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PRAXIS TROCKENFLIEGE: Die vor dem Rettung Untergang


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 20/2019 vom 01.02.2019

Echte Mai- und Köcherfliegen treiben auf dem Wasser, Kork schwimmt wunderbar und sogar tonnenschwere Tankerriesen kreuzen die Weltmeere – nur die eigene Trockenfliege will nicht so recht schwimmen. Wir haben die Ursachen für den Untergang untersucht und zeigen Ihnen, wie Ihre Trocken fliege ein Dauerschwimmer wird.von Axel Wessolowski


Artikelbild für den Artikel "PRAXIS TROCKENFLIEGE: Die vor dem Rettung Untergang" aus der Ausgabe 20/2019 von FliegenFischen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: FliegenFischen, Ausgabe 20/2019

Diese Fliege wäre auch ohne Rettungsring nicht dem Untergang geweiht. Trockenfliegen – richtig gebunden – schwimmen auch ohne zusätzliche Hilfe.


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Ein, wie ich finde, großartiger Witz geht wie folgt: „Ist mir scheißegal, wer dein Vater ist – solange ich hier fische, läuft niemand über das Wasser!“ Es ist und bleibt ein Mysterium, wie Jesus dieses physikalische Paradoxon zustande gebracht haben soll. Weniger paradox sind die physikalischen und chemischen Kräfte, die verhindern, dass Gegenstände im Wasser versinken. Drei Punkte, die auch für die Trockenfliege wichtig sind, gilt es zu beachten.

Der erste Punkt betrifft das Verhältnis von Gewicht und Volumen eines Gegenstandes, also seine Dichte.

Die Betrachtung des Bindematerials und die Frage, ob und wie gut es schwimmt, wurde sogar schon sehr früh thematisiert. Bereits 1590 (!) listet Leonard Mascall bei der Bindeanleitung für eine „Drake Fly“ neben Wolle, Seide und Federn einer männliche Ente (engl. Drake), auch Kork für den Körper!

Kork, dieser wunderbare Naturstoff mit seinen vielen vorteilhaften Eigenschaften, weist nämlich eine Dichte von 0,52 Gramm pro Kubikzentimeter auf. Damit ist Kork viel leichter als Wasser (0,998 Gramm pro Kubikzentimeter, bei 20 Grad Celsius) und geht entsprechend nicht unter.

Zudem nimmt Kork kein Wasser auf. Ein Material, welches eigentlich aufgrund seiner Dichte schwimmen sollte, kann nämlich sofort untergehen, wenn es sich mit Wasser vollsaugt.

HAHN STATT HENNE – DIE ERKENNTNIS STAMMT AUS DEM JAHRE 1886!

1851 weist George Philip Rigney Pulman darauf hin, für die Körper der Fliegen kein Pelz- beziehungsweise Fellmaterial zu verwenden, welches zu leicht Wasser aufnimmt. Seine damaligen Empfehlungen sind unter anderem Maulwurf-, Wasserratte-, Eichhörnchen- und Hasenpelz.

Auch der gute alte Halford bezieht diesen Aspekt bei seinen Betrachtungen zum Binden der Trockenfliegen mit ein.

In „Floating Flies and how to dress them“ (1886) spricht er sich deutlichst für Hahnenhecheln aus, da diese, im Gegensatz zu Hennenhecheln, sich viel besser von Nässe befreien lassen.

Auch soll man mindestens vier bis fünf Wicklungen vornehmen, damit die Fliege gut schwimmt. Seide empfindet er als wenig geeignet, saugt sie sich doch mit Wasser voll, dann lieber Federkiele von verschiedenen Vögeln.

Sie sehen, das Problem der bestmöglichen Schwimmfähigkeit ist kein neues Thema, immerhin kam das Trockenfliegenfischen noch vor Mitte des 19. Jahrhunderts auf, und es gibt bereits Tipps oder Ideen zum Binden der Trockenfliegen. Auch auf das Fetten der Fliege wird bereits eingegangen, aber dazu gleich mehr.

