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PRAXIS CODE ZERO: Leichtwindwaffe Code 0


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 11.05.2018

Immer wieder hat sich der Segelplan auf Yachten in den letzten 50 Jahren verändert. Heute dominiert ein großes Groß mit kleiner Genua. Mit Auswirkungen bei leichten Halbwinden, wo die Genua nicht mehr richtig zieht. Die Lösung liegt im Code 0. Was für ein Segel ist das eigentlich?


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 60/2018

Der weit überlappende Code 0 entwickelt sich zum Allzweckmittel auf vielen Kursen


Im Segelplan heutiger Konstruktionen klafft quasi eine Lücke zwischen der kleinen Genua und dem Vorwindsegel wie Spinnaker oder Gennaker


Sogar auf Amwindkursen bei Leichtwind könnte der Code 0 gesetzt werden, um das Geschwindigkeitspotenzial voll ...

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Endlich Ansegeln! Sonne satt – an diesem späten Aprilwochenende hat der Frühsommer auch den Norden erreicht. Zu Dutzenden schieben sich Yachten durch das Nadelöhr von Schleimünde und segeln halbwinds in einer leichten Brise gemächlich am Fähranleger der alten Lotseninsel vorbei – ein Hot Spot, um das Spektakel bei einem Stegbier aus nächster Nähe zu beobachten. „Wie kann es sein, dass diese alte Bianca an der fast neuen Hanse vorbeizieht?“, unkt mein Nachbar. In der Tat konnte man das Phänomen ‚Klassiker versegelt Moderne‘ heute schon häufiger beobachten. Aber dass Oldies bei leichten Winden offensichtlich besser performen, ist natürlich Quatsch. Durch moderne Sandwichtechnologien wurden Yachten im Gros deutlich leichter, Rümpfe wie Kiele strömungsgünstiger, der Trimm wurde verbessert und die Segel durch verschiedene Laminate optimiert. Aktuelle Yachten segeln fast immer mit einem großen Großsegel und einem kurzen, hochgeschnittenen Vorsegel, das sich leicht handeln lässt – aber auf Halbwindkursen nicht mehr gut zieht. Ganz anders die weit überlappenden Genuas füherer Jahre. Eine Fehlentwicklung?

Ein Rückblick – wie Regeln Rigg und Segel beeinflussten
Nach Jahren des Partialriggs setzte ab etwa Mitte der 1960er Jahre ein Trend zu toppgetakelten Yachten ein, da man die Effizienz großer Genuas gerade auf Amwindkursen erkannte. Begünstigend hinzu kam Mitte der 1970er die sich weltweit durchsetzende International Offshore Rule (IOR), die große Großsegel deutlich härter bestrafte als eine große Genua. Da die Formel auch Fahrtenyachten beeinflusste, wurden weit überlappende IOR-Genuas von 140 Prozent und mehr bald die Norm. Das Durchwenden der Riesenlappen war Arbeit, aber sie zogen hervorragend, gerade halbwinds und bei einer leichten Brise. Anfang der 1990er Jahre verdrängte jedoch das durchdachtere International Measurement System (IMS) die alte IOR-Formel. Das Ziel: So genannte ‚Rule Cheater‘ – also Boote, die bloß nach Formel schnell waren – zu stoppen und Regatten durch das komplexere Vergütungssystem fairer zu machen. Neben Veränderungen im Rumpf (kurze Überhänge, ausgeprägter U-Spant) brachte IMS auch wieder das Fraktionalrigg. Mit dem Ergebnis, dass nun großflächige Großsegel und kaum noch überlappende, kleine Genuas den Segelplan bestimmten. Was auch das Handling im Fahrtensegeln erleichterte: Mit dem veränderten Segelplan lässt sich ein deutlich größeres Windspektrum abdecken, ohne das Vorsegel wechseln zu müssen. Zudem lassen sich die kleinen, kaum überlappenden Vorsegel zwischen 105 bis 108 Prozent viel leichter handeln und durchwenden, da die Holewege der Schoten entsprechend kurz sind. Im Idealfall muss gar nicht mehr geschotet werden, wenn die kurze Genua als Selbstwendefock arbeitet. Mehr Höhe laufen diese Segel sowieso, da sie innenwantig, teils sogar auf dem Oberdeck gefahren werden. Bei fast allen modernen Yachten laufen die Wantenaufnahmen so mittlerweile außen in das Rumpfsüll ein –deutlich günstiger, als aufwendige Unterkonstruktionen wie zuvor durch das Deck laufen zu lassen.

