Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 9 Min.

PRAXIS BINDEN WIE EIN PROFI: DER PROFI


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 05.10.2018

Hundert Haken, siebenhundert Federn, zweihundert Hecheln und der feste Wille, daraus in vier Tagen 100 perfekte „General Practitioner“ zu binden. Ein Selbstversuch von Ingo Karwath.


Artikelbild für den Artikel "PRAXIS BINDEN WIE EIN PROFI: DER PROFI" aus der Ausgabe 60/2018 von FliegenFischen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Ingo Karwath im Selbstversuch: Was macht es mit mir, wenn ich 100 General Practitioner in vier Tagen binde? Bis Nummer 74 hat er es, wie man sieht, geschafft …


Fotos: IK

In meinen jungen Jahren als Lachsfischer, wir reden von den späten Siebzigern, waren meine Fliegendosen mit klassischen Rangern und General Practitionern (GP), bestückt, weil ich die so schön binden konnte. Das war natürlich auch dem jungen Portemonnaie ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 6,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von FliegenFischen. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 60/2018 von AUF EIN WORT: Der Herbst ist der Frühling des Winters. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
AUF EIN WORT: Der Herbst ist der Frühling des Winters
Titelbild der Ausgabe 60/2018 von PRAXIS KÖCHERFLIEGE: October Caddis. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PRAXIS KÖCHERFLIEGE: October Caddis
Titelbild der Ausgabe 60/2018 von ZUBE SUCHBEI NIKLAUS BAUER: „BARSCHE FANGEN IST UNFASSBAR GEIL!“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ZUBE SUCHBEI NIKLAUS BAUER: „BARSCHE FANGEN IST UNFASSBAR GEIL!“
Titelbild der Ausgabe 60/2018 von PRAXIS ÄSCHE: Der Wurf der Äsche. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PRAXIS ÄSCHE: Der Wurf der Äsche
Titelbild der Ausgabe 60/2018 von FISCHRETTUNG REPORT: Rette sie, wer kann!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
FISCHRETTUNG REPORT: Rette sie, wer kann!
Titelbild der Ausgabe 60/2018 von PRAXIS ORSCHERL: Hans Gebetsroithers „ORSCHERL“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PRAXIS ORSCHERL: Hans Gebetsroithers „ORSCHERL“
Vorheriger Artikel
REPORT ROYAL FISHING CLUB: La Gomera Tanz auf dem Vulkan
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel LESERBRIEFE
aus dieser Ausgabe

... geschuldet, denn die mindestens 24 Mitglieder große Ranger-Familie – und auch der GP – werden überwiegend aus dem damals wie heute günstigen Goldfasan gebunden. Die Ranger sind bei mir den Templedogs gewichen, aber den GP fische ich seit vierzig Jahren unverändert, so wie bei Colonel Bates gelernt.

Alle Jahre wieder erneuere ich mein Bestand, denn der GP ist bei mir eine Sinkschnurfliege, und Hänger fordern nun einmal ihren Zoll. Die nötigen Partridge Q Low Water Doppelhaken in 1/0 kaufe ich mir jedes Jahr im Herbst bei GoFishing in Odense. Das ist Tradition. Doch letztes Jahr hing da nur ein einziges Päckchen für 75 Kronen. Eine schnelle Recherche kam zu dem Ergebnis, dass der Haken nicht mehr erhältlich ist und im Internet pro Päckchen schon für 12,50 US-Dollar gehandelt wird! Dann tat sich aber doch noch ein günstiger Versender auf und ich kaufte zwanzig Päckchen à 8,50 Euro. Zweihundert Haken, ein schöner Vorrat.

