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Praxis: „Grober Behandlungsfehler“


Züchterforum - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 05.10.2019

Die Grundsätze zur Entscheidung sollen auch für den Hufschmied gelten


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Grobe Behandlungsfehler beim Hufschmied können zu Schadensersatzansprüchen führen


Foto: Doma

Wenn es in einem Prozess um Schadensersatzansprüche gegen einen Tierarzt geht, hängt die Entscheidung oft davon ab, ob ein grober Behandlungsfehler festzustellen ist. Die dazu entwickelten Grundsätze sollen nach einer Entscheidung des OLG Köln auch für den Hufschmied gelten. Der Kläger des vom OLG entschiedenen Rechtsstreits war Eigentümer eines bis zur Klasse „S“ erfolgreichen Springpferdes. Der ...

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... beklagte Hufschmied war beauftragt worden, Hufbeschlagsarbeiten durchzuführen. Kurze Zeit nach dem Beschlagstermin war das Pferd lahm und konnte danach als Springpferd nicht mehr eingesetzt werden. Der Hufschmied räumte ein, das Pferd vorne rechts zu stark ausgeschnitten zu haben. Als Ursache der Lahmheit wurde eine Huflederhautentzündung festgestellt. Das Pferd blieb allerdings lahm, nachdem die Huflederhautentzündung abschließend behandelt worden war. Anlässlich tierärztlicher Untersuchungen haben sich an der rechten Vordergliedmaße degenerative Veränderungen feststellen lassen. Der Kläger machte Schadensersatz geltend und verlangte neben der Erstattung der entstandenen Tierarztkosten auch Ersatz für die eingetretene Wertminderung des Pferdes. Das Berufungsgericht bestätigte eine Pflichtverletzung des Hufschmiedes. Daher habe der Hufschmied den Schaden zu ersetzen, der unmittelbar auf dem zu starken Zurückschneiden beruhe. Zu erstatten seien die Behandlungskosten wegen der eingetretenen Huflederhautentzündung. Der vom Gericht beauftragte Sachverständige meinte allerdings, dass für die dauerhafte Lahmheit des Pferdes eben nicht die Huflederhautentzündung, sondern eher die degenerativen Veränderungen ursächlich seien. Deswegen kam es aus der Sicht des OLG entscheidend darauf an, ob der ursächliche Zusammenhang vom Pferdeeigentümer oder vom Hufschmied zu beweisen war. Das OLG war der Auffassung, dass zugunsten des Klägers von einem Anscheinsbeweis auszugehen sei. Dies bedeutet: Es ist erfahrungsgemäß davon auszugehen, dass ein zu starkes Kürzen des Hufes typischerweise ein Grund dafür ist, dass das Pferd nachfolgend lahmt wegen einer Huflederhautentzündung. Ein solcher Anscheinsbeweis könne allerdings dann nicht gelten, wenn eine andere ernsthafte oder gar wahrscheinliche Ursache nachgewiesen werde. Diesen entkräftenden Gegenbeweis sah das OLG als geführt an, weil der Sachverständige davon ausging, dass die wahrscheinliche Ursache für die Unbrauchbarkeit des Pferdes als Springpferd die degenerativen Veränderungen waren.

Grobe Pflichtverletzung

Das OLG bemühte dann einen Vergleich zur Arzt-/Tierarzthaftung. Dort „führt ein grober Behandlungsfehler, der geeignet ist, einen Schaden der tatsächlich eingetretenen Art herbeizuführen, grundsätzlich zu einer Umkehr der objektiven Beweislast für den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Behandlungsfehler und dem eingetretenen Schaden. Dafür reicht aus, dass der grobe Behandlungsfehler geeignet ist, den eingetretenen Schaden zu verursachen“. Das OLG vertrat die Auffassung, dass die für den Tierarzt geltenden Grundsätze auch für den Hufschmied anzuwenden seien. Letztlich hatte die Klage keinen Erfolg. Das OLG meinte nämlich, dass der Kläger schon den groben Behandlungsfehler nicht nachgewiesen habe.

Die Entscheidung des OLG Köln hat ungeachtet des für den Kläger unerfreulichen Ergebnisses für viele Rechtssachen eine erhebliche Bedeutung. So dürfte entsprechend anderen Gerichtsentscheidungen beim Vernageln regelmäßig von einer groben Pflichtverletzung auszugehen sein. Danach kämen dann dem geschädigten Pferdeeigentümer erhebliche Beweiserleichterungen zugute.