Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 10 Min.

PORTRÄT: Eigenbau Airbus A330-300 von Andreas Gfeller EDELWEISS


FMT Flugmodell und Technik - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 26.09.2019

„Hallo Beat, hörst du mich? Ich sitze gerade in einem Kleinflugzeug und der Motor läuft bereits. In wenigen Augenblicken rolle ich mit meinem Flugschüler zum Start für einen Schulungsflug.“ Mit diesen Worten meldete sich Andreas Gfeller aus Stans am Handy, als ich mit ihm einen Termin zur Besichtigung seiner gigantischen Airbus A330-300 vereinbaren wollte. So beginnt die Geschichte über einen begnadeten Modellbauer und sein phantastisches Unikat. Seit seiner Kindheit trägt Andreas den „Virus Aviatikus“ in sich. Mit dem Bau des A330-300 hat er den Olymp der Elektrojetfliegerei erklommen.


Artikelbild für den Artikel "PORTRÄT: Eigenbau Airbus A330-300 von Andreas Gfeller EDELWEISS" aus der Ausgabe 10/2019 von FMT Flugmodell und Technik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FMT Flugmodell und Technik, Ausgabe 10/2019

Nun sitze ich an ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von FMT Flugmodell und Technik. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2019 von VERBÄNDE UND VERANSTALTUNGEN: 25 Jahre Jeti Model Meeting. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VERBÄNDE UND VERANSTALTUNGEN: 25 Jahre Jeti Model Meeting
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von 25 Jahre Flying Circus: Jubiläum mit FMT-Bauplan-Wettbewerb. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
25 Jahre Flying Circus: Jubiläum mit FMT-Bauplan-Wettbewerb
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von VERBÄNDE UND VERANSTALTUNGEN: SPORT-WING-SPASS: Einsteiger-Workshop und Fun-Wettbewerb Wing-Golf. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VERBÄNDE UND VERANSTALTUNGEN: SPORT-WING-SPASS: Einsteiger-Workshop und Fun-Wettbewerb Wing-Golf
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von VORBERICHT: TOP-ZUSAGEN Stars des Jahres bei der Faszination Modellbau. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VORBERICHT: TOP-ZUSAGEN Stars des Jahres bei der Faszination Modellbau
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von KOLUMNE: Schritt für Schritt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KOLUMNE: Schritt für Schritt
Titelbild der Ausgabe 10/2019 von INTERVIEW & REPORT „Es ist nicht immer leicht, die Zukunft vorherzusehen” FMT-Interview zum Horizon Airmeet mit Chris Dickerson und Jake Ambrose. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
INTERVIEW & REPORT „Es ist nicht immer leicht, die Zukunft vorherzusehen” FMT-Interview zum Horizon Airmeet mit Chris Dickerson und Jake Ambrose
Vorheriger Artikel
INTERVIEW & REPORT „Es ist nicht immer leicht, die Zuku…
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel REPORT: Air Cargo Challenge 2019 in Böblingen: LASTENFLIEGER
aus dieser Ausgabe

... einem Tisch im Baulokal der Segelfluggruppe Nidwalden auf dem Flugplatz in Buochs. Mir gegenüber Andreas Gfeller, mit dem ich folgendes Gespräch führen darf.

FMT: Andreas, wie bist du zur Aviatik gekommen?

Andreas Gfeller: Ich wurde im Jahre 1943 in Sumiswald geboren und war bereits in meiner Schulzeit vom Modellflug fasziniert. Dieser steckte damals aber noch in den Kinderschuhen. Es gab noch keine Baukästen, die käuflich zu erwerben waren. Deshalb baute ich mir Freiflugmodelle aus Karton und Holz. Mit dem ersten Taschengeld erwarb ich dann meine erste Fernsteuerung von Metz, damals noch eine TipTip-Anlage. Begeistert habe ich mich für alle Sparten der Modellfliegerei, wobei der Scale-Modellbau von Großmodellen eine besondere Faszination auf mich ausübt. 1976 habe ich eine DC-9-30 mit Propeller-Verbrennerantrieb gebaut und 1985 eine MD- 80 mit zwei Verbrenner-Impellern, welche damals aufkamen. Beruflich habe ich eine Lehre als Feinmechaniker gemacht und bin durch anschließende Weiterbildungen bis zum Leiter eines in der Luftfahrtbranche tätigen Unternehmens aufgestiegen. Dies hat dazu geführt, dass ich nun schon seit vielen Jahren in Stans wohne. Seit 55 Jahren besitze ich das Flugbrevet (Pilotenschein) für Segelund Motorflug und bin auch als Fluglehrer für Motorflugzeuge tätig. Dank meiner guten Gesundheit darf ich auch nach meiner Pensionierung meine Passion Aviatik immer noch in vollen Zügen genießen.