Die ersten fünf Muster waren flott gefertigt, als mir die dumme Idee kam, mal hundert Stück auf einmal binden zu wollen, gefolgt von der Idee, dies mit einem Artikel zu begleiten. Zu diesem Zeitpunkt war noch alles gut …

DER KLEINE BINDEPROFI – UND HARRY POTTERS DEMENTOREN
Ein ohne Eile gebundener großer GP besteht aus Ovalgold, Dubbing, zwei braunen Daunen-, vier roten Körper-und einer Tippetfeder sowie zwei Hecheln. Man verbraucht zudem etwa 20 cm Ovalgold und 250 cm Bindefaden pro Fliege, und das Binden dauert bei mir etwa 20 Minuten. Hundert Stück sollten also bei optimierten Bindeabläufen in 32 Stunden zu machen sein. Vier Tarifzeit-Tage binden, binden, binden. Binden! Ich habe als Student immer mal für Läden gebunden, auch für Privatkunden, und ich hasse das immer noch!


„Das war die blödeste Idee, die ich je am Bindetisch hatte …“


Ein General Practitioner, zerlegt in 4 Arbeitsabschnitte. Mit dieser Teilung sollte es möglich sein, 100 dieser Fliegen in vier Tagen zu binden. So war der Plan…


Nur einmal war es richtig schön, da machte ich 200 Black & Peacock für 180 Mark und habe damit für Sabine ein Medaillon zum Geburtstag gekauft. Silber, mit schwarzer Emaille, alt, etwa von 1920. Sie hat sich so gefreut.

Aber ein Auftrag über 300 Blue Charm brachte mal Kälte und Dunkelheit ins Haus wie Dementoren an der Tür von Harry Potter.

Man konnte das nur vom Ende her denken, also vom Erfolgserlebnis an rückwärts. Der Verdienst würde mal wieder für ein paar Tage am Spey reichen. Oder Karup Au. Oder eine Gespließte.

Ich habe danach nie wieder, also nun seit 40 Jahren, nicht mehr professionell gebunden!

Hier also der Versuchsaufbau: Das Material ist im Haus, vier Tage Zeit, der Kunde bin ich selbst. Wie wird es gehen? Und wie wird es mir ergehen?

ERSTER TAG: FRAU AUF FORTBILDUNG, LOS GEHT‘S!
Samstag, acht Uhr, meine Frau ist auf Fortbildung, mit dem Hund war ich schon um sechs Uhr früh eine Stunde im Wald. Frühstück und Kaffee hab’ ich intus. Es geht los. Auf der kleinen Anlage Musik von Kari Bremnes.

Ich versuche ganz entspannt zu sein, fühle mich aber doch ein wenig wie in einem Rennen. Die hundert Haken haben etwas Einschüchterndes. Das sind viele nackte Haken.

Ich habe mich für einen arbeitsteiligen Ansatz entschieden und binde zunächst alle Fundamente und Tags. Für das Einspannen, Binden und Lackieren benötige ich pro Tag 80 Sekunden. Rein rechnerisch sollte das bei 100 Haken 2 Stunden und 22 Minuten dauern. Ich kalkuliere mal mit drei Stunden, weil ich ja keine Maschine bin. Das ist langweilig, ich komme aber sehr gut voran. Um 10 Uhr haben 72 Haken goldene Tags. Ich mache eine Pause und gönne mir ein Croissant. Eine Stunde später habe ich alle Haken fertig. Jetzt bereite ich noch eine Stunde Daunen vor und mache dann Mittag, öffne mir mit Vorfreude ein Weckglas Gulasch, esse ein halbes Baguette dazu und gönne dem Hund die zweite Tagesrunde.

Um 14 Uhr sitze ich wieder am Bindetisch. Die Tags sind fertig und ich binde jetzt den Schwanz und das aus zwei konkav eingebundenen braunen Daunen illusionierte „Köpfchen“ des Shrimps ein. Dieser Bindeschritt dauert im Prinzip ebenfalls 80 Sekunden, macht aber deutlich mehr Freude, als die Tags zu binden. Ich muss aber zwischendrin noch Daunen vorbereiten, weil ich nicht alle 200 vor dem Mittagessen zupfen konnte.

