Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

PORTRAIT | VW Golf II (1983 – 1992): Wolfsburgs Bester


Logo von Auto Classic
Auto Classic - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 14.10.2019
Artikelbild für den Artikel "PORTRAIT | VW Golf II (1983 – 1992): Wolfsburgs Bester" aus der Ausgabe 8/2019 von Auto Classic. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Classic, Ausgabe 8/2019

Wenn Markus Hörter mit seinem Golf GL vorfährt, erntet er entweder erstaunte Blicke oder – gar keine: Der Zweier-Golf wirkt optisch so zeitlos, dass das H-Kennzeichen fast mit Verwunderung wahrgenommen wird, und ist im Straßenverkehr immer noch zu sehen. Letzteres hat zwei Gründe: Einerseits wurde kein anderer Golf so oft gebaut. Und andererseits war der Rostschutz gegenüber dem Golf I nahezu perfekt.

Tatsächlich prägt der Golf II (Typ 19E) die Generation der heute 50-Jährigen wie kein anderes Auto. Ob Fahrschulwagen oder erstes Auto – in den 1980ern fuhren alle irgendwie mal Golf II. Mit „Generation ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Auto Classic. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Porsche Typ 64 „Berl in-Rom-Wagen“:17 Millionen? 70? Oder was?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Porsche Typ 64 „Berl in-Rom-Wagen“:17 Millionen? 70? Oder was?
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von Panorama. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Panorama
Titelbild der Ausgabe 8/2019 von TITEL | Vergleich – Sechs Schnäppchen: 6 TRAUMHAFTE SCHNÄPPCHEN. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TITEL | Vergleich – Sechs Schnäppchen: 6 TRAUMHAFTE SCHNÄPPCHEN
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
REPORTAGE | 100 Jahre Rømø Motorfestival 2019: Heiße Motoren am coolen Strand
Vorheriger Artikel
REPORTAGE | 100 Jahre Rømø Motorfestival 2019: Heiße Motoren am coolen Strand
TOP TEN | Tops und Flops von Ferdinand Karl Piëch (1937 – 2019): Zwischen Genie und Wahnsinn
Nächster Artikel
TOP TEN | Tops und Flops von Ferdinand Karl Piëch (1937 – 2019): Zwischen Genie und Wahnsinn
Mehr Lesetipps

... Golf“ hat Florian Illies dem Wolfsburger nicht umsonst ein literarisches Kränzchen gewunden.

Millionenauflage wie der Käfer

Mit rund 6,3 Millionen produzierten Exemplaren war der Zweier ein Volkswagen im wahrsten Sinne des Wortes. Nahtlos knüpfte er ab 1983 an die Erfolge des Einsers an. Den Einstieg gab es als „C“ für Comfort ohne Mittelkonsole und Uhr, dann folgte der CL wie „Comfort Luxus“, der GL als „Gehobener Luxus“ und kurzzeitig die Topversionen GLX bzw. Carat. Die sportlichen Varianten hießen GT und wie zuvor GTI, neben den Saugdieseln gab es mit dem GTD erstmals eine attraktive Turbo-Variante als Pendant zum Benziner-GTI.

Im Zweier-Golf wurde die GTI-Tradition fortgeführt und mit 16V sowie G-Lader nochmals deutlich gesteigert


Auch wenn er gut 100 Kilogramm schwerer und knapp 17 Zentimeter länger als sein Vorgänger war, unterschied sich der zweite Golf nur durch die etwas rundlichere Form vom Vorgänger. Merkmale wie das Schrägheck und die runden Scheinwerfer wurden übernommen.

Die breite C-Säule ist bis heute, in der siebten Generation, die achte folgte zum Jahresende, ein Erkennungsmerkmal des Golf. Auf der anderen Seite nahmen die Designer mit den Dreiecksfenstern und den schon damals nicht wirklich modernen Stahlfelgen mit Chrom-Radkappen sogar Bezug auf den Urahn, den Käfer.

Zum Start gab es noch Kat-lose Vergasermotoren, bald darauf aber auch Kat-Versionen mit elektrischer Einspritzung. Mit Unterstützung des Finanzamts konnte später ein Mikro-U-Kat nachgerüstet werden, nicht mehr als eine Filterpatrone im Abgasstrang.

