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PORTRÄT: SCOOT: LOW-COST ETWAS ANDERS


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 15.06.2018

Mit frischen Ideen und innovativen Konzepten nimmt die Low-Cost-Airline Scoot aus Singapur jetzt den Langstreckendienst von und nach Berlin auf


Artikelbild für den Artikel "PORTRÄT: SCOOT: LOW-COST ETWAS ANDERS" aus der Ausgabe 70/2018 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 70/2018

Heimatflughafen von Scoot ist Changi Airport in Singapur. Die Airline fliegt mit Boeing 787 (im Bild) und Airbus A320


Fotos Dietmar Plath

Der Changi Airport wird derzeit massiv ausgebaut. Scoots 787 stammen aus einer Bestellung, die eigentlich für die Muttergesellschaft Singapore Airlines gedacht war


Soll’s wirklich nur der Economy-Sitz sein? Oder vielleicht noch aufgegebenes Gepäck? Etwas zu essen? So weit kennt man die Fragen beim Buchen des Tickets bei einer ...

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... Low-Cost-Airline – und es ist klar, dass jedes Extra mehr Geld kostet. Doch Scoot aus Singapur reizt die Auswahl der gegen Aufpreis buchbaren Optionen noch viel weiter aus. Jede Variante hat ihren eigenen, sorgfältig ins Marketingkonzept eingepassten Namen: zwei Stufen von vergrößertem Sitzabstand (Super und Stretch); ein Kabinensegment ohne Kinder unter zwölf Jahren (ScootinSilence); Priorität beim Boarding (Boardme-First) oder dazu noch Lounge-Zugang vor dem Flug (ScootinStyle). Soll die Steckdose für Strom am Sitz aktiviert werden, ist das eine Option, ebenso der Zugriff aufs Unterhaltungsprogramm ScooTV oder der Zugang ins Internet. Wer ganz viel Platz für sich haben möchte, kann sogar bei Verfügbarkeit ein oder zwei Sitzplätze neben sich mitbuchen (MaxYour-Space). Oder man wählt gleich die Premiumklasse ScootBiz, die ihre eigenen Sitze bietet und die meisten der bereits genannten Optionen einschließt.

Singapore Airlines (r.) und ihre Töchter: Scoot bedient Low-Cost, Tiger (M.) ist in Scoot aufgegangen. Die regionale Silk Air (l.) wird künftig bei der Mutter integriert


»Wir wollen nicht, dass Sie für etwas zahlen, was Sie gar nicht brauchen«, erklärt Scoots Chief Commercial Officer Vinod Kannad die Vielfalt der Optionen (Interview Seite 19).

Scoot bringt mit knallgelb lackierten Flugzeugen frischen Wind in die Low-Cost-Szene – ab 20. Juni auch in Deutschland. Viermal pro Woche fliegt die Airline künftig zwischen Berlin und Singapur. Sie gehört damit zu den wenigen Low-Cost-Fluglinien, die sich auf Langstrecke versuchen – die anderen bedienen vor allem die Transatlantik-Routen. Junge, trendige und reiselustige Städter gehören zur Kernzielgruppe von Scoot.

ZEHN STUNDEN ODER MEHR

Scoot ist eine 2012 gegründete Tochter von Singapore Airlines (SIA). Die anfangs von der Mutter übernommenen Boeing 777- 200ER wurden inzwischen an NokScoot abgegeben, ein von Bangkok aus operierendes Joint Venture von Scoot und der thailändischen Nok Air. Vor einem Jahr ging Scoot mit der älteren Low-Cost-Tochter von SIA, Tigerair, zusammen. Seitdem betreibt sie zwei Flugzeugmuster von der Heimatbasis Singapur aus: Airbus A320 und Boeing 787. Ein Drittel der 66 Destinationen liegt in China, 15 bis 20 Prozent aller Scoot-Flüge gehen dorthin. Indien und Australien belegen die nächsten Plätze in der Rangfolge. Als Langstrecke versteht Scoot noch nicht einmal die Verbindung ins saudiarabische Dschidda, mit der vor allem malayische und indonesische Pilger reisen. Nur Flüge mit mehr als zehn Stunden Dauer sind bei Scoot „long haul“: Honolulu (mit Tankstopp im japanischen Osaka), Athen und jetzt Berlin.

