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PRAXIS WERFEN LERNEN: WEGWEISER ZUM WURF


FliegenFischen - epaper ⋅ Ausgabe 40/2018 vom 01.06.2018

Wie lernt man den Fliegenwurf am besten? Mit einem Wurflehrer oder als Autodidakt? Und: Für wen eignet sich welcher Weg? Dieser Wegweiser zum Wurf wird Ihnen einige unnötige Umwege ersparen. Versprochen!


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Werner Berens beim Werfen – er ist damals den autodidaktischen Weg gegangen und hat aus der Not, dem Mangel an Hilfe, eine Tugend gemacht. Doch das Selberlernen ist nicht für jeden geeignet, es setzt eine Bewegungsbegabung und Lerndisziplin voraus.


Fotos: W. Berens, D. Henkes, AdobeStock_106341333

Ein guter Wurf ist kein Hexenwerk!

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In meinem Hausgewässer, einem Niederungsfluss, stiegen die Äschen. Es war noch „Vorkormoranzeit“ und man fing sie an der Matchrute mit Futterkörbchen und Madenköder. Fliegenfischer waren in jenen Tagen unbekannte Wesen dort, und so konnte man auch niemanden fragen, wie man Äschen mit der Fliege fängt. Google und Youtube existierten nicht, und weit und breit gab es keine Kurse. Die geschenkte Glasfaserrute mit Rolle und Leine, die ein eingefleischter Sitzangler an mich weiterschenkte, konnte nur dann angemessene Verwendung finden, wenn ich mir selbst half. „Fliegenfischen für Anfänger“ hieß das Buch von Hans Steinfort, mit dem ich Rute und Leine auf der Wiese zur Erheiterung der vorbeifahrenden Radfahrer so zu benutzen versuchte, wie Hans Steinfort das erklärte.

DAS WIRKLICHE WOLLEN IST DER START-STEIN DES WEGES ZUM GUTEN WURF

Heute ist die Situation eine völlig andere. Die Frage, ob man sich Fliegenfischen mal so eben selbst beibringen kann, „assistiert“ von Google und Youtube, ob man sich das von einem Bekannten zeigen lässt oder doch besser einen Kurs besucht, ist lebhaft diskutierter Gegenstand in einschlägigen Foren.
Wenn man „fertige“ Fliegenfischer fragt, wie man das Werfen lernen sollte, bekommt man unterschiedliche Antworten, die alle vom eigenen Weg beeinflusst und dementsprechend subjektiv sind.
Es liegt also nahe, sich mit der Sache etwas gründlicher auseinanderzusetzen, auch deshalb, weil man dann Rat suchenden Anfängern weniger subjektiv gefärbt helfen kann, statt sie in die Irre und auf Umwege zu schicken. Selbstverständlich beinhaltet die Ausbildung zum Fliegenfischer weitaus mehr als das Fliegenwerfen. Doch das ist ein anderes „Kapitel“. Hier soll es nur um den Fliegenwurf gehen.

Vor einigen Jahren schaute ich im Rahmen eines Interviews einem der besten europäischen Fliegenwerfer, Master Instructor der damals noch existenten deutschen Unterorganisation der EFFA (European Fly Fishing Association), beim Werfen zu und fragte, wo und wie er diesen Wurf, eine ästhetische Augenweide, gelernt habe. Einen Kurs habe er nie besucht, aber immer faszinierend gefunden, wie gute Werfer diese engen, sauber und gleichmäßig abrollenden Schnurschlaufen warfen. „Solche Schlaufen wollte ich auch werfen können – und dann habe ich so lange geübt, bis ich sie werfen konnte.“

UNSER KÖRPER MACHT DUMMERWEISE NICHT IMMER DAS, WAS DER KOPF EIGENTLICH WILL

Wer, wie der erwähnte Caster, eine lange Leine sauber und eng abrollend in der Luft halten kann, hat zweifellos alle wesentlichen Prinzipien des Fliegenwurfs verstanden. Und mit „verstanden“ meine ich, dass sein Körper, sein sensomotorisches System, sein Bewegungsapparat verstanden hat, was er tun muss. Das ist etwas anderes als intellektuelles Verstehen!

Derjenige, der sich der Zielvorstellung „enge, sauber abrollende Schlaufen“ übend zu nähern versucht, passt sozusagen automatisch seine Bewegungsabläufe nach dem Prinzip Versuch und Irrtum so lange an, bis er das gewünschte Bild seiner Schlaufe vor Augen hat. Erst im Nachhinein wird er mit dem Verstand zu analysieren versuchen, was sein Körper da eigentlich macht. Wenn ein solcher Meister aber seine Fähigkeiten weitergeben will, dann wird er schnell bemerken, dass es nicht reicht, wenn ER intuitiv weiß, was er machen muss. Denn er muss ja den wesentlichen Teil seines Handelns in seine Schüler „hinein“ bekommen. Dazu muss er seine gefühlten sensomotorischen Abläufe in Sprache übersetzen – und Gefühle in Sprache auszudrücken ist bekanntlich nicht leicht. Und er wird darauf achten müssen, das vieles, was für ihn selbstverständlich erscheint, für seine Schüler Neuland ist. Deshalb muss er zum Beispiel zuerst die möglichen Handhaltungen der Rute erklären. Und er muss daran denken, dass Anfänger nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig in Bewegung umsetzen können.

