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PRAXIS: PADDELN MIT KINDERN: Mit Kindern ins Kajak


Kanu Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 13.12.2019

Der Kanusport braucht Nachwuchs! In Zeiten der allgegenwärtigen Computerspiele und Smartphone-Sucht wird die Aufgabe, Kinder spielerisch für Erlebnisse in der Natur zu begeistern, nicht einfacher. Ernüchternd schnell verfliegt bei manchen Kids die Lust. Woran liegt das? Wie begeistert man Kinder nachhaltig für eine der schönsten, intensivsten und der Natur vielleicht nächsten Sportarten der Welt?


Artikelbild für den Artikel "PRAXIS: PADDELN MIT KINDERN: Mit Kindern ins Kajak" aus der Ausgabe 1/2020 von Kanu Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kanu Magazin, Ausgabe 1/2020

Wenn meine große Schwester unten auf mich wartet, fahre ich auch – Elisa am Gimbach.


Tobias im Salzaflow.


Eine kleine Roadmap für Eltern. Klarer Fokus: Motivation erhalten!

Finn bezwingt souverän das Blockwurfwehr ...

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... am Tagliamento.


Um so jünger die Kinder, desto weniger macht es Sinn, den Hauptfokus auf das Paddeln an sich zu legen. Wichtig ist einzig und allein, dass die Unternehmung den Kindern Spaß macht und dass man sie motivieren kann, denn das ist die Grundvoraussetzung, um die Nachwuchspaddler wieder ans Wasser zu locken! Welche Frage ist attraktiver? Sollen wir heute eine coole Ausdauereinheit mit den Kajaks hinlegen oder wollt ihr am Fluss spielen, Staudämme bauen und baden und Wasserschlachten mit den Booten machen? Es geht darum, spannende Abenteuer zu erleben – das Kajak ist dabei anfangs nur neues Mittel der Wahl zur spielerischen Fortbewegung. Diese wird natürlich wesentlich intensiver wahrgenommen, wenn man auf Tagliamento oder in der Ardècheschlucht weitere Etappen bewältigt, zum Beispiel mit Übernachtungen. Aber man muss nicht in die Ferne schweifen! Solche Touren gehen fast vor jeder Haustür, und hier kommen plötzlich ganz andere Aspekte hinzu, wie zum Beispiel das Packen der Ausrüstung, Übernachtungsplätze suchen, Zelt aufbauen, Kochen über offenem Feuer und natürlich das Lagerfeuer überhaupt. Wann muss man schon mal Holz suchen, um ein warmes Essen zu bekommen?

Wie weit ist es noch bis zum Ausstieg? Was tun, wenn diese gefürchtete Frage gestellt wird, wenn es langweilig wird und die Racker anfangen zu schimpfen und zu protestieren? Nichts wie raus aus dem Boot! Nirgends gibt es so viel zu entdecken und zu spielen wie an jeder Art von Gewässer. Schaufeln und Eimer dabei zu haben, ist auf jeden Fall eine gute Idee. Manche Flüsse eignen sich für Touren mit Kindern besonders, wie zum Beispiel der einzige Ausfluss aus dem Chiemsee, die Alz. Warmes Wasser, Spielplätze am Ufer, Brücken zum Reinspringen, Bäume mit Schwungseil für die Mutigen, besser geht es nicht! Oft bietet sich auch die Gelegenheit, die Kajakfahrt mit einer Fahrradtour zu verbinden und dadurch gleich das Auto zu stellen.

Und noch eine Antwort auf eine viel diskutierte Frage: Ab wann darf das Kind ins eigene Boot? Na, wenn es das will! Und wenn mit Schwimmflügeln gestartet wird, warum nicht? Maßgeblich ist nicht das Alter, sondern die eigene Motivation!

PADDELN ERLERNEN – THEORIE UND PRAXIS

Sonne, warme Temperaturen und klares Wasser sind förderliche Zutaten für lachende Kindergesichter.


