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Praxis: Hilfe für’s Rangieren


Mecklenburger Pferde - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 01.07.2019

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Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Mecklenburger Pferde. Alle Rechte vorbehalten.

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Er bringt das Problem auf den Punkt: Weil es seltener vorkommt, ist Rückwärtsfahren mit einem Gespann eine recht kniffelige Sache und kann selbst für Routiniers zur Geduldsprobe werden, erst recht natürlich für Gelegenheitsfahrer. Und nicht immer ist es möglich, den Trick eines ADAC-Fahrtrainers auf die Frage nach der besten Technik zu befolgen, nämlich gar nicht erst rückwärts zu fahren.

Die Hauptschwierigkeit liegt für die meisten darin, dass Lenk- und Fahrtrichtung augenscheinlich nicht zusammenpassen: Dreht man das Steuer nach rechts, fährt der Hänger nach links. Auch wenn man sich beim Fahren umdreht, ist es so, dass man das Auto in Blickrichtung nach rechts steuert, um den Hänger nach links fahren zu lassen – und umgekehrt. Man muss also permanent umdenken und genau das Gegenteil von dem machen, was man im Vorwärtsgang tun würde.


Kein Umdenken mehr zwischen Vor- und Rückwärtsfahren


Exakt an diesem Punkt setzt der Basis bereits vorhandener Komponenten und Assistenzsysteme entwickelt und mit ihnen vernetzt wurde. So wirken bei Trailer Assist der Parklenkassistent Park Assist, die Rückfahrkamera sowie die elektromechanische Servolenkung zusammen und werden über den Drehknopf der elektrischen Außenspiegelverstellung gesteuert.

Loslassen”, wenn das System übernimmt könnte die größte Schwierigkeit für Autofahrer sein .


man glaubt man kann es, tatsächlich ist das schnur-geradeausfahren rückwärts anspruchsvoller als gedacht.


Um das System zu aktivieren, wird zunächst der Rückwärtsgang eingelegt und anschließend die Park-Assist-Taste auf der Mittelkonsole betätigt. Daraufhin eingestellt. Anders als bei der herkömmlichen Steuerung per Lenkrad wird der Schalter in und nicht entgegen der Fahrtrichtung gedreht. Im Display erscheint dann ein Anhängersymbol, das den eingestellten sogenannten Knickwinkel des Anhängers anzeigt. Der ein-

So wird der Fahrweg kontrolliert…


Hier ist Überlegung gefordert: Fahrtrichtung und Knickwinkel festlegen…


Trailer Assist an, denn es soll Fahrern das Umdenken abnehmen. Zudem soll es präzises Zurücksetzen geradeaus über längere Distanzen einfacher gestalten. Der Clou dabei ist, dass die Rangierhilfe weitgehend auf Daraufhin

erscheint ein Bild des Spiegelverstellschalters im Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho. Mit dem sozusagen als „Joystick“ fungierenden Schalter wird anschließend die gewünschte Fahrtrichtung gestellte und der tatsächliche Knickwinkel werden von der Rückfahrkamera überprüft, die dafür die als Kompassnadel fungierende Deichsel in Stellung und Länge erfasst. Insbesondere die Längenerfassung ist wichtig für die Lenkwinkelberechnung und sorgt dafür, dass jeder Anhänger korrekt gesteuert wird – unabhängig von Typ, Achszahl und Deichselform bzw. -länge.

Bildliche Kontrolle für das Assistenzsystem im Fahrzeug .


Vorwärts geht ja leicht, mit Pferdeanhänger rückwärts fahren ist dank VW-Assistenzsystem deutlich stressfreier geworden. (Fotos: VW Meiners/ Haude 2)


Trotz automatischer Steuerung etwas Übung nötig

Ist alles fertig eingestellt, nimmt man die Hände vom Lenkrad. Denn das System steuert den Wagen automatisch mittels der elektromechanischen Servolenkung, während der Fahrer nur noch Gas gibt oder bremst und bei manueller Schaltung auch die Kupplung tritt. Greift man während des Fahrens per Hand in die Lenkung ein, schaltet sich Trailer Assist wieder ab. Wie aber funktioniert all das in der Praxis? Im Film scheint es ja so, als ob das System einmal kurz eingestellt wird und dann alles wie von selbst abläuft. Ganz so ist es jedoch nicht. Wie zuvor beschrieben wird für die erste Rangierphase der Knickwinkel eingestellt, um gezielt in eine bestimmte Richtung abzubiegen oder eine Kurve zu fahren. Das erfordert am Anfang jedoch erhöhte Aufmerksamkeit, da noch die Erfahrung fehlt, welchen Bogen das Gespann tatsächlich nimmt. Im Selbstversuch haben wir uns einige Male verschätzt: Mal war die Kurve zu groß, dann wiederum zu klein. Außerdem muss man darauf achten, wann der Hänger exakt in die Richtung zeigt, in die er letztlich fahren soll. Genau dann nämlich muss man den Spiegelverstellschalter nach hinten ziehen bzw. wieder in Geradeausrichtung drehen, wodurch das Gespann anschließend in Anhängerrichtung geradeaus rückwärts fährt. Es erfordert ein bisschen Übung, den richtigen (Zeit-) Punkt zu finden, wann sich der Hänger in der gewünschten Richtung befindet. Verpasst man ihn, muss man halt noch mal vorwärts setzen, das System neu justieren und es wieder versuchen.

Für Ungeübte eine Hilfe, für Erfahrene Geschmacksache

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Trailer Assist für ungeübte und für jene Fahrer eine Hilfe ist, die Schwierigkeiten mit der herkömmlichen Methode haben, einen Anhänger rückwärts zu bewegen. Alle anderen werden mit dem System vor allem geradeaus rückwärts schneller und besser vorankommen, da es bereits bei einem Grad Abweichung vom vorgegebenen Kurs eingreift. Das schaffen selbst geübteste Fahrer nicht. In Kurven und beim Rückwärtsabbiegen funktioniert die Rangierhilfe jedoch bei Weitem nicht so automatisch und von allein, wie es im Werbefilm den Anschein hat. Auch weiterhin muss man den Anhänger und seine Ausrichtung im Blick haben, um im richtigen Moment steuernd einzugreifen – nur eben nicht am Lenkrad, sondern am Spiegelverstellrädchen. Für Vielfahrer ist es also eher Geschmacksache, wie man das Gespann lieber steuert. Zudem darf man auch mit Trailer Assist in unübersichtlichen Situationen nicht auf einen Einweiser verzichten.