Von Kaffee und Kuchen unterbrochen, schaffe ich das tatsächlich bis 18 Uhr und blicke stolz auf hundert heckfertige GP’s. Natürlich mit lackierten Einbindestellen. Ich hab’ überzogen, aber was soll’s, ich bin ja der Chef.

Der Partridge Q Low Water Doppelhaken in 1/0 bildet die Hardware der General Practitioner. Und damit fingen die Probleme schon an – der Haken wird nicht mehr produziert.


Hundert goldene „Tags“ bilden den Anfang, und es lohnt sich sehr, diesen Bindeschritt arbeitsteilig zu machen. Rein rechnerisch dauert das 2 Stunden 22 Minuten. Praktisch aber drei Stunden.


ZWEITER TAG: ICH HABE DIE SCHNAUZE VOLL UND KÜNDIGE!
Sonntag, gleicher Ablauf, ich sitze um acht Uhr am Bindetisch. Das Daunenzupfen war gestern kein optimaler Arbeitsprozess und ich beginne heute damit, die 200 Hecheln vorzubereiten. Unten abstreifen, oben kürzen und eine 1 cm lange Einbindestelle am Kiel scheren.

Um 9 Uhr ist der erste Balg so gerupft, dass ich den zweiten nehmen muss. Um 10 Uhr ist der zweite erledigt. Reicht immer noch nicht. Ich muss nachbestellen.

Danach bereite ich vierhundert Körperfedern vor und entblöße dabei fünf komplette Goldfasanbälge. Die großen Roten sind einfach nicht zahlreich genug, man holt aus einem Balg etwa 80 Stück.

Hundert Tippetfedern müssen unten gerupft werden, und oben klippt man die Mitte heraus. Dann gibt man einen Tropfen Lack auf die Mitte und legt die Feder zum Trocknen. Sie wird später mit ihren schwarzen Spitzen die Augen imitieren. Das ganze Gezupfe nervt total, aber so viele Federn schön vorbereitet liegen zu haben, macht auch Spaß. Ich beschließe, mich nicht mehr gegen den Vorgang zu sperren, rauche eine Zigarre und höre Rebekka Bakken.

Um 16 Uhr bin ich tatsächlich fertig und habe 200 Hecheln, 400 Körperfedern und 100 Tippetfedern vorbereitet. Unwillkürlich kommt mir der Gedanke, für diesen Job einen Schimpansen anzulernen, aber ich bin ja kein Ausbeuter.

Trotz der Bemühungen um positive Gedanken habe ich die Schnauze voll und kündige innerlich. Draußen ist es noch hell. Das Wetter ist okay und ich schnapp’ mir die mittlere Skagit-Rute und fahre an den Fluss – und fange tatsächlich einen Zander von vier Pfund. Und ich bin selbst derart in Optimierungsprozessen gefangen, dass ich den Fisch gleich am Wasser filetiere. Was für ein schöner Tag. Morgen gibt es Pannfisch mit Senfsauce. Das Binden ist vergessen.

Fünf Stunden Daunenzupfen! Zwei braune Daunen vom Goldfasan bilden den Kopf der Garnele. Die Fühler binde ich etwas zahlreicher ein, weil sie sich bei der Fischerei verbrauchen. Rechts und links unter dem Flügel sind etwa 40 Körperfedern, die für Größe 1/0 passen.


Und dann geht es dem Goldfasan an den Kragen. Jede einzelne Tippetfeder wird am Stamm gesäubert, dann wird jede einzelne Spitze ausgeschnitten und die Feder mit etwas Lack stabilisiert. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich fünf komplette Goldfasanbälge entfedert habe?


„Ich habe die Schnauze komplett voll!“


Die hintere Körperhälfte besteht aus Dubbing, Ovalgold, einer Hechel, einer vorbereiteten Tippetfeder und zwei roten Körperfedern. Der Zeitaufwand für diesen Bindeschritt beträgt etwa zwölf Stunden. Vier Stunden zupfen, schnippeln, lackieren, dann acht Stunden binden.


