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PRAXIS HAKEN: „Zeig’ ihnen, was ein Haken ist!“


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 50/2018 vom 03.08.2018

Er wurde schon als „eines der weltveränderten Gegenstände“ und zu einem der „wichtigsten Werkzeuge aller Zeiten“ gekürt – der Angelhaken. Wir habenAxel Wessolowski in die Haken-Welt aus Stahl und Säu rebädern geschickt und ihn fast in den Zahlenwahnsinn getrieben – er ist zurückgekehrt …


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Bildquelle: FliegenFischen, Ausgabe 50/2018

Selbst die schönste Fliege hat einen Haken – und das muss auch so sein!


Als das erste Feuer in der Bäckerei ausbricht, wird es vom Inhaber Thomas Farriner gelöscht. Allerdings nicht vollständig, denn ein paar Stunden später brennt sein ganzes Haus. Und somit wird die Londoner Pudding Lane der Brandherd für einen der ...

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... zerstörerischsten Brände, den die Stadt je erlebt hat. Am Ende sind vierundvierzig Firmenhallen, vierundachtzig Kirchen und dreizehntausendzweihundert Häuser mehr als nur „renovierungsbedürftig“.

SEIN ENGLISCHER GEIST LEBT IN ANGELHAKEN

Das Feuer frisst sich auch bis zur rund zwei Kilometer entfernten Harp Alley vor. In dieser Straße hatte sechzehn Jahre vorher, nämlich 1650, Charles Kirby seinen Laden für Angelhaken eröffnet. Und obwohl die offizielle Bilanz an Toten für das große Feuer von London 1666 weniger als zehn Opfer angibt, wird Kirby seit dieser Zeit vermisst.
Dank Kirbys Geschick ist Mitte des 17. Jahrhunderts London der Wallfahrtsort der meisten Fliegenfischen-Pilger und seine Haken sind in „aller Fischmaul“. Das Geschäftsgeheimnis von Kirby ist die spezielle Herstellung der Haken – als einer der ganz wenigen Hakenmacher ist Kirby einer der Schmiede, die sich auf das notwendige Härten der Metalle versteht.

Zu dumm, die Sache mit dem Feuer. Der nun nicht mehr so lebendige Charles Kirby hinterließ zunächst ein Vakuum, welches sich erst wieder zu füllen begann, als die Techniken der Metallverarbeitung, einschließlich des Härtens, allgemein bekannt wurden. Was für uns Fliegenfischer ein großes Glück ist, doch der innovative Geist Kirbys lebt bis heute in den nach ihm benannten Haken weiter.

UNGLAUBLICH, WELCHE VIELFALT DIE HAKENEVOLUTION HERVORGEBRACHT HAT

Jetzt, im 21. Jahrhundert, wird um die Herstellungsverfahren der Haken zum Teil noch immer ein großes Geheimnis gemacht, aber im Grunde dürfen wir uns als Kunden über Haken freuen, die durch viele Versuche, Erfolge und Misserfolge, Forschung, der Freude am Ausprobieren und Konkurrenzdruck sich „herausgemendelt“ haben.

Mustad & Søn ließ an seinem Standort im norwegischen Gjørvik eine Zeit lang unfassbare 13.800 – in Worten: dreizehntausendachthundert! – Hakenvarianten herstellen. Sicher, nicht alle zum Fliegenfischen, aber dennoch …

Doch warum hat die Haken-Evolution diese Vielfalt geschaffen? Es beginnt schon mit den Variationen am Haken selbst. Wie lang ist der Hakenschenkel? Wie ist das Öhr geformt und in welche Stellung gebogen? Wie sieht die Hakenspitze aus? Welche Farbe hat der Haken? Wie weit ist die Hakenöffnung, wie tief der Hakenrachen? Soll ich weitermachen? Selbst für einen einzelnen Haken mit nur einer Größe, gibt es bei der Annahme von lediglich zehn veränderbaren Punkten rechnerisch bereits 3.628.800 Möglichkeiten. So viel Mathe konnte ich behalten. Und noch mehr – dies ist eine verdammt große Zahl und es sind wahnsinnig viele Möglichkeiten für nur einen Haken!

