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POSITIV UMSETZEN


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Taspo Garten-Design - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 25.03.2022

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Bildquelle: Taspo Garten-Design, Ausgabe 2/2022

Wie lässt sich der CO2 -Fußabdruck für Betriebe verringern? Seit 2021 laufen dazu über die Landesverbände Bayern und Baden Württemberg Pilotprojekte. Doch neu ist das Thema natürlich nicht: Als Einzelkämpfer beschäftigt sich etwa Klaus Hölcke, GaLa-Bau-Unternehmer im sauerländischen Hemer, schon lange mit diesen Fragen.

Angefangen hat alles in Hölckes Schulzeit. Sein Physiklehrer erläuterte im Unterricht der Mittelstufe beeindruckend, was passiert, wenn zwei Liter Kraftstoff im Klassenzimmer verbrennen. „Uns allen in der Klasse war danach klar, dass das aufgrund der Abgase keiner überleben würde. Ich radelte nach diesem Schultag zur am meisten frequentierten Straßenkreuzung von Hemer, zählte die Autos und rechnete hoch, wie viele Schüler mit den Abgasen in den Klassenzimmern vergiftet worden wären. Schon mit 13 Jahren war es mir daher ein Anliegen, nach vernünftigen Energiequellen zu suchen, denn ...

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... Atomstrom mit seinem unentsorgbaren Müll konnte irgendwie nicht die Lösung sein“, erinnert sich Hölcke.

Bereits 1975 installierte Hölcke zusammen mit seinem Vater eine der ersten monovalenten Wärmepumpen für den im Aufbau befindlichen Gartenbaubetrieb. Diese Technik lagerte schon damals die Wärme aus der Erde (Erdkollektoren) in einem Wasserbecken als Zwischenspeicher. Das System lief drei Jahrzehnte störungsfrei.

Die Regenwassernutzung mit 245.000 Liter Fassungsvermögen über verschiedene Speichersysteme war bereits ein Jahr vorher installiert worden und bediente nicht nur die automatische Bewässerung der Kulturen, sondern auch die Toiletten sowie die Waschmaschine. 1984 installierte Hölcke blaue Energieschirme, welche nicht nur nachts die Strahlungskälte minderten, sondern auch den Einsatz chemischer Stauchungsmittel rapide senkten, was zu einer noch höheren Wirtschaftlichkeit führte.

„1985 ließ ich in einem Schlosserbetrieb in Bremen ein Rinnensystem zur geschlossenen Bewässerung der Kulturen mit einem Gefälle von 2,4 Prozent anfertigen. Das war genau das Gefälle, das auch die Majas in ihrem Bewässerungssystem nutzten. Jeden Tag die Kulturen mehrere Stunden zu gießen war mir zu aufwendig und meine Idee funktionierte. Ich begann, meinen Kollegen dieses System zu unterbreiten, lud sie zu Besichtigungen ein und erntete lediglich abweisendes Kopfschütteln.“ In einer doch sehr konservativen Sparte war es damals nicht einfach, Verbündete zu gewinnen. Heute ist das Prinzip weit verbreitet.

17 JAHRE BIS ZUM ZIEL

Hölcke entschloss sich, diesen ständigen Gegenwind, sozusagen symbolisch für die Energiegewinnung, einzusetzen. Er liebäugelte mit einer eigenen Windkraftanlage. „17 Jahre kämpfte ich um diese Genehmigung und ich ließ nicht locker, was mir den Anruf des damaligen Moderators der Sendung Monitor bescherte. Die wollten mich in ihrer TV-Show haben“. Fairerweise informierte er vorab die Stadt Hemer über die Anfrage und hielt noch am selben Tag die Baugenehmigung für sein Windrad in der Hand! „Unfassbar, mein Fernsehauftritt hatte sich somit leider erledigt, aber mein Traum war in Erfüllung gegangen und ich baute die erste Windkraftanlage Südwestfalens.“

