Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 8 Min.

POSEIDONS REICH


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 90/2021 vom 10.08.2021

SOCORRO

Artikelbild für den Artikel "POSEIDONS REICH" aus der Ausgabe 90/2021 von TAUCHEN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN, Ausgabe 90/2021

Statt Tagesboot und Flip-Flop- Strandspaziergang nautische Abenteuer im Pazifik. Mit der Solmar V ab Cabo San Lucas ZUM TAUCHEN NACH SOCORRO. Lohnt sich die 30-Stunden-Überfahrt? Na, schauen Sie mal …

TAUCHEN VOR SOCORRO IM REVILLAGIGEDO-ARCHIPEL BRINGT UNGLAUBLICHE BEGEGNUNGEN MIT GROSSEN FISCHEN. DIE ACTION FINDET HUNDERTE VON KILOMETERN VOR DER MEXIKANISCHEN FEST- LANDSKÜSTE STATT.

War unsere Reportage über die Baja California (»Mariachi, Margarita & Meer«) in der August- Ausgabe ein Rezept dafür, wie man intensive Interaktionen mit einzigartigem Meeresleben genießen kann und gleichzeitig stark mit der mexikanischen Stimmung und dem Land verbunden ist, so erzählt diese Geschichte das glatte Gegenteil. Das Tauchen vor Socorro im Revillagigedo-Archipel bringt ebenfalls unglaubliche Begegnungen mit großen Fischen. Aber die Action findet Hunderte von Kilometern vor der mexikanischen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 30 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von TAUCHEN. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 90/2021 von So (schön) ist Deutschland im Sommer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
So (schön) ist Deutschland im Sommer
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von THE WINNERS ARE …. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
THE WINNERS ARE …
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von TIEFEN-SUPERLATIV. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TIEFEN-SUPERLATIV
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von »GALAPAGOS DER MALEDIVEN«. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
»GALAPAGOS DER MALEDIVEN«
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von Abtaucht is‘!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Abtaucht is‘!
Titelbild der Ausgabe 90/2021 von Garten Eden. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Garten Eden
Vorheriger Artikel
»GALAPAGOS DER MALEDIVEN«
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Abtaucht is‘!
aus dieser Ausgabe

... Festlandsküste statt – weit draußen in Poseidons Reich. Obwohl die meiste Zeit ein Stück Land in Sicht ist, gibt es keine Margaritas und Tacos am Strand, keine Nachtwanderungen und keinen durch die Zehen rieselnden Sand. Ein Socorro-Abenteuer hat rein nautischen Charakter. Und obwohl beide Abenteuer den gleichen Startpunkt haben – den Hafen in Cabo San Lucas in Baja California – stehen sie für ganz unterschiedliche Konzepte. Haben Sie Zeit, drei Wochen am Stück Urlaub zu machen? Dann verbinden Sie beide Konzepte! Es gibt keine bessere Kombination zweier verschiedener Weltklasse-Tauchreviere, die inklusive der Reisetage in ein 21-Tage-Zeitfenster passen.

Poseidon ist erstaunlich gnädig

Eine warme Brise, gutes Essen, erfrischende Getränke und lächelnde Gesichter. Das ist es, was unseren Geist blitzschnell in den Urlaubsmodus versetzt. In Cabo San Lucas in Baja California ist das alles schon bei der Ankunft vorhanden, sodass ein paar Stunden ausreichen, um das mexikanische Flair voll in sich aufzunehmen und die Gedanken fließen zu lassen. Wenn man am folgenden Tag an Bord des Tauchsafarischiffs Solmar V geht und all die positiven Urlaubsvibes rundherum wahrnimmt, möchte man die pulsierende Hafenstadt fast gar nicht verlassen, um sich auf eine 30-stündige Bootsfahrt über den offenen Pazifik zu machen. Aber das ist der Preis, den man zahlen muss, um an einigen der bestbewerteten und zugleich abgelegensten Plätzen unseres Blauen Planeten tauchen zu können. Abgesehen von den Tausenden US-Dollar, die man für das Abenteuer berappen muss.