Heißes Eisen! Tja, nicht ganz – heutige Haken zeichnet auch ein Anteil an Kohlenstoff aus. Was sonst dazu gegeben wird, ist F irmengeheimnis; ebenso der Vorgang des Härtens, eine Folge von Erhitzen und schnellem Abkühlen des Materials.


Ein Hakenöhr in der gerundeten Variante, ball eye genannt. Zwischen Drahtende und Hakenschenkel ist keine Lücke, ein Zeichen von hoher Qualität. Die Ausrichtung des Öhrs in derselben Ebene wie der Hakenbogen wird als ringed bezeichnet. Dieser Haken ist zudem „bronziert“, also mit einem bronzefarbenen Überzug versehen. Der Haken selbst ist aus Kohlenstoffstahl. Theoretisch ist jede Farbe realisierbar.


DIE STÄNDIGEN GRATWANDERUNGEN ZWISCHEN ZÄH UND BRÜCHIG

Freundlicherweise zeigen sich die Hakenhersteller gnädig und stellen uns nicht vor die Qual der Wahl. Dennoch sind zweiundfünzig verschiedene Hakenmodelle, plus den verschiedenen Größen, auch nicht gerade wenig. So zu finden in einem der aktuellen Kataloge aus Japan. Wenn Sie sich entschieden haben, Haken zu kaufen, dann sicherlich, weil Sie Ihre Fliegen selbst binden. Aber wonach kaufen Sie die Haken ein? Haben Sie vielleicht nur die Bindegewohnheiten von einem anderen Binder übernommen? Oder bevorzugen Sie einen bestimmten Hakentyp, weil der Ihrer Kreativität beim Binden am besten entgegenkommt?

Oder interessiert es Sie gar nicht, was für einen Haken Sie da gerade fischen? Dann gehören Sie zu denen, die der gute John Horrocks bereits 1874 in seinem Buch folgendermaßen anspricht: „[…] und doch sind viele Fliegenfischer in der Auswahl derselben [der Haken] höchst nachlässig.“

Eine gute Nachricht vorab: Die Qualitätsfrage der Haken namhafter Hersteller kann Ihnen gleich sein.

Sie alle verwenden Stahl, also mit Kohlenstoff versetztes Eisen. Jeder hat da so seine eigene Rezeptur, die manchmal auch noch Nickel, Chrom, Mangan oder Kobalt vorsieht. Die Kunst, welche mittlerweile eigentlich alle Firmen verstehen gut umzusetzen, ist die Gratwanderung zwischen einem zähen, festen Metall und einem Metall, welches aber nicht zu brüchig werden darf.

Die zweite gute Nachricht: Die Hakenspitzen werden alle poliert, wodurch diese schärfer werden. Bis auf einen Hersteller, der korrekterweise von einem chemischen Entgraten spricht, verwenden viele andere Firmen lieber die Bezeichnung des „chemischen Schärfens“. Gehüpft wie gesprungen.

FORMEN UND DIE SACHE MIT DEM WIDERHAKEN

Wo wir uns schon an der Spitze befinden, ein paar Worte zu der Form der Hakenspitze. Die besten Hakeigenschaften, und damit ist das leichte Eindringen gemeint, besitzen Nadel- und Hohlspitzen. Die einfachste Variante ist „oben ohne“, also ohne Widerhaken. Die, wenn sie vorhanden sind, grundsätzlich oberhalb sitzen. Wie dem auch sei …

Das Fischen „mit ohne“ wird immer häufiger angewendet, und durch die Produktion von Haken ohne Widerhaken ersparen uns die Hakenhersteller das Andrücken dieser kleinen spitzen Metallwucherungen mit der Zange.

