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PRAXIS TROCKENFLIEGE: Anders als andere


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 40/2018 vom 01.06.2018

Klar wissen Sie, wie es beim Fliegenfischen läuft und welche Fliegen fangen. Die Frage ist nur: Warum fangen eigentlich immer die anderen die großen Fische …? Und damit sind wir schon mitten im Thema – es geht mit der Trockenfliege auf nicht steigende Fische.


„Ein Fisch sieht rund24.500 Goldkopf-Nymphen
pro Jahr.“


Artikelbild für den Artikel "PRAXIS TROCKENFLIEGE: Anders als andere" aus der Ausgabe 40/2018 von FliegenFischen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Fotos: H. Bayler

Für die Nymphe konnte sich dieser Fisch nicht begeistern, doch als Harald Bayler dieser schönen Bachforelle aus der Savinja eine kleine, braune Parachute anbot, konnte sie nicht widerstehen! Große Fische geht Harald Bayler ganz gezielt mit der Trockenfliege an – und das ist ...

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... keine Marotte, das ist eine Methode.

Eine im flachen Wasser stehende Bachforelle. Bei so einem Anblick juckt es Harald Bayler gewaltig in den Fingern, denn er weiß, dass dieser Fisch auch ohne Schlupf-Geschehen mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Trockenfliege nehmen wird.


„Versetzen Sie sich in den Fisch – welcheFliege würde ererwarten?


Eine alte Fischregel sagt: „10 Prozent aller Fliegenfischer fangen 90 Prozent der Fische.“ Auch wenn dies wahrscheinlich etwas pauschal ist, stellen wir alle uns doch immer wieder die Frage „Warum hat DER schon wieder einen großen Fisch gefangen“, gefolgt von dem Gedanken „… und nicht ich?“

Eigentlich ist dies doch seltsam, denn wir alle fischen doch irgendwie gleich, wissen ziemlich genau, wie es am Wasser läuft und kennen die in Stein gemeißelten Grundregeln, mit denen wir die Fische aus der Reserve locken:

1. REGEL: Für große Forellen ist der Streamer die richtige Wahl, denn große Fische sind Räuber und nehmen keine kleinen Fliegen.

2. REGEL: Die gute alte Goldkopfnymphe fängt immer. Wenn also nichts läuft: Goldkopf drauf und ab geht die Post.

3. REGEL: Steigt nichts, wird mit Nymphe und Streamer gefischt.

Diese drei Regeln klingen sehr vernünftig und sind durchaus ein kleiner Leitfaden, um einen Fisch zu fangen. Dennoch stelle ich mir eine Frage, über die wir alle einmal nachdenken sollten: Lernen Fische im Laufe der Saison dazu?

Die Antwort ist, glaube ich, jedem klar. Ja, Fische sind durchaus lernfähig. Und in Gewässern mit einem gewissen Befischungsdruck muss man davon ausgehen, dass die Fische schnell dazulernen und in so einem Fall schlagen die oben genannten Grundregeln häufig ins Gegenteil um. Warum?

Da der Großteil der Fliegenfischer mit verführerischen Goldkopfnymphen und glitzernden Streamern unterwegs ist, haben die Fische viele Möglichkeiten, diese Imitate als solche zu erkennen.

Zudem sind die Fische fast das ganze Jahr lang gut im Training.

Man muss sich nur einmal in die Lage eines Fisches versetzen, der in einem stark befischten Fluss lebt. Gehen wir mal davon aus, dass im Durchschnitt 5 Fliegenfischer an jedem Tag ihr Glück auf diesen Fisch versuchen. Und alle fischen mit einer Goldkopfnymphe. Jeder wirft den prächtigen Fisch, der gut sichtbar im flachen Wasser steht, über den Tag verteilt mindestens 20 Mal an – dann hat der Fisch allein an diesem einen Tag schon 100 Mal eine Goldkopfnymphe gesehen! Macht 700 Goldköpfe pro Woche und wenn wir das einmal auf die Spitze treiben würden, dann würde dieser Fisch in der 35 Wochen langen Saison sage und schreibe 24.500 Goldkopfnymphen im Jahr zu Gesicht bekommen …

VIELE FISCHE HABEN GELERNT: GOLDKOPF = ZAHNWEH

Selbst wenn es realistisch nur ein Bruchteil von diesen 24.500 „Goldkopf-Sichtungen“ ist, man kann sich angesichts dieses Beispiels vorstellen, wie oft ein Fisch mit diesen Fliegen konfrontiert wird. Dementsprechend sensibel reagieren viele Fische in einem stark befischten Gewässer auch auf diese Nymphen.

Wenn ein Fisch der Goldkopfnymphe elegant ausweicht oder bis auf wenige Zentimeter an sie heran schwimmt und dann hektisch die Flucht ergreift, dann sind dies klare Anzeichen dafür, dass man es mit „schwierigem Publikum“ zu tun hat. Der Fisch hat eine Sache gelernt: „Goldkopf = Zahnweh“.

In solch einer Situation mit der Goldkopfnymphe weiter zu fischen, das ergibt für mich keinen Sinn. Eine neue Strategie muss her, eine, mit der auch erfahrene Fische nicht rechnen. Und so komisch es auch klingen mag: Meine erste Wahl ist dann die Trockenfliege!

Warum? Ganz einfach: Heutzutage werden Fische, vor allem in schwierigen Situationen, nur selten mit der Trockenfliege konfrontiert. Und diese Rechnung geht immer wieder auf!