FMT: Was hat dich bewogen, das Projekt Airbus A330-300 in Angriff zu nehmen?

Andreas Gfeller: Nachdem die Zeit der Verbrenner-Impeller vorbei war, baute ich ab 1994 mehrere Eigenbauturbinen. Da ich 1976 und 1985 schon Teile von Norbert Rauch für meine DC-9 und MD-80 erworben hatte, kontaktierte ich ihn 2002 wieder, mit der Bitte, mir eine GFK-Rumpfnase und das Heckteil für eine A330 zu schicken.

Eine Auswahl der Schneideschablonen für den Flügel und den Rumpf.


Der Erbauer des A330-300 Andreas Gfeller hat ein Faible für Airliner.


Die untere Balsabeplankung der Flügel mit vorbereiteten CFK-Verstärkungen.


Die Flügelsegmente wurden vor dem Beplanken zusammengeklebt.


FMT: Wie ging es dann weiter?

Andreas Gfeller: Außer den erwähnten Teilen von Norbert Rauch plante ich, alles selbst herzustellen. Der Plan sah vor, dass die Flügel, die Rumpfröhre und die Höhenleitwerke in Styro-Balsabauweise erstellt werden. Die pneumatischen Fahrwerke sollten ebenfalls komplett in Eigenregie hergestellt werden. Dessen Bewegungsabläufe mussten berechnet werden und, und, und… Die ganze Planungsphase von so einem komplexen Modell, das noch möglichst scale sein soll, ist gewaltig.

Funktionstest der Bremsklappen im Rohbauzustand.


Fahrwerkseinbau: Sichtbar ist der Radschacht im Mittelteil. Man beachte die hängende Position der Hauptfahrwerksbeine, die pneumatisch vor dem Einfahren waagerecht aufgerichtet werden.


Aufbau des abnehmbaren Flächenmittelteils: Es wird mit dem Rumpf verschraubt und stellt gleichzeitig die Verbindung zu den Außenflächen her.


FMT: Hattest du Originalunterlagen zur Verfügung?

Andreas Gfeller: Ja, sowohl die Fluggesellschaft Edelweiss als auch Swiss haben mich unterstützt, wo sie nur konnten. Nebst Planunterlagen, vielen Detailbeschreibungen bis hin zu den RAL-Nummern der Originalfarben wurde mir alles zur Verfügung gestellt. Die Edelweiss-Bemalung habe ich übrigens gewählt, weil ich mit dieser Maschine in die Ferien flog und ich etwas Spezielles wollte.

FMT: Wann hast du mit dem eigentlichen Bau begonnen?

Andreas Gfeller: Mit den Fahrwerken, die doch sehr komplex sind, habe ich in der Zeit, als ich noch im Berufsleben stand, angefangen. Diese Arbeiten kamen aber eher schleppend voran, da mich mein Beruf und mein anderes Hobby als Fluglehrer und Schlepppilot stark forderten. Der eigentliche Startschuss fiel vor drei Jahren, als ich mir sagte, jetzt oder nie. Glücklicherweise konnte ich für den Bau des Modells auf die Werkstatt der Segelfluggruppe Nidwalden zurückgreifen. Hier sind alle not wendigen Maschinen vorhanden und auch der Platz für den Zusammenbau ist ausreichend.

FMT: Kannst du mir etwas über die Konstruktion erzählen. Beginnen wir mit dem Rumpf.

Der Einbau und das Ausrichten der Fahrwerke erfolgten mit großer Präzision. In den offenen Schächten im Vordergrund werden später die Regler platziert.