So hat sich dieser Segelplan, wenn auch stetig weiterentwickelt, heute im Fahrtensegment durchgesetzt. Das Manko dabei ist nur, dass das vereinfachte Handling zu Lasten der Leichtwindperformance geht, sagt Segelmacher Ulli Münker von der Segelmanufaktur Faber und Münker aus Kiel: „Unter zehn Knoten Wind zieht die kurze, flach und hoch geschnittene High Aspect-Genua, wie der moderne Schnitt genannt wird, nicht mehr.“ Was sich gerade bei voll ausgerüsteteten Fahrtenbooten mit mehr Gewicht bemerkbar macht. „Fällt man auf Halbwindkurs ab, öffnet also die Schot, vertwistet sich das hochgeschnittene Segel im oberen Drittel. Was die optimale Anströmung stört und Geschwindigkeit kostet.“ Klar kann dem durch Holepunktverstellung bedingt entgegengewirkt werden. Aber Fakt ist: Zwischen der alten, weit überlappenden Genua und der aktuellen High Aspect-Genua, die im Grunde eher den Namen Fock verdient, ist eine Lücke entstanden, die sich vor allem bei leichten Winden mit einem Schrick in der Schot und halbwinds bemerkbar macht.


„Zwischen der alten, weit überlappenden Genua und der aktuellen High Aspect-Genua ist eine Lücke entstanden“


Moderne Segelpläne haben nur noch eine knapp überlappende Genua – Am Wind in Ordnung, doch bei halb Wind nicht mehr


Verunsicherung – wer oder was ist Code 0?
Sie wurde allerdings vom Markt im Grunde genommen längst geschlossen – nur scheint das bei vielen Fahrtenseglern noch nicht angekommen zu sein. Was teils vielleicht auch an der Anpreisung liegt: Von Hanse über Bavaria bis Beneteau – alle großen Hersteller bieten heute ihre Yachten nach einem Baukastenprinzip an, um den Basispreis möglichst gering zu halten. Wer sein Kreuz bei allen Extras setzt, wird diesen so leicht nochmal um 25 bis 30 Prozent steigern. So wägt man als Käufer ab, auch bei den Segeloptionen: einen Gennaker als Vorwindsegel? Klar, braucht man. Aber einen Code Zero? Man hat doch eine Genua und wozu überhaupt? In einer spontanen Umfrage unter befreundeten Seglern konnten weniger als ein Viertel erklären, wann und bei welchem Wind das Segel mit dem komischen Namen eigentlich eingesetzt wird. Was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass viele noch auf alten Fahrtenyachten mit großen (Roll-)genuas unterwegs sind – wo er nicht zwingend gebraucht wird. Ganz anders auf aktuellen Yachten.

Um einen Code Zero nachrsten zu können, muss ein zweites Vorstag mitsamt Furler geriggt werden. Am besten geht das auf Schiffen mit Partialrigg, da die Spannung besser krontrolliert werden kann


Code Zero – weit mehr als bloß Ersatz der alten IOR Genua
Entgegen der häufigen Ansicht, ein Segel für raume Winde zu sein, ist der Code 0 ein Halbwind- bis gar leichtes Amwindsegel, das das Performance-Loch zwischen kleiner, unüberlappender Genua und Gennaker perfekt stopft, erklärt Ulli Münker: „Recht flach geschnitten und mit einer Überlappung zwischen 160 und 180 Prozent segelt sich der Code 0 praktisch wie eine riesige Leichtwindgenua.“ Dadurch wird er gerade für Yachten mit kleiner Genua zu einer unbedingten Leichtwindwaffe. Halbwinds, weil er einfach rund 70 Prozent mehr Fläche bietet. Aber auch am Wind bei einer Brise von wenigen Knoten. Denn hier gewinnt der scheinbare Wind an Bedeutung: Durch das große Segel nimmt das Boot Fahrt auf, der scheinbare Wind erhöht sich und weht nun mit mehr Druck ein. So baut sich der Code 0 quasi selbst seinen eigenen Wind. Das tut zwar auch eine Genua, nur bei Weitem nicht in diesem Maße. Leicht lässt sich die Geschwindigkeit durch das moderne Leichtwindsegel um zwei, drei und mehr Knoten verbessern – abhängig vom Wind, Kurs und Yacht.