Stichwort Zange! Ich kenne ein Video, in dem der englische Fliegenbinder Oliver Edwards einen Hakenschenkel mit dem Feuerzeug zum Glühen bringt, um dann mit der Zange einen Knick zu formen – die Vorarbeit für die berühmte Klinkhåmer.

Diese Technik gehört zum alten Eisen, denn viele Hersteller bieten entsprechende Hakenmuster an. Persönlich hielt ich die Technik, die das Glühen des Hakens erfordert, als zu unausgereift, denn im schlimmsten Fall schwächt man dadurch den Haken, der brüchiger werden kann. Daher mein Dank an alle Hersteller von Haken in der Form von Auskriechern! Ganz offensichtlich sitzen bei den Herstellern auch Formgestalter, die über den „umgebogenen, länglichen Metalldraht, der in einer scharfen Spitze endet“ hinausschauen können und uns Haken bieten, die sich zum Beispiel mit ihrer Form an einer schwimmenden Larve orientieren.

Der Widerhaken wird aus einem Teil des gebogenen Drahtes „herausgeschnitzt“. Aber immer mehr Hersteller gehen dazu über, von ein und demselben Haken eine Variante mit und ohne Widerhaken anzubieten. Widerhaken lassen sich übrigens gut andrücken.


Es gibt allerdings auch viel mystisches bei den Hakenformen und hier gilt weniger, dass der Glaube Berge versetzt, sondern dass der Glaube Fische fängt.

DIE DREI VARIANTEN DER SPITZENFORM

Über die Jahrhunderte wurde im Bereich des Hakenbogens viel ausprobiert. Auch die Stellung der Hakenspitze wurde bei den Überlegungen miteinbezogen. Und auch heute noch existieren die drei Varianten von „umgekehrt“ (reversed), „kirbed“ und „gerade“ (straight). Letzteres bedeutet, dass Hakenspitze und Hakenschenkel parallel zueinander stehen. Zeigt die Spitze jedoch nach rechts außen, ist sie „umgekehrt“. Und die Idee, die Spitze nach links außen zeigen zu lassen, hatte – na, wer wohl? Richtig: Charles Kirby. War ja nicht so schwer, wenn es schon „kirbed“ heißt …

Im Handel sind alle Varianten zu finden, wobei die Hakeigenschaften mehr eine Frage des Glaubens sind. Tatsache ist allerdings: Eine gerade Spitze wirkt bei Nassfliegen wie ein Kiel und sorgt für Stabilität. Nach außenstehende Spitzen können zum Trudeln der Fliege führen – was möglicherweise sogar erwünscht ist?!

Die Hakenhersteller hatten schon immer ein offenes Ohr für ihre Kunden. Ein Beleg dafür ist der H3ST von Partridge, der speziell für flache Larvenkörper entwickelt wurde. Er wird heute nicht mehr produziert.


Bei den Hakenherstellern sitzen nicht nur Technik- und Materialversessene, wie der 1770er (Swimming Nymph Hook) von Daiichi beweist. Dieser Nassfliegenhaken orientiert sich in seiner Form an schwimmenden Lar ven.


WELCHE BEDEUTUNG HAT DIE FORM DES ÖHRS?

Wie die Hakenspitze, hat auch das Öhr und seine Stellung einen Einfluss auf die Hakeigenschaften. Zeigt das Öhr nach oben, vergrößert sich die Öffnung zwischen Hakenschenkel und Hakenspitze. Für ausgiebig gekleidete Fliegen mit viel Bindematerial sicherlich ein Punkt.

Im Gegensatz dazu verkleinert das nach unten zeigende Öhr diese Öffnung, bringt aber – rein theoretisch – den Haken näher an die Ideallinie, die ein optimales Haken ermöglicht.