Scoots hat die Economyklasse in der Boeing 787 in 3-3-3-Anordung bestuhlt. Notausgangsreihen werden wegen der größeren Beinfreiheit zum Aufpreis vermarktet


ScootBiz heißt die Premiumklasse, die neben Ledersitzen mit mehr Neigung weitere Extras enthält


Mit Airbus A320 bedient Scoot Kurz- und Mittelstrecken – so wie hier im thailändischen Phuket


An den Start ging Scoot 2012 mit Boeing 777 von Singapore Airlines. Sie fliegen nun beim Joint-Venture-Partner NokScoot


Eine Bestellung von insgesamt 20 Boeing 787 Dreamlinern hatte Scoot von der Mittergesellschaft Singapore Airlines übernommen – je zur Hälfte die Varianten -8 und -9. 16 sind bereits ausgeliefert. Nach Berlin kommt die 787-8 in einer Version mit Ruheraum für die Crew zum Einsatz, der einige Passagiersitze kostet. So bleiben 18 Plätze in ScootBiz und 311 in der Economy.

Mit einer 3-3-3-Anordnung, 46 Zentimeter Sitzbreite und 79 Zentimeter Sitzabstand geht es bei Scoot auf der Langstrecke keineswegs enger zu als bei vielen großen Fünf-Sterne-Airlines. In der ScootBiz-Klasse stehen die Sitze 97 Zentimeter weit auseinander und haben Fuß- und Kopfstützen, verwandeln sich aber nicht in ein Bett.

Zu den Trendsettern gehört Scoot in Sachen In-Flight Entertainment: In die Rückenlehnen der Sitze sind keine Bildschirme eingebaut. BYOD heißt das Motto: „bring your own device“. Soll heißen: Wer Filme sehen oder Musik hören möchte, verbindet seinen Notebook-PC, den Tablet-Computer oder ein Smartphone über das drahtlose WLAN-Bordnetz mit dem Unterhaltungs-Servercomputer des Flugzeugs – und nutzt so ein mitgebrachtes Gerät als Display. Auf Tablets und Smartphones muss dazu vorher eine App heruntergeladen werden, mit vielen Windows-PC geht es einfach so. »BYOD wird sich zumindest im Low-Cost-Bereich durchsetzen. Wir sparen sehr viel Gewicht und damit Treibstoff durch den Wegfall der Display-Technik«, sagt Vinod Kannan.

Auch Lufthansa bietet inzwischen auf vielen A320, die ohnehin keine Bildschirme im Sitz haben, kostenfrei ein drahtlos erreichbares Filmprogramm.

JUNG UND TRENDIG

Scoot will jung und innovativ, auffallend und ein wenig anders sein. „Scootitude“, abgeleitet vom englischen Wort „attitude“, nennt die Fluggesellschaft ihre besondere Haltung, den „Geist“ des Unternehmens. Dazu gehört ein fensterloses Großraumbüro im Changi Airport von Singapur, in dem es aussieht wie bei einem Start-up im Silicon Valley. Dazu gehört auch, dass die Flugbegleiter Scootees heißen und jedes Flugzeug einen Namen hat: „Kamascootra“, „So far so Scoot“ oder „Scootalicious“ sind Beispiele, ebenso die auf dem Aero-International-Titel abgebildete 787 „Bo-eng“.

Zwar setzt Scoot stark auf die Kundenansprache übers Internet und die Annahme von Buchungen direkt auf der eigenen Website. Doch gerade im deutschen Markt sind Scoot-Flüge auch traditionell im Reisebüro und über die branchenüblichen Buchungssysteme buchbar. Umso mehr verwundert es, dass Online-Check-in bislang nur in Singapur möglich ist. „Wir waren so mit der Integration mit Tigerair beschäftigt, dass wir einfach noch nicht dazu gekommen sind, die entsprechenden Vereinbarungen mit den Airports auszuhandeln“, erklärt Kannan.

Im asiatisch-australischen Raum sind die malayische AirAsia und Jetstar Airways aus Australien die großen Low-Cost-Wettbewerber. Beide bieten derzeit keine Langstreckenflüge an.