Schlichter Grill, Rundscheinwerfer wie der Käfer, integrierte Blinker – ein Erfolgsrezept


Stahl mit kleiner Radkappe – erst die höherwertigen Versionen rollten auf Leichtmetall


Zwei Rundinstrumente, dazwischen Infos: Diese Anordnung prägte Jahrzehnte


„Kaffeemühlen“ nennt man die kleinen, anspruchslosen Motoren für ein langes Leben


Vor oder nach 1987? Fehlt unterm Nummernschild das VW-Logo, ist es Serie I


Lange Zubehörliste

Extras gab es serienmäßig nur bei japanischen Modellen, deutsche Marken hatten dafür eine lange Aufpreisliste. Vom Lederbalg am Schaltknüppel bis zur geteilten Sitzbank, von der Wärmeschutzverglasung bis zur abschaltverzögerten Innenleuchte reicht die Liste, mit der VW den Kaufvertrag erheblich verlängern und verteuern konnte.

Ein typisches Kind der 1980er-Jahre ist der GT, die preislich und versicherungstechnisch günstigere GTI-Variante, der die Spoilerlippe und der roten Zierring im Kühlergrill fehlt. Eine schwarze Folie samt Heckspoiler an der hinteren Klappe, Kotflügelverbreiterungen und eine kleine Tieferlegung unterstrichen aber die Sportlichkeit des kräftigen und legendären 1.800ers mit 90 PS. Mit gleicher Ausstattung, aber ohne Tieferlegung, gab es die Dieselvariante GTD, erst 70, nach 1988 dann 80 PS stark.

Highlight war der ab 1984 verfügbare zweite GTI. Mit zunächst 112 PS, später als 16V mit 129 PS, war der GTI der Inbegriff für sportliches Fahren. Mit der Version G60 wurden es dank des mechanischen G-Laders 160 PS, als „Limited“ sogar 210 PS. Den schwarzen Himmel im Innenraum übernahm der GTI vom bereits damals legendären Vorgänger.

Eine Besonderheit war der ab 1988 erhältlich Syncro, eine CL-Variante, die mit einem permanenten Allradantrieb ausgestattet war. Aus diesem Syncro entstand 1990 der Golf Country, gebaut bei Steyr-Puch in Österreich. Hochbeinig mit Allrad, es war eine Art SU der 1980er, allerdings alles andere als erfolgreich.

Mit „Rucksack“ gab es den Golf II auch, dann hieß er Jetta, wie schon beim Vorgänger. Die Stufe war im Amerika ein Renner, aber hierzulande wenig beliebt, obwohl sie einen kolossalen Kofferraum zu bieten hatte. Es gab allerdings vom Zweier kein Cabrio: Der offene Golf wurde auf Basis des Golf I weiter gebaut und optisch modifiziert bis 1993, als das Golf III Cabrio debütierte.


Ein zeitloser Klassiker, der nach wie vorAlltags-Qualitäten unter seinem schlichten Blech versteckt


Klassiker der Neuzeit

Vom Golf II gibt es zahlreiche, um nicht zu sagen unzählige Sondermodelle. „Memphis“, „Boston“ oder „Manhattan“ erinnern an amerikanische Großstädte, „Fire and Ice“ dagegen bezieht sich auf einen Sportfilm von Willy Bogner. Basis dieser besonders ausgestatteten und nur in speziellen Lackierungen erhältlichen Modelle war der Golf CL, an Heckklappe und C-Säule mit dem entsprechenden Logo verziert. Ein Jubiläums-Modell war die blau-graue Edition „10 Millionen Golf“ mit Wärmeschutzverglasung und lackierten Außenspiegeln.

Der Golf II war und ist ein Alltagsklassiker. Die meisten Exemplare sind bereits mit HKennzeichen zu fahren, der Rest folgt in den nächsten Jahren. Obwohl noch Zehntausende zugelassen sind, ist die befürchtete Oldie-Golf-Schwemme ausgeblieben, denn das „H“ gibt es nicht für verbrauchte Alltagsautos. Und wer ein Exemplar mit G-Kat fährt, ist auf den günstigen H-Steuersatz auch nicht dringend angewiesen.

