war. Hier sind unsere Top Ten der lebenden Legenden in der deutschen Fotoszene.


PETER LINDBERGH

Artikelbild für den Artikel "PORTFOLIO: LEBENDE LEGENDEN" aus der Ausgabe 100/2018 von fotoMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

FOTO: © MANFRED ZOLLNER

Nach dem Tod von Helmut Newton ist Peter Lindbergh der wohl letzte große „Mr. Fashion“ in der internationalen Magazinfotografie. Dass Lindbergh, der in den 80er-Jahren Karriere als Fotograf ...

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Nach dem Tod von Helmut Newton ist Peter Lindbergh der wohl letzte große „Mr. Fashion“ in der internationalen Magazinfotografie. Dass Lindbergh, der in den 80er-Jahren Karriere als Fotograf für die italienische wie die amerikanischeVogue sowie fürHarper‘s Bazaar machen konnte, noch heute ein ausgesprochenes Faible für „Eye Candy“ hat, mag der 1944 in Lissa geborene Lindbergh mit in die Wiege gelegt bekommen haben: Sein Vater war Handelsvertreter für Bonbons und Süßwaren. Lindbergh selbst trieb es in die bildende Kunst. Er studierte Malerei und unternahm zahlreiche Bildungsreisen quer durch Europa. In den 1970er-Jahren wandte er sich der Fotografie zu und feierte mit seinen sehr klassischen Schwarzweißbildern, die sich formal am europäischen Vorkriegsfilm sowie an der Kunst der Avantgarden anlehnten, große Erfolge. Bald kehrte er seiner deutschen Heimat den Rücken und lebt heute in Paris, New York und Arles.

F.C. GUNDLACH

Das Werk von Franz Christian Gundlach ist unerschöpflich. Alleine für die Zeitschrift„Film und Frau“ hat der 1926 in Heinebach geborene Fotograf und Sammler in nur 13 Jahren 100 Titelbilder und 2.500 redaktionell betreute Seiten fotografiert. Für die„Brigitte“ , für die er seit den 60er-Jahren arbeitete, sollen es gar über 180 Cover und mehr als 5500 Seiten gewesen sein. Hinzu kamen Bildstrecken für Konstanze, Stern oder Quick sowie Werbeaufnahmen für die Kernmarken des Wirtschaftswunderlandes:Lufthansa oderFalke Fashion . Nicht jedes Foto war ikonisch. Unzählige aber sind zu Chronozeichen der frühen Bundesrepublik geworden. Früh fing Gundlach an, eine bedeutende fotografische Sammlung aufzubauen, die heute den Grundstock der Sammlung im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen bildet, dessen Gründungsdirektor Gundlach zwischen 2003 und 2005 war.

KATHARINA SIEVERDING

FOTO: © KLAUS METTIG/ VG BILDKUNST/ GALERIE THOMAS SCHULTE

Die vielleicht wichtigsten Impulse hat die Fotografie immer von Außen bekommen. Katharina Sieverding etwa, eine der wichtigsten Impulsgeberinnen der modernen deutschen Fotografie, hat zunächst in Hamburg Bühnenbild und anschließend in der Klasse von Joseph Beuys Bildhauerei studiert. Ab 1975 hat sich Sieverding ganz der großformatigen Fotokunst verschrieben. Politik, Zeitgeschehen, Medienkritik und bildnerisches Experiment prägen seither ihre riesenhaften Werke, mit denen sie unter anderem auf der fünften, sechsten und siebten documenta in Kassel sowie auf zahlreichen Biennalen von Venedig vertreten war. Stilbildend wurde die 1945 in Prag geborene Fotografin auch als Professorin für Medienkunst an der UdK in Berlin. In den Klassen der 2004 mit dem begehrten Kaiserring der Stadt Goslar ausgezeichneten Künstlerin studierten unter anderem so angesagte Gegenwartskünstlerinnen wie Jorinde Voigt oder Heike Baranowsky.