Während europäische Low-Cost-Airlines Punkt-zu-Punkt-Verbindungen bevorzugen und Umsteigeverbindungen eher meiden, setzt Scoot darauf, gerade Passagiere der Langstreckenflüge nach deren Ankunft in Singapur weiterzuleiten. Das geht nicht nur im Scoot-Netz, sondern auch bei Singapore Airlines und deren Regionaltochter Silk Air, die in den nächsten Jahren in der Muttergesellschaft aufgehen soll (siehe Seite 24). Scoot-Flüge zu Destinationen, die Singapore Airlines nicht selbst anfliegt, tragen im Codeshare auch eine Flugnummer der Muttergesellschaft. Zudem gibt es Vereinbarungen zu Umsteigeverbindungen mit weiteren Airlines. Solche Abkommen würden, sagt Kannan, auch in Berlin passen – damit sein Konzept für Low-Cost auf Langstrecke optimal aufgeht.

Zu Halloween und Weihnachten oder einfach so kann es schon mal sein, dass sich die Crew als Superhelden kostümiert


FOTO: SCOOT

ZIELE IM ÜBERBLICK

Scoot, die Low-Cost-Tochter von Singapore Airlines, fliegt 66 Destinationen mit Airbus A320 und Boeing 787 an. Nur drei davon betrachtet Scoot als Langstrecken-Ziele: Honolulu im US-Bundesstaat Hawaii, das mit Tankstopp in Osaka angesteuert wird, sowie in Europa Athen und neuerdings Berlin haben Flugzeiten über zehn Stunden.

INTERVIEW

VINOD KANNAN, CHIEF COMMERCIAL OFFICER VON SCOOT


„DIE LANGSTRECKE FUNKTIONIERT NUR MIT UMSTEIGEVERKEHR“


AERO INTERNATIONAL: Warum haben Sie sich für Berlin als deutsches Ziel entschieden?
VINOD KANNAN: Unsere Mutter Singapore Airlines (SIA) fliegt bereits nach Düsseldorf, Frankfurt und München. Da war der Nordosten also noch unbesetzt. Und uns gefällt die Demografie in Berlin: Es gibt viele junge, reiselustige Menschen, eine Party-Szene und Start-up-Firmen. Das passt zu uns.

Was ist das Erfolgsrezept für Low-Cost auf Langstrecke?
(lacht) Ich weiß es nicht. Wir machen das ja erst seit einem Jahr. Wir haben drei Vorteile. Zum einen mit der 787 ein extrem effizientes Flugzeug. Dann ist unser Unternehmen sehr schlank aufgestellt. Und wir profitieren von der Kooperation mit SIA. Deren Netz und unsere Verbindungen ermöglichen es, von der Langstrecke kommend auf regionale Flüge umzusteigen. Wir erwarten, dass viele Deutsche aus Berlin kommen und dann etwa nach Bali oder Australien weiterreisen.

Die meisten Low-Cost-Carrier mögen Umsteiger nicht, weil dabei viel schief gehen kann.
Das stimmt. Wir nutzen auch hier die Erfahrung von SIA. Und wir leisten uns eine recht lange Mindestumsteigezeit von 90 Minuten. Außerdem haben wir mit unserer Heimatbasis Singapore gar keine Wahl: Bei sechs Millionen Einwohnern ist der Markt ohne Umsteigepassagiere einfach zu klein.

Wie ist der Buchungsstand zum Start der Berlin-Verbindung?
Wir sind bei einer Auslastung von mehr als 80 Prozent sehr zufrieden. Aber wir haben auch mit aggressiven Preisen ab 170 Euro One-Way angefangen. Das kann so nicht bleiben.

Verstehen Ihre Passagiere die Fülle an buchbaren Optionen?
Ja. Low-Cost ist bei den Menschen angekommen. Sie wissen, dass man für mehr Beinfreiheit oder Gepäck extra zahlt.

Aber Sie treiben dieses Konzept besonders weit.
Wir wollen, dass Sie nur für das zahlen, was Sie wirklich brauchen. Warum sollten die Kosten für eine Steckdose am Sitz auch dann im Ticket enthalten sein, wenn Sie ein Buch lesen wollen? Also ist Ladestrom bei uns eine zukaufbare Option.

In Singapur ist SIA Ihr starker Verbündeter. Und in Berlin?
Es gibt noch keine Gespräche. Aber da Lufthansa und SIA kooperieren, wäre Eurowings als Partner nicht unlogisch.


STAND: 31. MÄRZ 2018