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PRAXISTEST: Fahren wie auf Wolken


Reisemobil International - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 11.10.2019

Knapp über sieben Meter lang, zwei Längsbetten im Heck und mittig ein Hubbett – ein gefragter Grundriss: Hebt sich der Hymer B-MC T 600 aus dem Einerlei ab?


Hymer B-MC T 600

Artikelbild für den Artikel "PRAXISTEST: Fahren wie auf Wolken" aus der Ausgabe 11/2019 von Reisemobil International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reisemobil International, Ausgabe 11/2019

Noch sind Teilintegrierte auf Mercedes-Benz Sprinter selten, erst recht mit Frontantrieb. Doch das dürfte sich zügig ändern: Eine ganze Reihe von Herstellern bedient sich mittlerweile des neuen Triebkopfs.

Die Nase vorn hat hier Hymer. Die Marke aus Bad Waldsee bietet neben einer ganzen Reihe von Integrierten und Teilintegrierten mit Frontantrieb sogar zwei Chassis-Varianten an: den 229 Zentimeter breiten Hymer Tramp S auf ...

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... Mercedes-Benz-Chassis mit Frontantrieb und denselben Triebkopf mit SLC-Hymer-Al-Ko-Leichtbau-Chassis als 229 Zentimeter breiten B-MC T (Modern Comfort Teilintegriert).

Dem Test bei Reisemobil International stellt sich der auf der CMT 2019 in Stuttgart präsentierte B-MC T 600 in speziel- ler Ausführung: Das zusätzliche Hubbett bringt eine Änderung des Wohnaufbaus mit sich. Um eine passable Stehhöhe im Mobil zu erhalten, ist die Hutze über dem Fahrerhaus etwas höher gezogen. Etwa in der Mitte des B-MC T 600, sein Grundpreis beträgt 71.990 Euro, ist dies an einem kleinen Absatz zu erkennen. Dort endet die höhere Hutze, und der Wohnaufbau entspricht dem Fahrzeug ohne Hubbett.

An der leicht erhöhten, leicht bulligen GfK-Hutze über dem Fahrerhaus ist von außen zu erkennen, dass es sich um das B-MC-Modell mit dem Hubbett handelt.


Wodurch die Optik des Teilintegrierten gewinnt: Er wirkt von vorn ein wenig bulliger, was letztendlich gut zu der Sprinter-Nase passt. Auch das Heck glänzt in neuem Design. Die Garagenwanne unterhalb des neuen Heckleuchtenträgers ist in Diffusoroptik gehalten, wie sie zur Zeit gern bei Sportwagen zu finden ist, um dort für eine bessere Aerodynamik zu sorgen – da bleibt hier wohl nur der optische Vorteil.

Den Wohnaufbau des Teilintegrierten fertigt Hymer in der bekannen PUALBauweise. Die Isolierung besteht aus geschlossenzelligem und damit wasserabweisenden PU-Schaum, Oberfläche und Innenwände aus Aluminium. Um das Dach hagelresistent zu gestalten, klebt Hymer eine zusätzliche GfK-Schicht über das Aluminium, was, so die für diese Konstruktion Verantwortlichen, einen deutli- chen Vorteil gegenüber reinen GfK- oder Alu-Sandwichdächern bringt. Je nach benötigter Größe der GfK-Lage macht das samt Kleber bei einem sieben Meter langen Fahrzeug 22 Kilogramm Gewicht zusätzlich aus.

Als Chassis nutzt Hymer beim B-MC T das Leichtbau-SLC-Chassis. Bei dem sind die Längsträger Teil einer kastenartigen Konstruktion, die auch als Doppelboden fungiert. Der Sprinter-Triebkopf, im Testfahrzeug mit 177 PS (130 kW) und Neun gang-Automatikgetriebe, und das SLCChassis harmonieren im Fahrbetrieb ausgezeichnet. Auf trockener Straße kommt nie das Gefühl mangelnder Traktion auf. Auch bei feuchtem Terrain hat die Regelelektronik die 177 PS im Griff. Kurzfristig durchdrehende Räder auf der Kurveninnenseite, etwa beim Beschleunigen, lassen sich nur mit Mühe provozieren. Wer das Mobil defensiv, eben einem Reisemobil angemessen, bewegt, spürt vom Frontantrieb nichts. Erfreulich ist auch die präzise auf Lenkbefehle reagierende, elektromechanische Servolenkung.

Die Heckgarage des B-MC T 600 ist üppig. Unter den zwei Längsbetten fänden sogar vier Fahrräder Platz. Mit den Zurrschienen lassen sie sich gut befestigen. Das Mobil hat zwei Türen an der Heckgarage, allerdings öffnen beide nur in einem Winkel von 90 Grad.