Andreas Gfeller: Wie schon eingangs erwähnt, habe ich vor vielen Jahren die Rumpfnase und das Rumpfheck von Norbert Rauch gekauft. Diese Teile waren also gegeben. Der Mittelrumpf besteht aus einer beplankten Styroporröhre. Um diese zu schneiden, habe ich ganz konventionell zuerst Schneideschablonen hergestellt. Glücklicherweise durfte ich zum Schneiden der Styroporteile auf die Unterstützung meines Modellflugkollegen Walter Schocher zählen, der immer wenn Not am Mann war, geholfen hat. Die ausgeschnittene Rumpfröhre wurde innen und außen mit Balsa beplankt, wobei ich an stark belasteten Stellen zusätzliche CFK-Verstärkungen anbrachte. Alle Verklebungen wurden mit R&G-Luftfahrtharz vorgenommen. Gepresst habe ich diese Teile nicht etwa mit Vakuum, sondern ganz einfach mit mehreren Schraubzwingen. Nachdem die Röhre fertig war, wurde diese mit der Rumpfnase und dem Heckteil verheiratet. Die Konstruktion der Flügelaufnahme war sehr herausfordernd. Im Nachhinein würde ich dieses heute allerdings anders lösen. Dort wo der Flügel platziert ist, habe ich ein Mittelteil gebaut, welches einerseits mit dem Rumpf verschraubt wird und andererseits als Aufnahme für die Flügelbefestigung dient. Gleichzeitig wurden auch die beiden Regler dort untergebracht und auch die Radschächte inklusive der Hauptfahrwerksklappen befinden sich dort. Ebenfalls Aufnahme finden die Rohre für die Flügelsteckung und diverse elektrische und pneumatische Leitungen. Das Ganze ist relativ schwierig zu beschreiben, aber ich glaube die Bilder sind selbsterklärend.

Das Mittelteil von unten mit den geöffneten Radschächten, den Hauptfahrwerksklappen mit den entsprechenden Zylindern. Die Reglerschächte werden später mit einem Kühlungsgitter verschlossen.


Erster Zusammenbau! Das manntragende Segelflugzeug links lässt die Größe der A330-300 erahnen.


Die Bugradsteuerung erfolgt mittels Seilzügen.


Detailansicht des Bugfahrwerksbeines. Alles wurde selbst hergestellt. Die Landescheinwerfer sind voll funktionsfähig.


Auch die Hauptfahrwerke wurden selbst gebaut. Die Bremsen wirken auf die beiden Hauptfahrwerke und sind pneumatisch.


Der Rohbau wurde vollständig grundiert. Was folgt, ist spachteln, schleifen und wieder von vorne… Diese Fleißarbeit wird später mit einer perfekten Oberfläche belohnt.


Die Bugfahrwerksklappen sind vierteilig. Diese können in verschiedenen Kombinationen geöffnet und geschlossen werden.


FMT: Deine Schilderungen sind sehr beeindruckend. Eine immense Arbeit. Wie hast du die Flügel konstruiert?

Andreas Gfeller: Never change a winning team – auch hier bin ich meiner erprobten Styro-Balsa-Bauweise treu geblieben. Da der einzelne Flügel aus vier Segmenten aufgebaut wurde, musste ich verschiedene Schneiderippen anfertigen. Als Profil wurde das Original-Airbus-Profil verwendet, wobei kleinere Anpassungen in der Profildicke wegen des Fahrwerks nötig waren. Die Herstellung der Flächenkerne war sehr herausfordernd, musste doch bereits auch die Flügelschränkung dabei berücksichtigt werden und die ist nicht ohne. Sie verläuft von der inneren Rippe mit +5,7° nach außen auf -3,0°. Nachdem die diversen Schneidevorgänge zu meiner vollsten Zufriedenheit vollbracht waren, wurden die einzelnen Segmente zusammengeklebt und anschließend wieder mit Balsaholz – und CFK-Verstärkungen an stark belasteten Stellen – verklebt. Zum Pressen kam wieder die „Schraubzwingen-Methode“ zur Anwendung. Bevor die Flügel definitiv beplankt wurden, wurden natürlich die elektrischen und pneumatischen Leitungen gelegt und auch die Klappen und die Servopositionen fixiert und entsprechend vorbereitet. Nach der Herstellung der großen Teile sah man bald, was für ein Riesenvogel hier am Entstehen ist. Aber bekanntlich liegt der Teufel im Detail.

FMT: Genau, und hier möchte ich einhaken. Du hast vorher erwähnt, wie herausfordernd die Flügelkonstruktion war. Kannst du noch etwas ins Detail gehen?

Andreas Gfeller: Die beiden einzelnen Flügel werden über zwei Kohlerohre am Mittelteil des Rumpfes angesteckt. Mehrere elektrische und pneumatische Kabelbäume werden an der Flügelwurzel mittels Stecker verbunden. Die beiden Triebwerksgondeln sind mit einem 20×2-mm-Kohlefaserrohrzapfen und mit M5-Schrauben fix am Flügel montiert. Wie schon erwähnt, habe ich die pneumatischen Fahrwerksmechaniken und die Beine selber angefertigt. Natürlich sind auch pneumatische Bremsen eingebaut. Wie wir alle schon beim Original gesehen haben, sind die Hauptfahrwerke vor der Landung nach hinten unten geneigt. Dies habe ich natürlich auch bewerkstelligt. Diese Bewegung wird mit pneumatischen Zylindern gemacht. Nach dem Start werden die Fahrwerke in die Waagrechte gestellt und nachher eingezogen und die Klappen geschlossen.