Dafür bekommt man dann meist erst einmal 30 raue Stunden auf See. Diesmal aber ist Poseidon uns sehr gewogen und in äußerst friedlicher Stimmung, sodass die gut 450 Kilometer lange Schifffahrt über den offenen Pazifik fast an eine gemütliche Ausflugsfahrt über den Bodensee erinnert. Das Unterbringen der Tauch- und Fotoausrüstung auf der Überfahrt ist flott erledigt, und die Nickerchen zwischendurch helfen uns Europäern bei der Erholung vom Jetlag. Die Reise nach Socorro wird diesmal also zur Dramamine-freien Party – das Mittel gegen Seekrankheit kann im Seesack bleiben. Das allerdings ist auf dieser Tauchsafariroute eher die Ausnahme als die Regel.

DER TAGESABLAUF BESCHRÄNKT SICH AUF DIE DIVE-EAT-SLEEP-ROUTINE. DER BLICK AUF DIE LANDSCHAFT BLEIBT UNVERÄNDERT. ABER WER BRAUCHT ABWECHSLUNG, WENN DIE DIVESPOTS SOLCHE BEGEGNUNGEN LIEFERN?

Im Schatten des Vulkans

Als die stahlrumpfbewehrte Solmar V schließlich an der Isla San Benedicto im Ziel-Archipel ankommt, streicheln die ersten Sonnenstrahlen die Spitze des Vulkans Bárcena. Sein Kegel sieht aus wie ein riesiger Haufen feinstes Milchschokoladenpulver mit Splitterkernen. Durch Wind, Dampf und gelegentlichen Regen erodieren die weicheren Schichten schneller als die härteren, was zu tiefen vertikalen Rissen führt, die sich entlang der Vulkanwände von der Spitze bis hinunter zum Pazifik ziehen. Bárcena ist nur 332 Meter hoch, erscheint aber in der endlosen Wasserwüste viel größer. Von nun an beschränkt sich unser Tagesablauf auf die Dive-eat-sleep-Routine. Der Blick auf die Landschaft bleibt die folgenden zwei Tauchtage unverändert. Aber wer braucht schon Abwechslung, wenn die Divespots unter dem Kiel ständig Begegnungen liefern, die es anderswo nicht gibt?

Wo Silberspitzen flitzen

Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, an denen Silberspitzenhaie häufig zu sehen sind. Der tiefe Süden der Malediven und die Tuamotus in Französisch-Polynesien sind die bekanntesten. Die Britin Teri, früher als Divemaster in den Gewässern vor Socorro unterwegs, erinnert sich an Bord unseres Schiffs, wie sich vor einigen Jahren ein Rudel Silberspitzenhai-Babys im »Canyon«, dem Tauchplatz im Südosten der Insel San Benedicto, niederließ. Diese Tiere sind inzwischen zu stattlichen adulten Tieren herangewachsen und begegnen den Tauchern täglich. Sie während der Tauchgänge an der Putzerstation in 24 Metern Tiefe zu beobachten, löst bei Teri viele positive Emotionen aus. Und für die übrigen Tourteilnehmer geht der Wunsch in Erfüllung, diese schöne Spezies endlich einmal aus nächster Nähe zu sehen. Es gibt keine Anzeichen von Angst und auch keine Aggression in ihrem Verhalten. Stattdessen zeigen die faszinierenden Kreaturen Neugierde und Respekt gegenüber den menschlichen Besuchern.

