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PRAXIS KARPFEN: Auf Biegen und Brechen


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 50/2018 vom 03.08.2018

Karpfen sind allgegenwärtig, es gibt wohl keinen See, keinen Teich, in dem sie nicht vorkommen. Das ist nicht neu – und jetzt kom mt die Überraschung: Diese Kar pfen lassen sich überraschend gut mit der Fl iegenrute fangen! Der Drill wird Sie umhauen!


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Ach Du dickes Ding! Karpfen dieser Größe sind beim Fischen mit der Fliegenrute die Ausnahme, hier ist im Drill alles gut gegangen – Frank Weissert hat also wirklich Grund zur Freude.


Fotos: F. Weissert

Zu Beginn meiner Anglerkarriere stand der Karpfen schnell ganz oben auf meiner Wunschliste. Schließlich erreicht diese Fischart beträchtliche Größen und er ...

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... soll heftig kämpfen. Die Köder standen fest: Teig, Brotflocke, Dosenmais und halbgar gekochte Kartoffeln – Boilies gab es damals noch nicht. Präsentiert wurden die Köder an einer Laufblei-Montage auf Grund oder unter der Pose. Irgendwann fing ich dann meinen ersten Karpfen – und ich war begeistert!

Zu denken gaben mir allerdings die Karpfen, die im Sommer dicht unter der Wasseroberfläche kreuzten oder sich dort sonnten – diese Fische sollten sich dort doch auch fangen lassen. Ähnliches dachte ich angesichts der Fische, die besonders in der Dämmerung in den Flachwasserzonen nach Futter suchten. Klar, Schwimmbrot wäre eine Möglichkeit oder eine langsam absinkende Brotflocke …

Damals hatte ich mich auch schon mit dem Fliegenfischen beschäftigt und mit Döbeln und Forellen meine ersten Erfahrungen gesammelt. Klar, diese Fische waren naheliegend, aber nachdem Karpfen unter anderem ebenfalls Insekten fressen, müssten doch eigentlich …

Fliegen, die fangen

Wer es einfach mal mit der Fliege auf Karpfen probieren möchte, findet passende Muster vielleicht schon in seiner Forellen-Fliegendose. So kann bei den Trockenfliegen eine Goddard-Sedge oder eine Humpy als Brot-Imitation durchgehen und eine Nymphe wie die Ritz D oder Arthofer gehören bei mir sowieso zum festen Karpfen-Sortiment.

Wer Spezielleres sucht, greift zu genaueren Brot-Imitaten und sinkenden Fliegen. Bei den sinkenden Mustern ist es wesentlich, dass sie nur langsam abtauchen, da die Fliege natürlich absinken sollte.

Sicherlich gehört die „Layla“ zu den besten schwimmenden Brot-Imitationen, doch Karpfen lassen sich auch mit Forellenfliegen fangen.


FRÜHE ENTSCHEIDUNG FÜR DIE FLIEGE

Also griff ich zur Forellenausrüstung und ging an den See. Tatsächlich sah ich nach einigem Pirschen einen Karpfen im Flachwasser und das praktischerweise in unmittelbarer Ufernähe. Die Nymphe setzte ich vielleicht 15 Zentimeter schräg vorn neben dem Maul des Fisches ab. Er drehte sich, schwamm einen halben Flossenschlag nach vorn und saugte die Fliege ein – Rock’n’Roll! Was dieser vierpfündige Fisch machte, das hatte ich vorher nicht erlebt!

Mittlerweile konnte ich ungezählte Karpfen mit der Fliege fangen. Im Grunde ist das kein Problem, wenn man das Vorhaben richtig angeht.

Da wäre zunächst ein passendes Gewässer. Wesentlich ist, dass man hochstehende oder im Flachwasser gründelnde Fische vom Ufer aus oder mit dem Boot erreichen kann. Wer sich in seiner Umgebung umschaut, wird in den meisten Regionen auf einen passenden Teich, See oder träge strömenden Fluss treffen.