Der „Scheibenwischer-Wurf“ entsteht, wenn das Handgelenk beim Wurf abknickt– ob man das jedoch beim Selberlernen bemerkt?


VERSCHIEDENE WEGE – EIN ZIEL!

Seitens der Anfänger/Schüler gibt es nun einige grundsätzlich verschiedene Wege, sich den in Sprache und Bilder übersetzten Bewegungsabläufen der Experten anzunähern.

ERSTER WEG – SO WIRD DAS NUR SELTEN ETWAS

Am Beginn meiner Kurse berichtet jeder Teilnehmer, warum er an diesem Kurs teilnimmt, was er vom Kurs erwartet und ob er Vorerfahrungen mit dem Fliegenfischen gemacht hat. Eine häufige Vorerfahrung besteht darin, dass besonders sparsame Zeitgenossen sich von einem Bekannten, der mit der Fliege fischt, mal eine halbe Stunde in die Geheimnisse des Fliegenwurfs einweihen lassen und dann alleine mit der Fliegenrute losziehen. Meistens verstaubt nach kurzer Zeit die „Erfahrung Fliegenfischen“ wieder in der Ecke der ungeeigneten Tätigkeiten, weil man ja nichts fängt. Natürlich liegt das nicht nur am unzureichenden Wurf, sondern auch daran, dass man die Fische nicht findet.

Wenn dann der Groschen fällt, reift manchmal die Erkenntnis, dass die frustrierende Erfolglosigkeit an einer unzureichenden Vorbereitung gelegen haben könnte. Dann meldet man sich zum Kurs an oder kauft sich Literatur und geht das Projekt Fliegenfischen zielgerichteter an als bisher. Durch die Erfahrung des Misserfolgs gereift, verwirft man nun den ersten Weg – was ich hier auch tue, denn er führt in den seltensten Fällen zum Erfolg.

ZWEITER WEG – DAS EIGENVERANTWORTLICHE LERNEN SETZT DISZIPLIN VORAUS

Der zweite Weg ist derjenige, bei dem man selbst den größten Teil der Verantwortung für das Gelingen übernimmt. Man liest sich Wissen an, erkennt, dass der Erfolg damit beginnt, dass man fähig ist, die Fliege dorthin zu werfen, wo die Fische sind und will sich nun mit Hilfe von in Büchern dargestellten Bewegungsanweisungen, Bildern und Lernschritten das Fliegenwerfen selbst beibringen.

Dazu ein Tipp: Sportler bedienen sich einer Trainingsmethode, bei der eine komplexe Bewegung in Teilschritte zerlegt wird. Diese Schritte werden, aufeinander aufbauend, geübt, und zwar so, dass der nächste Schritt erst dann „hinzuaddiert“ wird, wenn der vorherige sitzt. Das folgende Beispiel verdeutlicht das Prinzip, wie man diese Methode beim Werfenlernen einsetzen kann:
1. Die Rute mit der Spitze an einer gedachten, geraden Linie an der Wand entlang bewegen.
2. Die Rute mit 4 m Leine mit der Spitze an einer gedachten, geraden Linie an der Wand entlang bewegen.
3. Die Rute mit 4 m Leine mit der Spitze an einer gedachten, geraden Linie an der Wand entlang bewegen und an den Umkehrpunkten einen kurzen Augenblick verharren.

DRITTER WEG – DER LEHRER UND DIE SCHÜLER

Beim dritten Weg, dem „klassischen Kurs“, übernimmt der Lehrer den Großteil der Verantwortung. Er organisiert die Lernschritte so, dass sie seiner Erfahrung und seiner Kompetenz folgend für die Schüler zum Erfolg führen. Unterschiedliche Lehrer organisieren den Lernprozess unterschiedlich. Einen für alle gültigen Lehrweg gibt es nicht – viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Nicht alle sind jedoch gleich gut. Es gibt (wie auch beim zweiten Weg) holprige und komfortable, kurze und lange Wege, deren Wert mit der Qualität des Lehrers steht und fällt.

EIGENTLICH IST DER WEG KLAR, ABER …

Nach der Aufzählung der wesentlichsten „Weg-Punkte“ wird dem aufmerksamen Leser auffallen, dass einige Punkte Vor-und auch Nachteil sein können, je nach Situation und Person. So kann der Umstand, dass man sich beim Selbstunterricht gründlicher mit dem Werfen auseinandersetzen muss, auch zur Selbstüberforderung und Verunsicherung führen. Der Backhandwurf zum Beispiel erscheint manchem Autodidakten als zunächst als unerreichbarer Wurf, was er nicht ist – wenn der Weg dorthin gut erklärt oder gezeigt wurde.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die grundsätzlichen Vorteile eines Kurses in einer besseren Kontrolle des Lernens durch eine außenstehende Instanz zu liegen scheinen. Der Kursleiter nimmt dem Lernenden die Kontrollarbeit ab, die viele nicht leisten können, weil sie mit dem Umsetzen der Bewegungsaufgaben vollkommen ausgelastet sind. Was bedeutet das nun? Dass Selbstunterricht hoffnungslos unterlegen ist als erfolgreicher Weg? So einfach ist das nun auch wieder nicht. Ich habe mir auf der Wiese mit Hilfe des Buches „Fliegenfischen für Anfänger“ das Werfen beigebracht und halte mich für einen ganz passablen Werfer. Und es gibt heutzutage nicht wenige gute Werfer, die den gleichen Weg gegangen sind …