Die Neigung der Hauptfahrwerksbeine wird ebenfalls mit pneumatischen Zylindern hergestellt. Geneigt in der Landekonfiguration und waagrecht in der Einzugsposition.


FMT: Stichwort Klappen. Wie hast du das gelöst?

Andreas Gfeller: Auch hier habe ich mich an die Originalunterlagen gehalten. Mit Ausnahme der Vorflügel – auf diese habe ich verzichtet. Irgendwo musste ich ja einen Punkt setzten. Also habe ich „nur“ die inneren und äußeren Landeklappen, die Bremsklappen und natürlich die Querrruder eingebaut. Als Servos wurden für die Lande- und Bremsklappen CHOCOmotion FOX HV 15/15 und für die Querruder KST X10 digital verwendet. Die Bewegungen der inneren und äußeren Landeklappen erfolgen zeitlich verzögert. Zuerst fährt die Innere nach unten und eine Sekunde später folgt die Äußere nach.

FMT: Noch etwas zu den Antrieben. Weshalb hast du dich für den Einbau von Elektroimpellern entschieden?

Andreas Gfeller: Wegen der Herausforderung! Es wäre sicher einfacher gewesen, zwei Turbinen einzubauen. Von denen hätte ich noch mehrere „im Lager“. Im Weiteren sieht der Elektroimpellerantrieb in den Gondeln viel besser aus. Ich hatte während meiner Modellfluglaufbahn schon immer eine große Leidenschaft für Airliner. Zuerst solche mit Propellerantrieb, dann diejenigen mit Verbrennerimpeller, anschließend kam die Zeit der Turbinen und jetzt ganz zeitgemäß der Elektroantrieb. Zuerst habe ich mir natürlich selber Gedanken und Berechnungen gemacht, ob ein solcher Riesenvogel überhaupt elektrisch fliegen kann. Nachdem ich festgestellt hatte, dass das Projekt machbar ist, wandte ich mich an die Firma Schübeler, welche mir in jeglicher Hinsicht tolle Unterstützung bot. An dieser Stelle herzlichen Dank an Christian Wileschek. Seiner Empfehlung folgend, wurden zwei DS 94 DIA HST mit den Motoren DSM 6740-650 und den beiden Reglern MGM 25063-3X Series verwendet. Jeder Antrieb bezieht die Energie aus 14 LiPo-Zellen mit 6.000 mAh. Nebst den Antrieben lieferte mir Schübeler auch die beiden Triebwerksgondeln, welche perfekt zu den Impellern passen. Aus Platzgründen konnten die Regler nicht direkt bei den Impellern platziert werden. Diese finden Aufnahme im Flügelmittelteil.

Der Fahrwerksschacht befindet sich im Mittelteil. Die Klappe wird pneumatisch betätigt. Sogar die Beschriftungen im Schachtinnern wurden angebracht. Sichtbar sind auch die elektrischen und pneumatischen Steckverbindungen.


Insgesamt vier Klappen befinden sich am Flügel: innere und äußere Landeklappen, die Bremsklappe und das Querruder.


Als Regler werden zwei MGM 25063-3X-Series verwendet. Diese sind im Mittelteil untergebracht, da sie aufgrund der Profilhöhe im Flügel keinen Platz finden.


Zur Anlenkung der Höhenruder werden KST MS-3509HV-Digitalservos eingesetzt. Zwei kräftige Hebel und kurze Gestänge sorgen für eine spielfreie Anlenkung.


Im vorderen Teil der Rumpfröhre sind zwei miteinander verbundene Lufttanks untergebracht. Die beiden Akkupacks finden unterhalb der beiden Lufttanks Platz.


Die Akkupacks werden an einem mit CFK verstärkten Brett befestigt. Dieses wird dann nach vorne geschoben und fixiert. So lässt sich auch der Schwerpunkt perfekt einstellen.


FMT: Kommen wir zum Höhenleitwerk. Gibt es hier etwas Spezielles zu berichten?

Andreas Gfeller: Als Profil kam hier ein laminares NACA-Profil zur Anwendung. Die beiden Höhenleitwerke sind demontierbar mit dem Rumpf verbunden. Diese können im Gegensatz zum Original, welches zu Trimmzwecken verstellt wird, nicht bewegt werden. Die EWD ist fix 3,22°. Die beiden Servos KST MS-3509HV digital für die Ruderanlenkung wurden im Rumpf eingebaut. Über kräftige Umlenkhebel werden die Ruderflächen unsichtbar angelenkt.