Wichtig ist warmes Wetter, das die Karpfen an die Oberfläche oder ins Seichte lockt. Das kann schon im März, wenn sich das Wasser durch die Sonne erwärmt, passieren und bis tief in den Oktober reichen. Die Top-Zeit ist allerdings jetzt, im Hochsommer!

Kommt dazu noch Sonne, die das Beobachten der Fische sehr erleichtert, sind die Bedingungen perfekt.

DIE KLEINEN TRICKS BEIM KARPFENFISCHEN

Die Ausrüstung sollte zur erwarteten Fischgröße und den Hindernissen im Wasser passen. Kommen nur Satzkarpfen vor und halten sich die Hindernisse in Grenzen, genügt bereits eine Rute der Schnurklasse 5 oder 6 samt einem vielleicht 0,20 mm starken Monofil-Vorfach.

Anders bei Karpfen von über 15 Pfund und beispielsweise vielen Seerosen – hier macht eine Rute der Schnurklasse 9 mit Griffverlängerung (Extension butt) und ein wenigstens 0,30 Millimeter starkes, abriebfestes Vorfach Sinn. Perfekt ist aus meiner Sicht Stroft ABR, deren bräunliche Färbung sehr unauffällig ist. Die Tarnung lässt sich noch verbessern, indem man etwas Schlamm zwischen die Finger nimmt und damit einige Male über die ersten 50 Zentimeter des Vorfachs hinter der Fliege fährt. Es wird matt und glänzt nicht verräterisch.

Statt einem knotenlos verjüngten Vorfach, verwende ich bei Vorfachstärken ab 0,25 Millimeter einfach einen durchgehenden, etwa 250 Zentimeter langen Abschnitt des gewünschten Monofils.

Die Rolle sollte neben der WF-Fliegenschnur noch etwa 100 Meter 20 lbs-Nachschnur (Backing) fassen. Im Unterschied zu anderen Fischarten im Süßwasser kann sie beim Karpfenfischen durchaus nötig sein, wenn eine richtig große Maschine einsteigt. Zur Fliegenschnur: Eine der Rutenstärke angepasste schwimmende WF-Fliegenschnur ist in den meisten Fällen richtig.

Da Karpfen in aller Regel sehr scheu auf Menschen reagieren, sollte man auf der Pirsch möglichst gut in Deckung bleiben. Das gilt auch, wenn man gerade erst ans Wasser heranschleicht. Denn häufig schwimmen Karpfen direkt am Ufer. Deshalb empfiehlt es sich, mit einer Polarisationsbrille ausgerüstet erst jeden einsehbaren Gewässerbereich genau zu betrachten, bevor es näher herangeht.

IM SOMMER LASSEN SICH DIE KARPFEN AM BESTEN AUF SICHT FANGEN

Jetzt wird es spannend – der erste Karpfen ist gesichtet. Steht er direkt unter der Oberfläche, vielleicht sogar in einem Bereich, wo häufiger Enten mit Brot gefüttert werden, kann eine Trockenfliege zum Einsatz kommen. Nichts ist aufregender, als wenn sich ein großes Maul öffnet und die Fliege einsaugt.

Aber auch der Biss auf eine sinkende Fliege besitzt seinen Reiz. Dazu sollte die Fliege entweder nicht weiter als 30 Zentimeter vom Karpfen entfernt innerhalb seines Sichtfelds absinken. Dabei sollte man im Idealfall die Fliege direkt beobachten können, um den Anhieb zum richtigen Zeitpunkt setzen zu können. Ansonsten muss man auf das Maul des Fischs und dessen Bewegung achten. Öffnet sich das Maul, saugt es sehr wahrscheinlich die Fliege ein. Auch wenn der Karpfen heranschwimmt und plötzlich stoppt, kann das ein Zeichen für den Biss sein. Ist es ziemlich sicher, dass ich den Karpfen schlecht beobachten kann, montiere ich gerne einen kleinen Bissanzeiger aus gefetteten Kunstfasern etwa 50 oder 60 Zentimeter von der Fliege entfernt. Alternativ greife ich zu einem tragfähigeren Stück Polycelon-Schaumstoff, das ich durch einen größeren, an entsprechender Stelle ins Monofil gebundenen Vorfachring (ich nehme den von Stroft, Gr. 4), schiebe. Damit lässt sich der Biss fast wie beim Posenfischen beobachten.