Selbst große Fische sehen in einer Trockenfliege häufig keine Gefahr und kommen hoch, um sich die Fliege zu schnappen.

Zurecht stolz präsentiert Andreas Loska diese schöne Bachforelle. Auch hier ging die Rechnung mit der Trockenfliege auf. Das Foto entstand bei seiner gemeinsamen Tour mit Harald Bayler an der Traun.


Nix Streamer oder Goldkopf! Mit diesen kleinen Hechelfliegen fischt Harald Bayler, wenn die Fische nicht so recht wollen. Erstaunlicherweise erwischt er dabei häufig auch große Forellen.


Dass die Fischerei mit der Trockenfliege nur dann Erfolg bringt, wenn auch Insekten auf dem Wasser sind, ist ein Märchen!

Aus diesem Grund fischen viele Fliegenfischer den lieben langen Tag mit Nymphe und Streamer, ohne auch nur einmal in Betracht zu zeihen, ob die Trockenfliege vielleicht nicht doch die bessere Alternative wäre …

TROCKENFLIEGEN-TAKTIK AUF NICHT STEIGENDE FISCHE

Der eine oder andere wird sich bei dem Gedanken mit der Trockenfliege zu fischen, wenn nichts steigt, sicherlich unwohl fühlen. Doch es gibt Argumente, die durchaus für die Trockenfliege sprechen, selbst wenn keine Insekten auf der Wasseroberfläche zu sehen sind. Für den einen oder anderen ist das sogar ein krasser Widerspruch in sich. Doch mal unter uns: Es funktioniert und dies aus einem einfachen Grund. In stark befischten Gewässern entwickeln die Fische eine gewisse Routine, wenn es darum geht, eine Imitation vom Original zu unterscheiden. Wer glaubt, dass diese Art der Fischerei nur auf gut Glück basiert, der täuscht sich. Denn beim Thema „Mit der Trockenfliege auf nicht steigende Fische“ geht es darum, den Fisch zum Steigen zu bewegen. Das ist ein großer Unterschied zur Fischerei auf einen aktiven Fisch, der bereits Nahrung von der Oberfläche einsammelt.

Wir dürfen hier eines nicht vergessen: Bei dieser Technik haben wir keinen Anhaltspunkt, auf welche Fliege der Fisch reagieren wird!

Da auf dem Wasser keine Insekten unterwegs sind, an denen wir uns orientieren können, müssen wir einschätzen, welche Insekten an diesem Gewässer momentan unterwegs sein könnten. Hierbei braucht man Erfahrung und trotzdem geht dann das Experimentieren los. Je besser man das Gewässer kennt, umso schneller findet dabei übrigens die richtige Fliege. Das ist enorm wichtig, denn nur, wenn man eine Fliege wählt, die der Fisch auch erwarten würde, kann man den Fisch mit dieser an die Oberfläche locken.

SO SCHULEN SIE IHREN „SIEBTEN SINN“

Beim Trockenfliegenfischen auf nicht steigende Fische muss man die Augen offenhalten und lernen, die „dankbaren Fische“ zu erkennen. Das mag zwar komisch klingen, doch irgendwann entwickelt man einen „siebten Sinn“ dafür, bei welchen Fischen sich ein Versuch mit der Trockenfliege lohnt.

Der Standort des Fisches ist dabei ein entscheidender Faktor!

An folgenden Stellen sind die Chancen, dass der Fisch auf die Trockenfliege reagiert, sehr groß:

• Konzentrieren Sie sich auf flache Wasserabschnitte bis etwa 80 cm Wassertiefe.

• Flach stehende Fische im Uferbereich sind häufig willig, die Trockenfliege zu nehmen.

• Fische unter überhängenden Bäumen und Büschen sind meist sehr dankbar Abnehmer der Trockenfliege, weil an diesen Stellen immer wieder Insekten von oben aufs Wasser fallen.

Ist das Wasser tiefer als 80 cm, sinkt zwar die Chance, dass der Fisch nach der Fliege steigt, doch das heißt nicht, dass er es nicht tun wird. Ein Versuch lohnt sich immer, jedoch macht es keinen Sinn, einen tief stehenden Fisch stundenlang zu beackern. Nutzen Sie die Zeit sinnvoller und suchen Sie, eine Polbrille ist dabei extrem hilfreich, flach stehende Fische und befischen Sie diese „aussichtsreichen Kandidaten“ ganz gezielt.

Und schon wieder eine. Auch diese große Bachforelle, hart an der Neidgrenze, fing Harald Bayler gezielt mit der Trockenfliege. Ein wichtiges Hilfsmittel dabei ist die Polbrille!


FISCHEN SIE ANDERS ALS DIE BREITE MASSE

Sie sehen, die Strategie beim Fischen mit der Trockenfliege auf nicht steigende Fische ist eigentlich sehr einfach. Ob die Rechnung am Ende aufgeht, das hängt von der Wahl der richtigen Fliege und dem Geschick des Fliegenfischers ab. Denn besonders an Gewässern, an denen die Fische schon alles kennen, entscheidet eine saubere Präsentation der Fliege am Ende noch immer über Erfolg oder Niederlage.

Zu guter Letzt kann ich jedem nur den Rat geben: Fischen Sie einfach einmal anders als die Anderen! Überlass die Goldkopfnymphe ruhig der breiten Masse.

Wer es versucht, der wird sich wundern, wie erfolgreich das Fischen mit der Trockenen an manchen Tagen sein kann. Und das, obwohl die Fische doch gar nicht steigen …