Kleiderhaken offeriert der B-MC reichlich. Dazu kommen offene Fächer, fast alle mit Sicherungssystemen ausgestattet. Die beiden Kopfstützen der Sitzbank lassen sich abziehen. Der auf einer einzelnen, stabilen Säule stehende Tisch lässt sich in alle Richtungen verschieben, sollte aber noch ein wenig mehr Raum hinter dem Fahrersitz bieten.


Die Winkelküche besitzt genügend Arbeits- und Stellfläche. Die Schubladen laufen einwandfrei auf stabilen Schienen und haben einen automatischen Endeinzug.


Weniger berauschend: Der Wendekreis ist riesig, mit dem vier-Meter-Radstand an die 16 Meter. Wer hier einen engen Kreisverkehr unkonzentriert anfährt, landet spätestens an der zweiten Abfahrt weit außen und hat Probleme, sie ohne Rangieren zu erwischen. Der Hinterrad-getriebene Sprinter dagegen ist ein Vorbild in dieser Disziplin. Andererseits beschert die hier eingesetzte Chassis-Kombination den Reisenden einen exzellenten Fahrkomfort – kaum ein Mobil ohne Luftfederung kann hier mithalten.

TECHNISCHE DATEN

Basisfahrzeug: MB Sprinter, SLC-Hymer/Al-Ko-Chassis, 2,2-Liter-143-PS-Turbodiesel, Euro 6 C Gr.III, Reifen: 225/75R16C, Neungang-Automatikgetriebe, McPherson-Federbeine vorn, Frontantrieb, hinten: EinzelradaufhängungMaße und Massen: (L x B x H) 719 x 229 x 296 cm, Radstand: 400 cm, Stehhöhe im Wohnbereich 198 cm, Innenbreite 212 cmBetten: Einzelbetten im Heck 196 x 86 cm und 189 x 86 cm, Hubbett 188 x 130 cmFüllmenge: Frisch-/Abwasser 180(20) /150 lSerienausstattung (u.a.): Dach, Wände Alu-Sandwich mit Isolierung aus PU-Schaum (34 mm) Boden GfK-Sandwich 43 mm, Truma Combi 6, 160-Liter-Absorberkühlschrank, 3-Flamm-Kochfeld, Rahmenfenster, Hubbett, LED-BeleuchtungSonderausstattung (in Auszügen): 177 PS (130 kw) ohne Mehrgewicht, Klimaanlage Tempomatik, aktiver Abstandsassistent, Fahrerassistenzsystem-Paket, Neungang-Automatik, elektronische Parkbremse, MBUX10 DAB Multimediasystem, Rückfahrkamera Vorbereitung, Komfort-Sitzgruppe, Holzlattenrost Dusche, Fahrerhausverdunklungssystem, Hymer-Komfortline-Paket, Zusatzpolster Bett, Bugbett elektrisch absenkbarVerbrauch: 11,4 lGrundpreis: 71.990 EuroTestwagenpreis: 91.853 Eurowww.hymer.com

LADETIPPS Der B-MC T 600 ist mit seinem 7,19 Meter langen Aufbau hart an der Grenze, um als 3,5-Tonner gefahren zu werden. Für die Fahrt bleibt nur die von Hymer vorgesehene Variante, den Frischwassertank auf die 20-Liter-Fahrstellung zu befüllen. Dann bleiben bei zwei Reisenden auch neben der Normladung noch Reserven für zusätzliches Gepäck.

Auch das optional erhältliche Hubbett überzeugt mit großer Liegefläche.


Steigerungsfähig indes ist der Sitzkomfort. Die Aguti-Sitze verdrießen mit einer kniffeligen Sitzhöhenverstellung und lassen sich auch nicht tief genug absenken. Dadurch ziehen sie die vorbildliche Sitzposition des Sprinters in Mitleidenschaft. Auch von der Sitzergonomie her ist das Gestühl nicht jedermanns Sache. Die Oberschenkelauflage ist zu kurz, die Armlehnen links und rechts befinden sich zu nah am Körper. Zudem wackeln und knarzen die Sitze, wenn etwa der Beifahrersitz nicht belegt, der Fahrer solo unterwegs ist.

Was während der Fahrt zudem stört, sind die in einem Rahmen geführten Verdunklungsjalousien an Fahrer- und Beifahrertür. Deren untere, scharfkantige Führungsschiene ragt von der Türverkleidung senkrecht nach oben und nimmt dem Fahrer die einzige Möglichkeit, seinen Arm bequem aufzulegen. Zumal, wie beschrieben, die Armlehnen nicht passen und die in die Türverkleidung eingearbeitete Auflage wegen der mangelnden Verstellmöglichkeit des Sitzes zu tief liegt.