SCHWIMMENDER STAHL, KÖRPERWELTEN UND DAS LIEBE SILIKON

Zunächst Punkt Zwei: Die Dichte allein entscheidet nicht unbedingt, ob ein Material untergeht oder nicht. Stahl hat zum Beispiel eine Dichte von 7,9 Gramm pro Kubikzentimeter, sollte also schnell versinken. Tut es auch. Nur warum schwimmt dann offensichtlich die „OOCL Hong Kong“, gegenwärtig das größte Containerschiff der Welt und circa 364.021 Tonnen schwer?

Hierbei ist die Form entscheidend. Die vielen tausend Tonnen als massive Kugel gehen weiterhin schneller unter, als ein Kapitän „RMS Titanic“ sagen kann.

In Schiffsform aber ist das zu betrachtende Volumen ein anderes und somit \auch die Dichte. Diesen Zusammenhang hat bereits der griechische Erfinder, Astronom, Mathematiker und Physiker (ja, der Mann war sehr interdisziplinär) Archimedes erkannt.

Diese Fliege der Größe 14 wird lediglich von den Schwanz- und Hechelfibern an der Wasseroberfläche gehalten. Spezielle Muster halten sogar den Körper und den Haken aus dem Wasser! Diese Muster nutzen die Oberflächenspannung des Wassers.


Ohne große Formeln aufzuschreiben: Die Schwimmfähigkeit, genauer der Auftrieb, eines Gegenstands wächst mit ansteigendem Volumen. Und folglich ist die innen mehr oder wenige hohle „OOCL Hong Kong“ bei ihrem Stapellauf nicht gleich auf den Meeresgrund abgetaucht. Der Schwerpunkt einer Trockenfliege ist, was die Dichte betrifft, sicherlich der Haken.
Dieser Haken, mit seiner Dichte um die 8 Gramm pro Kubikzentimeter, muss durch das Bindematerial getragen werden. Und 8 Gramm pro Kubikzentimeter auszugleichen, das ist schon eine Aufgabe. Immerhin: Die Haken sind seit den Anfängen der Trockenfliegenfischerei wesentlich kleiner und leichter geworden.

Wasserläufer verteilen ihr Gewicht durch hunderte, tausende feiner Härchen an ihren Beinenden. Dadurch zerreißen sie nicht die „Wasserhaut“ und sie sind sogar in der Lage, sich extrem schnell über die Wasseroberfläche fortzubewegen.


Silikon, dessen Dichte um 1 Gramm pro Kubikzentimeter liegt, wird für Muster mit verlängerten Körpern, wie „Theos Maifliege“, verwendet.

Ausschlaggebend ist hierbei das Formen eines Körpers der hohl ist und wesentlich zum Auftrieb beiträgt. Das ist aber auch das einzige Beispiel, welches mir zu Punkt 2 einfällt. Daher gleich weiter zum dritten Punkt.

Schwimmpräparate: Der Griff in die Trickkiste

Heutzutage gibt es viele Mittel, die eine Fliege schwimmfähig machen sollen. Hier finden Sie Wissenswertes zu den Schwimmpräparaten.

„Schade, mein Herr, dass Sie nicht die Fliege ölen können, wie eine Ente ihre Federn ölt, dann würde sie sicherlich schwimmen.“ Dieser Satz stammt von einem Fischführer aus dem 19. Jahrhundert. Das Imprägnieren der Trockenfliegen war damals noch nicht üblich und Leerwürfe dienten zum Entfernen der Feuchtigkeit.

Heutzutage gibt es viele Mittel, die eine Fliege wasserabweisend machen sollen. Damals wurden Vaselin oder Paraffin in Benzin gelöst, Waffenöle und Bürzelsekret probiert, doch jetzt sind weitestgehend Silikonfette in Benutzung. Einige Hersteller bieten auch Pulver an, die eine wasserziehende Eigenschaft besitzen. Dieses Siliziumdioxid, genauer ist die Bezeichnung pyrogene Kieselsäure, ist also ein Trockenmittel.