In der Praxis, also in meiner persönlichen Praxis, spielten solche Betrachtungen bisher keine Rolle. Zumal durch die Wahl des Knotens die Haken-stellung ebenfalls beeinflusst werden kann. Und kurz in die Fliegendose geschaut – jau, ich besitze alle Öhr-Varianten. Viel interessanter ist da schon die Anordnung des Öhrs und ein Teil des Schenkels in einem rechtem Winkel zum restlichen Hakenschenkel. Diese Jig-Haken positionieren sich mit der Hakenspitze nach oben, erzeugen also weniger Hänger in Grundnähe. Für manche Fischer ist auch der Aspekt der verdeckten Hakenspitze, wie bei Streamern, ein Grund, diese Haken zu fischen.

Wie stark der Einfluss eines einzigen Fliegenmusters sein kann, ist an dem Daiichi 1167 (unten) und dem Partridge X-treme (oben) zu sehen: beide Firmen liefern vorgebogene Haken für Hans van Klinkens Auskriechermuster Klinkhåmer.


Für die Form des Öhrs selbst, wie sollte es auch anders sein, gibt es ebenfalls verschiedene Formen.

Eine mehr oder weniger vergessene Form sind die Nadelöhre. Da geschichtlich betrachtet das Nadel- und Hakenherstellen Hand in Hand ging, nicht verwunderlich. Da die meisten Fischer aber dieses Öhr als zu „ungeschickt“ angesehen haben, folgten die runden Öhre von heute.


„Über denBindestock kann man streiten, über dieHaken nicht! “


Die einfache und zugleich schwierige Aufgabe eines Hakenöhrs ist es, eine sichere Verbindung von Fliege und Vorfach zu schaffen, ohne das Vorfach dabei zu schädigen. Diese Eigenschaften treffen vor allem auf die geschlauften (looped) und runden (ball, ring) Öhre zu.

DRAHTSTÄRKEN UND DER „GRÖSSEN-WAHNSINN“

Für Letztere gilt, wenn sich zwischen Drahtende und der Stelle, wo sich der Ring schließt, kein nahtloser Kontaktpunkt befindet (open ring), kann das Vorfach unvorteilhaft scheuern. Oder, auch das kommt vor, der Vorfachknoten flutscht durch den kleinen Spalt und man bekommt das Vorfach zurück. Ohne Fliege – mit intaktem Knoten! Selbst gestandene Fliegenfischer haben keine Erklärung, wenn so etwas passiert – Sie jetzt schon!

Bis auf einige Ausnahmen hat sich bekanntlich ein runder Durchmesser für den Draht durchgesetzt. Es variiert aber die Stärke des Drahtes. So hat beispielsweise ein Haken der Größe 28 einen Durchmesser von feinen 0,27 Millimetern – im Gegensatz dazu weist ein Streamer-Haken desselben Herstellers in Größe 2 einen Durchmesser von 1,02 Millimetern auf. Dies wirkt sich auf das Gewicht des Hakens aus und natürlich auch auf seine Eindring-Eigenschaften.

Als Faustregel gilt allgemein, die Trockenfliegen und Auskriecher mit Haken so leicht wie möglich binden, für die restlichen Muster darf es ruhig schwer sein. Natürlich ist auch der Zielfisch zu beachten, denn mit steigendem Drahtdurchmesser steigt auch dessen Widerstandsfähigkeit gegen ein Verbiegen. Wobei – ein steigender (!) Hecht hielt an einem Herbsttag meine Trockenfliege (!!) für ein geeignetes Appetithäppchen. Und so musste ich diesen rund fünfzig Zentimeter langen Fisch, an einer Fliege der Größe 16, ausspielen. Ist mir auch gelungen, der Haken sah nicht verbogen aus und das Vorfach hielt. Geistige Notiz: Ist machbar, muss aber nicht sein!

WELCHE FARBE HÄTTEN SIE DENN GERN?

Ach, und dann wäre da noch das Thema Farbe. Beim Thema der Hakenfarbe scheiden sich wieder die Geister. Da ist es auch wieder eine persönliche Geschmacksfrage und ob es zum eigentlichen Fliegenmuster passt. Für Fliegenfischer stehen meistens die Farben Schwarz, Silber, Gold und Bronze zur Auswahl. Theoretisch sind alle Farben möglich und erst vor Kurzem berichtete mir ein Vertreter, seine Firma wird tarnfarbene Haken ausprobieren …

Dürfte ich es mir aussuchen, ich würde nur schwarze Haken fischen. Warum? Soll zur Seele passen!