Die vordere Hälfte entspricht der hinteren, jedoch ohne Tippet. Die aufgelegten Körperfedern muss man sorgfältig aussuchen, denn sie bestimmen das Bild der Fliege. Außerdem erfordert der Kopf mit dem Whip Finish nun Aufmerksamkeit. Aufwand: Zwei Stunden zupfen und zehn Stunden binden.


DRITTER TAG: 60 FLIEGEN SIND HALB FERTIG
Der erste Haken ist im Stock und ich bin gespannt, wie der optimierte Ablauf sein wird. Das vorbereitete Material ist ein Luxus, den ich so noch nicht hatte! Ich brauche für die erste fertige Fliege siebzehn Minuten. Drei weniger als beim „unprofessionellen“ Binden. Ich würde also mehr als drei Stück in der Stunde schaffen und plane für heute mal 30 Fliegen ein. Da ich mich bei dieser Aussicht vorher schon langweile, will ich nach Ablauf einer Stunde jeweils eine andere Fliege zur Erholung binden und lege mir das Material für Jysk Chilimps zurecht. Vor Begeisterung hätte ich fast den Zwischenschritt vergessen ein Foto zu machen, rücke die Lampen zurecht und beleuchte die nun so volle Schale. Das sieht schon mal gut aus. Dann entscheide ich mich, den Bindevorgang doch noch einmal zu halbieren und werde nur das hintere Dubbing-, Hechel-, und Federsegment binden. Das dauert sechs Minuten, und hebt die Stückzahl theoretisch ganz erheblich. Ich verabschiede mich aber von einer Zahl und will bis Punkt 20 Uhr binden. Dann ein Glas Wein, oder zwei, und auf irgendeinem Kanal einen alten Brunetti finden. Das wäre schön.

Das Ganze geht flott von der Hand und macht sogar Spaß. Die Chilimps-Idee ist vergessen, ich will Strecke machen!

Ich benötige für diesen hinteren Aufbau jeweils fünf Minuten, bin also schneller geworden. Um 20 Uhr sind tatsächlich sechzig Fliegen halb fertig. Ich zupfe mir einen Chianti auf und sinke erschöpft in meinen Sessel. Und finde einen alten Brunetti.

VIERTER TAG: ICH HAB’ ECHT KEINE LUST MEHR …
Samstag, 8 Uhr früh. Nachdem ich mich gestern von meinen Vorgaben verabschiedet habe, brechen heute alle Dämme. Statt zu binden, fahre ich am Vormittag in die Stadt und gehe am Nachmittag am Polder angeln. Ich habe absolut keine Lust mehr, mich selbst als Arbeitnehmer auf diesem Niveau auszubeuten und beschließe die restlichen Muster zu binden, wenn immer ich Zeit und Lust habe!

Also binde ich, wenn ein Ei kocht, ich binde, wenn mein Kaffee zieht, ich binde gleich nach dem Aufstehen, am Nachmittag, nach dem Abendbrot, in Werbepausen und vor dem Zubettgehen. Nun beginnt sich der ganze Vorgang hinzuziehen, und kein smartes Ziel mehr zu haben, das nervt auch. SMART -Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert. Es nervt eigentlich noch mehr als vorher.

Trotzdem geht mir das Handwerkliche gut von der Hand, und, wie auch bei meinen privaten Fliegen üblich, mache ich eigentlich zu viel Wicklungen, bin zu sorgfältig und lackiere zu viel. Doch so langsam steigt die Zahl der fertigen Muster und es kommt wieder Freude auf, weil das Ende absehbar ist und so viele fertige Fliegen schon ein besonderer Anblick sind. Zudem extrem einmalig. Ich mache das ganz sicher nie, nie wieder!