Ein paar wenige flüssige Mittel müssen mehrere Stunden vor der Benutzung aufgetragen werden! Oftmals sind deren Inhaltsstoffe nicht angegeben …

Weiterhin erhältlich ist auch „CDC-Fett“, was (wenn es tatsächlich echt ist) eigentlich ein Wachs mit geringem Schmelzpunkt ist.

Dr. Tom Sanctuary (1852–1931), in einem der ersten Versuche Schwimmpräparate praktisch zu nutzen, trug in seiner Tasche eine Bürzeldrüse mit sich. Als diese aber anfing unangenehm zu riechen, sah er sich verpflichtet diese wegzuwerfen.

Ob und wozu Sie greifen, bleibt eine Frage der persönlichen Vorliebe und inwieweit Sie zum Teil nicht deklarierte Substanzen auf die Fliege geben wollen. Tatsache ist: Wenn bereits die unbehandelte Fliege nicht gut schwimmt, dann wird auch ein „Schwimmpräparat“ daran nicht viel ändern!

Aufgrund der molekularen Struktur „ziehen“ die meisten natürlich Bindematerialien Wasser und gehen irgendwann unter. Abhilfe gibt es in Form vielfältiger Schwimmpräparate.


WASSER IST DÜNNHÄUTIG – UND VIEL UNNÜTZES WISSEN

Für den dritten und letzten Punkt ein kleines Experiment: Ein Trinkglas mit Leitungswasser randvoll füllen. Eine Nähnadel auswählen, deren Länge kürzer ist als der Durchmesser des Glases (ich kenn doch meine Pappenheimer!) und nun die Nadel waagerecht auf der Wasseroberfläche platzieren.

Mit ein wenig Geschick oder unter Zuhilfenahme einer Pinzette, können Sie die Nadel ablegen, ohne dass diese versinkt. Tadah! Dabei müsste die Stahlnadel, ihre Dichte ist etwa 8 x so groß wie die des Wassers, doch unter der Wasseroberfläche verschwinden.

Nun ja, das ist nicht der Siegfried und Roy-Anfängerkurs, sondern Physik ganz nach dem Geschmack von Agnes Pockels. Pockels, die, ohne universitäre Ausbildung in ihrer Küche forschte, gilt als eine Pionierin auf dem Gebiet der Oberflächenspannung – so viel unnützes Wissen …

Dass die Nadel nicht versinkt, hat eben mit der oben genannten Oberflächenspannung des Wassers zu tun.

Vereinfacht ausgedrückt: Die Wassermoleküle richten sich an der Grenze zur Luft speziell aus, Anziehungskräfte zwischen allen Wassermolekülen führen zu einer Bildung einer extrem dünnen „Wasserhaut“. Da eine Vergrößerung der Oberfläche dieser Haut nicht das oberste physikalische Bestreben ist, weist sie eine Spannung auf. Diese Kräfte der Moleküle, die Oberflächenspannung, ist so groß, um Wasserläufern, Spinnen, Fliegen – oder eben der Nadel – genügend Halt zu bieten.

Will man diese Oberflächenspannung nutzen, wie es beispielsweise die Wasserläufer tun, muss das Gewicht so großflächig wie nur irgend möglich verteilt werden.

Eine Behechelung plus langem Rehhaar plus gestutztem Rehhaar – diese Fliege wird wie ein Korken abtreiben. Sicherlich keine „feine“ Fliege, dennoch hat sie ihre großen Momente.


In diesem Fall einer CDC-Fliege gut zu erkennen: Es sind nicht die CDC-Flügel, die die Fliege tragen, sondern der CDC-Körper und die Schwanzfibern.