Das Erlernen der verschiedenen Techniken kann durchaus gediegen vom See zum fließenden Gewässer, von Slalomstangen mit einem Flachheckboot hin zum stufigeren Wildwasser mit einem Creeker erfolgen – natürlich vor allem zu Beginn mit möglichst geringer Strömung. Welche Eltern haben aber tatsächlich die Zeit und vor allem die Möglichkeiten, regelmäßig mit ihren Kindern zu üben? Oder gibt es vielleicht einen Kanuverein in der Nähe? Wer nicht den Inn oder den Augsburger Eiskanal vor der Haustür hat, tut sich da oft schwer. So müssen oft die wenigen Wochenenden oder der Urlaub an Salza, Soca und Co. zum Erlernen der Techniken herhalten. Wir haben dabei die Erfahrung gemacht, dass es lohnt, sich weniger auf den ganzen Fluss zu konzentrieren, sondern nur ein kleines Teilstück zu befahren und lieber an einzelnen Stellen lange das Gleiche zu üben! Die Wiederholung und der Erfolg sind der Schlüssel zu Motivation und Sicherheit. Das Queren einer reißenden Strömung von einem Kehrwasser am Ufer zum anderen Ufer kann eine unglaublich spannende Angelegenheit werden, wenn man zusammen mit dem Kind einen imaginären, 50 Meter hohen Wasserfall beschreibt, der nur zehn Meter weiter unterhalb des Kehrwassers lauert. Jetzt ist jedem Kind klar, warum es das Kehrwasser unbedingt erreichen muss. Es sind nur Bilder im Kopf, aber sie machen Spaß und erhöhen die Spannung.

Wer dann noch auf die obligatorischen Müsliriegel und immer warme Klamotten achtet, kann kaum was falsch machen. Trotzdem ist nicht unbedingt jeder als Lehrer geboren. Die Kinder profitieren ohne Frage von ordentlich demonstrierter Paddeltechnik und tun sich leichter, die Bewegungen zu erlernen. Aber oft werden Lernblockaden erst überwunden, wenn sich Dritte mit einschalten und andere Herangehensweisen oder Erklärungen bieten, die endlich den Knoten platzen lassen.

Ein wichtiger Aspekt sind auch die anatomischen Voraussetzungen. Techniken wie die Rolle oder auch tiefes Stützen machen erst Sinn, wenn die Kinder guten seitlichen Halt und mit Füßen wie auch Knien festen Bootskontakt haben.

BEGEISTERUNG WECKEN – MOTIVATION IST ALLES!

Auf den langen, schattenlosen Etappen des Tagliamento kommt so ein Fund-Schirm gerade recht.


Das richtige Maß an Fordern zu finden und Überfordern zu vermeiden, ist die hohe Kunst. Mit zwei Tricks klappt es oft ganz einfach, die Grenzen der Leistungsfähigkeit und Motivation weit nach oben zu schieben.

Erstens: Kinder brauchen Kinder! Wer schon mal beobachtet hat, wie sich Kinder aneinander orientieren und beim Kajakfahren unermüdlich weiter üben, solange andere Kinder vermeintlich »besser« sind, der lehnt sich als Kajakpapa oder -mama gerne entspannt zurück. Also am besten ein paar Freunde mit eingepackt, dann läuft es von allein, und Spiele wie Fangen oder Wettrennen tun ihr Übriges, um Motivationslöcher zu vermeiden!

Zweitens: Adrenalin und Wettkampfgeist! Der Ton macht die Musik. Gerade die ganz Kleinen lassen sich durch eine entsprechende Dramaturgie auf dem Bach mitreißen und erleben den Fluss wie eine spannende Geschichte. Wer dabei gleich Bäume, unterspülte Felsen und andere Gefahrenquellen in seine Kommunikation einbaut – schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe! Denn die Kinder lernen so schnell und auf spielerische Weise, den Fluss und seine Gefahren zu »lesen«. Das Maß der Dramaturgie sollte natürlich kindgerecht angepasst sein, um keine Panik aufkommen zu lassen.

Bei Niedrigwasser bietet die Gåsvasselva in Norwegen ideales Kinderwildwasser für Fortgeschrittene.

MEHR ACTION: ABER OHNE VERANTWORTUNG FÜR DAS KIND

Die beste Möglichkeit, aufregende Erlebnisse für den jungen Nachwuchs zu bieten, dürfte die Fahrt im Doppel-Wildwasserkajak sein. Sich in scharfen Kehrwassern voll in die Kurve lehnen und herumgerissen werden, vor Walzen und Rückläufen Gas geben und immer wieder betonen, wie sehr man die Paddelkraft des kleinen Paddlers vorne braucht, um gemeinsam das Wildwasser zu bezwingen – das hat noch jedes Kind abgeholt! Und für die ganz Mutigen darf es auch einmal eine Eskimorolle sein! Unser Tipp: Die Ansage sollte sein, das Paddel loszulassen, mit den Händen den Süllrand zu greifen und sich so flach wie möglich auf den Süllrand zu legen. Wer eine Tauchermaske ausgibt, fördert bereits im frühen Alter die Orientierung und das Verständnis für die komplexen Bewegungsabläufe bei der Rolle und legt hier einen weiteren Grundstein für das spätere Erlernen dieser Technik. Aber Achtung: Hinten muss immer ein erfahrener Paddler agieren, der genau weiß, was er sich und seinem Passagier zutrauen kann.