FLORIS M. NEUSÜSS

FOTO: © FLORIS M. NEUSÜSS/ COURTESY OF THE ARTIST

Der 1937 in Remscheid geborene Fotograf und Hochschullehrer Floris Michael Neusüss blickt auf ein Werk zurück, mit dem er in den 1960er Jahren dort weitermachen wollte, wo Krieg und Nationalsozialismus unvorstellbare Wüstungen hinterlassen hatten: Neusüss interessierte sich für die Formensprachen und die Experimente der europäischen Avantgarden – besonders für die Kunst des Fotogramms, wie sie einst von Man Ray oder Lázló Moholy-Nagy entwickelt wurde. Zu verdanken hatte Neusüss sein Interesse an der kameralosen Fotografie seinem einstigen Lehrer Heinz Hajel-ualke – einem heute oft vergessenen Experimentator und Alchemisten der Dunkelkammer, der besonders in der Nachkriegszeit zum Scharnier zwischen Gestern und Morgen werden sollte. Doch wo die Avantgardisten von einst lediglich Schrauben oder Küchenutensilien auf die lichtempfindlichen Fotopapiere legten, da ging Neusüss einen entscheidenden Schritt weiter: In Anlehnung an die damals aufkommendeBody Art legte er entblößte Frauenkörper auf riesige Papierbögen – mal dicke, mal schlanke, mal große, mal kleine. Mit seinen riesigen Schattenrissen wurde der spätere Professor an der Kunsthochschule Kassel zum Erfinder des sogenannten„Nudogramms“ – einer Bildform, die noch heute international Beachtung findet.

ANNA BLUME

Mitte der 1960er-Jahre wurde aus der westfälischen Fotografin Anna Helmig ein gutes Stück deutscher Kulturgeschichte. Damals nämlich lernte die 1937 geborene Helmig ihren gleichaltrigen Kommilitonen Bernhard Blume an der Kunstakademie in Düsseldorf kennen. Kurze Zeit später wurde aus Anna Helmig Anna Blume – eine Frau, die man aus einem berühmten Gedicht von Kurt Schwitters zu kennen meinte; die bald aber ebenso durch unzählige fotografische Bildsequenzen Berühmtheit erlangte. Mit ihren ironischen und verspielten Selbstinszenierungen wurden Anna und Bernhard Blume in den 1980er- und 90er-Jahren zu den wichtigsten Protagonisten der internationalen Fotokunst. Mal nahmen Sie auf ihren schwarzweißen, oft etwas verschwommen erscheinenden Bildern tradierte Geschlechterrollen auseinander, mal illustrierten sie die Missverständnisse in der menschlichen Kommunikation. Erst mit dem Tod von Bernhard Blume im Jahr 2011 endete die vielschichtige Lebens- und Bildgeschichte dieses herausragenden Foto-Duos.

GOTTFRIED JÄGER

FOTO: © COURTESY GOTTFRIED JÄGER

Schon früh hatte der 1937 in Burg geborene Gottfried Jäger ein Faible für die Elementarteilchen der technischen Bilder: für Licht, Körnung oder Papier. Das mag damit zu tun gehabt haben, dass Jäger zunächst Fotoingenieurswesen an der Staatlichen Höheren Fachschule für Photographie in Köln studierte, bevor er sich in den frühen 1960er-Jahren vermehrt der bildnerischen Qualität der Fotografie zuwandte. Stets aber zeigte er sich begeistert für jene Kunstströmungen, die die formalen Voraussetzungen des Bildermachens untersuchten: Konkrete Kunst und Informationsästhetik. 1969 gründete Jäger zusammen mit Pierre Cordier, Kilian Breier und Hein Gravenhorst die Gruppe„Generative Fotografie“ , die in den folgenden Jahren stilbildend für eine neue fotografische Abstraktion wurde. Mit seinem Lehrstuhl an der FH Bielefeld sorgte er dafür, dass seine experimentelle Fotografie ein breites Echo fand. In den 90er- und 2000er-Jahren wurde es ruhig um die sogenannte „Bielefelder Schule“. Heute feiert Jäger am internationalen Kunstmarkt wieder große Erfolge.

WALTER SCHELS

FOTO: © WALTER SCHELS

Kaum ein Fotograf hat so sehr die Randgebiete der menschlichen Existenz untersucht, wie der 1936 in Niederbayern geborene Walter Schels. Nach einer Ausbildung zum Schaufensterdekorateur ging er Mitte der 60er-Jahre als freier Fotograf in die USA, wo er vielen damaligen Legenden der Magazin- und Werbefotografie assistierte. Nach seiner Rückkehr machte sich Schels als Werbe- und Magazinfotograf selbständig und rückte zunehmend die unbekannten Zonen des Daseins in den Fokus seiner Kunst: Schels fotografierte Neugeborene, Sterbende und Tote, er portraitierte Tiere, spirituelle Führer und weltbekannte Künstler. Sein wesentliches Interesse: die menschliche Seele. Ihr hat er bis heute unzählige Magazinseiten und zahlreiche Bestseller der Fotobuch-Literatur gewidmet.