Ich fasse einmal kurz zusammen:
● Um nicht unterzugehen, ist eine geringe Dichte erforderlich.
● Die Materialien sollten sich nicht mit Wasser vollsaugen.
● Das Gewicht sollte auf der Wasseroberfläche verteilt sein. Kann eine Trockenfliege diese Forderungen erfüllen? Kann sie! Geht sie unter, ist mindestens einer dieser Punkte mit einem großen Fragezeichen zu versehen.

GESCHLOSSENHEIT IST SEHR WICHTIG, AUCH BEIM FLIEGENBINDEN

Kork als Bindematerial wurde ja bereits weiter oben erwähnt. Und es gibt auch einige Korkmuster, bei denen vorwiegend der Köper der Fliege daraus besteht. Eine Alternative stellt das Holz des Balsabaumes dar (die Dichte liegt um die 0,15).

Weitere Materialien, die eine geringe Dichte als Wasser aufweisen, sind einige Haare von folgenden Tieren: Eisbären, Antilopen, Rene, Rehe, Elche, Wölfe und Bergziegen. Bis auf die Haare des Eisbären sind nur die Winterhaare der anderen Tiere hohl, beziehungsweise innen schwammartig strukturiert.

Einige Fliegenmuster nutzen vor allem die Schwimmfähigkeit von Rehhaar, entweder gestutzt (Beispiel „Goddard Caddis“) oder lang als Flügel eingebunden (Beispiel Rehhaar-Köcherfliege). Auch viele Federkiele sind hohl, jedoch nicht so einfach zu verarbeiten.

Winter-Rehhaar besitzt viele kleine Hohlräume und lässt daher die Haare im Wasser schwimmen. Vorzugsweise werden solche Haare bei Fliegen für schnelleres Wasser eingebunden.


Schnipp, schnapp, Hechel ab. Bei vielen Fliegen ist der untere Teil der vertikalen Hechel gar nicht erforderlich und im schlimmsten Fall sogar störend. Ein kurzer Schnitt und ab auf das Wasser!


Den natürlichen Materialien stehen die (von mir abgelehnten) Kunststoffe gegenüber, beispielsweise Polyurethan (bis zu 0,005 Gramm pro Kubikzentimeter leicht) oder Polystyrol (als Styropor um die 0,055 Gramm pro Kubikzentimeter leicht).

Mit der Bezeichnung Dexion oder Polycelon werden ebenfalls Schaumstoffe gehandelt, aber niemand war in der Lage, über deren Zusammensetzung Auskunft zu geben …

Wichtig bei diesen Kunststoffen ist die Unterscheidung in „geschlossenporig“ und „offenporig“. Schaumstoffe der letzten Art nehmen Wasser auf und Fliegen können einsinken. Daher ein wichtiger Hinweis für „Sparfüchse“: Moosgummi (Zellgummi) ist ein Zellkautschuk und je nach Herstellungsart offenporig. Moosgummi saugt sich also mit Wasser voll.

Aber genug zu dem ganzen künstlichen Tüdelkram – weniger Kunststoff ist sowieso vernünftiger. Aber der Vollständigkeit halber noch ein paar Fliegen mit Kunststoff: Edwards Mohikaner Maifliege, Hecht-Popper, Gurgler, Mosers Ballon-Köcherfliege, Suspender Mayfly und die Ameise von Tschernobyl …

FLACH AUF DEM WASSER – SO NUTZEN SIE DIE OBERFLÄCHENSPANNUNG AM BESTEN

Wird die Fliege sehr klein gehalten und spärlich gebunden, kann es schon für den „Nadeleffekt“ ausreichen. Bestimmte Muster, wie die „Quill Gordon“, sind so gebunden, dass sie hoch aufschwimmen, mit dem Körper und Haken aus dem Wasser! Sicherlich, das ist machbar, aber doch mit viel Frustpotential verbunden. Das korrekte Ablegen der Fliege wird hierbei schnell eine Prüfung der eigenen Geduld …

Eine trockene Fliege ist eine besser schwimmende Fliege. Die Behandlung der Trockenfliegen mit Ölen, Fetten oder Wachsen hilft die Trockenfliegen möglichst lange trocken zu halten. Wichtig: CDC sollten Sie nicht benetzen, die feinen Fibern verkleben sonst.


