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PORTRAIT: 30 Jahre Parc Astérix


Kirmes & Park Revue - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 23.09.2019
Artikelbild für den Artikel "PORTRAIT: 30 Jahre Parc Astérix" aus der Ausgabe 10/2019 von Kirmes & Park Revue. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kirmes & Park Revue, Ausgabe 10/2019

Ganz Europa ist fest in der Hand der US-amerikanischen Comic-, Film- und Themenpark - industrie. Ganz Europa? Nein, ein kleines Land leistet tapferen Widerstand mit seinen eigenen Figuren und Themen. Und das schon seit 1959 beziehungsweise 1989. Und es macht das Leben des ebenfalls in der Pariser Metropolregion agierenden, großen globalen Unternehmens nicht unbedingt einfacher.

Mal im Ernst: Passt die typische Eingangssequenz der Asterix-Comicalben mit der immer gleichen Charakterisierung der Gallier, also der Vorfahren der Franzosen, und ihrem Kampf gegen die sie umgebenden Römer nicht auf den geradezu ...

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VORSCHAU
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Mal im Ernst: Passt die typische Eingangssequenz der Asterix-Comicalben mit der immer gleichen Charakterisierung der Gallier, also der Vorfahren der Franzosen, und ihrem Kampf gegen die sie umgebenden Römer nicht auf den geradezu bemitleidenwert und ausweglos erscheinenden Kampf der Franzosen gegen den allumgebenden amerika ni schen Kultur - imperialismus? Der Comic „Asterix“ hat gezeigt, dass es möglich ist, etwas Neues, nicht Amerikanisch-Main - streamartiges zu kreieren. Erfinder und Zeichner Albert Uderzo in einem Interview 2008: „Wir wollten etwas typisch Französisches machen, weil wir damals in einer Zeit lebten, die komplett von den Comics und den Zeichnungen der Amerikaner beherrscht wurde. Der Initiator von Pilote wollte eine Zeitschrift für die Franzosen und die franzö si schen Kinder.“ Und in eben dieser ab 1959 herausgebrachten Jugendzeitschrift wurden die ersten Astérix-Comics veröffentlicht – zunächst als Serie erstveröffentlicht und später mit eigenen Comic-Alben geadelt.
Also sollte doch auch der Bau eines typisch französischen Freizeitparks à la Astérix möglich sein. Das meinten jedenfalls Drehbuchautor Pierre Tchernia, Zeichner Marcel Gotlib, Synchronsprecher Roger Carl, Schauspieler Gérard Herandez, Zeichner Fred sowie Asterix-Autor und Zeichner Albert Uderzo. Wenn die Asterix-Geschichten in Frankreich, in Europa und sogar in vielen Ländern in Übersee ein phänomenaler Erfolg sind, muss dieser Erfolg doch auch auf einen Freizeitpark übertragen werden können.

Albert Uderzo besuchte die Baustelle häufig


Am Eröffnungstag (v.l.): Pierre Tchernia (French TV), Obelix, Eric Licoys (General Manager der Barclays Bank und erster Präsident von Parc Astérix), Olivier de Bosredon (erster General Manager von Parc Astérix), Michel Kalt (Architekt von Parc Astérix) und Astérix selbst


Die Begeisterung dieser Astérix-Park-Clique konnte auch nicht durch die Tatsache gebremst werden, dass keiner von ihnen irgendwelche prak ti sche Erfahrungen im Bau oder Betreiben eines Themenparks aufweisen konnte. Sie vertrauten, um in der Materie zu bleiben, auf einen ganz speziellen Zauber trank, nämlich die unschlagbare Asterix-Begeisterung so ziemlich aller Franzosen, egal ob jung oder alt – und dazu noch vieler weiterer europäischer Nationen, die man als Zielgruppen für den geplanten Park ausmachen konnte. Beispielsweise die deutschen Leser, denn es stellte sich heraus, dass die ins Deutsche übersetzten Asterix-Alben die nach den franzö sischen Original - ausgaben mit Abstand meist verkauftesten wurden. Tatsächlich sind die Asterix-Comicbücer die nach der Bibel und Harry Potter meistverkauften Druckerzeugnis der Welt! Und dieser Park sollte genau 30 Jahre nach der Publikation des ersten Abenteuers der beiden Gallier Asterix & Obelix eröffnet werden – ein Unterfangen, das sich in Anbetracht des bereits im Planungsstadium befindlichen Euro Disneyland als gewagt erschien, aber dennoch gelang: Drei Jahre vor der übermächtig erscheinenden Konkurrenz konnte der Parc Astérix vor den Toren von Paris an den Start gehen. Und es gab noch einen zweiten Zaubertrank – die Tatsache nämlich, dass Asterix und Obelix sowie ihr Hünd - chen Idéfix und manchmal auch noch andere ihrer „copains“ (Kumpels) in viele Länder und Kontinente der Welt reisten, um dort Abenteuer zu erleben. Folglich war keine plumpe Eindimensionalität in der Thematisierung der Attraktionen zu befürchten. Für genügend Abwechslung ist gesorgt, und deshalb gibt es auch im Parc Astérix sechs Länder: „La Gaul” (Gallien), „L’Empire Romain ” (Das Römische Imperium), „La Grèce” (Griechenland), „Le Vikings” (Die Wickinger) sowie die überdachte Shopping - meile “À Travers le Temps” (Reise durch die Zeit) und die Eingangsstraße “Via Antiqua”, und natürlich nicht zu vergessen der 5.000 m2 große „Forêt d’Idéfix“ für alle kleinen Parkbesucher. Andererseits braucht man natürlich auch ein erfolgversprechendes Parkprojekt Geld, ziemlich viel Geld sogar, und das war lange Zeit ein nicht zu unter schätzendes Problem, obwohl Zeichner Albert Uderzo größere Summen beitrug. Denn es war für ihn eine große Herzensangelegenheit, für seine Helden einen realen Platz zu schaffen und damit seinem Lebenswerk und das seines kongenialen Partners René Goscinny auf eine ganz neue Ebene zu verhelfen – gewisse Parallelen zu Walt Disney sind also unverkennbar. Auch noch nach der erfolgreichen Markteinführung benötigte man weitere Investitionen, um sich auf dem Markt zu konsolidieren. Dank dem Zukauf passender Erlebniswelten und der klugen Verschmelzung mit staatlichen Ge sell schaften konnte aber im Laufe der Zeit die Existenz des Parks gewahrt und etabliert werden.