Ende 1989 nahm das zweiflügelige Windrad seine Tätigkeit auf und versorgt nun seit 32 Jahren mit lediglich 36 Metern Höhe zuverlässig den gesamten Betrieb mit Strom. „Ich war einfach überzeugt von dieser Energieform und wollte zeigen, dass es einen ökologischen und dauerhaft wirtschaftlichen Weg gibt, ohne das Klima zu schädigen. Und ich sage Ihnen, ich bin es noch immer“, begeistert sich der Unternehmer. Zwischen 1.000 und 2.500 Volllaststunden im Jahr weht hier genügend Wind, um Strom zu produzieren. Die nächste Idee erhielt er während seines Aufenthaltes im Kurmittelhaus auf Borkum, wo er das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung kennenlernte. „Nach diesem Urlaub habe ich meine Koffer in die Ecke gestellt und mich an den Bau eines Blockheizkraftwerkes mit 40 kW gemacht und dieses mit meiner Windmühle verknüpft, die sozusagen als Sicherheitskette dient. Auch im Privathaus habe ich dann ein Blockheizkraftwerk installiert, und zwar mit der Möglichkeit, dieses im Inselbetrieb laufen zu lassen.“

Wenn es ordentlich bläst, speist die Windkraftanlage ausreichend Energie ins Netz ein, so dass an diesen Tagen weitaus mehr Haushalte in Hemer mit nachhaltigem Strom versorgt werden können. „Im Jahr 2021 wurden nun nach 30 Jahren der Ankerkranz und der Repeller der Anlage ausgetauscht und das Windrad generalüberholt. Ich rechne nun einfach mit weiteren 30 störungsfreien Jahren“, zeigt sich Hölcke optimistisch.

Den Glauben verlor er trotz Gegenwind selten. Er ist Überzeugungstäter, hält nach wie vor Vorträge und buchte im Jahr 2007 gar einen Kinosaal in Iserlohn, um mit dem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore rund 1.000 Besucher wachzurütteln.

Doch nicht nur energietechnisch war Hölcke anderen eine Nasenlänge voraus: Seine Internetseite wurde bereits im Jahr 2001 mit dem User Award prämiert. Im selben Jahr erhielt er den Mobilitätspreis Südwestfalen@award für „Power of E-Motion“ und das Jahr davor bereits den Marketingpreis der Stadt Hemer. Hölcke ist Mitautor des Buches „Typisch – Umweltschutz und Kommunikation“, bekam 2005 den Preis der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung in Hemer verliehen, wurde 2007 mit dem Klimaschutzpreis der RWE und der Stadt Hemer ausgezeichnet und durch die Wirtschaftsjunioren Deutschlands für vorbildliche Leistung im Bereich Corporate Social Responsibility und Klimaschutz prämiert. Die Planung und der Bau regenerativer Lösungen wie zum Beispiel der Bürgersolaranlage in Hemer, der Vertrieb und die Installation von Photovoltaik-Anlagen sowie Erdwärmepumpen vervollständigen die Liste von Hölckes Engagement in diesem Bereich.

KLIMANEUTRALE PARADIESE SCHAFFEN

Ab dem Jahr 2000 verlagerte Hölcke den Schwerpunkt seines Produktionsbetriebes auf den Garten-und Landschaftsbau, in dem er mittlerweile auch ausbildet. Daneben kultiviert das Unternehmen nach wie vor Weihnachtsbäume und betreibt einen Endverkauf.

„Mein Anliegen ist es, für unsere Kunden ein schönes Zuhause zu schaffen, damit diese gar nicht mehr in den Urlaub fahren oder fliegen müssen“, beschreibt Hölcke seine grundsätzliche Zielsetzung. Wenn er seine Auftraggeber berät, geht es natürlich auch um nachhaltige Themen wie Regenwassernutzung, biologische Filterung bei Schwimmteichen und Naturpools, ökologische Nischen im Garten, wie eine insektenfreundliche Bepflanzung oder heimische Baustoffe.