Schaumstoff trägt auf, aber auch zur Schwimmfähigkeit bei. Bei dieser Maifliege ist es vor allem der Körper aus Kunststoffschaum, der für den notwendigen Auftrieb sorgt. Die Hecheln verhindern nur ein seitliches Kippen.


Andererseits: Den Punkt, das Gewicht der Fliege auf eine möglichst große Fläche zu verteilen, können wir zum eigen Vorteil nutzen. Die Tragkraft der Oberflächenspannung des Wassers ist für uns ein wichtiger Faktor.

Aus diesem Grund schwimmen die mit Croupion de Canard (CDC)-Federn gebundenen Fliegen auch so gut. Die sehr vielen, feinen Verzweigungen der Federäste vergrößern die Oberfläche der Fliege sehr stark. Stark genug, um die Oberflächenspannung nicht zum Reißen zu bringen. Diese Tatsache gilt übrigens auch für entfettete CDC-Fliegen!

Andere Varianten der Gewichtsverteilung nutzen Hecheln, lange und gespreizte Schwanzfibern und/oder waagerecht eingebundene Federn. Für die beste Ausnutzung werden Hecheln horizontal eingebunden oder die vertikal verarbeitete Hechel wird entsprechend gestutzt.

Muster von Libellen oder erschöpfter Fluginsekten lassen sich wunderbar mit den flach auf der Wasseroberfläche aufliegenden Flügeln binden.
Gegenüber den natürlichen Insekten, sind künstliche Fliegen wahrlich keine Fliegengewichte. Nehmen die Materialien jetzt auch noch Wasser auf, verringert sich der Auftrieb deutlich – und viele der natürlichen Materialien „ziehen Wasser“.

Verhindern oder zumindest doch verlangsamen können Sie die Wasseraufnahme durch das Fetten der Fliege. Mittelchen gibt es ja mehr als genug.

Auch das Bestreben der Fliege die Wasserhaut zu durchstoßen wird durch die wasserabweisenden Substanzen zumindest gemindert. Auch sollten Sie peinlichst darauf achten, die Fliege immer frei von Fischschleim zu halten. Der Hauptbestandteil dieses Schleims ist äußerst quellfähig, nimmt also gern und viel Wasser auf.

ÜBERS WASSER LAUFEN IST DOCH MÖGLICH

„Alle von uns werden zustimmen, die wichtigste Eigenschaft einer Trockenfliege ist ihre Fähigkeit zu schwimmen, und sogar die am schlimmsten aussehende (oder die dürftigst gebundene) Fliege wird hin und wieder Fische fangen, wenn sie an der Oberfläche gehalten werden kann.“ Recht hat er, der Poul Jorgensen.

Mit der auf dem Wasser treibenden Fliege die Fische herauszufordern, das ist eine sehr aufregende Angelegenheit.

Das Zeitfenster jedoch, um mit der Trockenfliege zu fischen, ist nicht allzu groß. Daher sollten die Fliegen von Ihnen auch entsprechend gebunden und vorbereitet sein, um im oder auf dem Wasserfilm gut abzutreiben. Der Winter ist eine gute Zeit für solche Vorbereitungen.

Ach, und wo wir gerade beim Thema sind, noch einmal zurück zum Thema Jesus: Ein Mensch müsste mit rund 108 Kilometern pro Stunde (km/h) über das Wasser rennen, um nicht einzusinken. Mit der fünfzehnfachen Muskelkraft eines Menschen wäre das zu erreichen. Dass es prinzipiell möglich ist, beweist der Basilisk – dem leichten Reptil reichen weniger als 6 km/h, um über das Wasser zu laufen. Der Name der Echse? Stirnlappenbasilisk oder eben „Jesus Christ“!


Fotos: A. Wessolowski