Albert Uderzo und René Goscinny entwarfen Europas wichtigste Comicfiguren


Einige der Park - attraktionen: „L’Aerolaf” und „Goudurix”, „Tonnere de Zeus”, „DiscObelix”, „Trace du Hourra”, „OzIris”, „Pégase Express” und „Vol D’Icare”


Die wichtigsten wirtschaftlichen Daten des Parks in Kurzfassung:

■ 1987: Gründung des Parc Astérix S.A.
■ 1989: 30. April Eröffnung des Parc Astérix in Plailly, rund 30 km vom drei Jahre später eröffneten Disneyland Park Paris entfernt gelegen.
■ Seit 1996: Zukäufe bestehender Freizeitparks (teilweise später wieder verkauft).
■ 1997: Börsengang.
■ 1999: Eröffnung des ersten Hotels (2018/19 kommt ein zweites hinzu). Erstmals kommt der Parc Astérix auf phänomenale 2 Mio. Jahresbesucher.
■ 1999: Kauf des traditionellen Pariser Wachsfigurenkabinetts Musée Grévin und Umbenennung in Grévin & Cie.
■ 2002: Die französische Compagnie des Alpes, S.A. (CdA), die de facto eine staatliche Firma ist, übernimmt im Rahmen einer freundlichen Übernahme erst circa 60 %, dann immer mehr Anteile bis circa 95 % von Grévin & Cie (CdA war 1989 vom staatlichen französischen Finanz institut Caisse de Dépots gegründet worden; 2004 gab man rund 60 % an private Unternehmen, darunter 13 % an drei Banken ab und behielt nur noch 40 %; CdA ist der größte Betreiber von Wintersportgebieten im Alpenraum).

■ 2006: Übernahme von fünf Walibi-Parks der Star- Parks-Gruppe (ehemals Six Flags European Division) in Frankreich, Belgien und Holland.
■Ab 2007: Weltweit werden weitere Skigebiete gekauft.
■ 2011: Der Wissenschafts- und Medienpark Futuro - scope wird erworben.
■ Ab 2011: CdA berät und beteiligt sich im Ausland am Aufbau von neuen Skizentren (z.B. Sotchi) und Freizeitdestinationen (z.B. Casablanca).
■ Seit 2016: Im „Restaurant du Lac“ wird das berühmte Obelix’sche Wildschwein (sanglier) serviert.

Im „Forêt d’Idéfix” gibt es kleinere Fahrgeschäfte und die Möglichkeit, die berühmten Gallier zu treffen


Einige der Wasserattrak - tionen und das Fahrgeschäft „L’hydre de Lerne”


