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Prämien-Tricks und Bayern-Rache


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 44/2022 vom 02.11.2022

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 44/2022

Die Krönung von König Otto! Rehhagel führt Aufsteiger Kaiserslautern sensationell zum Titelgewinn. Stolz präsentiert der Trainer am 9. Mai 1998 die Schale nach dem 1:1 beim HSV am letzten Spieltag. Rehhagel hatte zuvor Werder 1988 und 1993 zum Meister gemacht

TEIL 18

60 Jahre Bundesliga Unglaubliche Geschichten

Die größte Sensation der Bundesliga-Geschichte hatte ihren Ursprung Ende Mai 1997 in der Schweiz. Nachdem Otto Rehhagel (84) den 1. FC Kaiserslautern nach nur einem Jahr Zweitklassigkeit in die Bundesliga zurückgeführt hatte, sagte der Trainer zu seinem Sportchef Hans-Peter Briegel (67): „Wir müssen den Sforza zurückholen.“ Bereits von 1993 bis 1995 hatte der Schweizer Nationalspieler bei den Pfälzern gespielt, bevor Ciriaco Sforza (52) dann zum FC Bayern und danach zu Inter Mailand ging – dort aber unglücklich war.

Rehhagel wusste das, er kannte Sforza aus gemeinsamen Münchner Zeiten bestens, er schätzte ihn als Fußballer und Stratege. Also fuhr Briegel in die Schweiz. Im Hotel „Du Parc“ in Baden im Kanton Aargau trafen sich die FCK-Legende und der umworbene Mittelfeldspieler. Sforza verrät: „In den Gesprächen meinte ich: Ich komme, aber ich ...

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... will eine Meisterprämie. Denn die Lauterer konnten das Gesamtpaket nicht bezahlen. Hans-Peter Briegel nahm es lächelnd zur Kenntnis und fuhr zurück nach Kaiserslautern.“

Am Ende ging der FCK auf den vorgeschlagenen Deal ein. Denn keiner der Klub-Verantwortlichen glaubte ernsthaft, dass der Klub als Aufsteiger in seiner Bundesliga-Comeback-Saison sofort Meister werden würde – obwohl bereits der Titelgewinn 1991 eine große Überraschung gewesen war. Auf eine Million Mark einigten sich die Lauterer mit Sforza.

Rehhagel hatte seinen wichtigsten Spieler bekommen, ihn zum Kapitän und Anführer gemacht. Er war das entscheidende Puzzle-Teil für das Wunder von der Pfalz, das mit einem 1:0-Triumph am 2. August 1997 zum Saisonauftakt beim FC Bayern begann.

„Wir starteten gleich mit einer Riesensensation. Dieser Auftaktsieg war wie ein Sechser im Lotto für uns. Unvergessen sind die Bilder, als Otto nach dem Spiel mit der Wasserflasche in der Hand über die Bande sprang und zu unseren Fans in die Kurve rannte. Für ihn war das auch eine persönliche Genugtuung. Bei dem Verein zu gewinnen, der ihn vorher gefeuert hatte, das war das Größte für ihn“, sagt Weltmeister Andreas Brehme (61), der mit 37 Jahren damals der Routinier der FCK-Truppe war.

Bei Rehhagel saß der Stachel auch über ein Jahr nach seinem Rauswurf bei den Bayern im April 1996 tief. Beim FCK hatte er wenige Monate später im Sommer wieder sein Glück gefunden. Aus einer zerstrittenen Mannschaft formte er binnen weniger Wochen eine Einheit – die 24 Monate später Fußball-Geschichte schrieb. Das kostete den FCK viel Geld. Für die Zweitliga-Meisterschaft 1997 kassierte Rehhagel 500 000 Mark Prämie, für den Titelgewinn in der Bundesliga ein Jahr später 600 000 Mark.

Sonderzahlungen wie bei Rehhagel oder Sforza waren bei den Roten Teufeln damals übrigens keine Seltenheit. Stürmer Olaf Marschall (56) hatte neben Sforza ebenfalls eine Meisterprämie in seinem Vertrag, weil dessen Berater Michael Becker (69) mit dem damaligen Aufsichtsrats-Boss Robert Wieschemann († 80) clever verhandelte: 100 000 Mark wurden ausgemacht.

Pro Sieg zahlten die Bosse den Spielern 6000 Mark, für ein Unentschieden gab es 2000. Bei 19 Erfolgen und elf Remis waren das 136 000 Mark garantiert für jeden. Dazu gab es spontane Heißmacher-Prämien wie vor dem Saison-Auftakt bei den Bayern. Die doppelte Siegprämie – also 12 000 Mark – wurde ausgelobt. Rehhagel war ein Fan von finanziellen Anreizen für seine Profis. Aber der Verein sollte das Zahlen der Sonderzahlungen kurzfristig nach großen Siegen verkünden. Das riet er den Verantwortlichen. Und was König Otto sagte, das wurde gemacht.