Noch ein Punkt: In bewegtem Wildwasser wird der vordere Paddler ständig richtig eingedeckt und kann deswegen schnell frieren. Durch das extrem hochgezogene Vorderschiff des 2B hat Prijon in dieser Hinsicht eine echte Verbesserung geschaffen.

AUSGEWÄHLTE: KINDER-/FAMILIENREVIERE

ARDÈCHE

Ein Naturparadies, garniert mit französischer Lebensart. Die Fahrt durch die große Schlucht ab dem Pont d’Arc ist natürlich ein Megaerlebnis für Kinder, vor allem mit Übernachtung auf einem der Biwakplätze. Aber auch weiter oben gibt es fahrbare Etappen für Kinder, und Chassezac und Beaume bieten ebenfalls wunderschöne Kinderstrecken.

SOCA

Hier locken viele kindergerechte Strecken ab Camp Toni bei Bovec bis Srpenica, je nach Könnensstand weiter bis zur Slalomstrecke oder dann wieder unterhalb von Kobarid oder auf die Koritnica. Zudem gibt es unzählige weitere Möglichkeiten wie zum Beispiel (Berg-)Wandern, Canyoning, Klettern, die Kaninseilbahn usw. Abends wird auf den Campingplätzen im Tal mit neuen Kameraden gespielt, und es gibt gegrillte Cevapcici, bis die Kinder glücklich und erschöpft in die Schlafsäcke kriechen.

SALZA

Und noch ein Kinderparadies mit Trinkwasserqualität, an dem ohne Ende Zerstreuung und paddlerische »Bewährungsproben « winken! Sowohl die obere Klausschlucht als auch die Etappe von Wildalpen bis Fachwerk, wo der Lassing mündet, bieten je nach Wasserstand kindgerechtes Wildwasser. Vor der »neuen« Walze am unteren Campingplatz in Wildalpen sollte man sich aber hüten! Auch hier rund um Wildalpen gibt es diverse andere lohnende Etappen sowie Zerstreuungsmöglichkeiten verschiedenster Art auch abseits des Kajak-Cockpits, wie zum Beispiel das Waldbad in Hinterwildalpen oder die Palfauer Wasserfallwelt.

DAS PADDELFIEBER WECKEN!

Ein alter Trick der Psychologie ist die tägliche Konfrontation mit positiven Gefühlen und Erinnerungen. Der Mensch verdrängt gerne Negatives (kaltes Wasser, blaue Schienbeine, usw.) und behält Positives in Erinnerung (Lob und Erfolg – ich bin nicht umgefallen!).

Wir haben es ausprobiert: Im Alter von nur acht und neun Jahren durfte der Paddelnachwuchs an heißen Sommertagen und bei einer Wassermenge von weniger als einem Kubik mit dem Kajak kleine Wasserfälle/Stufen in große und tiefe Gumpen bezwingen.

Spektakuläre Fotos von »Wasserfall-Befahrungen« sind entstanden. Die postergroßen Bilder in Kinderzimmern oder auch in der restlichen Behausung lassen Kinderherzen höher schlagen, der Stolz bei fremdem Besuch lässt sie gleich ein paar Zentimeter wachsen. Am Ende entsteht von alleine der Wunsch, ähnliches wieder erleben zu dürfen. Die Kinder wollen aus eigenem Antrieb lernen und besser werden. Dahingehend verstehen wir die Diskussion oft nicht, dass »Wildwasser ja nicht nur aus Wasserfällen« bestehe. Natürlich tut es das nicht – aber: Wasserfälle und Stufen sind für viele Kids das Salz in der Suppe, das Maß aller Dinge, sie machen glänzende Augen und vor allem stolz. Und mit Bedacht ausgewählt stellen viele Stufen auch keine wirkliche Gefahr dar. Ideal sind oft Grundgesteinsstellen mit extrem geringem Wasserdurchlauf.

Ob man das Erlebte auf sozialen Medien teilen möchte, bleibt jedem selbst überlassen, wobei es uns eher fraglich erscheint, ob man sich und vor allem den Kindern damit einen Gefallen tut, denn eine Rückmeldung findet ja hier direkt nicht statt.