Bemerke ich zum Beispiel am Rand von Seerosen einen Schwall oder ein kräftiges Wackeln an den Blättern, werfe ich eine größere, langsam sinkende Fliege, wie meinen Carp-Palmer, dort ein und beobachte das Vorfach. Gibt es daran auch nur einen geringen Ruck oder bleibt es beim Absinken plötzlich stehen, statt weiter zu tauchen, dann schlage ich an. Oft geht der Anhieb ins Leere, das gehört dazu, aber gelegentlich fühle ich Widerstand, wie bei einem massiven Hänger. Dann mache ich mich auf die sofort folgende, schnelle Flucht gefasst.



„Karpfen schreibt man mitK – wiekampfstark!“


Um „normale Karpfen“ zu fangen, wie sie in jedem Vereinsgewässer vorkommen, reicht eine Fliegenrute der Klasse 6 aus. Einen großen Kescher benötigt man trotzdem.


NIMMT EIN KARPFEN DIE FLIEGE, DANN IST ABER RICHTIG „SHOWTIME“ ANGESAGT!

Steht nach dem Haken eines Karpfens viel freier Raum für die Flucht zur Verfügung, dann lasse ich den Fisch zuerst lose Fliegenschnur durch die Finger ziehen, bis ich den Fisch von der Rolle drillen kann. Ansonsten kurbel ich die freie Leine, die sich ansonsten irgendwo verfangen könnte, möglichst rasch auf die Spule. Dabei ist eine Großkernspule hilfreich.

Wer eine Rolle mit Bremse einsetzen möchte, kann das selbstverständlich tun. Persönlich bremse ich den Fisch am liebsten mit den Fingern oder dem Handballen an der Spule, wodurch ich ein sehr direktes Gefühl zum Fisch habe. Eine eventuell an der Fliegenrolle vorhandene Bremse stelle ich gerade so fest ein, dass die Spule beim raschen Abziehen von Schnur zum Beispiel beim Werfen, nicht überdreht.

Droht der Fisch in ein Hindernis zu flüchten, blockiere ich die Spule mit der Hand. Voraussetzung ist dabei, dass das Vorfach eine ausreichend hohe Tragkraft besitzt! Dabei wundert man sich doch etwas, was eine eigentlich filigran wirkende Fliegenrute so aushalten kann.

Beim Landen verwende ich bevorzugt einen normalen Karpfenkescher mit einer Armlänge von etwa 70 Zentimetern – da bekomme ich ganz locker auch ein 30-Pfünder hinein und kann den Kescher bequem mittragen. Für das Fischen vom Boot verwende ich einfach einen kürzeren Kescherstiel.

Alles in allem ist der Fang eines großen Karpfens ab dem zweistelligen Pfundbereich ein Erlebnis! Kein Wunder, entspricht das Gewicht eines großen Karpfens doch dem eines ganzen Schwarms von Portionsforellen …

Wer einmal einen richtig dicken Fisch mit der Fliege fangen möchte und auch einmal sein Backing im Drill zu Gesicht bekommen möchte, der sollte unbedingt mit der Fliege auf Karpfen fischen! Und jetzt, im Hochsommer, ist die beste Zeit dafür.

Mehr zum Thema

Wer sich umfassend über das Fliegenfischen auf Karpfen befassen möchte, sollte sich das Buch „Fliegenfischen auf Karpfen“ zulegen. Es ist wahlweise als multimediales E-Book im iTunes Store von Apple fürs iPad oder als gedruckte Ausgabe erhältlich, in der sich zum Thema gehörende Filme über QR-Codes abrufen lassen.

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