Neben den Silberspitzenhaien besetzt eine Gruppe massiger Galapagoshaie die kuppelartige Felsformation und hält regelmäßig für eine Reinigungsbehandlung durch Barbier-Falterfische an. Auch diese Haie sind keine scheuen Individuen. Sie demonstrieren regelmäßig ihren dominanten Status, indem sie die kleineren Silberspitzen wegdrängen und sich den Tauchern fast bis auf Berührungsabstand nähern. Ich kann mich an keinen anderen Ort erinnern, an dem die Begegnungen mit Galapagoshaien eine solche Intensität erreichten. Aber die Show hier ist noch längst nicht zu Ende! Bogenstirn- Hammerhaie kreuzen am Rande der Szenerie in kleinen Schulen. An sie kommt man allerdings nicht so leicht heran. Man braucht viel Ruhe und Geduld, um sich ihnen zu nähern.

Flatternde Freunde im Pazifik

Tauchen im Revillagigedo-Archipel, der die Inseln Socorro, San Benedicto, Clarión und Roca Partida umfasst, ist weithin zu einem Synonym für Begegnungen mit Mantarochen geworden. Die Gesellen hier sind die größten und freundlichsten Mantas der Welt. Wie viele Taucher sie schon gesehen haben müssen! Und dennoch gefällt es ihnen ganz offensichtlich, immer wieder neue Menschen zu treffen. Daher ist die Chance groß, dass auch wir neue Freundschaften mit ihnen schließen. »The Boiler« ist hier im Archipel der Tauchplatz, an dem Mantarochen normalerweise ihr soziales Verhalten zeigen. Doch auch die übrigen Divespots können mit tollen Manta-Erlebnissen aufwarten, denn der Pazifik hat ja keine Schranken. Der Blick in die dunklen Augen dieser majestätischen Meeresengel wird nie langweilig – egal, wie viele man vor die Tauchmaske bekommt. Und so lichtet der Kapitän nach einem Tag auf der Südseite von San Benedicto den Anker und verlegt die Solmar V auf die Westseite.

REISEINFO: SOCORRO & REVILLAGIGEDO ISLANDS / MEXIKO

SOCORRO ist eine Vulkaninsel im östlichen Pazifik, etwa 450 Kilometer südwestlich vor der Südspitze der mexikanischen Halbinsel Baja California gelegen. Die Insel gehört wie San Benedicto, Clarión und Roca Partida zum Revillagigedo-Archipel.

TAUCHEN: Socorro und der die Insel umgebende Archipel ist wegen der Strömungen nur für erfahrene Taucher geeignet. Die Sichtungen der Tiere dort sind jahreszeitenabhängig. Die ruhigste See bietet der Archipel von November bis Mai, mit einer Wassertemperatur von bis zu 28 Grad im November, 21 Grad im Februar und 25 Grad im Mai.

HAUPTATTRAKTION sind die Buckelwale, die hier im Winter die Brutzeit verbringen. Dazu darf man sich über Mantarochen und über zehn Haiarten freuen.

Das Tauchsafarischiff M/V Solmar V (siehe Foto) legt überwiegend vom Hafen in Cabo San Lucas ab. Nächstgelegener Flughafen ist der Airport Los Cabos International, der aus den USA, Kanada und verschiedenen Städten Mexikos angeflogen wird. Das Stahlschiff mit Mahagoni-Interieur bietet Platz für 22 Gäste in zwölf Kabinen. Es gibt zwei Kategorien: Superior und Standard sowie Einzelkabinen für Alleinreisende. Jede Kabine verfügt über individuell einstellbare Klimaanlage und Bad mit Dusche. Die Superior-Kabinen befinden sich in der Schiffsmitte und sind größer. Der Salon bietet bequeme Sitzgelegenheiten, Großbildfernseher und Unterhaltungssystem. Das Sonnendeck ist mit Sonnenliegen ausgestattet. Ein geräumiges Tauchdeck mit Kameratisch, Spültanks und Süßwasserdusche sowie Beiboot stehen zur Verfügung. Witterungsbedingt werden Socorro- Touren nur von November bis Juni angeboten.

WEITERE INFOS: https://pacificfleet.com Im Programm bei diversen Tauchreiseveranstaltern.