Ganz weit weg von Spiele-Konsole und Smartphone-Sucht: »Lagerfeuer-Fernsehen « am Tagliamento. Abenteuerlust und Interesse an der Natur wecken – das muss auch außerhalb der Bootswände praktiziert werden.


DIE WAHL DER RICHTIGEN AUSRÜSTUNG

Manche Hersteller von Kinderkajaks begehen seit vielen Jahren einen Kardinalfehler. Viele Kinderboote fürs Wildwasser sind wie Riverrunner gebaut, mit slalomartigem, flachem Heck – und dadurch in der Regel extrem seitenwasserempfindlich. Zudem sind die Boote im Bereich des Sitzes viel zu breit, und die kurzen Arme der Kinder können Hebeleffekte bei Querströmungen gar nicht abfangen. Es gibt ja die Theorie, dass Kinder durch solche Boote das Auslegen und Stützen am besten lernen – aber dabei ist unserer Meinung nach nur der Wunsch der Vater des Gedankens. Zumindest im Alter zwischen etwa fünf und zehn Jahren reichen meist weder Muskeln noch anatomische Voraussetzungen aus, um die Kraft per Bootskontrolle derart aufs Wasser zu übertragen, wie wir es von erwachsenen Paddlern gewohnt sind. Es ist wohl kaum zu verleugnen, dass Schwimmer meist wegen eines hecklastigen Boots oder Seitenwasser zustande kommen. Aus diesem Grund werden die Kids oft gleich zu Beginn ihrer Bekanntschaft mit dem Paddelsport unnötig oft mit Schwimmen im kalten Wasser konfrontiert. Mit allen Folgen wie Frieren, Angst oder einem blauen Schienbein – verheerend für die Motivation.

Wenn der Papa mit der Tochter – Elisa und Alena folgen erfolgreich der Ideallinie.


Im Waldbad von Hinterwildalpen sind die Kinder trotz des eiskalten Wassers nicht zu bremsen.


Wie es kindgerechter aussieht und wie man schmale Boote mit ausreichend Volumen und damit Sicherheitspolster schaffen kann, hat zum Beispiel Liquidlogic mit dem hierzulande leider nicht mehr erhältlichen Remix 47 gezeigt. Auch Jackson hat mit dem Side Kick wohl ein gutes Händchen bewiesen.

Es geht hier sicher nicht darum, andere Hersteller von Kinderkajaks schlecht zu reden – denn immerhin haben sie trotz wenig Aussicht auf viel Umsatz Kinderkajaks überhaupt im Programm! Trotzdem lautet unser Appell: Baut für unseren jungen Paddler-Nachwuchs schmale Boote für schmale Kids. Baut sie leicht und mit ausreichend Volumen!

Nicht ganz einfach gestaltet sich auch die Bootswahl beim Übergang vom Kind zum Jugendlichen. Zum Glück gibt es Kajak-Hersteller, die entgegen des Trends der letzten Jahre auch wieder kleinere (creeking-taugliche) Boote mit weniger Volumen auf den Markt gebracht haben, wie beispielsweise der Curve 2.5 von Prijon oder auch die fürs Frühjahr 2020 angekündigte Queen von Spade.

KARDINALFEHLER ZWEI: DAS PADDEL!

Wer das Verhältnis Kraft der Kinder zum Gewicht des Paddels einmal berechnet, muss zum Schluss kommen: Es kann für Kids gar nicht leicht genug sein! Kurze Paddel mit dünnen Schäften, kleinen Flächen und wenig Gewicht müssen her. Kinder wollen mehr noch als Erwachsene leichte Paddel nicht mehr aus der Hand geben, wenn sie einmal den Unterschied gespürt haben. Es gibt sie, die Kinderpaddel unter 900 Gramm. Kober hat es mit dem nur 830 Gramm »schweren« Speedy vorgemacht!

Und vielleicht der wichtigste Aspekt und zu Unrecht erst an dritter Stelle erwähnt: Dünne, löchrige Paddeljacken mit Klettverschluss am Hals à la »Modell Durchlauferhitzer « gehen gar nicht! Hier wird am falschesten aller Enden gespart. Kinder frieren deutlich schneller als Erwachsene, und wer friert, hat keine Freude am Sport! Der richtige Abschluss am Hals dürfte das wichtigste Kriterium in Sachen Paddelklamotten sein. Latexmanschetten haben sich als nicht so optimal erwiesen: Bei den Mädels bleiben die Haare hängen, die Jungs reißen sie oft kaputt, und oft fühlen sich die Kinder stark beengt. Die beste Lösung sind weiche Neoprenabschlüsse, wie es zum Beispiel viele Paddeljacken von Langer haben.