Dann kommt der große Moment. Ich bin fertig. Hundert GP mit weißen Köpfen. Ich lackiere jeden Kopf dreimal mit rotem Cellire-Bindelack und bin davon viel weniger genervt als angenommen. Es kommt ein wenig Stolz auf. Wo werden die einmal schwimmen, wird es einer an den Alta schaffen, wird einer die 15 Kilo Marke knacken, einer gar die 20 Kilo? Ich bin in Gedanken bei denen, die sie fischen werden.

UND JETZT: DIE RECHNUNG, BITTE!
Die 100 Fliegen haben letztlich doch 35 Stunden Arbeitszeit gedauert. Bei 8,50 Euro Mindestlohn müsste mir nun jemand 297,50 Euro geben. Wenn ich Arbeitnehmer wäre. Ich bin aber Unternehmer. Addieren wir also 85 Euro für die Haken, dazu 200 Euro für das Material, und 30 Euro Raummiete, Werkzeug und Licht und Wärme. Macht zusammen 315 Euro. Das wären, mit den Lohnkosten, zusammen 612,50 Euro.

Dann hätte ich gerne mehr Verdienst und schlage einen Euro drauf. Plus 100, macht 712,50 Euro. Das machen wir mal rund und ich sage: 7 Euro pro Fliege wäre mein VK. Dann hätte ich in 35 Stunden 395,50 Euro verdient. Die Hälfte holt sich der Staat, macht 200 Euro für mich. So über den Daumen. Mein Netto-Stundenlohn wären dann 5,71 Euro. Ehrlich gesagt würde ich die GP aber nicht unter 10 Euro pro Fliege verkaufen wollen, doch wer gibt mir die?


„Das mache ich nie, nie wieder!“


Volle Gläser. Da ich mit weißem Faden gebunden habe, werden alle Köpfe zunächst farblos und dann mehrmals rot lackiert. Das macht Freude, dauert aber zwei Stunden. Alles summiert sich zu 32 Stunden Bindearbeit, dazu saugen, aufräumen und Gewerkschaftspausen, macht 35 Stunden.


Damit könnte ich mit Vietnam oder Thailand nicht konkurrieren. Das Durchschnittsbruttoeinkommen in Vietnam sind etwa 200 Euro bei 48 Wochenstunden. Eine im Prinzip ja ungelernte Arbeiterin bekommt vermutlich sogar weniger, und haut vielleicht 200 dieser Fliegen die Woche raus, macht 800 bis 1.000 im Monat. Die Fliegen kommen für einen Euro in den Handel.

Bis die zu meinem VK beim Kunden sind, hat der Zwischenhandel 6 Euro daran verdient. Die junge Frau im weißen Ao Dai macht nämlich eine dieser Fliegen für 18 Cent!

Da in Asien so viel Geflügel gegessen wird und der Federhandel entsprechend günstig ist, dürfte das Material samt Haken meine Werte deutlich unterbieten. Sagen wir mal 15 Cent pro Fliege.

Die Binderin holt also 67 Cent Mehrwert pro Fliege ins Haus. Im Ideal 770 Euro im Monat. Vor dem Handel. Eine Firma mit 50 Binderinnen hätte fast 500.000 Euro Jahreseinkommen!

Lieber für fünf Pfennig Handel als für ne’ Mark Arbeit, sagte mein Opa immer. Tja, Opa, wie recht du hast. Es war interessant, mal in ihrer Bindewelt zu sein, liebe junge Kollegin in Vietnam, aber ich ergebe mich.

Doch was jetzt tun mit 100 GP? Immerhin sind die von mir, traditionell und doppelt befiedert, und mit Lack und Knoten unten drunter extrem haltbar. Geld will ich keines haben. Das rechnet sich nicht. Aber ein Tausch scheint möglich. Mein VK gegen Händler EK. Da käme ich gut bei weg. Und ich habe eine bestimmte Lachsrute im Visier – die Verhandlungen laufen …