Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

PORTRÄT: EINE FÜR ALLE


essen & trinken - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 10.07.2019

Spitzenköchinnen und Unternehmerinnen aus der Food-Branche werden viel zu oft übersehen und vor allem unterschätzt. Das hat auch die Food-Journalistin Maria Canabal erfahren. Mit einem Netzwerk will sie das ändern


Es gebe keine guten Frauen in der Gastronomie, schon gar nicht in der gehobenen, bekommt Maria Canabal noch immer zu hören. Und das sogar oft. Für diese Momente hat sie sich inzwischen einen Konter zurechtgelegt: „Wir haben 5000“, antwortet sie dann mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen.

Canabal, Französin, 51 Jahre alt und Journalistin von Beruf, ist die Initiatorin des Parabere Forums. ...

Artikelbild für den Artikel "PORTRÄT: EINE FÜR ALLE" aus der Ausgabe 8/2019 von essen & trinken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: essen & trinken, Ausgabe 8/2019

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,49€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von essen & trinken. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2019 von UNSER VERSPRECHEN: WILLKOMMEN BEI UNS IN DER KÜCHE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
UNSER VERSPRECHEN: WILLKOMMEN BEI UNS IN DER KÜCHE
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von FRÜHSTÜCK: Guten Morgen!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FRÜHSTÜCK: Guten Morgen!
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von TOP FIVE: Alles kalter Tee. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TOP FIVE: Alles kalter Tee
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von DIE GRÜNE SEITE: Auch Restaurants, Delis und Bäcker entsorgen täglich wertvolles Essen.. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DIE GRÜNE SEITE: Auch Restaurants, Delis und Bäcker entsorgen täglich wertvolles Essen.
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von GETROFFEN: DREI FREUNDE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GETROFFEN: DREI FREUNDE
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von RESTAURANT-TIPPS: WIR WAREN ESSEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
RESTAURANT-TIPPS: WIR WAREN ESSEN
Vorheriger Artikel
WASSERMELONE: Erfrischend anders
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel VEGETARISCH: Mangold, ledig, sucht
aus dieser Ausgabe

... Eine Konferenz, auf der sich jedes Jahr in einer anderen Stadt Frauen treffen, die in der Gastronomie und der Lebensmittelbranche arbeiten, Köchinnen und Barkeeperinnen genauso wie Winzerinnen, Bäckerinnen, Metzgerinnen, oder Anthropologinnen. Und sie haben sich zu einem weltweiten Netzwerk zusammengeschlossen, das aus etwa 5000 Mitgliedern besteht; das kann Canabal so genau sagen, weil sie mittlerweile alle in einer Datenbank stehen.

Die Food-Journalistin Maria Canabal will erreichen, dass auch begabte Köchinnen im Rampenlicht stehen


Maria Canabal im Gespräch mit Kristy Armstrong, der Chefin des „Les Grands Verres“ in Paris


Canabal will das ändern. Ihr reichte es irgendwann nicht mehr, nur über diese Ungerechtigkeiten zu schreiben. Die Food-Journalistin hat selbst oft genug miterlebt, wie sie oder andere Frauen ausgegrenzt wurden. Etwa, wenn ein Redakteur an einer Idee für einen Artikel zweifelte, den sie vortrug – und ihn kurz darauf aus dem Mund eines Kollegen genial fand. Oder wenn der Chef eines GourmetMagazins nur Fotos von Köchen aufs Cover setzte, weil er glaubte, dass ansonsten die Auflage einbreche.


Diversität sollte nicht nur bei den Zutaten herrschen, sondern auch im Team.“
Maria Canabal


Diese Köchinnen kenne doch keiner! „Unsere Gesellschaft traut Frauen nichts zu“, sagt sie. Sie ist zutiefst überzeugt davon, dass sie nicht weniger innovativ kochen als Männer: „Talent kennt kein Geschlecht, wir neigen nur dazu, es in Männern schneller zu erkennen.“

In einer Zeit, in der die MeToo-Bewegung eine große Aufmerksamkeit erzielt, mag Canabals Anliegen naheliegend erscheinen. Als sie 2015 die erste Parabere-Konferenz in Bilbao organisierte, spotteten ihre Kollegen noch, sie organisiere einen Tupper-Abend. Nach Terminen mit möglichen Sponsoren saß sie oft deprimiert da. Sie realisierte, dass viele Unternehmen der Food-Branche es nicht so ernst mit der Frauenförderung meinen, wie sie nach außen behaupten.

Schön und gut, dass seit 2011 neben den 50 besten Restaurants auch die „weltbeste Köchin“ ausgezeichnet wird. Nur was nütze das, wenn die Preisträgerin dann eine sei, die ohnehin schon jeder kenne? Und überhaupt: Was solle ein speziell für Köchinnen ins Leben gerufener Preis bitteschön bewirken? „Das ist eine Schande. So unterstützt man keine Frauen, so nutzt man sie für Werbung“, sagt Canabal. „Pinkwashing“ nennt sie das und verzieht das Gesicht, als widere schon das Wort sie an.

Canabal will durch ihre Arbeit dafür sorgen, dass die Macher von Bestenlisten begabte Frauen nicht mehr übersehen können. Zugute kommt der studierten Juristin dabei, dass sie eine begnadete Netzwerkerin ist. Sie spricht fünf Sprachen fließend, Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch. Nahezu immer ist sie auf Reisen und gut bekannt mit Szenestars wie René Redzepi aus dem „Noma“ oder den Brüdern Joan, Josep und Jordi aus dem „El Celler de Can Roca“. „In einer Küche gibt es so vielfältige Produkte aus aller Welt. Diversität sollte aber eben nicht nur bei den Zutaten herrschen, sondern auch im Team“, sagt Maria Canabal. Weil sie nicht darauf vertraut, dass sich diese Erkenntnis schnell genug durchsetzt, plant sie nun sogar einen eigenen Preis, einmal im Jahr verliehen vom Parabere Forum: für Frauen und Männer, die sich in der Gastronomie vorbildlich für mehr Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen.

Sich anzubiedern, um ihr Anliegen voranzubringen, kommt für Canabal nicht infrage. Wird sie zu einer Konferenz eingeladen und erkennt, dass sie als einzige Frau auf der Bühne stehen soll, verfasst sie eine Liste mit potenziellen Rednerinnen neben ihr selbst. Wird dann keine von ihnen eingeladen, sagt sie ab. Frauen müssten sich unbedingt gegenseitig fördern, findet sie und zitiert die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright: „Es gibt in der Hölle einen besonderen Platz für Frauen, die andere Frauen nicht unterstützen.“

DIE PARABERE-APP

Um die Mitglieder des Parabere Forums (rechts die Teilnehmer des ersten Forums in Bilbao 2015) auch indirekt wirtschaftlich zu unterstützen, wurde die App „Parabere Gourmet City Guide“ (Foto unten) entwickelt. Sie bietet in bisher 12 Städten wie Berlin, Kopenhagen, Istanbul und New York City Tipps für von Frauen geführte Restaurants, Bars, Feinkostläden, Cafés oder Streetfood-Ständen an. Die App ist mit Google-Maps kompatibel, sodass Unternehmen, die in der Nähe des Users sind, angezeigt werden können.

Sterne-Köchin Anne-Sophie Pic und Maria Canabal diskutieren


Foto: Stephanie Fuessenich

Fotos: Stephanie Fuessenich (1), Manuel Díaz de Rada (1)