SICHERHEIT, SICHERHEIT, SICHERHEIT – UND RESPEKT!

Die vielen Bilder und vor allem Videos von schwerem Wildwasser auf den Kanälen der sozialen Medien haben die Entwicklung der letzten Jahre geprägt. Was heutzutage als Wildwasser fahrbar ist und im Actionfilm in für Erwachsene unerträglich kurzen Schnitten mit (scheinbar) unglaublicher Leichtigkeit dargeboten wird, stellt viel Dagewesenes in den Schatten. Dabei übersieht man gern, dass sich der Wildwassersport unglaublich athletisch entwickelt hat – und leider auch nicht wenige Unfälle passieren.

Um Situationen realistisch einschätzen zu lernen, müssen die Kinder Erfahrungen und Vergleichswerte sammeln. Um den daraus entstehenden Respekt vor der Natur und der Kraft des Wassers nicht beängstigend werden zu lassen, ist es hilfreich, wenn im Laufe dieses Vorgangs möglichst wenig Angstmomente oder negative Erfahrungen die Entwicklung beeinflussen. Alleine das Öffnen der Spritzdecke zu üben, umzufallen und das gleiche unter Wasser auszuführen, schafft enorme Sicherheit. Anfangs kann man auch ganz ohne Spritzdecke fahren oder diese nur vorne lose einzuhängen, so dass sich die Decke im Falle einer Kenterung von alleine löst. Für Fortgeschrittene gibt es Kinderspritzdecken mit extradünnem Gummi, der sich mit deutlich geringerem Krafteinsatz lösen lässt.

Natürlich ist es nicht jedermanns Sache, aber es ist äußerst hilfreich, wenn Kinder Wildwasser auch schwimmend erleben. Und das mit genauer Ansage, wie es sich anfühlen und was passieren wird. Der Druck des Wassers, selbst im kleinsten Rinnsal, ist sogar für erfahrene Paddler immer wieder eine Überraschung! Möglichkeiten, um derartige Erfahrungen zu sammeln, gibt es unendlich viele, sei es am Seil gesichert in einem Rücklauf zu schwimmen oder in den tiefen Tumpf eines Abfalls zu springen. Überhaupt ist Schwimmen im bewegten Wasser ein Schlüssel dazu, die Strömung verstehen zu lernen. Hier können die ersten Erfahrungen auch im Wellenbad oder leichter Brandung im Meer gemacht werden, bevor man Aufgaben stellt, wie zum Beispiel gegen Flussströmungen Kehrwässer schwimmend zu erreichen. Grundvoraussetzung für sicheren Spaß im bewegten Wasser ist ohne Zweifel, so früh wie möglich so gut schwimmen zu lernen wie es geht.

Ein paar Basics am Rande

> Nie ohne Schwimmweste (ohnmachtssichere Ausführung, falls die Kinder noch nicht schwimmen können), Handy, Erste-Hilfe-Set und immer haufenweise Schokoriegel!

> Genug Brotzeit und Getränke einpacken.

> Wechselklamotten im Trockensack

> Sonnenschutz

> Infos einholen über Wetter und Gewässer.

> Lückenlose Beaufsichtigung (um so jünger die Kinder und um so bewegter das Wasser, desto intensiver die Aufmerksamkeit)

> In regelmäßigen Abständen einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen

Die Autoren

Sebastian Gründler hat zwei Söhne, neun und sechs Jahre alt. Am liebsten paddeln sie auf der Alz, Soca, Salza und Ardèche und, wenn es sein muss, auch in der Nähe ihrer fränkischen Heimat auf Wiesent und Pegnitz. Wenn es ihnen im Einer zu wild wird, steigen sie mit leuchtenden Augen gemeinsam mit dem Vater in den Prijon 2B um.

Ulrich Kittelberger hat zwei Töchter, zwölf und 16 Jahre alt. Beide sind begeisterte Paddlerinnen und lieben – neben dem eigentlichen Erlebnis auf dem Fluss – das Lagerfeuer am Abend, das gemeinsame Kochen, das Kartenstudium vor einer Tour, die Natur und die anderen (netten) jungen Paddler(innen).