Code Zeros der neuesten Generation werden in speziellen, dreidimensionalen Laminaten mit verstärkenden Carbon-Fasern geklebt und vernäht, „wodurch ein sehr profilstabiles, leichtes Vorsegel entsteht, das in einem wahren Windwinkel zwischen maximal 50 Grad zum Wind und bis zu 120 Grad vor dem Wind gefahren werden kann, ehe dann der bauchiger geschnittene und größere Gennaker zum Einsatz kommt“, erklärt Ulli Münker. Wie hoch man tatsächlich mit ihm segeln kann, hängt immer auch vom Bootstypus, Welle und Windstärke ab. Generell gilt: Je weniger Wind und Welle, desto mehr Höhe. Logisch, denn wie beschrieben potenziert sich der scheinbare Wind durch das gigantische Vorsegel durch verbesserten Vortrieb. Kommen dabei Wellen hinzu, zerstören sie die optimale Anströmung, das sensible Leichtwindsegel fängt im Achterliek an zu schlagen.

„Im Handling entscheidend ist der Spagat aus maximal erreichbarer Höhe bei gleichzeitig guter Performance“, erklärt der renommierte Regattasegler und langjährige Mitarbeiter bei North Sails Thomas Jungblut.

Gerade auf Yachten mit modernem Segelplan sei die Bedeutung nicht hoch genug einzuschätzen, „da man nur mit dem Code 0 auf halben und leichten Amwind-Kursen nahezu dieselbe Geschwindigkeit erreicht wie der wahre Wind weht.“ Sieben Knoten Fahrt bei sieben Knoten Wind? Das gilt vor allem für geschwindigkeitsoptimierte, leichte Regatta- und Performance-Yachten. „Aber auch normale Fahrtenyachten erhöhen durch den Code 0 deutlich ihr Geschwindigkeitspotenzial – und damit eben auch die Reichweite auf Törn. Sinn macht dieses Segel so für alle Yachten.“

Bedingungen zur Nachrüstung – worauf man achten sollte
Nur lässt sich der Code 0 nicht auf jeder Yacht problemlos nachrüsten (oder besser: anschlagen), da er an einem eigenen, freien Stag gefahren wird, das unten am Bug ausreichend Platz für einen mitgelieferten Furler benötigt. Ideal ist natürlich ein Bugspriet, aber auch ein Ankerbeschlag oder vorstehender Bugtritt tut seine Dienste, sofern er für die Zugbelastung ausgerichtet ist. Auch oben am Rigg braucht der Code 0 etwas Abstand zum Vorstag, damit er sich nicht mit diesem vertörnen, sondern sicher und frei davon gefurlt werden kann. Gut eignen sich so Partialriggs mit einer 7/8 oder aktueller 9/10-Unterteilung, wo der Abstand zwischen Vorstag und Spifall im Topp in der Regel ausreicht. Zudem sollte sich der Mast nach achtern trimmen lassen. Damit der Code 0 am Wind die gewünschte Perfomance erreicht, braucht er Spannung auf dem Vorstag – was beim Code 0 gleichzeitig auch Vorliek ist, erklärt Christian Tinnemeyer von Faber & Münker: „Andernfalls erreicht das Segel bei Weitem nicht die Höhe.“ Massive Toppmasten wie bei Booten von Najad oder Hallberg-Rassy könne man getrost vergessen. „Aber fraktionale, sich verjüngende Riggs gehen fast immer. Meist reichen ein paar Fotos per Smartphone, um eine Eignung des Riggs zu klären.“

Ein Riesensegel – kann man den Code 0 einfach handeln?
Eindeutig ja, und zwar mit kleiner Crew oder allein. Über das Spinnakerfall im Topp angeschlagen, wird er durch den mitgelieferten Furler im Grunde wie eine Rollgenua aus- und eingerollt. Hochwertige Code Zeros haben ein torsionsfreies Kunststoffkabel als Stag – worauf man beim Kauf achten sollte, um keine Probleme mit einem schlecht rollbaren Riesensegel zu bekommen. Denn eingerollt werden muss der Code 0 vor jeder Wende, da die große Überlappung des dünnen Tuches sonst Schäden durch Rigg und Wanten bekommen würde und die Gefahr besteht, dass er sich mit dem Vorstag verklemmt. Aber das Ein- und Ausfurlen über eine mitgelieferte Endlosleine, die man beispielsweise an der Achterklampe fixiert, ist absolut problemlos. Blocken kann man die Furlerleine beispielsweise über Mittel- oder Achterklampen. Überläufer durch zu schnelles Ausrauschen lassen (wie bei der Rollgenua) entfallen beim Code Zero wegen der Endlosleine, die sich nicht auf einer Trommel aufrollt – man macht das besser trotzdem kontrolliert-langsam. Wegen seiner großen Überlappung bis hin zum Cockpit wird der Code 0 über achterliche Spi-Blöcke gefahren, ehe die Schoten dann auf den achteren Spi-Winschen zum Trimm einlaufen. Aber der Trimm funktioniert auch über Schotwinschen. Wer das Windspektrum für das Leichtwindsegel einhält, braucht den Code 0 trotz seiner Größe in der Handhabung nicht zu fürchten. Im Gegenteil: Das leichte Handling und weitaus größere Geschwindigkeitspotenzial gegenüber kleiner Genua überzeugen und begeistern.