Aber auch die Remis-Konstruktion an der Frontscheibe verdient Kritik. Die Kunststoffverkleidung des Führungsdrahts oben verhindert das Abklappen der Sonnenblenden ganz nach vorn zur Frontscheibe hin. Sie stehen dann senkrecht und verdecken dem Fahrer nicht nur die blendende Sonne, sondern beinahe die komplette Sicht nach vorn. Wer sie nach hinten geneigt stellt, verliert die Schutzwirkung und hat die Sonnenblende unangenehm dicht an der Stirn. Bei Verdunklungssystem und Sonnenblenden gibt es also noch Verbesserungsbedarf.

Das Doppelbett im Heck überzeugt mit bequemer Matratze und großer Liegefläche. Möglich sind zwei Einzelbetten oder eine zusammenhängende Kuschelwiese, wie die unbezogenen Polsterteile zeigen.


Die Kleiderschränke befinden sich links und rechts unter den Fußenden der Betten – groß, aber nicht so bequem.


Ausgezeichnet hingegen arbeitet die in das 10,25-Zoll-Panel des MBUX-Multimediasystems integierte Rückfahrkamera. Das MBUX mit Touchscreen lässt hinsichtlich Navigation, Infotainment und Kommunikation kaum Wünsche offen. Zudem ist die Rückfahrkamera samt Darstellung mit das Beste, was sich derzeit auf dem Markt befindet. Präzises Rückwärtsfahren wird dabei zum Kinderspiel.

Besonders Highlight: Weil die Rückfahrkamera hinten leicht übersteht und über ein extremen Weitwinkel verfügt, kann sie nach wenigen Zentimetern Fahrt in die querende Straße hineinschauen. Der Fahrer erkennt, ob es hinten frei ist.

Doch es ist nicht nur die Technik, die beim B-MC T 600 Laune macht. Die beiden Längseinzelbetten im Heck etwa sind zwei Meter lang und lassen sich mit einem Zwischenstück zu einer üppigen und bequemen Liegefläche verbinden. Eine kleine, fest installierte Klappleiter, die bei Nichtgebrauch in einer der beiden Aufstiegsstufen zu den zwei Einzelbetten verschwindet, schafft die Möglichkeit, ohne Anstrengung auf die große Liegefläche zu gelangen.

Irgendwo muss gespart werden: Das Bad leidet etwas unter den großen Betten. Es ist aber funktionell ausgestattet und bietet genügend viele Staumöglichkeiten.


Neben Abschnitten für die Bordtechnik hat der B-MC T 600 auch tiefe Staufächer.


Wohn- und Essbereich sind ausreichend geräumig, die Winkelküche bietet genügend Arbeits- und Abstellflächen. Der Kocher mit seiner Bedienung an der Küchenfront gefällt mit großen Brennerstellen. Die Schubladen laufen auf stabilen Auszügen und schließen selbst bei voller Beladung sicher.

Im Bad gilt: „knapp, aber funktionell“. Es ist durchgehend 190 Zentimeter hoch und umfasst reichlich Ablage- und Staumöglichkeiten. Ein Beispiel für praxisgerechte Ausstattung: Im hochgesetzten Spiegelschrank halten Gummizüge Shampoo & Co. an ihrem Platz, beim Öffenen fällt nichts heraus.

Bei dem üppigen Bettenmaß findet im B-MC T 600 kein raumhoher Kleiderschrank mehr Platz. Kleidung muss in den zwei Schränken unter den Fußenden der Betten links und recht untergebracht werden. Beide Schränke sind zwar sauber aufgeteilt und beleuchtet, den Komfort eines raumhohen Kleiderschranks bieten sie aber bei Weitem nicht.

Dafür besitzt der B-MC T 600 einen 36 Zentimeter hohen Doppelboden, in dem dank Vertiefungen reichlich Stauraum vorhanden ist. Dazu kommt eine gigantische Heckgarage, die vor allem sportlich Ambitionierte mit ihren ganzen Gerätschaften zu schätzen wissen.

MEIN FAZIT

Heiko Paul: Die Konstrukteure des Hymer B-MC T 600 haben ihren Fokus auf super Verarbeitung, tolle Betten und eine gigantische Heckgarage gelegt. Das heißt nicht, dass alle anderen Einrichtungssituationen unterdimensioniert wären. Aber Bad und Sitzgruppe machen bei dieser Ausrichtung Abstriche. Was sonst noch auffällt: Das Chassis mit Sprinter-Triebkopf gefällt, ebenso der robuste PUAL-Wohnaufbau und die soliden, vom Design her zurückhaltenden Möbel.