„Unser Beruf birgt unglaublich viele Möglichkeiten, den Klimawandel zu reduzieren. Nehmen wir das Beispiel Pool, Naturpool oder Schwimmteich. Je weniger Beton ich hierfür verbaue, desto besser ist die Klimabilanz. Wir verwenden deshalb hauptsächlich GFK-Becken mit Isolation. Inzwischen betreiben wir zwei Salzelektrolysepools und zwei Naturpools bei unseren Kunden sogar klimaneutral. Und es werden mehr werden, davon gehe ich aus.“

Solarenergie in Verbindung mit einer Dachbegrünung, Pool-Erwärmung, die über Absorber funktioniert oder auch der Einsatz von Wärmepumpen sind Konzepte, die Hölcke nicht nur anspricht, sondern bei deren Umsetzung er auch aktiv mitwirkt. Und auch auf ganz anderen Ebenen spielt Klimaschutz eine Rolle: Auf den Baustellen kann der Aushub gesiebt und wiederverwendet werden, das spart Transport-Kilometer zur Deponie.

Für die Kleinmaschinen im Betrieb verwendet Hölcke Aspen-Sprit, einen Teil hat er durch Akkugeräte ersetzt. Die großen Baumaschinen laufen mit Dieselkraftstoff. „E-Mobilität für alle Baumaschinen kann ich mir hierfür einfach noch nicht vorstellen. Die E-Mobilität wird unsere Welt nicht retten, da bin ich tatsächlich zwiegespalten. Wir brauchen einfach mehr Ökostrom und eine Politik, die konsequent dahintersteht. Die aktuell wohl sinnvollste Energiequelle für Fahrzeuge und Maschinen scheint grünes Methanol zu sein. Hierfür wäre auch die existente Infrastruktur nutzbar“, meint Hölcke.

Ein Anruf aus Cornwall führte im Jahr 2009 zu einem Auftrag in England: Die Firma Immergrün baute dort das erste öffentliche Naturbad. „Das war eine riesige Herausforderung, denn wir hatten lediglich eine schmale Zufahrt zum Gelände, die keinen Lkw zuließ und nur einen Kran, den wir stellen konnten. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Ein Jahr später war der Naturpool mit seiner biologischen Filterung auf der Online-Seite der Times auf Platz 14 der insgesamt 20 besten Hotelpools der Welt gelistet“, ist Hölcke noch heute stolz. Mittlerweile realisierte das Unternehmen rund 200 Schwimmteiche, Naturpools sowie Pools und sanierte zwei öffentliche Naturbäder. Hölcke verfügt des Weiteren über ein patentiertes System zur biologischen Aufbereitung des Wassers von Naturpools, Schwimmteichen, Badeteichen und klassischen Pools.

„Überzeugungstäter trotz ordentlichem Gegenwind“.

Klaus Hölcke

Für Hölcke liegt die Klima-Zukunft im richtigen Energiemix aus Wind, Sonne, Wasser und Holz. Dem Umweltschutz widmet er sich nach wie vor konsequent und mit gewohntem Enthusiasmus eine Stunde am Tag und ans Aufhören denkt der 64-Jährige noch lange nicht. Hölcke beschreibt sich als einen völlig normalen Menschen, der auch ab und an in den Urlaub fährt oder fliegt und den einen oder anderen Luxus sehr wohl schätzt. Das Erkennen der wahren Wünsche seiner Kunden liegt ihm bei seiner Arbeit am Herzen. „Wenn sich beispielsweise ein älteres Ehepaar eine Schaukel wünscht, dann geht es ja eigentlich darum, dass sie ihre Enkelkinder gerne regelmäßig sehen möchten. Und wir haben als Landschaftsgärtner tatsächlich die Möglichkeit genau diese Paradiese zu schaffen, und zwar klimaneutral! Umweltschutz ist so einfach, man muss es nur tun. Das was ich bisher realisiert habe, ging allerdings nur durch die Hilfe meiner Familie sowie meines engagierten Teams“, resümiert der Betriebsinhaber.