BARBARA KLEMM

FOTO: © GUSTAV ECKERT/ GALERIE KUNST KONTOR SEHMSDORF

Ihre Stilsicherheit auf den großen Bühnen der Weltpolitik hat Barbara Klemm vermutlich schon in ihrer Kindheit mitbekommen. Als Tochter einer adeligen Mutter und eines renommierten Professors für Kunstgeschichte, lernte Klemm nicht nur Benimm und Contenance; die 1939 geborene Münsteranerin kam auch früh mit der Fotografie in Berührung. Zunächst absolvierte Barbara Klemm eine Ausbildung zur Portraitfotografin und ging dann als Fotolaborantin zurFrankfurter Allgemeinen Zeitung . Bald wagte sie sich aus der Dunkelkammer heraus und begann eigene redaktionelle Beiträge zu illustrieren – zunächst als freie Mitarbeiterin, von 1970 bis 2005 als feste Redaktionsfotografin der Zeitung. In dieser Position gelangen ihr unvergessliche Aufnahmen von den prägendsten Figuren der deutschen Zeitgeschichte: Willy Brandt, Heinrich Böll oder Helmut Schmidt. Ihr Markenzeichen: der wie beiläufig beobachtende Blick.

TIMM RAUTERT

FOTO: © BERNARD FUCHS/ GALERIE PAROTTA CONTEMPORARY ART

Timm Rautert markiert einen Epochenbruch. 1941 in Tuchel geboren, war es dieser stets freundlich und zurückhaltend auftretende Bildermacher, der im legendären Jahr 1968 zum Vatermord ansetzte. Als Studierendensprecher an der Folkwang Hochschule in Essen wagte es Rautert, dem legendären Otto Steinert entgegenzutreten: Man solle die Bewertung und die Noten abschaffen, so Rauterts revolutionäre Forderung. Das Alte war vergangen, allmählich schien die deutsche Bildsprache neu zu werden. Kurz darauf ging Rautert nach New York, wo ihm unter anderem eine noch heute berühmte Portraitaufnahme Andy Warhols gelang. Später wurde er einer der wichtigsten Bildreporter für dasZEITmagazin . Im Team mit dem schreibenden Journalisten Michael Holzach gelangen ihm wichtige Reportagen über soziale Missstände in der Bundesrepublik oder über das Leben fundamentalistischer Christen in den USA. Einen zweiten Frühling erlebte Rautert nach der Wiedervereinigung: Er wurde Hochschullehrer an der legendären HGB Leipzig und förderte neue Talente wie Tobias Zielony oder Ricarda Roggan.

THOMAS HOEPKER

FOTO: © GALERIE JOHANNA BREESE

Thomas Hoepker ist einer der letzten großen deutschen Fotoreporter. 1936 in München geboren, studierte der spätere Präsident der FotoagenturMagnum zunächst Kunstgeschichte und Archäologie, gab seinem Leben in den 50er Jahren aber eine neue Wendung. Hoepker begann seinen Lebensunterhalt mit Fotos zu verdienen. Früh gelang es ihm, seine Aufnahmen in den damals angesagten Magazinen zu platzieren: InTwen oderKristall . 1964 holte Henri Nannen den Münchner nach Hamburg, wo er als Redaktionsfotograf beim MagazinStern begann. Im Kreis von Legenden wie Robert Lebeck oder Stefan Moses etablierte sich Hoepker zunächst als Korrespondent für den politischen Osten. In den 1970er-Jahren wurde er der erste akkreditierte Bildreporter in der damaligen DDR. 1976 ging Hoepker nach New York, wo er bis heute seinen ersten Wohnsitz hat. Seine Bilder vom Drill in der US-Armee oder vom Schock des 11. September 2001 haben Geschichte geschrieben und den deutschen Fotojournalismus erneut auf Weltniveau gehoben.


FOTO: © ANNA UND BERND BLUME/ GALERIE HEINZ HOLTMANN