FMT: Mich hat die Oberfläche am ganzen Modell beeindruckt. An Perfektion kaum zu überbieten. Keine Delle oder Unebenheit, absolut nichts. Wie hast du dies hinbekommen?

Andreas Gfeller: Hier gibt es kein Geheimnis. Das ganze Rohbaumodell wurde mit dünnem Glasgewebe und Harz überzogen. Anschließend folgt reine Fleißarbeit. Spachteln, schleifen, spachteln und wieder schleifen usw., bis es perfekt ist. Die Lorbeeren für die Spritzarbeiten möchte ich allerdings an die Lackier-Abteilung der Firma Paint Styling in Dallenwil weitergeben. Ein solch großes Modell kann man nicht in der „Bastelbude“ spritzen, dafür braucht es eine Spritzkabine, in welcher profimäßig gearbeitet werden kann. Auch gilt es die Vorschriften für die Gesundheit und die Umwelt einzuhalten. Diese Firma hat für den A330 die Originalfarben Weiss, Rot und Grau verwendet.

FMT: Die Bemalung in den Farben der Fluggesellschaft von Edelweiss ist sehr edel und sicher auch sehr aufwändig. Kannst du etwas dazu sagen?

Andreas Gfeller: Ja, das Aufbringen der Decals war herausfordernd und zeitintensiv. Ich hatte die Möglichkeit, das Original genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch erhielt ich von der Fluggesellschaft perfekte Unterlagen. Die große Schwierigkeit war, dass die Proportionen und die Positionen zueinander stimmen mussten. Die hergestellten Klebefolien mussten Millimetergenau platziert werden, damit diese mit dem Original übereinstimmten. Auch jedes Fenster wurde einzeln genauestens aufgebracht. Dies ist aus meiner Sicht gut gelungen. Die Beschriftungen habe ich alle mit Frau Gasser, von Gasser-Reklamen in Alpnach entwickelt.

Dank der großen Unterstützung durch die Fluggesellschaft Edelweiß konnten auch kleinste Details nachgebildet werden.


Perfekte Reihe: Jedes Fenster wurde einzeln aufgeklebt und selbstverständlich stimmt auch deren Anzahl.


FMT: Nicht nur aus deiner Sicht! Du hast hier ein Unikat geschaffen, das seinesgleichen sucht. Gibt es sonst noch etwas zu sagen?

Andreas Gfeller: Die Beleuchtung. Auch hier habe ich alle Positionslichter, Scheinwerfer usw. eingebaut. Als Fernsteuerung kommt die Futaba FX-36 zum Einsatz. Alle Einstellungen wurden zuerst außerhalb auf einer Testanlage gemacht und nachher aufs Modell übertragen. Zurzeit lasse ich von einem Kollegen noch die Festigkeit der Kohlerohre für die Flügelsteckung nachrechnen. Sicher ist sicher. Den Roll out hatte die fertige Maschine im Herbst 2018. Es ist geplant, dass ein Modellflugkollege für mich den Erstflug durchführen wird.

FMT: Wie geht es weiter? Wann ist der Erstflug geplant?

Andreas Gfeller: Das Gewicht meines Modells beträgt fast 29 kg und liegt knapp innerhalb des Schweizer Limits, in welchem es noch als Modellflugzeug gilt. Sicherheit ist mein größtes Anliegen und deshalb möchte ich, dass die amtliche Behörde das Modell überprüft. Dann weiß ich, dass auch Profis mir grünes Licht für das Fliegen erteilt haben. Da dies das erste Mal ist, dass ich so etwas beantrage, dauert es eben. Ich bin derzeit dabei, den ganzen Papierkram zu erledigen. Anschließend folgt die eigentliche Abnahme. Ich bin sehr zuversichtlich, dass meine A330- 300 diese Prüfung bestehen wird. Und dann heißt es „up, up and away“.

FMT: Andreas, ganz herzlichen Dank für dieses ausführliche Interview und herzliche Gratulation zu diesem einzigartigen Modell. Du hast in meinen Augen eine Goldmedaille für diese Leistung verdient. Ich freue mich sehr, wenn ich beim Erstflug dabei sein darf und unseren FMT-Lesern von einem geglückten Abschluss deines Megaprojekts berichten kann.

Die Elektroimpeller passen perfekt zum Gesamtbild der A330-300.


FOTOS: ANDREAS GFELLER, BEAT EICHENBERGER