Nein, Spaß beiseite – es gibt keinen objektiven Grund! Ich schenke nur Fliegen mit schwarzen Haken mein größeres Vertrauen. Müsste ich das Thema herunterbrechen, was eigentlich ziemlich schwierig ist, dann sind für mich die wichtigsten Punkte: Qualität, Größe und Form. Wie bereits erwähnt, bei der Qualität sind die namhaften Hersteller, wie Mustad, Tiemco, Gamakatsu, Hayabusa, Kamasan, Partridge und Daiichi, auf Augenhöhe.

Was auf der anderen Seite für uns Fliegenfischer den Vorteil hat, dass wir heute „an jeder Ecke“ gute Haken bekommen – und nicht (wie einst) zu Mr. Kirby nach London reisen müssen. Was die Größen angeht und somit die Einsatzbereiche, decken alle genannten Hersteller jegliche nur erdenkliche Situation ab. Ebenso, ob Salz- oder Süßwasserfische befischt werden.

Bei der Form wird es schon spannender und da schaue ich genauer hin, wer mir was bietet. Dabei versuche ich mir auch immer wieder vor Augen zu führen, was ich imitieren will und wie lebt oder bewegt sich das natürliche Vorbild.

Wenn diese drei Punkte erst einmal abgedeckt sind, interessieren mich die übrigen Dinge, wobei für mich Details wie die Öhrstellung oder die Krümmung dann von untergeordneter Rolle sind. Dafür konnte ich schon zu viele Fische mit den unterschiedlichsten Hakentypen haken. Grundsätzlich kann ich daher nur jedem empfehlen, sich ein wenig intensiver mit „seinen“ Haken auseinanderzusetzen.

FLIEGENFISCHEN UND DIE KUNST DER LIEBE

Wie auch immer Sie mit dem Thema umgehen, ein Ratschlag hat mit Sicherheit für uns alle Gültigkeit. Ich fand ihn in einem schottischen Wappen von Anstruther: „Semper tibi pendeat hamus“. Lass Deinen Haken immer ausgeworfen!

Witzigerweise stammt dieser Satz aus einem der Bücher des römischen Poeten Ovid, der in „Die Kunst der Liebe“ festhielt: „Die Gelegenheit ist mächtig. Lass Deinen Haken immer ausgeworfen; in dem Becken, wo Du es am wenigsten erwartest, dort wird Fisch sein.“

Eine ziemlich treffende Lebensweisheit. War Ovid Fliegenfischer? Wir wissen es nicht, aber seine Worte könnten für Fliegenfischer nicht treffender sein!

Danksagung

Der Autor dankt Mark Hamnett (Partridge of Redditch), Rudi Heger (Tiemco, Waddington), Nils Folmer (O. Mustad & Søn), Dirk Lösel (C. Jul. Herbertz GmbH), Thum Galvanotechnik GmbH, Poligrat und vor allem Bill Chase (Daiichi).

Die Schärfe der Haken

Sauer macht scharf! Dieses Motto könnte jetzt auch aus „Die Kunst der Liebe“ sein, bezieht sich aber auf ein wesentlich weniger erotisches Thema, nämlich auf das Schärfen der Haken.

Bei der Herstellung der Haken wird der Draht für die Spitze geformt und zunächst geschliffen. Hiermit wird bereits die endgültige Form der Hakenspitze festgelegt.

In einem abschließendem Verfahren, wird die Spitze noch poliert, also geglättet. Denn egal ob Messer, Nadel oder eben Hakenspitze, es bleiben in der Regel immer feinste Grate stehen. Mit Grat sind kleinste metallische Splitter und Unebenheiten gemeint.