Allerdings gibt es auch bei keinem anderen Modell mehr Zuwachs bei 30-Jährigen, was für die Langzeithaltbarkeit spricht: Der Golf II ist nach Käfer und Mercedes W 123 der dritthäufigste Oldie geworden, ob mit oder ohne „H“. Dass so viele überlebt haben, ist dem Korrosionsschutz zu verdanken.

Neben einer Teilverzinkung wurde die Karosse mit reichlich Wachs geflutet. So viel, dass in heißen Sommern immer noch Wachs aus der Heckklappe suppt und schwarze Spuren hinterlässt. Ganz ohne Rost geht es aber auch beim Zweier nicht. Schwachpunkte sind Scheinwerferbefestigungen und der Heckklappengriff.

Im Alter werden zudem Bremsschläuche und Achsbuchsen mürbe, aber das ist nicht außergewöhnlich. Wer den Zahnriemen regelmäßig wechseln lässt, kann fast ewig fahren. „Kaffeemühlen“ nennen VW-Händler die pflegeleichten 1.300er, solange Öl und Benzin an Bord sind, läuft die Mühle ewig. Neben den gesuch-ten und teuren GTI-Varianten ist der 1,8-Liter-Benziner im GT ein Tipp – ausreichend kräftig, aber nicht so teuer wie die Sportskanonen.

Der Mittelplatz war nie beliebt, aber auch nicht so eng, wie es hier scheint


Das Platzangebot war sensationell – bei umgelegter Rückbank ließen sich fast zwei Meter lange Tischplatten transportieren


Glas statt Plastik und DDR statt BRD – das VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla produzierte einst Scheinwerfer für den Golf II


Gegenüber dem ersten Golf wuchsen die Rücklichter in die Höhe


Schwierige Suche

Im Internet stehen weit mehr als 1.000 Golf II zum Verkauf. Der GTI und seine Abarten kosten in gutem gepflegtem Zustand schnell mehr als 20.000 Euro, alles andere gibts in jeder Preisklasse. Trotz der großen Auswahl ist es mittlerweile schwierig, ein gutes originales Fahrzeug zu ergattern. Viel zu oft wurde der Golf verbreitert, tiefergelegt und auf Sportlichkeit getrimmt.

So findet man kaum noch Exemplare mit einer Kofferraumabdeckung, die nicht für Lautsprecher ausgeschnitten wurde, sagt Markus Hörter, der Besitzer des hier gezeigten Golf II CL. Sein topgepflegtes, originales Fahrzeug ist das Ergebnis einer langen Suche. Hörter ging es nicht um ein bestimmtes Modell, vielmehr wollte er einen unverbastelten Alltagsklassiker.

Sein marsroter GL wurde1984 in Alsdorf bei Aachen bestellt. In der Aufpreisliste standen ein zweiter Außenspiegel, das Stahlschiebedach und ein Radio Alpha. Schon die Farbe ist etwas Besonderes, denn Marsrot war ursprünglich den GTI der Einser-Serie vorbehalten. Der erste Käufer mochte seinen Golf, er fuhr das Auto 20 Jahre lang, vermied Regenfahrten und ließ es im Winter in der Garage. Damit nicht genug. Nach der Abmeldung 2005 schlummerte der Zweier zwölf Jahre in einer Garage, bevor Härter ihn aus dem Dornröschenschlaf riss. Neben dem H-Kennzeichen spendierte er dem Golf eine Lackaufbereitung: Das Marsrot gehört noch zu den Farben, die durch Sonneneinstrahlung verblassen und dann weißlich werden. Ob CL oder GTI, der Zweier-Golf ist ein erschwinglicher und zugleich solider Klassiker.

Gute Fahrzeuge und Sondermodelle haben zwar bereits vielfach ihre Besitzer gefunden, doch die Suche lohnt sich immer noch und es ist in der Regel einfacher, ein gepflegtes Exemplar zu finden, als eine Restauration zu starten. Die Ersatzteilversorgung ist prima und die Technik gerade bei den kleinen Motorvarianten vom Hobby-Schrauber zu beherrschen – da muss man nur noch einsteigen.


Fotos: S. zu Hohenlohe, Magic Car Pics