Gennaker oder Spinnaker – die beiden großen Raumwindsegel
Wo der Einsatzbereich des Code Zero aufhört, also bei raumen Winden jenseits der 120 Grad, gewinnen die beiden großen Blasen Gennaker und Spinnaker an Bedeutung. Ihr wesentlicher Unterschied liegt im Schnitt: Während der klassische Spinnaker symmetrisch geschnitten ist, weist der erst Ende der 1980er auf den Markt gekommene Gennaker eine Asymmetrie auf. Asymmetrische Vorläufer wie den Halbwinder oder Blister als Spi-Ersatz für Fahrtensegler gibt es jedoch schon seit den 1970er Jahren. Klar scheint, dass der Gennaker dem Spinnaker im Fahrtenbereich auf raumen Kursen den Rang ablaufen wird. Ganz einfach, weil er einfacher zu handeln ist. Er braucht keinen Spibaum samt Holeleinen mehr – nur noch eine kleine Bugnase bis hin zum Bugspriet, die man auf immer mehr Yachten heute findet. Moderne Gennaker wurden im Schnitt immer weiter optimiert, sodass sich nahezu die gleiche Tiefe (wir reden von Differenzen von vielleicht fünf bis zehn Grad Unterschied) mit ihnen fahren lässt. Vereinfacht kann man so sagen, dass auch bei den raumen Segeln ein Wandel stattfindet. Weht der Wind vorlicher, kommen heute Segel mit Namen wie Code 1, 2…bis 5 zum Einsatz. Bauchigere Varianten des Code 0, die in verschiedenen Windstärken und -winkeln gesegelt werden und sich so im Schnitt und Größe unterscheiden. Mit ansteigender Zahl verkleinert sich das Verhältnis von Mittelbreite zu Unterliek. Die Mittelbreite des kleinsten Code 5 weist nur noch etwa 80 bis 85 Prozent der Unterliekslänge auf. Das Segel ist schmaler und kann bei mehr Wind sowie spitzer gefahren werden. Ein weites Feld. Fahrtensegler werden sich in der Regel einen Allround-Gennaker zulegen, aber auch der sollte individuell auf die übrige Segelgarderobe angefertigt werden. Eine Absprache mit der Segelmacherei ist immer sinnvoll, damit das Segel – ob Code 0 oder Gennaker – sein optimales Potenzial für den individuellen Einsatz abrufen kann.

Rule-Cheater Code 0 – das Riesensegel resultierte aus einer Regatta

Moderne Risse haben fast immer einen kleinen Bugspriet – ideal für den Code 0

So neu und innovativ ist der Code 0 nicht. Ursprünglich entwickelt wurde er wie viele Segel aus einer Formellücke heraus. Skipper Paul Cayard erkannte sie im ‚Whitbread Round the World Race‘ 1998 als Erster und nutzte das mit durchschlagendem Erfolg. Gesegelt wurde damals auf Whitbread 60´s. Regattayachten, deren Vorsegel ebenfalls klein und unüberlappend waren. Bei leichten Amwind-Kursen entstand so eine Performance-Lücke: Entweder man setzte eine recht kleine Genua, um Höhe zu laufen oder fiel unter Gennaker weit ab. Cayard setzte ein Segel, das flacher als die herkömmlichen Gennaker geschnitten war und dennoch als Raumschotsegel vermessen wurde – wozu die Mittelbreite des Segels (gemessen von der Mitte des Vorlieks zur Mitte des Achterlieks) mindestens 70 Prozent des Unterlieks betragen musste, damit es nicht als Amwindsegel galt. Der Coup gelang: Das Segel glich einer großen Leichtwindgenua, zog perfekt bei leicht vorlichen Wind und sorgte wesentlich für den Sieg der schwedischen EF-Language. Heute liegt die Mittelbreite bei vermessenen Yachten je nach Abstimmung mit der übrigen Segelgarderobe zwischen 65 und mindestens 55 Prozent der Unterliekslänge. Darunter gilt das Segel als Genua. Was Fahrtenseglern, die nicht regattieren, egal sein kann: Sie sollten den genauen Segelschnitt nur auf ihren Einsatz und die übrige Garderobe hin schneidern lassen.

Anfangs auch als Drifter oder Floating Star bezeichnet, hat sich mittlerweile der von North Sails geprägte Begriff des Code 0 durchgesetzt.

Die Schoten werden weit achtern über Spinnakerblöcke gefahren