Ein Verfahren, um nun solche Oberflächen zu polieren, ist das chemische Polieren. Ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen: Das Polieren findet mit Säuren bei Raumtemperatur statt. Die jeweiligen Bäder sind auf das zu polierende Metall abgestimmt, sonst nimmt das Material Schaden.

Am Ende besitzt die Hakenspitze eine Oberfläche, die glatt ist, sehr glatt! Da kann kein Babypo mithalten. Solch eine extrem glatte Spitze dringt aufgrund der geringeren Reibung viel leichter ein.

Von hausgemachten „Säure-Versuchen“ zum Hakenschärfen, das muss an dieser Stelle erwähnt werden, rate ich dringend ab!

Was Sie selbst in die Hand nehmen können, das ist das Nachfeilen von Hakenspitzen. Besonders die größeren Hakenspitzen für Raubfisch-Streamer können schnell abstumpfen. Für deren Behandlung empfiehlt sich ein Schleifstein, wie „Belgischer Brocken“ oder der bereits von Charles Cesár Ritz bevorzugte Arkansas-Stein.

Wichtig ist, auf die Körnung zu achten: 80 bis 200 für gröbere Arbeiten, 800 bis 2.000 zum eigentlichen Schärfen und 3.000 bis 8.000 zum Abziehen.

Eine Spitze vor (links) und nach ( rechts) dem „chemischen Schärfen“. Die Grate sind kontrolliert mit Säure abgetragen worden.


Schleifsteine sind gerade für die größeren Haken (Streamer) sinnvoll. Viele Schleifsteine, wie der „Arkansas“, dürfen allerdings nicht trocken verwendet werden. Der spezielle Lansky-Hakenschärfer mit seinen Rillen funktioniert!


Mit freundlicher Genehmigung der Poligrat GmbH

Es kommt auf die Länge des Hakenschenkels an, die der Körperlänge des nachzuahmenden Tieres entsprechen soll.
A) Öhr, B) Hakenschenkel, C) Rachentiefe, D) Krümmung, E) Ferse, F) Rachen, G) Spitze, H) Widerhaken, I) Kehle.

Kleine Details, große Wirkung

Seit aus den ersten Nadeln die ersten Haken gefertigt wurden, gibt es das Problem mit den Größen der Haken. Genauer gesagt, mit deren Angaben. Die ersten Fliegenfischen-Autoren sprachen schon zu ihrer Zeit, vor mehr als einhundert Jahren, von einer „intolerablen Verwirrung“ und der „undurchdachten und unlogischen Praktik der Nummerierung“.

Es scheint, als hätten wir uns damit abgefunden und nehmen das auch heute noch bestehende Durcheinander hin. Klar, man kann sich merken, dass, wenn die Zahlen immer Größer werden (6, 8, 10, 12, 14, usw.) die Haken selbst immer kleiner werden. Das geht ja noch. Aber in die andere Richtung stehen dann auf einmal 1/0, 2/0, 3/0, usw., für immer größere Haken.

Bis heute können sich die Hakenhersteller nicht auf ein einheitliches System festlegen. Weshalb es bei Bindeanleitungen auch zwingend erforderlich ist, immer den Hersteller und den Hakentyp mit anzugeben! Selbst innerhalb einer Firma haben Haken derselben Größe dennoch unterschiedliche Schenkellängen (Haken der Größe 10 haben zum Beispiel 10 bis 12 Millimeter Länge).

Möchten Sie jetzt eine Fliege binden, die ein Insekt mit einer Körperlänge von neun Millimetern darstellen soll, müssen Sie erst einmal die Hakenschenkellänge ermitteln. Aber, Pustekuchen, viele Hersteller liefern diese Angaben nicht. So heißt es selbst messen!

Wirklich sinnvoll ist die Angabe der Länge des jeweiligen Hakenschenkels. Von mir aus können die Hersteller dann den Haken nennen wie sie wollen – Pumuckel, Kirby II oder Kinnhaken – so lange ich wirklich verwendbare Angaben zu diesem Haken finde.