Als dem FCK am 32. Spieltag in letzter Sekunde gegen Borussia Mönchengladbach das 3:2-Siegtor gelang, bebte der heimische Betzenberg – der FCK war dem vierten Titelgewinn der Vereinsgeschichte einen riesengroßen Schritt nähergekommen. Nach Abpfiff stürmte der damalige Präsident Hubert Keßler († 73) spontan und völlig euphorisiert in die Kabine und verkündete: „Für diesen Sieg gibt’s 12 000 Mark für jeden – zusätzlich.“

Doch das Geld-Doping war nicht das alleinige Erfolgsgeheimnis der Lauterer, die am vierten Spieltag die Tabellenführung übernahmen und sie nicht mehr hergaben. Der FCK profitierte von Rehhagels Führung. Um seine Spieler auf Spannung zu halten, predigte er gebetsmühlenartig in den Mannschafts-Sitzungen, als der zwischenzeitliche Neun-Punkte-Vorsprung zum Saisonende schmolz: „Wenn der FC Bayern einmal vorne ist, ist es vorbei. Wir müssen das Ding zumachen, bevor die anderen etwas merken.“

„OTTO REHHAGEL – KEINE EIFERSÜCHTELEIEN UND INTRIGEN. WIR WAREN EINE MANNSCHAFT, DIE BAYERN NICHT“

Ciriaco Sforza über das Erfolgsgeheimnis des FCK

Was die Lauterer taten. Und sich am Ende vorzeitig den Titel sicherten. Am vorletzten Spieltag gewannen sie gegen den VfL Wolfsburg 4:0. Da die Bayern im Fern-Duell beim MSV Duisburg nur 0:0 spielten, war am 2. Mai 1998 gegen 17.17 Uhr die Sensation perfekt: Meister ist nur der FCK! Das sangen die Fans im Fritz-Walter-Stadion nach dem Triumph und am Abend auf der spontanen Meister-Sause auf dem Marktplatz, zu der rund 50 000 Menschen kamen.

Offiziell geehrt vom DFB wurde der Titelträger eine Woche später in Hamburg (1:1), rund 30 000 Anhänger begleiteten die Mannschaft, um die Schale abzuholen. Nach dem Spiel ging es für die Profis des FCK mit einem Charterflieger zurück in die Pfalz, am Samstagabend und Sonntag fanden die nächsten Feierlichkeiten statt. Mittendrin: Rehhagel. „Es gibt einen Fußball-Gott. Und der sieht alles. Die Rechnung kommt immer, manchmal gleich, manchmal ein wenig später in der Saison“, sagte er damals Richtung München.

Und was war am Ende das Erfolgsgeheimnis?

„Unser Team bestand aus technisch begabten Spielern wie Ratinho oder Ciriaco Sforza, die etwas mit dem Ball anfangen konnten, und Brechern wie Michael Schjønberg oder Harry Koch, die ihn auch mal auf die Tribüne droschen, wenn es nötig war“, sagt Brehme, dessen Karriere mit der Meisterschaft doch noch ein gutes Ende nahm. Denn zwei Jahre zuvor war der Weltmeister mit dem FCK in Leverkusen abgestiegen, er weinte hemmungslos in den Armen seines Freundes Rudi Völler (62), der seinerzeit für Bayer spielte.

Brehme weiter: „Miroslav Kadlec, Sforza, Olaf Marschall, das war Ottos Achse auf dem Spielfeld. Er hatte immer seine drei, vier verlängerten Arme auf dem Feld.“

Sforza erklärt einen weiteren Grund: „Otto Rehhagel, keine Eifersüchteleien und Intrigen. Wir waren eine Mannschaft, die Bayern nicht.“ Zwei Jahre später ging der Schweizer nochmals zum Rekordmeister, gewann 2001 die Champions League. Doch die Sensation mit dem FCK wird immer einzigartig für ihn bleiben: „Wenn du als Aufsteiger am ersten Spieltag in München gewinnst, in der Rückrunde die Bayern nochmals wegputzt (2:0;d.Red.)und von Anfang an ganz oben stehst, dann steht dieser Erfolg für mich persönlich mindestens so weit oben wie der Champions-League-Titel mit Bayern 2001.“

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Die 5 besten Aufsteiger der Liga-Geschichte

Kaiserslautern schaffte es als einziger Neuling, auf Anhieb Meister zu werden. Aber auch andere Teams überraschten nach ihrem Aufstieg.

► Leipzig gelang 2016 der Aufstieg und 2016/17 die Vize-Meisterschaft hinter den Bayern. Erst am 14. Spieltag (!) kassierte RB die erste Niederlage, ein 0:1 in Ingolstadt.

► Auf Rang drei folgt der FC Bayern. 1965, zwei Jahre nach Gründung der Bundesliga, stieg der FCB auf. Die Münchner beendeten die Saison 1965/66 als Dritter, punktgleich mit Vize Dortmund und nur drei Zähler hinter Lokalrivale und Meister 1860. Zudem gewann Bayern den DFB-Pokal.

► Viertbester Aufsteiger ist der VfB Stuttgart. 1977 gelang nach zwei Spielzeiten in der 2. Liga die Rückkehr ins Oberhaus. Vierter wurde der VfB am Ende und stellte dabei einen Zuschauerrekord auf. 53 567 Besucher kamen im Schnitt zu den Heimspielen.

► Vierter wurde auch Aufsteiger Wuppertal 1972/73. Lohn: die Uefa-Cup-Teilnahme. Aber: Bereits 1975 stieg der Klub wieder ab – und kehrte nie wieder zurück in die 1. Liga.