Diese Geschichte ist eine wechselnder Unternehmenspolitiken, aber eine letztlich sehr erfolgreiche. Ein wichtiger Faktor war dabei der kontinuierliche Erfolg des Parc Astérix als erster und wichtigster Park der Gruppe. Das für die fran zösische Seele Befriedigende und für die Eigentümer der Parkgesellschaft Erfreuliche war und ist die Tatsache, dass der Asterix-Park erst durch Zukäufe kleiner Erlebniswelten, dann durch geschickte Diversifikation erst langsam, dann immer schneller zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Größe wuchs. Währenddessen musste der große, ja Überkonkurrent in Marne-La-Vallée bekanntlich mehrere Male schwierige Phasen erleben und stand auch schon vor der Insolvenz – dank seiner problematischen ökonomischen Konstruktion, vor allem aber, weil er nie den Weg in die Herzen der Franzosen fand, die ja die primäre Zielgruppe ausmachen sollte. Das war und ist das große Plus vom Parc Astérix. Konsequent nutzt das die Werbung aus: „Le Parc d’attractions préféré des Gaulois“, heißt es, der von den Franzosen bevorzugte Themenpark. Dank seiner Erfolge konnte der gallische Park seine Anziehungskraft stetig verstärken und seine Attraktionen ausbauen. Aktuell gibt es 40 Attraktionen in sechs Ländern, darunter sieben Wasserbahnen (unter anderem das „Rafting Styx“, die Wildwasserbahn „Menhir Express “ und „Le Gran Splatch“) und sieben Achterbahnen. Denn die Betreiber wissen schon lange, dass ohne ein ordentliches Sortiment an Attraktionen nichts geht. Der erste große Coaster wurde daher schon 1989 errichtet: die 7-fache Loopingbahn „Goudurix“ von Vekoma Rides. 1994 errichtete man den Familien - coaster „Vol d’Icare“ (Ikarus’ Flug) von Zierer, 1997 den Wooden Coaster „Tonnerre de Zeus“ (Donner des Zeus) von CCI mit 1.230 Metern Länge, 2001 folgte die Bobbahn „Trace Du Hourra“ von Mack Rides. Dann gab es elf Jahre Pause, bis man 2012 den In verted Coaster „OzIris“ von B&M eröffnete und 2017 den äußerst beliebten Famlien coaster „Pégase Express“ mit Katapultstart und Rückwärtsfahrt (von Gerstlauer Rides, Thematisierung von Jora Vision) realisierte. Unbedingt positiv herauszustellen ist die sorgfältige, originelle und detailreiche Thematisierung. Story telling ist ein großes Plus des Park Astérix. Nehmen wir zum Beispiel den Inverted Coaster „OzIris“ von Bolliger & Mabillard, der nicht nur mit seinen fünf Inversionen zu überzeugen weiß, sondern auch mit seinen reizenden Wandmalereien und vielen optischen Illu sionen, die schon alleine acht Millionen Euro vom gesamten Investitions volumen von 20 Millionen Euro gekostet haben sollen. Oder die 2008 eröffnete Hexenschaukel „Le Défi de César“ von Mack Rides. Oder den impo santen Bahnhof Montparnassos am „Pegasus Express“. Zudem ist das Attraktionsangebot ein guter Mix für alle Altersgruppen und Interessen. Sowohl Familien als auch Coasterfans kommen hier auf ihre Kosten – sicherlich ist auch das ein weiterer Grund für die positive Besucher entwicklung. Sie könnte sogar noch besser sein, würde man einige Details verbessern. Beispielsweise könnten die Sprachbarrieren konsequenter angegangen werden. Vieles wird nur in Französisch kommuniziert, weniges auch in Englisch, aber gar nichts in Deutsch, obwohl die Astérix-Comics gerade in deutschsprachigen Ländern äußerst erfolgreich ist. Wenigstens aber sollte man Englisch als Zweitsprache einführen, wenngleich aktuell nahezu alle Besucher (85 %) nur aus Frankreich kommen. Nicht gerade übersichtlich sind auch die Preise mit den vielen Sonder- und Saisonangeboten. Besser geworden ist dagegen die Anbindung, beispielsweise gibt es einen Bus-Shuttle vom Louvre (Metrostation) oder auch vom nahegelegenen Flug - hafen Charles de Gaulle. Die Zukunftspläne: Im Gegensatz zu den Asterix-Geschichten, wo im Dorf der Gallier eigentlich immer alles bleibt wie es ist, tut sich im Asterix -Park immer wieder Neues: 2020 eröffnet mit „Les Quais de Lutèce“ das dritte Hotel. Und 2021 wird eine gigantische Katapult-Achterbahn von Intamin mit vierfachem Launch und sehr ungewöhn lichem Layout errichtet. Und die weitere Zukunft? Da kann man sehr optimistisch sein, bekanntlich sind die Gallier „irreduct - ibles“ – unbezwingbar … Beim Teutates!

Ein großer Launch Coaster wird 2021 eröffnet


Ein drittes, schön thematisiertes Hotel wird 2020 eröffnet


PARC ASTERIX

30 Jahre Parc Asterix beziehungsweise 60 Jahre Asterix werden nicht nur mit einem neuen Kinofilm und einem neuen Comicbuch gefeiert, sondern auch mit einer offiziellen französischen Sondermünze. Dies ist die ers - te europaweit gültige 2-Euro-Münze, die einer Comicfigur gewidmet ist – allein das zeigt die besondere Stellung von Asterix und Obelix in Frankreich und ganz Europa.


Photos: Parc Astérix