DER FELS SIEHT AUS, ALS WÄRE ER VON SCHNEE BEDECKT. UND DER DUNKLE PAZIFIK SCHWILLT AN, ALS WOLLE ER DEN SCHNEE VON DEN FELSWÄNDEN LECKEN. MÖWEN STARTEN ZU IHREN ERSTEN MORGENDLICHEN FLÜGEN.

»The Boiler« ist ein ovaler, kegelförmiger Fels, der 40 Meter aus der Tiefe hochragt und vier Meter unter der Wasseroberfläche endet. Wenn man ihn bei guter Sicht von oben betrachtet, erinnert er an ein riesiges U-Boot mit Kommandoturm. Gleich nach dem Abtauchen ist dort das Pfeifen von Delfinen zu hören. Da im flachen Wasser nicht viel los ist, beschließen wir, die tieferen Areale des Felskegels in der Hoffnung auf Haisichtungen zu erkunden. Aber das Delfinpfeifen bringt uns dazu, ständig den Kopf umzudrehen, und niemand konzentriert sich darauf, das Blau zu beobachten. So steigen wir bald wieder auf und richten die Augen auf die Wasseroberfläche. Was dann kommt, ist ein einziger Kampf um die Aufmerksamkeit der Taucher. Drei riesige Mantarochen umkreisen uns und kommen schließlich ganz nah. Das aber bringt die Großen Tümmler so richtig in Fahrt. Auch sie wollen hier die Stars in der Manege sein. Und kreuzen deshalb kurzerhand den Weg eines Mantarochens und positionieren sich mit dem Schwanz direkt vor einem Taucher, um ihn nicht näher kommen zu lassen. Einer der Delfine scheint gar auf seinem Schwanz zu tanzen. Was für ein Spektakel!

Ganz großes Kino

Der Fels mit den zwei Gipfeln sieht aus, als wäre er von Schnee bedeckt. Und der dunkle Ozean schwillt an, als wolle er den Schnee von den Felswänden lecken. Die Sterne am Himmel verblassen, während es langsam heller wird. Möwen starten zu ihren ersten morgendlichen Flügen, um unser Schiff zu »überprüfen«. Jedes Mal, wenn sie zu ihrem Nest zurückkehren, scheint der Platz schon von den Nachbarn besetzt zu sein. Es bedarf lauter Diskussionen unter den Tieren im Kampf um den besten Platz. Man merkt: Ihr Lebensraum ist hier draußen im Ozean extrem kostbar. Roca Partida, »die Königin der Tauchplätze« im Revillagigedo-Archipel, rangiert in der Liste der Top Ten-Divespots der Welt ganz oben. Doch nicht auf jeder Safari schafft es das Tauchschiff hierher. Wir aber haben es geschafft!

Und sind sofort total angefixt von der beeindruckenden Topografie unter Wasser. Das hier ist ganz großes Kino. Der schmale Fels über der Wasseroberfläche verwandelt sich unter Wasser in eine Säule, die in der Tiefe verschwindet. Aufgrund der riesigen Fischmassen, die um diese Säule herumschwimmen, sind die Taucher ziemlich irritiert, wenn sie versuchen, Felsmasse von Fischmasse zu unterscheiden. Die Wände der Felssäule sind glatt und bieten nur eine kleine Anzahl von Unterständen für die Tiere, um sich auszuruhen. Hier unten ist der Platz genauso kostbar wie oben an Land. Weißspitzen-Riffhaie türmen sich daher in kleinen Nischen übereinander und scheinen das Geschehen von »Balkonen« zu beobachten. Riesige Hummer laufen an den Wänden hoch und fallen oft direkt auf die Köpfe der Haie. Silberspitzen- und Galapagoshaie kreuzen um die strömungsexponierten Ecken. Riesige Gelbflossen-Thunfische schießen wie Torpedos durch das tiefe Blau. Diese Region da draußen im Pazifik ist das wahre Reich von Poseidon! In das die Schaden bringende Hand des Menschen noch nicht vorgedrungen ist. Und hoffentlich auch nie vordringen wird.